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Full text of "Pracht-Album photographischer Aufnahmen der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 : und der sehenswürdigkeiten Berlins und des Treptower Parks ..."

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696 
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PRACHT-ALBUM PHOTOGRAPHISCHER AUFNAHMEN 
DER 
UND DER 
SEHENSWÜRDIGKEITEN BERLINS UND DES TREPTOWER PARKS 
ALT-BERLIN, KOLONIAL- AUSSTELLUNG, KAIRO ETC. 
HERAUSGEGEBEN AUF GRUND DER ALLEINIGEN AUTOTYPIE-VERVIELFÄLTIGUNGSRECHTE SÄMMTLICHER 
PHOTOGRAPHIEEN DER GEWERBE- AUSSTELLUNG 
TEXT VON 
PAUL LINDENBERG 
UNTER MITWIRKUNG VON 
DE H. LICHTENFELT, PROF. LUDWIG PIETSCH, GEH.-RATH PROF. DE €. SCHEIBEER, JOH. TROJAN, 
BRORSDESERSVESVOGEFSR WALLE, ERNST WICHERT, DE B, ZINTERAFR ETC, ETC, 
VERLAG: 
THE WERNER COMPANY. 
BERLIN. 


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Nachbildung der Illustrationen und des Textes verboten, 


Uebersetzung in alle fremden Sprachen vorbehalten. 


THE WERNER COMPANY, CHICAGO. 
Verlag und Kunstdruckanstalt, 
Central-Bureau CHICAGO, 160- 174 Adams Street. 


Filialen in NEW YORK, PHILADELPHIA, BOSTON, LOUISVILLE, 
ST. LOUIS, CINCINNATT, PITTSBURGH, KANSAS CITY, 
MINNEAPOLIS, OMAHA, SAN FRANCISCO und LOS ANGELES, 


CAPSTADT, MELBOURNE, SIDNEY. 


Hauptbureau für EUROPA, BERLIN W., Equitable-Gebäude, Ecke Leipziger 
und 


riedrichstrasse, 

Filiale PARIS, 20 rue de la Chaussee d’Antin, 
Filiale LONDON S.W., ıza Cockspur Street. 
Filiale MADRID, 20 Paseo de San Vicente. 


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Geschichte unserer Stadt behalten wird! 


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verlästert, war es das wenig beachtete Stiefkind unter den werdenden übrigen Weltstädten und selbst den 


as sorgsam vorbereitete Werk im Treptower Parke ist nun fertig — unermüdlich wurde seit Jahren 


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an der Verwirklichung des grossartigen Planes gearbeitet und geschafft, rastlos waren Kopf und 
and zahlloser Menschen dafür thätig, immer schönheitsvoller und glänzender gestaltete sich die ursprüngliche 


ee aus, und nun, wo sie verkörpert vor uns steht, in fesselnd-imposantem Gewande, da dürfen wir mit 


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berechtigtem Stolz sagen, dass das Werk der neuen deutschen Kaiserstadt würdig ist, dass Berlins Industrie 


und Gewerbe, Kunst und Wissenschaft sich werth ihres Rufes gezeigt haben und mit dieser Ausstellung 


was Ganzes, etwas Grosses schufen, das als weithin sichtbarer Merkstein immerdar seinen Platz in der 


Schwer hat sich Berlin ja seine heutige, noch immer vielbeneidete, aber doch auch vielgerühmte 


ellung auf dem Erdenbilde erringen müssen; noch vor wenigen Jahrzehnten oft bespöttelt und noch öfter 


deutschen Residenzen. Berlin — es besagte wohl Straffheit und Manneszucht, Fleiss und Thätigkeit, aber 


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Stadt theils mit überhebender Ironie, theils mit einem gewissen Mitleid herab, man versprach sich von der 


an sah doch im Allgemeinen auf die inmitten des »heiligen römischen Reiches Streusandbüchse« gelegene 


Zukunft des Ortes nicht viel, man suchte ihn, zumal aus den südlicheren Provinzen, nur gezwungen auf und 


war froh, wenn man den Staub der wenig reizvollen Stadt wieder von den Kleidern schütteln konnte. 


Berlin selbst bekümmerte sich freilich wenig um all’ die Gehässigkeiten und Verdächtigungen, im 


Stillen arbeitete und schuf es weiter, ahnend, dass die Zeit kommen würde, wo die Augen einer ganzen 


Welt hierher gerichtet wären, wo man zeigen müsse mit Anspannung aller Kräfte, was man gelernt mit 


Emsigkeit und Zielbewusstsein, was man vermöge im Gefühl seines Könnens, was man vollbringe als 


Stadt der Arbeit und des Wissens, des Handels und des Wandels, die unter langer friedlicher Regierung 


thätige Fortschritte gemacht, weniger bemerkt nach aussen wie nach innen hin. 


Und die Zeit kam, es kamen die sechziger und siebziger Jahre mit ihren ungeahnten, ungeheuren 


politischen Erfolgen, einen kühnen, einen hohen Flug nahm der preussische Aar, und als er heimkehrte, 


da trug er die schimmernde Kaiserkrone auf dem Haupte und durfte seine Fittige schirmend ausbreiten 


über dem neugeeinten deutschen Volk, über einem durch Eisen und Blut unlösbar zusammengeketteten 


grossen deutschen Vaterlande! 


Aus dem einstigen kleinen Fischerdorfe war die deutsche Kaiserstadt geworden. Ueber Nacht fast 


waren ihr damit neue Ziele, neue Aufgaben erwachsen, nach allen Seiten hin reckte und streckte sich die 


Stadt aus, im Umsehen verdoppelte sich ihre Einwohnerschaft, wüste Aecker verwandelten sich in volkreiche 


Stadttheile, was verjährt und morsch war, wurde niedergerissen und erstand glanzvoll aufs neue, das bis- 


herige, alte, etwas enge und fadenscheinige Berlin, wie wir es noch auf einigen der Abbildungen unseres 


Buches sehen, verschwand mehr und mehr und machte dem neuen, glänzenden Platz, das bald mit seinen 


ii 


viel älteren Schwestern an der Seine, der Themse, der Donau den Wettkampf aufnahm und sie hierbei 
binnen kurzem in vieler Beziehung schlug. 

Aber nicht auf Aeusserlichkeiten allein legte man Werth, durch eine Fülle gesundheitsfördernder Ein- 
richtungen, durch Gründung neuer Unterrichtsanstalten, durch Förderung von Kunst und Wissenschaft hob 
man die Stadt in erheblicher Weise, auch Gewerbe und Industrie und Handel hielten gleichen Schritt und 
eroberten sich theilweise in machtvoller Art den Weltmarkt. Seit langem schon war das Bestreben zum 


Durchbruch gelangt, einmal öffentlich zu zeigen, was sie vermögen, was sie leisten, was Berlin in dieser 
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Hinsicht bedeutet, immer lauter wurden die Wünsche, immer stärker das Begehr, und so fand der Plan 
einer grossen Berliner Ausstellung einen lauten und sympathischen Widerhall. Wohl fehlte es nicht an 


gewichtigen Stimmen, die gern auf Berliner Boden gezeigt hätten, was ganz Deutschland, was andere 


befreundete Staaten auf den erwähnten Gebieten zu leisten vermögen, aber bei aufmerksamer Erwägung 
aller hier in Betracht gelangenden Factoren kam man doch auf die Berliner Ausstellung mit weitgezogenen 
Grenzen zurück. 


Und nun hat sie uns ihre Pforten geöffnet, und Staunen und Bewunderung erfüllt uns ob ihres farben- 


prangenden Gewandes und ihres reichen Inhaltes. Von beidem sollen die nachfolgenden Blätter eingehend 
erzählen. Heute aber darf man schon behaupten, dass diese Ausstellung gelungen ist, wie selten eine, 
dass sie überraschend wirkt durch ihre Grösse und Gediegenheit und dass sie noch späteren Geschlechtern 
zum Sporn und zur Anregung dienen wird als stolzes Wahrzeichen, was Berlin am Ende des neunzehnten 


Jahrhunderts zu schaffen vermocht! — 


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iner der anmuthigsten und idyllischsten Punkte nahe Berlins, so verdient 
mit vollem Recht der Treptower Park bezeichnet zu werden. Nicht zwei 
Jahrzehnte ist es her, da sah es hier wüst und öde aus; braches, mit niederem 
Buschwerk bestandenes Feld erstreckte sich zu beiden Seiten der Treptower 
Chaussee, pfad- und weglos lagen Aecker und Wiesen da, und mit Vorliebe 
suchte die Jugend der südöstlich gelegenen Quartiere unserer Stadt diese Gegend auf, um hier 


ungestört ihren Indianer- und Ritterspielen nachzuhängen. 


Als das gewaltige Wachsthum Berlins kam, als sich die steinernen Arme der Residenz immer weiter 
ausstreckten und Ländereien in ihr Gebiet zogen, auf denen noch vor kurzem die Pflugschaar die Erde 
aufgeworfen und der Sommerwind die goldenen Aehren meerartig hin- und herbewegt hatte, da war es 
Pflicht der Stadtverwaltung, an gewissen Stellen dieser ungeheueren baulichen Ausbreitung ein Halt zu 
bieten, um dem mächtigen Häusermeere neue „Lungen“ zu schaffen, neue Parkanlagen, in denen die Be- 
völkerung nach schwerem Tagewerk, wie an den Sonn- und Festtagen Erholung und Erfrischung, und die 
Jugend einen Tummelplatz für ihre frohsinnigen Spiele finden sollte. Diesem Bedürfniss verdankt auch der 
Treptower Park seine Entstehung, der sich heute würdig dem Thiergarten, den er an Grösse übertrifft, an 
die Seite stellt, und der sich im Umschen die Sympathien eines beträchtlichen Theiles unserer Einwohnerschaft 
erworben. Es war ein theures Kind für unsere Stadtverwaltung, diese neue Parkanlage, die vielziffrige 
Summen verschlungen, aber kein Schmerzenskind, denn auf dem bis dahin mehrfach sumpfig gewesenen 
Terrain sprosste und grünte es frisch und kräftig empor, die hierher verpflanzten Baumpartieen fassten schnell 
Wurzel und breiteten ihre Laubkronen immer weiter aus, mit schönstem, sammetartigen Naturteppich be- 
deckten sich die Wiesen, über die man zu den fernen Büschen und Hecken köstliche Fernblicke geniesst, 
hier und da unterbrochen durch seeartige Gewässer, von Schwänen und schnatterndem Entenvolk belebt, 
während vom Ufer her die Nachtigall ihre süssen Weisen erschallen lässt und tausende anderer gefiederter 
Sänger ihre fröhlichen Freikonzerte zum Besten geben. 


Kein Wunder, dass dieser Park gern von Alt und Jung, von Arm und Reich, von nah und fern 
aufgesucht wurde. Mit jubelnden Gesängen zogen an schönen Tagen in langen Zügen die Schüler und 
Schülerinnen der städtischen Schulen heran, um sich hier auf rasigem Grunde auszutollen, lächelnd sahen 
ihnen Eltern und Verwandte von lauschigen Ruheplätzen aus zu, Kranke und Sieche nahten, um in friedlicher 
Stille den Lärm und die Unruhe der gewaltigen Stadt zu vergessen, auf den weichen Pfaden längs der 
Chaussee tummelten Reiter ihre munteren Rösslein und in hellen Schaaren ergossen sich Spaziergänger und 
Spaziergängerinnen über alle Theile des Parkes, der namentlich an den festlichen Tagen von frohsinnigem 
Leben und Treiben wiederhallte. 


Dann plötzlich, im vergangenen Frühling war es, erschienen in einzelnen Gruppen Männer, die mit 


bedächtigen Mienen hier und da und dort Messungen anstellten, Grundrisse entrollten und sie mit den Park- 


landschaften verglichen, immer häufiger kamen sie und in ihrem Gefolge brachten sie schliesslich ein Heer 


von Arbeitern mit, die Pfähle einrammten, Gitter zogen, Zäune errichteten und die durch Pflöcke lange 
Strecken bezeichneten, auf denen alsbald Architekten und Baumeister immer neue Ausmessungen vornahmen 
und mit Bauführern und Künstlern lange Berathungen hielten — war es doch endlich nach schweren 
Kämpfen, welche gedroht hatten, das ganze Unternehmen in lrage zu stellen, entschieden worden, dass 
hier im Treptower Park die Berliner Ausstellung ihren Platz finden sollte. 


Und von nun an war es mit dem Treptower Idyll vorbei! Schwerfällige Wagen rollten heran und 


liessen breite Spuren auf ihren Pfaden zurück, ganze Stein- und Zimmerplätze entstanden, Schaufel und Spitz: 
hacke wurden überall in Bewegung gesetzt, hier rodete man aus, dort pflanzte man an, da, wo sich bisher 
die Jugend umhergetummelt, grub man einen breiten See, Terrassen wurden aufgeworfen, Eisenbahnschienen 
wurden gelegt, auf denen flinke Miniaturlokomotiven zierliche Wagen, mit Sand und Geröll und Bau- 
materialien beladen, nach allen Richtungen hin beförderten, weit über die Bäume ragten plötzlich die schon 


an anderem Orte fertiggestellten eisernen Rippen der Haupt-Ausstellungshallen empor und zwischenhinein 


fügten sich die breiten Glasfächen, Thackeray’s Verse von neuem bewahrheitend, in denen er das Entstehen 


der ersten Londoner Weltausstellung geschildert: 


S8 
„Noch gestern wüst und öde lag 

Jie Gegend, die der muntren Schaar, 

Der Reiter Tummelplatz nur war, 

Und jetzt mit einem Mal! 

Als wär's durch einen Zauberschlag, 

Srhebt ein Bogen sich von Glas 

Gleich einem Springquell aus dem Gras 


Und glänzt im Sonnenstrahl! 


16 
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Während auf diesem Treptower Gebiet hunderte fleissiger Hände tagein tagaus beschäftigt waren, 


um das äussere Gewand der Ausstellung fertigzustellen, herrschte in den Ausstellungsbureaus der Stadt 
die gleiche fieberhafte Thätigkeit, um das Werk zum Gelingen zu bringen, von dem in der ganzen weiten 
Welt das Plakat mit dem Hammer. in der nervigen Faust, andeutend, wieviel schwere Arbeit zum Gedeihen 
der harten märkischen Erde beigetragen, die Kunde bereits verbreitet hat, unterstützt von der wirk- 


samen Arbeitskraft des Presse-Bureaus, welches seine, das mählige Fortschreiten der Ausstellung schildernden 


Mittheilungen als gedruckte Sendapostel in alle Lande geschickt. Und das Echo blieb nicht aus, neue An- 
meldungen liefen in Fülle zu den bisherigen ein, und bald schon musste man besorgt einem »Zuviel« vor- 


beugen, um die Ausstellung, deren lokaler Rahmen sowieso schon weit genug gesteckt war, nicht ins Endlose 


wachsen zu lassen. Zugleich aber mehrten sich vom In- und Auslande die Sympathiekundgebungen für das 
grossangelegte Werk, und mit wachsender freudiger Zuversicht durften seine Unternehmer dem erfolgreichen 
Gelingen desselben entgegensehen. 

Von wem geht nun diese Ausstellung aus, was will sie bedeuten, mit wessen Hülfe wird sie errichtet? 
Wie oft mögen diese Fragen von den ungezählten Tausenden der Besucher, die im Laufe der letzten Monate 
mit reger Wissbegierde das Fortschreiten der Ausstellungsarbeiten persönlich in Treptow oder auch nur aus 
der Ferne beim Lesen ihrer Zeitungen verfolgt, gestellt worden sein, ohne die richtige Antwort zu finden. 
Diese Berliner Gewerbe-Ausstellung ist einzig und allein aus der Bürgerschaft unserer Reichshauptstadt 
heraus entstanden, die auch die erforderliche materielle Grundlage dazu, mit Ausnahme eines verhältnissmässig 
sehr winzigen Zuschusses der Stadt, gegeben. 

Ehe wir auf die Entstehung des Planes und seine Verwirklichung näher eingehen, ist es nöthig, 
einen kurzen Rückblick auf die bisher in Berlin veranstalteten gewerblichen Ausstellungen zu werfen, die 


ädte. Die 


grösseren deutschen Provinzs 


geringer an Zahl’ und selbst Bedeutung sind, wie in manchen der 


erste derartige Berliner Ausstellung fiel in das Jahr 1822 und war, wie ihre Nachfolgerin, vom preussischen 


Staat angeregt worden; sie wurde in einer Reihe von Sälen und Zimmern des in der Klosterstrasse 


Kaiser Wilhelm Il. 


Nach einer Photographie von E. Bieber, Berlin. 


zu 


Gesammtansicht des Ausstellunc 


Nach einer Zeichnung 


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FETTE 


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s-Perrains aus der Vogelschau 


von Ewald Thiel. 


gelegenen Gewerbehauses abgehalten und war nur von 176, meist. aus den Provinzen stammenden Aus- 


stellern mit kaum tausend Gegenständen beschickt. Eine ähnliche geringe Betheilisung wies die zweite 


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Ausstellung vom Jahre 1827 im Akademiegebäude Unter den Linden auf, an der sich wenig über 200 Aus- 


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steller betheiligten. Man war in den weitesten Kreisen des Ausstellens noch ungewohnt und vermochte keine 
Vortheile darin zu erblicken. Viele scheuten die Kosten, Andere waren mit dem Absatz ihrer Waaren zu- 
frieden und es lag ihnen bei ihrem kleinbürgerlichen Horizont garnichts an einem grösseren Wirkungskreise, 


wieder Andere hüteteten sich ängstlich, den Konkurrenten ihre Muster und Fabrikate zu zeigen. Weit 


resultatreicher war die erste allgemeine deutsche Gewerbe-Ausstellung vom Jahre 1844, die in den Räumen 


des Zeughauses 3000 Aussteller, davon viele aus den Provinzen und den deutschen Staaten, auch den 


süddeutschen, vereinte, und die während ihres zweimonatlichen Bestehens von einer Viertelmillion Menschen 
besucht wurde. Der materielle Ertrag stand allerdings nicht im Verhältniss zu diesem allgemeinen Interesse, 
denn der Staat musste einen Fehlbetrag von zehntausend Thalern decken, der aber bei dem guten Erfolge 
eicht verschmerzt werden konnte. Den allgemeinen Eindruck jener „deutschen“ Ausstellung in Berlin 
schildern die Worte eines »gefeierten preussischen Staatsmannes«, die in der Vorbemerkung zu dem amt- 
ichen Bericht ihre Stelle gefunden: »Unser Zeughaus, sonst nur gewohnt im Schmuck der Waffen und 
Trophäen zu prangen, es sieht mit freudigem Erstaunen seine weiten Hallen überfüllt mit Erzeugnissen Deutschen 
Gewerbefleisses, welche von keiner Zollschranke gehemmt, aus allen Gauen unseres schönen grossen Vater- 
andes herbeigeströmt sind, als stumme, aber dennoch beredte Zeugen Deutschen Fortschritts in den Künsten 
des Friedens, Deutscher Einigkeit, Selbstständigkeit und Beharrlichkeit. Seine alte Inschrift: ‚terrori hostium, 
utelae suorum‘, sie hat einen neuen weiteren Sinn gewonnen. Denn wo es noch Feinde gäbe Deutscher 
Grösse, sie würden erschrecken, wenn sie hier gewahrten, wie gut das Deutsche Volk die vor dreissig: 


Jahren mit Strömen seines Blutes wieder errungene politische Selbstständigkeit benutzt hat, um sich auch in 


jeder anderen Beziehung frei zu machen von fremder Bevormundung und Willkür, wenn sie sich überzeugten, 


wie wir, fest auf eigenen Füssen stehend, auch den Kampf der materiellen Interessen nicht mehr zu ver- 
meiden, uns nicht mehr zu scheuen brauchen, unsere Häfen, Ströme und Märkte überall dorthin zu öffnen, 
wo man Gleiches mit Gleichem redlich zu vergelten bereit ist, oder auch uns abzuschliessen, wo man nur 
eine societas leonina uns bieten wollte!« 


Die Hoffnungen und Erwartungen jenes Staatsmannes aber sollten nicht so schnell in Erfüllung gehen, 


denn, wenn wir von einer kleinen lokalen Berliner Ausstellung im Kroll’schen Theater 1849 absehen, folgte 


eine lange ausstellungslose Zeit, bis uns erst das Jahr 1879 auf dem neu entstandenen Landesausstellun 


Platze am Lehrter Bahnhofe die Berliner Gewerbe-Ausstellung brachte, die 60000 Quadratmeter bedeckte 
und die gewerblichen Erzeugnisse von 1800 Ausstellern veranschaulichte.. Die Ausste lung bedeutete 
einen vollen Triumph der Berliner Industrie und machte die Schlappe der letzteren, welche diese zugleich 
mit der deutschen Industrie auf der 76er Philadelphiaer Ausstellung erlitten, in erfreulicher Weise vergessen. 
Nicht minder gut war der materielle Erfolg, da ein Ueberschuss von einer halben Million Mark erzielt wurde, 


der mit seinen Zinsen unserer jetzigen Ausstellung zu Gute gekommen ist. Aber auch sonst wirkte jene 


Ausstellung fördersam nach; die bei ihr betheiligt gewesenen gewerblichen und industriellen Kreise wandten 


sich mit wiederbelebtem Eifer und frischem Muth neuen und grösseren Aufgaben zu, in welch’ gedeihlicher 


und glücklicher Weise, das zeigte die Vertretung der Berliner Industrie und des Gewerbes auf 
Chicagoer Weltausstellung. 


der letzten 


Der eigenen Kraft nun wohlbewusst wurden in Berlin nach dem 1879er Treffer schon während der 


ersten Hälfte der Soer Jahre die Wünsche nach einer grossen deutschen oder gar Welt-Ausstellung im 


Bannkreise unserer Hauptstadt immer dringlicher und hatte man das Jahr 1888 dafür in Betracht gezocen: 
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auch die »Vereinigung von 1879«, seitens jener Industriellen gebildet, welche die besagte obige Berliner 


Ausstellung so erfolgreich durchgeführt hatten, trat mit ihrer bedeutsamen Stimme für den Plan ein, der 


10 


dann aber durch die traurigen Ereignisse, von denen unser Kaiserhaus betroffen wurde, in weitere Ferne 
rückte. Nun nahm man das Jahr 1896 in Aussicht, das Jubeljahr, das uns nach blutigem Kampfe des 


deutschen Reiches neue Herrlichkeit geboren, und von neuem erhoben sich die erregten Rufe im Streite, 


ob nur eine Berliner Ausstellung, eine deutsche oder eine Welt-Ausstellung zu veranstalten sei, und an allen 


nur möglichen Vorschlägen war kein Mangel. Schon drohte die Uneinigkeit alles zu zerstören, da trat im 


Dezember 1892 das Präsidium des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller mit einem fester gegliederten 


Vorschlage in die Oeffent- 
lichkeit, den wir hier in 


seinem Wortlaut folgen 
lassen, da er zuerst der 
Ausstellung bestimmte 
Wege wies: »Alle sind 


wir darin einig, dass wir 


eine deutsche Auss ellung 
lieber sehen würden als 
eine Berliner Ausstellung. 
Wir haben dies für kun- 
dige Männer und für die- 
jenigen, die es angeht, 
verständlich dadurch aus- 
gedrückt, dass wir uns 
nicht für eine Berliner 
Ausstellung, sondern für 
eine Ausstellung in Berlin 
erklärten. Diese vor- 
zubereiten, verlangt auch 
das uns ertheilte Mandat. 
Von uns aus können wir 
indessen nur die Berliner 
Industrie, das Berliner 
Gewerbe etc. einladen, 
wobei allerdings der Rah- 
men so weit gespannt 
werden kann, dass auch 
alle in Berlin irgendwie 
vertretenen Firmen Raum 


finden. Was darüber hin- 


neck 
Be. 


Prinz friedrich loeopold von Preussen 


Protector der Berliner Gewerbe-Ausstellung 


Nach einer Photographie von E. Bieber, Berlin. 


ausgeht, das ist nicht 


ohne Mitwirkung der 
Reichsregierung thunlich. 
Doch glauben wir, dass 
die Berliner Ausstellung 
auf der von uns ange- 
gebenen Grundlage sich 
kaum mehr als dem Na- 
men nach von einer deut- 
schen Ausstellung unter- 
scheiden würde. Immer- 
hin verkennen wir die 


moralische Bedeutung 


dieses Unterschiedes nicht 
und würden glücklich sein, 
wenn es uns vergönnt 


Werk 


auch 


wäre, an einem 
mitzuarbeiten, das 
schon durch den Namen 
sich als ein nationales 


präsentirt. Dies lässt sich 


jedoch nicht allein von 
hier aus erreichen, das 
muss in der Hauptsache 
durch die Initiative der 
Handels- 


korporationen in den Pro- 


und Gewerbe- 


vinzen und im Reiche her- 
beigeführt werden. Wenn 
diese, jede für sich, ein- 


dringlich und lebhaft und 


nachhaltig gehörigen Orts vorstellig werden, so werden sie sicherlich an massgebender Stelle geneigtes 


Gehör und entgegenkommende Bereitwilligkeit finden, und dann wäre der Weg zur Erlangung einer noch 


breiteren Basis für die Ausstellung nicht mehr weit.« 


Die im zweiten Theile des Schreibens vorgeschlagene Agitation für eine allgemeine grosse deutsche Aus- 


stellung ward bald hinfällig, nachdem die deutsche Reichsregierung wie preussische Staatsregierung die bündige Er- 


klärung abgaben, dass sie einer nationalen Ausstellung nicht fördersam gegenüber stehen. Sokam man mehr und 


mehr zu dem Entschluss, eine erweiterte Berliner Ausstellung im Frühjahr 1896 ins Leben zu rufen, und nachdem 


derselbe erst gefasst war, ging man mit aller Energie daran, ihn so grossartig wie möglich zu verwirklichen. 


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2* 


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Drei Männer waren es vor allem, die ihre ganze Kraft und Hingebung dem grossen Werk, dessen 
Protectorat der Vetter unseres Kaisers, Prinz Friedrich Leopold von Preussen, und dessen Ehren-Präsidiuni 
der preussische Minister für Handel und Gewerbe, Freiherr von Berlepsch, übernommen, widmeten: Com- 


merzienrath Fritz Kühnemann, dem schon die 79er Ausstellung viel ihres Gelingens verdankte, Geh. 


Commerzienrath L. M. Goldberger und Baumeister Bernh. Felisch, welche den Arbeits-Ausschuss, 
gewissermassen den Kopf des gewaltigen Unternehmens, bilden, dem sich als Rumpf der geschäftsführende 
Ausschuss, aus siebzehn Verfügung und bewilligte 
den verschiedensten Stän- = sechs Millionen Mark, die 
den angehörenden Herren, indirekt — Pflasterung 
anschliesst, während der von nach der Ausstellung 
Gesammt-Vorstand aus führenden Strassen, Neu- 
über hundert Mitgliedern resp. Umbauten von 


besteht, zu denen sich Brücken, Bau des Pa- 


noch die Vorsitzenden der villons der Stadt Berlin 


dreiundzwanzig Gruppen, und Anschaffung der 


in welche die Ausstellung Ausstellungsgegenstände 


zerfällt, angliedern, und etc. — mit der Ausstellung 


unter jedem Gruppen- in Verbindung stehen, wie 


Vorsitzenden soundsoviel auch die Eisenbahn 
2'/, Millionen Mark für 


Erweiterung des Verkehrs 


Herren, welche auf dem 
speziellen Gebiete der be- 


treffenden Gruppe erfah- zur Ausstellung und Er- 


ren sind, ihre Thätigkeit richtung eines besonderen 


entfalten. Bahnhofes ausgeworfen 


Die finanzielle Grund- hat. 


lage der Ausstellung bil- Hierzu gesellen sich 


det der vier und eine 
halbe Million Mark betra- 


an Einnahmen: aus Pacht- 


verträgen (feste Einnah- 


gende Garantiefond, der men und voraussichtliche 
in Antheilscheinen zu Erträge) ı 297 000 Mk., 
tausend Mark schnell in an Plakatmiethen 
den Berliner gewerblichen 870000 Mk., (ausser 
und industriellen Kreisen — - — dem Gewinn bei dem Ver- 
aufgebracht wurde. Freiherr von Berlepsch kauf von Loosen und zu- 
350000 Mark stellte un- Königlich Preussischer Minister für Handel und Gewerbe züglich des Beitrages 


Ehren-Präsident der Berliner Gewerbe-Ausstellung 


sere Stadtverwaltung dem der Stadt Berlin mit 
Nach einer Photographie von E. Bieber. 


Ausstellungscomite zur 300 000 Mk.) Beitrag des 
1ı87ger Ausstellungsfonds 52 000 Mark so dass, um den Ausgleich der Ausgaben und Einnahmen zu erzielen, 
mit einem Tagesbesuch (auf 150 Tage) von ungefähr 50 000 Personen gerechnet werden muss; denn die Aus- 
gaben beziffern sich auf fast 6'» Millionen Mark und zwar: Hauptgebäude ı 559 000 Mark, Chemiege- 
bäude 290000 Mk., Fischereigebäude 322 000 Mk., Gebäude für die Schule (Wohlfahrtseinrichtungen) 
132 000 Mk., Gartenbau 15 000 Mk., Gebäude für Gasindustrie 26 000 Mk., Verwaltungsgebäude 78 000 Mk 
Einzäunungen 35 000 Mk., Ausschmückung des Parks 221 000 Mk., Wegeüberbrückungen 100000 Mk 
Teichanlage und Wasserthurm 289 000 Mk., Be- und Entwässerung, Gas- und Wasserleitungen 250 000 Mk., 


Architekten, Baubüreau 200 000 Mk., Terrainpachtungen 75 000 Mk., Subventionirungen (Beiträge zur 


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Jauljloe] Jop ssnyassnye-sHoguye 


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Pflasterung an die Gemeinden Treptow, Rixdorf, zur Herstellung des Eisenbahn-Bahnhofes an die Eisen- 
bahn-Verwaltung, an die verschiedenen Gruppen und Innendekorationen) 510 000 Mk., Propaganda, Plakate, 
Plakatbilder incl. Inserate etc. 350 000 Mk., Uniformen, Möbel 100 000 Mk., Feuerwehr 80 000 Mk., 
Musik 100 000 Mk., elektrische Beleuchtung und Kraft: a) Gesammtkosten der elektrischen Beleuchtung 
der Hauptindustriehalle 215 000 Mk., b) Restliches; Maschinen und Kesselfundamente und Einmauerung, 


Kohlen, Wasser, Bedienung etc. 535 000 Mk. bis 750 000 Mk., Wege, gärtnerische Anlagen, Springbrunnen 


160 000 Mk., diverse kleine Gebäude 87 000 Mk., Kesselhaus und Schornsteine 60 000 Mk., Versicherun- 


gen 80000 Mk., Personal etc. 300000 Mk., Wiederherstellung des Parkes 100000 Mk., Allgemeines 


und Unvorhergesehenes ır0o 000 Mk., in Summa 6 379 000 Mark. 

Nun aber nach diesem kurzen Ueberblick begleitet uns hinaus nach dem Ausstellungsplatz, lasst uns 
schauen, was dort in emsiger Arbeit mit unermüdlicher Thatkraft geschaffen wurde, lasst uns eingehend 
jenes grosse, glänzende Werk betrachten, das nicht nur Berlin, das nicht nur unserem engeren Heimathlande, 


das ganz Deutschland zum Ruhme, zur Ehre, zum Vortheil gereichen soll und wird! 


14 


DIE ERÖFFNUNG. 


j as war ein denkwürdiger Tag für Berlin, dieser 7. Max 1896, 


an welchem das grosse Werk im Treptower Parke feierlich 


eröffnet ward! Ein Tag, der mit seinem fröhlichen und würdigen Glanze noch lange nachleuchten und einen 


Markstein in der Geschichte unserer Reichshauptstadt bedeuten wird, ein Tag des Triumphes werkthätiger 


Arbeit, ernsten Könnens, grossen Erreichens! 


Ganz Berlin prangte im Flaggenschmuck an diesem ı. Mai, festlich flatterte und wehte es von den 


Dächern, den Balconen, den Fenstern herab, in allen Farben unserer deutschen Bundesstaaten, und auch 


die Fahnen befreundeter Nationen mischten sich dazwischen, jener Nationen, die uns 
Monate manche Beweise der Sympathie für unsere Ausstellung gegeben. Besondere 


Zufahrtsstrassen zur Ausstellung angelegt; hochragende Flaggenmasten säumten in k 


im Laufe der letzten 
n Schmuck hatten die 


urzen Zwischenräumen 


die Fahrwege ein, an mehreren Hauptverkehrspunkten erhoben sich Guirlandenthore sowie massive Obelisken, 


mit Trophäen geziert und mit frischen Blattpflanzen in den sie krönenden Vasen, und auch hier auf dem 


endlos weiten Wege Fahne an Fahne, Banner an Banner, vielfach auch Kränze und Gu 


Decorationen, welche die freudige Theilnahme der Bevölkerung zum Ausdruck brachten. 


ürlanden und sonstige 


Selbst der uns vordem wenig gnädig gewesene Himmel hatte sein liebenswürdigstes Gesicht auf- 


gesteckt. Goldiger Sonnenschein fluthete hernieder und hüllte in sein sprühendes Strahlengewand die Aus- 


stellung ein, die, zumal in dieser blendenden Gewandung, einen überraschend stolzen und gefälligen Eindruck 


8) 


machte. Mit geradezu übermenschlichen Kräften war in den letzten Tagen auf das emsigste geschafft und 


gewirkt worden, um die Fertigstellung möglichst zu vollenden, und woran man noch zwanzig, noch zwölf 


Stunden vorher gezweifelt, es war gelungen: im Grossen und Ganzen stand die Auss 


ellung fertig da, und 


wenn auch hier und da noch etwas fehlte, das Gesammtbild konnte dadurch nicht beeinträchtigt werden! 


Das war auch die Ueberzeugung all’ der Tausende, deren Zielpunkt vom frühen Morgen an die 


Ausstellung gewesen, Damen und Herren in festlichen Toiletten, welche die Pfade und 


Ausstellungsgebietes mit flottem Leben und Treiben erfüllten und sich besonders auf 


Plätze innerhalb des 


dem Rondel vor dem 


Hauptgebäude zusammendrängten, um der Ankunft des Kaiserpaares beizuwohnen, durch dessen Anwesenheit 


dieser Eröffnungstag wesentlich an Glanz und Bedeutung gewann. Wie hübsch und 


15 


festfreudig sah dieser 


NIIITT 
SI 


| = S 


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VIER 


IN AN 


ZATMADANAN 


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Ansichten aus dem alten Berlin. 


Das Königliche Palais. Domkirche. 


Charlottenburger Chaussee. 


Die alte Börse 
Hinter den Zelten. 


Opernplatz 
Gendarmenmarkt. 


Berlin vom Tempelhofer Berg aus. 
Akademie, Unter den Linden. 


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Ansichten aus dem alten Berlin. 


Schauspielhaus. 


Zeughaus. 


Unter den Linden. 


Königliches Schloss. 


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Pariser Platz 


Wilhelmsplatz. 


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Vorplatz aus mit seinen duftenden Blumenbeeten, seinen durch weissschimmernde Kunstwerke verzierten 
Springbrunnen-Anlagen und der bewillkommnend sich ausbreitenden Wandelhalle, auf welcher sich allmälig 
die zur Feier im Kuppelsaale Geladenen versammelten, während unten am Bassin eine Ehrencompagnie 
des 3. Garde-Regiments Aufstellung genommen, deren dunkle Uniformen sich lebhaft von dem frühlingshellen 
lintergrund abhoben. 

Das Kaiserpaar hatte den Wasserweg gewählt und hierzu den aus Potsdam herbeorderten schmucken 
kaiserlichen Dampfer »Alexandria« benutzt. Was war das für ein Jubel, als das schlanke Schiff auf der 
Oberspree erschien, an seinem Mast die purpurne Kaiserstandarte führend, während am Bug die Kriegsfahne 
wehte! Zahllose zierliche Ruderboote mit ihrer farbig costumirten Bemannung, flotte Segler, kleine und 
grössere buntbewimpelte Dampfer, bis auf das letzte Plätzchen menschenüberfüllt, belebten die Wasserfläche, 
und immer neue Hochs und Hurrahs erschollen von ihnen aus und fanden ihr Echo an den Ufern, wo 
gleichfalls tausende von Menschen standen und mit jubelnden Zurufen das Kaiserpaar begrüssten, das auf 
dem Vorderdeck des schneeigen Schiffes stehend, freundlich nach. allen Seiten hin dankte und von diesen 
begeisterten Huldigungen sichtlich überrascht schien. Ueberall von den Ufern her erscholl Musik, überall 
wehten Fahnen, in ein einziges Flaggengewand schienen die Bootshäuser der Ruder- und Segler-Klubs ge- 
hüllt, vor denen in langen Reihen die Vierer- und Achter-Boote lagen, welche auf ein gegebenes Zeichen 
an der »Alexandria« vorüberschossen. 

Kurz nach dreiviertel elf Uhr landete das kaiserliche Schiff, für das nahe dem gewaltigen Lloyddampfer 
»Bremen« ein langer, bekränzter Steg in die Spree gebaut war, in Treptow; von dem Lloyddampfer her 
erdröhnten einundzwanzig Salutschüsse, in welche sich das »Heil Dir im Siegerkranz« der Militaircapelle 
und der stürmische Jubel der Anwesenden mischte, die auch mit Tücher- und Hüteschwenken ihrer freudigen 
Erregung Ausdruck gaben. Vor einem weissen, innen roth ausgeschlagenen und auf seiner Spitze fliegende 
goldene Adler aufweisenden Festzelte, vor welchem ein Marine - Doppelposten die Ehrenwache hielt, wurde 


das Kaiserpaar, dem P 


rinz Friedrich Leopold als Protector und Handelsminister von Berlepsch als Ehren- 
präsident der Ausstellung entgegengeschritten war, von den Herren des Arbeitsausschusses empfangen und 
von ihnen sodann nach dem Hauptpalaste geleitet, auf dem ganzen Wege mit donnernden Hochs begrüsst. 
Der Kaiser trug die Uniform des I. Garde-Regiments, seine Gemahlin eine duftige, meergrüne Toilette mit 
reichen Perlen- und Silberstickereien, die auch der leichte Umhang zeigte; beide sahen frisch und wohl aus 


und liessen in froher Stimmung das sich ihnen darbietende festfrohe Bild auf sich einwirken. 


Im Kuppelsaale 


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es Hauptgebäudes hatten sich unterdessen die zur Feier Geladenen versammelt; 


alles, was Berlin an Namen und Rang enthält, war hier vertreten, die höchsten Reichs- und Staatsbeamten 
in ihren goldüberladenen, ordensbesäeten Uniformen, darunter die Staatsminister Miquel und von Boetticher 
sowie der Staatssecretair des Auswärtigen, Freiherr Marschall von Bieberstein, auch der greise Delbrück, 
welchem die deutsche Handelspolitik so viele fruchtbare Anregungen. verdankt, tauchte auf und neben ihm 


der ehemalige Kultusminister von Gossler, dann die fremden Botschafter und Gesandten, unter ihnen die- 


jenigen Russlands, Englands, Italiens und der Türkei, ferner hohe Offiziere, unsere ersten Gelehrten, Künstler 


und Schriftsteller, denen sich unsere verdienstvollsten Industriellen und Gewerbetreibenden, die Deputirten 
des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung mit ihren goldenen Amtsketten, die Architecten und 
Commissions-Mitglieder der Ausstellung u. s. w. anschlossen. 

Eindrucksvoll wirkte der hochragende Saal, durch dessen buntbemalte Glasfenster die Sonne ihre 
schimmernden Strahlen scheinen liess, die mit einer Aureole den unter der Figur der weisheitsvollen Athene 
errichteten Thron-Baldachin aus Purpursammet, in welchen goldene Adler gemalt waren, umwogten. Während 


man von draussen her den Präsentirmarsch der Ehrencompagnie vernahm, erschien der Gast des Kaiserhauses, 


Fürst Ferdinand von Bulgarien, in der Uniform eines bulgarischen Infanterie-Generals und unterhielt sich 


angelegentlich mit dem russischen und türkischen Botschafter, darauf auch andere Herren in die Unterhaltung 


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ziehend. Der Fürst, von kräftiger, dabei nicht unschlanker Figur, mit gebräuntem Gesicht, dem der kurze Spitz- 
bart und die scharfen, klugen Augen einen energischen Ausdruck verleihen, sah sehr sympatisch aus und 
erregte in hohem Grade das Interesse der Anwesenden, die ihn sich nach den vorhandenen Bildern wesentlich 
anders vorgestellt. 

Erwartungsvolle Stille jetzt, vom Orgelchor herab ertönt Richard Wagner’s von der Berliner Liedertafel 
gesungene Hymne »Heil dem Kaiser«, weit öffnen sich die Thüren, und als erstes Paar erscheint die Kaiserin 
mit dem Prinzen Friedrich Leopold, darauf der Kaiser mit der Prinzessin Friedrich Leopold, hinter ihnen 
viele Fürstlichkeiten, darunter der Fürst Ferdinand von Bulgarien, der Erbprinz von Sachsen-Coburg-Gotha, 
der Erbprinz von Hohenzollern, Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein, Prinz Max von Baden und 
andere mehr. Der Kaiser trat sofort auf den Fürsten von Bulgarien zu, ihm herzlich die Hand drückend 
und ihn mit warmen Worten hier in der Ausstellung bewillkommend, dann schritt er mit der Kaiserin die 


wenigen Stufen zum Podium empor und nahm unter dem Baldachin links von seiner Gemahlin Aufstellung. 


Zum Wort gelangten die drei Mitglieder des Arbeits-Ausschusses, die sich mit unermüdlichem Eifer 


und nie rastender Arbeitskraft die grössten Verdienste um die Ausstellung erworben. Als erster Redner 
sprach Herr Kommerzienrath Kühnemann zum Kaiser gewandt: 


»Das Werk, dem die gesammten Gewerbe unserer Stadt in opferfreudigem Wirken jahrelang ihre 


besten Kräfte geweiht — das Werk, das selbstlose Bürger zu fördern suchten mit deutschem, hingebendem 
Fleiss — das Werk, das da künden sollte weit über die Grenzen unserer Heimath hinaus von der jugend- 


Und hat 


gen Augenblick durch die 


frisch emporgeblühten Stadt, ihrer Schaffenslust und thätigen Kraft: das Werk, es ist vollende 


es auch manche Stunde heisser Mühe gekostet, reich fühlen wir uns in dem jetz 


Gnade belohnt, dass Ew. Majestät uns beehrt haben, in höchsteigener Person der Eröffnung beizuwohnen. 
Der Enkel ist erschienen, um dem Werk seine Weihe zu geben, welches das Gedächtniss seines hochseligen 
Grossvaters feiern soll, jenes ruhmgekrönten Herrschers, der die Sehnsucht der Besten der Nation erfüllte, 
der uns ein grosses, ein freies, ein starkes Deutschland schuf. 235 Jahre sind vergangen seit jenen welt- 
geschichtlichen Ereignissen, Kaiser Wilhelm der Grosse weilt nicht mehr unter uns; doch wie man seiner 
gedenkt, das zeigten in ergreifender Weise die Jubelfeste, welche die Deutschen in ihrer Heimath und 
allüberall, wo die deutsche Zunge klingt, sich eins haben fühlen lassen in der Liebe zu dem grossen 
Dahingeschiedenen. Als Alldeutschland nur von dem einen Gedanken durchdrungen schien, seiner Freude 
über die wiedererlangte Einheit Ausdruck zu geben, so einmüthig, so überwältigend-grossartig, wie es die 
Welt noch nicht gesehen, da entstand auch in Berlin der Gedanke, jene Tage hoher Weihe nicht ohne 
würdige Feier vorübergehen zu lassen, Ihm, der gelobte: ‚Allzeit ein Mehrer des Reiches zu sein an den 
Gütern und Gaben des Friedens‘ sollte ein Friedensdenkmal errichtet werden, um Zeugniss abzulegen von 


em Dank seiner Nation. 


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Nichts kleines ist es, wenn ein Volk solches seinem ersten Kaiser bekunden will. Verlockend schien 


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aher der Plan, zu friedlichem Wettstreit die Völker der Welt zu laden, auf dass es offenbar würde, wie 
das junge Deutsche Reich sich nicht nur den Lorbeer des Sieges gepflückt, dass es auch die Palme des 
Friedens errungen — doch es sollte nicht sein. Und wieder hoffte man, die geeinten deutschen Lande 
möchten sich die Bruderhand reichen, gemeinsam den fremden Nationen ihr eigenes Können zu zeigen — 
das Geschick hat es anders gewollt. 


Da besann Berlin sich seiner selbst. Nicht umsonst macht es Anspruch darauf, die erste Industrie- 


stadt der Welt zu sein, die ihre Grösse nicht der Gunst der Verhältnisse verdankt, sondern der Einsicht, 


der Arbeitskraft und dem Fleiss ihrer Bürger. So that Berlin sich denn zusammen, Gewerbe und Industrie 


vereinten sich mit Kunst und Wissenschaft, und ihrer Bemühung Lohn ist dieses Werk, das als strahlendes 


Symbol rastlosen Bürgerfleisses gelten kann, berufen, den Ruhm der Stadt zu mehren, die sich mit Stolz 


Ew. Majestät Residenz- und Hauptstadt nennt. 


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Und da auf Berlin als solche die Augen der Welt sich richten, erweiterten wir nach Möglichkeit den 
beschränkten Rahmen einer Lokalausstellung, um höheren Zwecken zu dienen. Gern boten wir Raum der 
deutschen Fischereiausstellung, die — glanzvoll bei uns vorgeführt — in die weitesten Kreise den un- 
endlichen Schätzen des Meeres Eingang verschaffen und sie zur wahren Volksnahrung erheben soll. — Mit 
Freuden begrüssten wir die deutsche Kolonial-Ausstellung, von der wir Erweiterung und Vertiefung ihrer 
hohen patriotischen Aufgabe erhoffen. Noch anderen Zweigen deutschen Gewerbelebens öffneten wir unsere 
Pforten, sobald Berlin ihr Sitz war. 

Wer ein hohes Ziel erstrebt, darf vor keinem Hinderniss zurückschrecken, und gar viele galt es bei 
diesem unserem Werk zu überwinden. Doch es war ein freudiges Ringen und der Geist froher Zuversicht 


durchwehte die Reihen der mannhaften Kämpfer. Fühlten wir alle uns doch getragen von dem Hochgefühl: 


!w. Majestät will uns wohl. Haben schon zu allen Zeiten, in Kriegsnoth und Friedensglück, die Hohenzollern 


ihre mächtige Hand schirmend über unsere Stadt gebreitet, so haben Ew. Majestät der Ahnen Ueberlieferungen 
bewahrt, und in dem jetzigen Augenblick fühlen wir doppelt und dreifach die Verpflichtung ehrerbietigsten 
Dankes und tiefster Ergebenheit. Ew. Majestät geruhten unserem Werk sein gnädigstes Wohlwollen zu spenden, 
bewiesen uns oft und wiederholt die gütigste Theilnahme, verschafften uns den Beistand der Verwaltung und 
3chörden, dass der Weg zum Erfolg uns erleichtert wurde. Ja, mehr noch als dies. Unter die Zahl der 
Aussteller ist Ew. Majestät getreten, und verschiedene unserer Gruppen zeugen von der Allerhöchsten Huld. 


Unverzagt und froher Hoffnung schaut unser Blick der Zukunft entgegen, und nicht erschreckt uns, was sie 


ringen wird. Denn sicher vertrauen wir unserem Herrn, dessen Friedenspolitik allen Zweigen der Gewerbe für 


ange Zeit hinaus blühendes Gedeihen und stete Fortentwickelung verheisst. Drum spricht hier die Stimme des 


Volkes; drum dankt sie ihrem kaiserlichen Herrn; drum soll sie laut verkünden in jubelndem Widerhall: Se. Ma- 


jestät Kaiser Wilhelm er lebe hoch!« Jubelnd stimmten die Anwesenden dreimal in den Ruf ein und sangen den 


ersten Vers der Nationalhymne, den das philharmonische Blas-Orchester von der Galerie herab angestimmt. 
Als zweiter Redner drückte Herr Baumeister Felisch den Dank der Aussteller an den Prinzen 


Friedrich Leopold, den Protector der Ausstellung, aus: 


»Se. Kaiserliche Majestät haben die Gnade gehabt zu gestatten, dass ich Ew. Königliche Hoheit den 


Dank der Aussteller darbringe für die hohe Huld, mit der Ew. Königliche Hoheit das Protectorat über unser 


schönes Kulturwerk, hervorgediehen aus dem Gewerbfleiss der Stadt Berlin, übernommen haben. 
Königliche Hoheit! In unserem Vaterlande wird jedes grosse Werk unter den mächtigen Schutz und Schirm 
unseres allezeit geliebten und erhabenen Herrscherhauses gestellt. Dann erst empfängt es die rechte Weihe. 
Und so durften auch wir hoffnungsfreudig in die Zukunft schauen, als am 18. Oktober 1894 die 
frohe Botschaft eintraf, dass Ew. Königliche Hoheit mit Genehmigung Sr. Majestät geruht hätten, das Pro- 
tectorat zu übernehmen. 


Der 18. Oktober ist in Preussens Geschichte ein hoher Gedenktag; gab uns Gott doch an ihm einst den 


Kaiser Friedrich, jene lichte Heldengestalt, dessen Gedenken in deutschen Herzen nicht in Aeonen erlöschen wird. 
Königliche Hoheit sind der erlauchte Sohn des ruhmgekrönten Kriegshelden, der auf Frankreichs 


Erde die deutschen Söhne von Sieg zu Sieg geführt hat. 


Und Ew. Königliche Hoheit stehen heut an der Spitze eines gewaltigen Friedenswerkes und bethätigen 
damit wieder die Huld und Zuneigung, welche das erhabene Hohenzollernhaus stets dem vaterländischen 
Gewerbfleiss erwiesen hat. Wir aber erblicken darin ein glückverheissendes Zeichen, ein Zeichen, in dem wir 
siegen werden; ich bitte Ew. Königliche Hoheit dafür unseren ehrerbietigsten Dank entgegen zu nehmen.« 

Der dritte Redner war Herr Geheimer Kommerzien-Rath Goldberger, welcher den Dank an den 
Ehrenpräsidenten der Ausstellung, Staatsminister von Berlepsch, und die Stadt Berlin übermittelte: 

»Mit Ew. Majestät, unseres geliebten Kaisers und Königs huldvoller Genehmigung, die eine Aus- 


zeichnung ist für uns, wie für die, denen unser Wort gilt, damit ihnen Ehre werde, da sie Ehre verdienen: 


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Ein Fest der Arbeit ist es, das wir feiernd beginnen. Möge unser Werk vor dem Urtheil der Welt bestehen. 
Eine arbeitsfreudige und leistungsfähige Industrie, ein tüchtiger und zuverlässiger Kaufmanns- und 
Gewerbestand gehören zu den Grundpfeilern eines jeden Staats- und Stadtwesens, das gedeihen soll. Das 
hat das ruhmreiche Geschlecht der Hohenzollern und, dem erlauchten Beispiel nacheifernd, Berlins Stadt- 
verwaltung erkannt und der wirthschaftlichen Thätigkeit verständnissvollste Unterstützung angedeihen lassen. 
Dadurch, dass Preussens Minister für Handel und Gewerbe das Ehren- Präsidium der Ausstellung 
übernahm und überall fürsorglich fördernd uns zur Seite stand, war dem Werke freier Selbstverwaltung das 


Wohlwollen des Staates gesichert — die Stadt Berlin hat uns hochherzig den Boden gegeben, darauf wir stehen. 


Des Himmels Segen ruht seit Jahrhunderten auf den mit Weisheit begnadeten Fürsten dieses Landes 
und auf dem ausdauernden Fleisse seiner Bewohner. 

Was Berlin geworden und aus welchen Anfängen es hervorgegangen, das zeigt dieses Gelände in 
der Gegenüberstellung von Jetzt und Einst in lebendigem Bilde. Mit stolzer Genugthuung dürfen wir 
auf das Erreichte schauen, und vor Ueberhebung schützt uns die Erinnerung an der Vorfahren Verdienst, 
die in Noth und Drang und karger Zeit zu unserer mächtigen Gegenwart den Grund zu legen verstanden. 
So wurde des Reiches Mark zum Mark des Reiches, zu seinem Mittelpunkt, Berlin zu des Reiches erster Stadt. 

Berlins Vertretung ist den Verpflichtungen, die diese Grösse auferlegt, mit edler Freigebigkeit nach- 
sckommen. In unserem Werke zeige sich unsere Erkenntlichkeit. 

Im Namen der Ausstellung bringe ich dem Ehren-Präsidenten und der hochherzigen Stadt freudigen 
Sinnes innigsten Dank!« 


Jetzt trat der Minister von Berlepsch vor und bat den Kaiser um die Erlaubniss, die Ausstellung 


für eröffnet erklären zu dürfen. Der Monarch verneigte sich leicht und Minister von Berlepsch's Worte 
erklangen laut im Saale: »Im Namen Seiner Majestät des Kaisers erkläre ich die Berliner Gewerbe -Aus- 
stellung für eröffnet! « 

Der Chor stimmte Beethovens erhebende Weise »Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre« an, die 
Feierlichkeit war zu Ende. 

Das Kaiserpaar, von seiner nächsten Umgebung gefolgt, durchwanderte mit dem Fürsten von Bul- 
garien unter Führung der Herren des Arbeits-Ausschusses die Haupthalle und wandte sich dann dem malc- 
rischen Kairo zu, dasselbe mit hohem Interesse besichtigend und einer arabischen Fantasia beiwohnend. 
»Ich werde dem Khedive telegraphiren, wie sehr mir die Copie seines Kairo gefallen hat!« äusserte der 
Kaiser beim Abschied. Mit gleicher Theilnahme besuchten die hohen Herrschaften die Kolonial- Aus- 
stellung, von dem Innern der einzelnen Bauten Kenntniss nehmend, dann einem Kriegstanze der Massai 


zuschauend und den Bau eines Hauses seitens eines Trupps Kameruner Neger verfolgend. Ueber eine 


Stunde verblieb der Kaiser hier und meinte beim Fortgehen: »Zur Kolonial-Ausstellung können sich die 
Herren gratuliren, sie wird eine Hauptzugkraft werden.« Hieran schloss sich ein kurzer Besuch des Fischerei- 
gebäudes, des Pavillons der Stadt Berlin, wie des Gebäudes für Chemie, worauf sich das Kaiserpaar, dem 


überall stürmische Huldigungen dargebracht worden waren, nach dem Lloydschiff begab, um in dessen 


luxuriösen Salons das Frühstück einzunehmen. Mehrfach hier wie schon vorher äusserte der Kaiser seine 


grosse Befriedigung über das gelungene Werk und wie sehr er hoffe, dass es der Stadt wie ihren Bürgern 


zum Nutzen und Segen gereichen möchte. 


Ganz Berlin aber schliesst sich freudig diesem kaiserlichen Wunsche an, ganz Berlin, das in allen 


Theilen und Gliedern der Riesenstadt seine innigste Theilnahme an der Eröffnung der Ausstellung gezeigt, 


durch welch’ letztere sich die Residenz ein Ehrendenkmal von weittragender Bedeutung gesetzt hat! 


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o ist der Anfang, wo ist das Ende? Wie oft mag 


diese Frage zweifelnd und besorgt gestellt werden 


von vielen Jener, die zum ersten Male das Ausstellungs- Gebiet be- < 

treten, deren Blicke bewundernd und forschend zugleich umher- 

schweifen und deren Schritte zögernd inne halten, da sie nicht wissen, 

wohin sie dieselben zuerst lenken sollen. Ueberall ragen zwischen den dichten Baumgruppen mächtige und 
stolze Gebäude empor, hier wieder öffnen zahllose zierliche Pavillons ihre Pforten, da säumen Verkaufsstände 
aller Art die Wege ein, breite Wasserflächen dehnen sich aus und kreuz und quer ziehen sich an ihnen hin 
und von ihnen aus viele Pfade entlang. So Mancher, der sich im rauschenden Weltstadt-Getümmel sicher 
und behaglich fühlt, wird hier sich zunächst einer Empfindung des Fremd- und Verlassenseins nicht erwehren 
können und wird rath- und planlos umherirren, bald diese, bald jene Sehenswürdigkeit besuchend, um ermüdet 
inne zu halten und vielleicht — das Wichtigste nicht gesehen zu haben. 


Begleite er uns auf unserem flüchtigen Rundgange durch das gewaltige Ausstellungs-Terrain, es soll 
nur ein kurzer orientirender Spaziergang sein, um zu erforschen, was alles es hier zu beschauen giebt. Eine 
eingehende Beschreibung zu unseren vielseitigen, die Ausstellung in jeder Hinsicht erschöpfenden Abbildungen 
folgt ja später und wird auf das gründlichste diese erste Wanderung, die sich zunächst auf die eigentliche 
Ausstellung selbst beschränkt und dann an sie anschliessend die Neben-Ausstellungen berühren wird, ergänzen 
in Wort und Bild. 

Der Haupt-Eingang zur Ausstellung erfolgt von der Treptower Chaussee her, welche das grosse 
Gebiet in zwei Theile zergliedert, einen linken kleineren, der auf der anderen Seite durch die Spree begrenzt 
wird, und einen rechten grösseren, welcher seinen Abschluss durch die Köpenicker Landstrasse erhält. 


Diese Chaussee, für jeden nicht zur Ausstellung gehörenden Verkehr selbstverständlich gesperrt, erleichtert 


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sehr das Auffinden der einzelnen Gebäude, da man von ihr aus nach rechts und links jedes Ziel bequem 


erreicht, wenn man nicht die Benutzung der kleinen elektrischen Bahn vorzieht, welche in weiten Kreisen 
das umfangreiche Gebiet durchmisst. 
Von weitem schon kennzeichnet den Haupt-Eingang markig und freundlich zugleich das nach dem 


Entwurf Karl Hoffacker’s, der sich um die bauliche Zusammensetzung der Ausstellung die anerkennens- 


werthesten Verdienste erworben, aufgeführte 


CENTRAL-VERWALTUNGS- GEBÄUDE, 
welches die erwähnte Chaussee überspannt. Die Form ist die eines alterthümlichen Portalbaues, der wuchtig 
ansteigt und oben neben der schlanken, von breitem Ziegeldach unterbrochenen Giebelfläche eine luftige 


28 


Krönung durch zwei achteckige Thürmchen erhält, die keck und flott zum Himmelszelt emporragen. Durch 
eine laubenartige Vorhalle gelangt man zu dem einladenden Aufgang, von dem der Blick in den malerischen 
Innenhof fällt, und weiter in die einzelnen Räumlichkeiten, die drei Stockwerke füllen. Die nach der Stadt 
zu gelegene Front des Gebäudes hat von Max Seliger einen reichen, farbigen künstlerischen Schmuck erhalten, 
der den Triumph der Industrie darstellt; auch die anderen Seitenflächen sind mit ornamentalen Verzierungen 


geschmückt, die aus Wappen, Sprüchen u. s. w. bestehen. In diesem von Hoffacker entworfenen Gebäude 


sind die wichtigsten Ausstellungs-Bureaus untergebracht, wie die Platz-Inspection und das Propaganda-Bureau, 


die Räume der Architecten und Electrotechniker, der Betriebs-Inspection, der Kassen-Verwaltung, der Ge- 


8) 


schäftsstelle u. s. w. Die oberen Stockwerke enthalten den Sitzungssaal des Arbeitsausschusses, die Zimmer 
der einzelnen Mitglieder desselben und auch mehrere Privatgemächer, welche, falls nöthig, den Ausschuss- 
Mitgliedern, die oft bis zu später Stunde durch ihre Arbeiten hier festgehalten sind, einen Nacht-Aufenthalt 
gewähren. In umfassender Weise steht das Gebäude durch den Telegraphen und Fernsprecher mit allen 
wichtigen Punkten der gesammten Ausstellung in Verbindung, und es kann sich jeden Augenblick hierher und 
von hier aus eine Fülle von Nachrichten ergiessen. 

Von diesem Eintrittsgebäude, an dessen beiden Seiten Kassenschalter angebracht sind, gelangt man, 
etwa hundert Meter die Chaussee verfolgend und dann nach rechts abbiegend, in kürzester Frist zu 
dem mächtigen 


HAUPT-INDUSTRIEGEBÄUDE, 


das, wie schon in der Einleitung erwähnt, eine Grundfläche von 50000 Quadratmetern bedeckt und dem 


Architekten Bruno Schmitz seine ebenso gefällige wie zweckmässige Errichtung verdankt. Durchweg aus 
Eisenconstruction mit Drahtwandbekleidung hergestellt, macht es mit seinen drei stattlichen Kuppeln einen 
soliden, imposanten Eindruck; der Fussboden besteht aus Cement-Estrich, das Dach aus Holzbelag mit Pappe, 
das Oberlicht und die seitlichen Fenster werden von Eisengerippen gehalten, während die Wandelhalle und 
die Kopfbauten aus Holz mit Drahtputz bestehen. Dieser gewaltige Industriepalast setzt sich aus einem 


Lang- und Querschiff zusammen, über deren Vierung sich eine mit Aluminium bedeckte Kuppel in 50 m 


Höhe erhebt, flankirt von zwei 60 m hohen Thürmen, deren Dächer oleichfalls mit Aluminiumplatten ein- 
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gedeckt sind. Die Vorderfront dehnt sich in einer Breite von über 200 m aus, die seitlichen Längsschnitte 


betragen 245 m, die Länge des Mittelgebäudes 220 m. 


Vom Haupteingang erstreckt sich in leichtem Halbbogen nach rechts und links die äusserst practische 


Wandelhalle, die originelle Kopfbauten mit decorativ besonders reich verzierten Eingangsportalen an beiden 
Enden aufweist; diese Halle birgt neben Erfrischungsstätten jene Räume, wie Post, Auskunftsbureau, Wechsel- 
stube, Leschalle u. s. w, die zur Erledigung geschäftlicher Dinge bestimmt sind. Von dieser Wandelhalle 
gelangt man in die etwas tiefer liegende Mittelhalle, längs der sich je ı3 Seitenhallen von je 45 m Länge 
und 15 m Breite hinziehen, und an die sich wieder zwei grössere Seitenhallen von je 95 m Länge und 
25 m Breite schliessen, von denen man endlich zwei grosse, quadratförmige Umbauten erreicht. Die 
Construction ist kühn und graziös, im Ganzen wie im Einzelnen von trefflichster Wirkung, über den ver- 
schiedenen Seitenhallen deuten kunstvolle Friese auf die gewerblichen und industriellen Schätze hin, die 
allein in diesem einen Gebäude einige tausend Aussteller zur Schau und Prüfung gebracht haben. Ueberall 
ist für Licht und Luft gesorgt, und an ersterem fehlt es auch Abends nicht, da dann etwa achthundert 
Bogen- und Glühlampen ihren hellen Schein verbreiten. 

Durch einen Vorraum mit hübschem romanischen Brunnen gelangt man in den hochragenden Kuppel- 


saal, in welchem die weiter vorn geschilderte Eröffnungsfeier stattgefunden. Der weiss gehaltene Saal zeigt 


reichen figürlichen Schmuck in meist moderner Auffassung von August Vogel; in den Nischen sehen wir 
die Kunst, Wissenschaft, Industrie und Handel durch vier Götter- und entsprechende Nebenfiguren dar- 


gestellt, während sich oberhalb derselben von baumartigem Geäst in kerniger dekorativer Umrahmung die 


29 


\Vappen der Gewerke abheben, über welchen der Reichsadler schützend seine Fittige ausbreitet. Je zwei 
mächtige Relieffiguren, Fleiss und Treue, Friede und Stärke verkörpernd, sieht man zu beiden Seiten dieses 
Adlers, und hoch von der Kuppelwölbung leuchtet in goldenen Buchstaben der Spruch herab: »Arbeit ist 
des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis.«< Die von einer decorativen Galerie umgebene Wölbung 
der Kuppel ist lichtblau abgetönt und mit allegorischen Malereien versehen, welche im Verein mit den 
weissen Bildhauerarbeiten ein erfreulich-lebhaftes Ganzes bilden, in das sich passend die bunten Glasgemälde 
der Fenster oberhalb der Orgel fügen. 


In schneeiger Weisse, nur von den rothen Ziegeldachungen unterbrochen, glänzt auch dieser Haupt- 


Palast in seiner Vorderfront, deren Mitte die wuchtige Kuppel krönt, welche gleich den beiden Seiten- 


thürmen, mit schimmerndem Aluminium bedeckt ist. Schmucke Gartenanlagen, halbkreisförmig vor dem ge- 


waltigen Springbrunnen-Bassin zur Wandelhalle sich erstreckend, breiten sich vor dem Eingange aus, von 


dem man einen wundervollen, abwechslungsreichen Blick auf den von Gondeln und Motorbooten belebten, 
künstlich angelegten See (den bisherigen Hauptspielplatz im Park) geniesst, zu dessen Seiten sich schattige 
Alleen entlangziehen und an dessen anderem Ende sich das Haupt-Restaurant mit seinem stattlichen Wasser- 
und Aussichtsthurme erhebt, eingerahmt von prächtigen Parkpartieen, die das von dem Betrachten all’ der 


Schätze des Hauptpalastes müde Auge freundlich erquicken. 


Denn es giebt viel, sehr viel im Innern des riesigen Gebäudes zu betrachten: gleich links vom 


Kuppelsaal die Kostbarkeiten, die der Kaiser als Sportpreise verliehen und hier zur Ausstellung gebracht 


hat, rechts die herrlichen Erzeugnisse der Berliner Königlichen Porzellan-Manufactur. Schreiten wir den 
Mittelweg weiter, so finden wir vor uns ausgebreitet die Reichthümer der in Berlin sehr entwickelten 
Textil_Industrie mit herrlichen Seidenstoffen und Teppichen, Shawls und Tüchern, denen sich diejenigen 
der in höchster Blüthe stehenden Bekleidungs-Industrie anschliessen, welche über 500 Aussteller zusammen- 
getragen haben. Hier öffnet sich den Damen ein modernes Paradies, wie leuchten die Augen, wie glühen die 


Wangen beim Betrachten all’ der tausendfachen Mode-Herrlichkeiten, die sich hier in eleganten Schränken 


in staunenswerther Abwechslung ausbreiten, in einzelnen Theilen wie in ganzen Costumen, in Stoffen und 
Stickereien, in zarten Spitzen und wärmenden Pelzen, in Blumen und Federn, Schuhen und Handschuhen, 
und noch vielen anderen Dingen, welche die Evastöchter für unumgänglich »daseinsnöthig« halten. Eine 
sehr fesselnde und auch culturhistorisch interessante Unterabtheilung bildet die historische Trachtenausstellung, 


welche in zierlichen Modellen uns die Launen der Mode im Laufe dieses Jahrhunderts veranschaulicht, ob 


nun jene capricieuse Göttin ihr Scepter in Paris, in London, in Wien oder Berlin schwang. 


Setzen wir unsere Wanderung fort, so berühren wir die Gruppe des Dau- und Ingenieurwesens mit 
ihrer Fülle wichtiger Modelle, denen sich Proben von Baumaterialien sowie Bauinstrumente anschliessen, 
während uns an anderer Stelle die verschiedenartigsten Pflasterungen veranschaulicht werden, für die Strasse 
wie für den Bedarf der Häuser. Auch des Kirchenbaues ist gedacht worden und ferner, was das moderne 
Kunst-Handwerk für Wohnungseinrichtungen leistet, während das Hauptgebäude dieser Gruppe in mittel- 


alterlichem Stil Wand- und Springbrunnen, Statuen etc. vereinigt. Eine der sehenswerthesten Gruppen 


ist diejenige der Aolz-Iudustrie mit ihren vielen geschmackvollen, bald äusserst luxuriösen, bald ein- 
facher gehaltenen Wohnungs-Einrichtungen, sowie den hunderterlei dazugehörigen Einzelleistungen, die 
oft in schöner decorativer Umrahmung vorgeführt werden. Man erreicht diese Gruppe vom Kuppelsaale 
aus links, aber auch rechts von letzterem ist noch ein kleinerer Theil untergebracht worden, in der Nach- 
barschaft der Gruppe für Porzellan-, Chamotie- und Glas-Industrie, die trotz ihrer vielen musterhaften Er- 
zeugnisse doch ihre Krönung durch die schon vorhin erwähnte Ausstellung der Königlichen Porzellan-Manu- 
factur erhalten hat, welche zu den blendendsten Schaustücken der gesammten Ausstellung gehört. Weiter 


berühren wir noch die Gruppe der Aurz- und Galanteriewaaren mit schönen kunstgewerblichen Arbeiten 


30 


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auf den Gebieten der Lederwaaren-, der Elfenbein-, der Holz- und Bronce-Industrie wie der Buchbinderei, 
und die vielumfassende Gruppe der Metall.Industrie, die allein sechs Seitenhallen einnimmt; was aus Gold 
und Silber, aus Eisen und Stahl, aus Kupfer und Zinn, aus Bronce und Aluminium herzustellen ist, ist hier 
vertreten, die herrlichsten Schmucksachen und schönheitsvollsten Tafelaufsätze, kunstreich getasste Edelsteine 
von sprühendem Feuer und blitzende Ordenssterne, dann wieder zahllose kunstgewerbliche und Gebrauchs- 
gegenstände aus den verschiedensten Metallen, mächtige Gruppen aus Bronce, von denen sich der Kunst- 
freund kaum zu trennen vermag, und schmiedeeiserne Thüren — aber man darf gar nicht erst in's Auf- 
zählen gerathen, man findet sonst leicht hier kein Ende. Erwähnen wollen wir nur noch der vielen Be- 
leuchtungsgegenstände, die in ebenso practischer wie decorativ wirksamer Art auf all’ die neueren Beleuch- 
tungsmethoden Rücksicht nehmen und die ihre Ergänzung in den sinnreichen Anlagen zur Zuführung des 


Gases und elektrischen Stromes finden. 


Wie würdig der Berliner Buch- und Kunsthandel zu repräsentiren versteht, zeigt uns die Gruppe 
der graphischen und decorativen Künste und des Buchgewerbes mit seinen kostbaren Schaustücken auf dem 
Gebiete der Gravirungen und Ciselirungen, mit seinen Bücherschätzen, seinen musterhaften Arbeiten der 
Holzschneidekunst, des Farbendrucks aus unseren ersten Buchdruckereien, welche erfolgreich mit den viel- 
gerühmten Leipzigs den Wettkampf aufgenommen haben. Stark beschickt wurden sodann die Gruppen der 
Musik-Instrumente, der Leder- und Kautschuk-Industrie, letztere mit stattlichen Gefährten aller Art, und 
der Papier-Industrie, deren einzelne Zweige uns in ihrer Herstellung auch practisch gezeigt werden. Dass 
Berlin seinen Ruf, die erste Industriestadt der Welt zu sein, mit Recht verdient, geht aus der von fast 
dreihundert Ausstellern beschickten Gruppe für Maschinenbau, Schiffsbau und Transportwesen hervor, 
welche auch die an das Hauptgebäude angeschlossene Maschinenhalle nebst zwei benachbarten halboffenen 
Hallen und einen grösseren, im Freien gelegenen Raum beschlagnahmt hat Alles, was zum Maschinenbau 
gehört, ist hier vertreten, von den unscheinbarsten Schrauben an bis zum pustenden Dampfkoloss, der viele 
hundert Pferdekräfte in seinem gigantischen Innern birgt, von der schmalen Eisenbahnschiene bis zur ge- 
waltigen Locomotive, von dem elektrisch betriebenen Pfluge bis zum kraftverkörpernden Wasserhebewerk, vom 


Putzlappen bis zur Pulsometer-Anlage zum Betriebe der grossen Fontaine vor dem Hauptpalaste. Und das 


dröhnt und stöhnt und braust und rauscht und tobt und wogt und surrt und schnurrt am uns herum, dass 
man sein eigenes Wort nicht verstehen kann, denn eine grosse Zahl der Maschinen befindet sich in emsiger 
Thätigkeit, und es heisst oft Achtung geben, um nicht mit einem der eisernen Ungethüme in unliebsame 
Berührung zu kommen. Nehmen wir nun noch Kenntniss von der Gruppe der Elektrotechnik mit den 


staunenswerthen neuesten Errungenschaften dieser modernsten der Wissenschaften, so ist unser Spaziergang 


durch dieses Hauptgebäude zu Ende und wir haben uns die Ruhe unter den Bogen der Wandelhalle bei 


irgend einer Erfrischung wohl verdient. 


Wie hübsch sitzt es sich hier draussen mit dem Blick aut den Park und seinen See! Melodisch 
plätschert der Springbrunnen, heitere Concertweisen erschallen ‘und frohgemuthes Leben umgiebt uns in 
stets abwechselnder Fülle. Wie das an uns vorüberwogt und -treibt, immer neue Gestalten erscheinen, 
fremde Sprachen klingen an unser Ohr, und eines stolzen Gefühls kann man sich nicht erwehren, dass, 
wenigstens für diesen Sommer, Berlin den Mittelpunkt der cultivirten Welt bildet und sein Lob überall er- 
schallt, jenseits der eisstarrenden Gebirge und jenseits des brandenden Weltmeeres, das Lob der einst so 
verachteten nnd verhöhnten kleinen Königsresidenz an der Spree! 


Doch nicht zu lange dürfen wir unsere Rast ausdehnen, es giebt ja noch so Vieles zu sehen und 


zu besuchen. Also neugestärkt nun wieder vorwärts und zwar biegen wir von der Wandelhalle rechts 


hinüber, eine kurze Strecke den Wandelgang durchmessend, der, wie sein Seitenstüick auf der rechten 
Seite, bei regnerischem Wetter gute Dienste thut. Kurz rechter Hand liegt das 


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GEBÄUDE FÜR GESUNDHEITSPFLEGE UND WOHLFAHRTSEINRICHTUNGEN, 
ERZIEHUNG UND UNTERRICHT, 


nach Hoffacker’s Entwurf errichtet und auf einem Raum von 3400 Quadratmetern eine breite Haupthalle 


und zwei grosse Querschiffe umfassend; das Gebäude wird in seiner Mitte von der electrischen Aus- 


Kairo: &ukkarijeh-Ötrasse. 


stellungsbahn durchschnitten und 
stellen oberhalb der letzteren breite 
Emporen die Verbindung her. Die 
Vorderfront ist in nordischem Holz- 
stil gehalten und endet in einem 
hübschen Giebelbau, welcher von 
zwei Ihürmen flankirt ist, die durch 
eine zierliche Galerie miteinander ver- 
bunden sind. Die über dem drei- 
theiligen Hauptportal befindlichen 
grossen Rundfenster lassen das Licht 
durch alterthümliche Malereien in 
das Innere fallen, das theilweise 
hübsche ornamentale Wandmalereien 
erhalten hat. Schon vor dem Eintritt 
in die Halle erläutern uns ihren theil- 
weisen Zweck die auf dem Vorplatze 
ausgestellten Zelte und Baracken der 
Charite zur Aufnahme Kranker und 
Verwundeter; im Innern sind die 
IVohlfahrts - Einrichtungen, unter 
ihnen die Special-Ausstellungen des 
Reichs-Versicherungsamtes und der 
Berufsgenossenschaften mit ihren Vor- 
richtungen zur Verhütung von Un- 
fällen und zur Errettung aus Le- 
bensgefahr, sowie des Reichsgesund- 
heitsamtes, in der zweiten Quer- 
halle untergebracht, ebenso die Aus- 
stellung zahlreicher Wohlthätigkeits- 
Vereine und der Feuerwehr; die 
vorderen Räume enthalten die Aus- 
stellungen der Lehranstalten, der 
ersten wissenschaftlichen wie der für 
die breiten Volksklassen berechneten, 


auch Normalschulklassen, ein Zeichen- 


saal und Schulbäder sind nicht vergessen worden. Von grossem Interesse sind die Ausstellungen der Schüler 


des Kunstgewerbe-Museums und der Kunstschule mit trefflichen kunstgewerblichen Arbeiten, darunter das 


wohnliche Ministerzimmer, sowie des Vereins für Handfertigkeits-Unterricht, dessen practische Ziele in den 


Berliner Schulen aufmerksame Berücksichtigung finden. 


54 


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Von diesem Gebäude setzen wir unsern Weg am .Karpfenteich entlang, von dessen Ufer wir viele 
Ausblicke auf die Hütten der Negerdörfer der Kolonial-Ausstellung und des nebenan sich alterthümlich 
aufbauenden früheren Berlin geniessen, fort, an der malerischen Spreewaldschänke vorbei nach dem Haupt- 
Restaurant, das sich, nach den Plänen von Bruno Schmitz errichtet, am Neuen See gegenüber dem Haupt- 
gebäude erhebt; halbrunde Hallen schliessen den beinahe achtzig Meter emporstrebenden kräftigen Thurm ein, 
dessen höchster Theil nicht nur als 


= . . | 
Aussichtsstätte dient, sondern der auch | 
| 


practischen Zwecken gewidmet ist und 


| 
zwar den Wasserkünsten der zu seinen 


Füssen liegenden Fontänen. 

Hinter dem Restaurant und zwar 
seitlich des Theaters Alt-Berlin ist 
nach den Plänen des Baumeisters 
Fritsche vom Verein für Feuer- 


bestattung ein 
KREMATORIUM 


erbaut worden, das von ernsten Baum- 
gruppen umgeben ist. In dem Vor- 
raum, in welchen man zunächst durch 
das schön ausgestaltete Portal ge- 
langt, deuten in Nischen aufgestellte 
Urnen die Ruhestätte an. Stimmungs- 
vollen Eindruck macht die Haupthalle 
mit ihrem eigenartigen künstlerischen 
Schmuck; vor dem Altar steht auf 
der in den unterirdischen Raum füh- 
renden Einsenkung ein Sarg, der nur 
zur Hälfte sichtbar ist, da sein all- 


mäliges Verschwinden angedeutet wer- 


den soll. 
Nahe diesem Krematorium hat das 


RIESEN-FERNROHR 


seinen Platz erhalten, welches von dem 
Astronomen F. S. Archenhold aus- 


gestellt wurde und seinen Namen 


durchaus verdient, denn es übertrifft 


in Bezug auf die Brennweite alle Fern- 


rohre der Welt. Das Fernrohr ragt 


Kairo: Moschee Kait-Bey. 


nicht, wie man es gewohnt ist, aus 
einem Kuppelraum hervor, sondern hat nur eine metallische Schutzhülse erhalten, die sich mit ihm bewegt. 
Das Fernrohr ruht auf einer sogenannten Polarachse, welche die Richtung der Weltachse hat und sich 
durch ein Uhrwerk im Laufe von vierundzwanzig Stunden um ihre eigene Mittellinie dreht; ist nun das 
Fernrohr auf diesen oder jenen Himmelskörper gestellt, so folgt es genau dem Laufe desselben, kann selbst- 
5* 
35 


verständlich aber auch durch eine leichte Handbewegung jede andere beliebige Richtung erhalten. An dem 
Fernrohr selbst finden erläuternde Vorträge und Demonstrationen statt, in einem Saale des Gebäudes werden 
den Besuchern die durch das Fernrohr aufgenommenen Bilder der einzelnen Himmelskörper veranschaulicht. 


Nicht weit brauchen wir zu gehen und wir haben den Platz der 
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MARINE-SCHAUSPIELE 


erreicht, welche auf einer Wasserfläche von etwa 10,000 qm stattfinden und zwar seitens eines Dutzend 
ca. vier Meter langer Fahrzeuge, welche auf das Getreueste den neuesten Schiffen unserer Kriegsmarine 
nachgebildet sind. Zur Bedienung jedes derselben genügt ein Mann, sie werden durch Electricität bewegt, 
besitzen electrische Scheinwerfer, lassen Raketen- und Leuchtkugelsignale steigen, verständigen sich gegen- 
seitig durch Flaggenhissung und können ein weniger mörderisches wie dröhnendes Feuer eröffnen, da 
einzelne dieser Miniatur-Panzer vierhundert Schüsse hintereinander abzugeben vermögen. Die Wasserfläche 
wird auf der einen Seite durch die Nachbildung eines Küstenforts und einer Hafenanlage abgeschlossen, 


auf der anderen erheben sich die terrassenförmigen Tribünen, die sich an eine halb coulissenartige Nach- 


ahmung der »Hohenzollern« anlehnen, deren weissleuchtender, hundert Meter langer Rumpf mit den beiden 


gewaltigen helibraunen Schornsteinen schon weithin sichtbar ist. Das Innere dieser Nachahmung dient 
Restaurationszwecken und zerfällt in einen grossen, im Barockstil prächtig gehaltenen Speisesaal, von dem 
aus man direkt auf das mit Takelage, Sonnensegel und Rettungsbooten versehene Deck gelangen kann, 


und in einen nicht minder formvollendet ausgestatteten Restaurationssaal, der an Luxus freilich durch den 


Kaiser-Salon, welcher für einen eventuellen Besuch des Monarchen bestimmt ist, noch bedeutend über- 


troffen wird. 


sse Gebiet des 


Sehr schön und stattlich wirkt das den Marine-Schauspielen benachbarte gr 


GARTENBAUES, 


welches neben mehreren sorgsam gepflegten Baumschulanlagen eine umfangreiche Zucht von Garten- und 
Zimmerblumen aufweist, unter der die Rosen sich besonders liebevoller Aufmerksamkeit erfreuen. Die 
Ausstellungshalle birgt neben zu Decorations- und Geschenkzwecken verwendeten Blumen Obst aller Sorten, 
dann Gartenbaugeräthe und wissenschaftliche Pflanzensammlungen, die theils von Krankheiten ergriffene 
Pflanzen zeigen, theils Seltenheiten vereinen. Zwei halboffene Hallen bieten den Topfpflanzen Unterkunft 
und an sie schliessen sich verschiedene Gewächs- und Treibhäuser an, nach den practisch bewährtesten 
Erfahrungen eingerichtet. 

Statten wir noch dem vom Baumeister E. Schmid monumental entworfenen Pavzllon des » Berliner 


Lokal-Anzeigers«, in welchem sich das Publikum von allen Geheimnissen der »schwarzen Kunst« durch den 


Augenschein aus nächster Nähe überzeugen kann und in dem interessanten, nach Pariser Muster einge- 


richteten Depeschensaal reiche Unterhaltung findet, einen Besuch ab, so sind wir mit unserer Wanderung 


durch diese grössere Hälfte des Ausstellungs-Gebietes fertig und können uns nun der linken Seite zuwenden. 


Hier stossen wir, kaum ist die Treptower Chaussee überschritten, sofort auf das 


CHEMIE-GEBÄUDE, 
welches auch die Gruppen für Optik und Mechanik beherbergt. Vom Architecten H. Grisebach entworfen, 
zeigt die 150 Meter lange Halle einen im Basilikastile gehaltenen kuppelgekrönten Ausbau, welcher mit seinen 


beiden, flott aufgesetzten, oben mit Galerien versehenen Thürmen jedoch nichts Schwerfälliges an sich hat. 


An diesem Ausbau, der zwei kräftig hervortretende Seitenflügel besitzt und an den sich als Fortsetzung 


eine langgestreckte Halle schliesst, zieht sich ein künstlerisch fein durchdachter und sorgsam ausgeführter 


36 


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Fries entlang, der uns inmitten einer Guirlande von Pflanzen und Blättern frohsinnige Amoretten zeigt, die 
auch in den in ihren unteren Theilen buntbemalten Fenstern wiederkehren. Das Innere ist absichtlich 
möglichst schmucklos gehalten, es birgt.an seinem westlichen Ende ein Amphitheater, welches als Hör- 
saal für volksthümliche Vorträge dient; behaglicher wirkt der Eintrittsraum, dessen Wände mit feinstilisirten 
Blattmustern in grüner Abtönung bedeckt sind. 
Berlin’s chemische Industrie zeigt sich hier auf der Höhe ihrer Entwicklung und Leistungsfähigkeit; 


die grossen Fabriken sind umfassend vertreten und werden uns theilweise im Betrieb vorgeführt, so die 


Puder- und Schminken-, die Seifen- und Lichtfabrikation. Ueberreich finden wir chemische Producte, ferner 


Mineralwasser, Farbwaaren, Parfumerien und Seifen; auch an zur chemischen Fabrikation nöthigen Apparaten 


und Geräthschaften ist kein Mangel. In besonderen Abtheilungen sind die beiden Gruppen: wissenschaft- 
liche Instrumente und Photographie untergebracht, die erstere zahlreiche chirurgische und optische Instru- 
mente und solche wiederum für Mechanik und Optik, für Laboratorien und gewerbliche Zwecke, die letztere 
neben den Sonder- und Collectiv-Ausstellungen unserer ersten Photographen auch die neuen Schnellseher 
und den photographischen Lichtdruck enthaltend. 


Nahe diesem Chemie-Gebäude erhebt sich das enorme 


KAISERSCHIEF »BREMEI 


des Norddeutschen Lloyd, mit seinem gewaltigen Vordertheil 50 Meter in die Sprec reichend, während sein 
Steuertheil in einem Schleusenthor endet, die Vorstellung erweckend, als ob das Riesenschiff gerade seinen 
Auslauf halten wolle. Es ist eine bis in’s Kleinste gehende Nachbildung der mächtigen, nach fernen Erd- 
theilen gehenden Lloyddampfer, nicht nur in seinem weissschimmernden Aeussern, sondern auch in seinem 
Innern; einen Theil des Letzteren nimmt ein viel umfassendes maritimes Museum ein, für welches auch 
unsere Reichsregierung ihr Interesse bekundet hat. Neben den Kajüten I. und II. Klasse enthält das Schiff 
luxuriös eingerichtete Salons für das Kaiserpaar, in welchen auch am Eröffnungstage der Ausstellung das 
Frühstück servirt wurde. 


Von ungemein malerischem Reiz ist das in einiger Entfernung weiter stromaufwärts belegene 


ALPEN-PANORAMA, 


dessen Silhouette den Tiroler Alpen mit feiner Empfindung nachgebildet ist. Durch eine imposante Felsen- 
schlucht geht die entzückende Bergfahrt das umtere Zillerthal hinauf bis hinter Mayrhofen; von dort erreicht 
man durch einen breiten Stollen die Warte auf dem Ochsner mit dem Rundblick auf den Schwarzensteiner 
Grund und der Aussicht auf die Berliner Hütte. Einladend und friedlich liegt sie da, und fröhlich wallen 
zu ihr Menschen hinan, die vor den prächtigen eisbedeckten Bergriesen dieses Panoramas wie Ameisen 
umherwimmeln. Die landschaftlichen Darstellungen sind ein Meisterwerk des Maiers Rummelspacher, 
dessen Idee von dem deutsch-österreichischen Alpenverein, dem Besitzer der »Berliner Hütte« angeregt 
und gefördert wurde. Das reizende Tyroler Schloss, in dem man das Panorama untergebracht hat, ist nach 
einem stimmungsvollen Entwurf von Architekt Hochgürtel ausgeführt worden. 


Zwischen diesem Alpen-Panorama und dem Raiserschiff liegt, seine Hauptansicht der Spree zukehrend, das 
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FISCHEREI-GEBAUDE, 
welches auch den Gruppen für Nahrungs- und Genussmittel, sowie für Sport einen Unterschlupf gewährt 
und das räumlich zu den umfangreichsten der Ausstellung gehört. Von K. Hoffacker im nordischen Stil 
errichtet, dehnt sich seine Hauptfront äusserst gefällig in zierlicher Holzconstruction aus, eine etwas niedrigere 
Halle verbindet die grösseren Seitenflügel, deren spitzförmige grüne Dächer einen phantastischen Drachen- 


schmuck aufweisen. Die Mitte des Gebäudes, das in seinem Querschiff 54 und in seinem Langschiff 


38 


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Bilder aus der 


Nach Originalzeichnungen | 
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Heiliges H: 


Versammlungshaus. Neu-Guinea, 
Neu-Guinea-Hütten. 


Kolonialausstellung. 
|n Maler Rudolf Hellgrewe. 


:llungshalle. Wissenschaftliche Halle. 
dteingang. Kolonialhalle. 
us. Neu-Guinea, 


> — . Zum in ee RE U EPEIIEIEBEEe Ep = 


| | 85 Meter misst, nimmt ein grosses Bassin ein, das der Süsswasserfischerei eingeräumt ist und durch zwei 
Kanäle eine direkte Verbindung mit der Spree erhält. Die innern, farbig decorirten Räumlichkeiten zeigen 
eine grosse Anzahl von oben beleuchteter Aquarien, ferner ein Bruthaus mit Brutapparaten der deutschen 
Fischzuchtanstalten, sodann Modelle aller nur denkbaren Apparate des Fischfanges und endlich noch eine 
wissenschaftliche Abtheilung, der sich eine auf den Angelsport bezichende umfangreiche Sammlung an- 
schliesst. Diese Fischerei Ausstellung, zu der auch verschiedene auf der Spree ankernde Fahrzeuge ge- 
{ hören, umfasst ganz Deutschland und dürfte nicht nur für Berlin von nachhaltiger Bedeutung sein. 

Einen »geschmackvollen«e Eindruck gewährt die Gruppe der Nahrungs- und Genussmittel mit ihren 
vielen Süssigkeiten, den Bäckerei- und Conditorei-Producten, denen sich die Mühlenfabrikate anschliessen, 
nicht minder zahlreich tritt die Fabrikation von flüssigen »Magenstärkern« aller Art auf den Plan, mit 
hundertfachen Liqueuren, Frucht- und Schaumweinen, von deren Güte man sich in einem nahen Pavillon 
überzeugen kann; auch die Bierbrauerei- und Tabakfabrikation ist rühmlich vertreten. 

Die Sport-Abtheilung erreichen wir am besten von der der Spree abgekcehrten Seite des Gebäudes; 
vor diesem Portal ist Eberlein’s lebensgrosses Reiterstandbild Kaiser Wilhelms II. aufgestellt worden. Einer 
der inneren Pavillons wurde dem Union-Klub, der andere dem Verein für Hinderniss-Rennen eingeräumt, 


und zwar finden wir im ersteren all’ die kostbaren Ehrenpreise vereint, welche sich die Mitglieder des 


Klubs auf dem „Grünen Rasen“ errangen. Im Mittelschiff des Gebäudes erblicken wir die Ausstellung des 


Kaisers, sein für die Hubertusjagd im Grunewald aufgezäumtes Jagdpferd und einen von ihm benutzten 
Dogcart, ferner die von ihm gelegentlich der Yacht-Regatten errungenen Ehrenpreise. Reich bedacht ist 
| der Velocipedsport; der Renn- und Jagdsport werden uns dagegen mehr in einer Reihe interessanter Gemälde 
| (von Prof. Max Koch) vorgeführt. 

Von diesem Gebäude wenden wir unsere Schritte zum 


BAWILILON DER STADT BERLIN, 


einem langgestreckten, von Baumgruppen umgebenen Gebäude, das durch seine bunte Holzarchitektur und 

den sein braunes Dach krönenden Kuppel-Thurm sofort die Blicke auf sich lenkt und das nach den 

Entwürfen des Geh. Bauraths Blankenstein aufgeführt wurde. Treten wir ein, so begrüsst uns in dem für 
|| repräsentative Zwecke bestimmten mittleren Kuppelraum die hoheitsvolle Gestalt der Hundrieser'schen 
Berolina; in den übrigen Räumen sind die Ausstellungen der Berliner gewerblichen Anstalten, wie unter 
anderm der Handwerker- und Fortbildungsschulen, untergebracht und ferner sind dort in Sondergruppen 
Kanalisation, Wasserleitung und Gasbeleuchtung Berlins in umfassender Weise durch die neuesten praktischen 
Einrichtungen verkörpert. In unmittelbarer Nähe des Pavillons ist ein Filter gebaut, der uns zeigt, wie 


das Wasser in den städtischen Wasserwerken gefiltert wird, und weiter ein Rieselfeld angelegt, um zu 


vergegenwärtigen, wie diese viel umstrittene und viel vertheidigte Einrichtung praktisch durchgeführt wird. 


| Nun schnell noch als letztes das benachbarte 


GAS-INDUSTRIE-GEBÄUDE 
| besichtigt, dessen weisse Aussenfront einfach, aber trotzdem wirksam gehalten ist. Sein Inneres veran- 
schaulicht uns den Kampf der Gas-Industrie gegen das elektrische Licht, das, wovon man sich hier über- 
u zeugen kann, doch noch nicht auf allen Linien gesiegt und mit einem stets durch neue erfindungsreiche 
Hülfstruppen verstärkten energischen Feind zu rechnen hat. 

So, und nun wäre unsere Wanderung, die, wie wir nochmals wiederholen, nur den Zweck der 


Orientirung hatte, zu Ende, und wir haben uns redlich den frischen Trunk verdient, den wir uns ganz 


nach freiester Wahl hier im »nassen Viereck«, wo an Bierquellen kein Mangel ist, aussuchen können, auf 


einer der hübschen Terrassen sitzend, mit dem Blick auf das herrliche Alpen-Panorama, das uns weit 


fortentrückt vom »grünen Strand der Spree«, die ganz nah vorüberfliesst. Aber das ist nicht die einzige 
Illusion, die uns hier in dieser Ausstellung zu Theil wird. Folgt uns, und bald soll euch der farbenglühende 
Zauber des Orients umgeben, dann sollt ihr auf geschichtlich-wichtiger Stätte stehen, inmitten der steinernen 
Erinnerungen des alten Berlin, und schliesslich wird euch das deutsche Kolonialreich in seinen Bann nehmen 
und ihr sollt ungestraft sogar unter Palmen wandeln — und nun frisch auf zum ersten, gleichfalls nur zur 


flüchtigen Kenntniss bestimmten Besuche der Special-Ausstellungen, er wird euch wahrlich nicht gereuen! 


KNTRO: 


Eine Wunderstadt ist es, die entstanden ist auf dem prosaischen Sandboden der Mark Brandenburg, 
wie ein Traum muthet sie uns an, ein Traum, aus dem Morgenlande geträumt: schlanke Minarets ragen 
zum Himmel empor, in bunten Farben geadert ist ihr Mauerwerk, von zierlichen Galerieen sind sie um- 
geben und von der höchsten derselben herab ruft mit eintönig-klagender Stimme der Muezzim die Gläubigen 
zum Gebet; dort breiten Palmen ihre schlanken Blätter über den Zelten und Erdhütten eines Fellachendorfes 
aus, deren männliche Bewohner in süssem Nichtsthun umherliegen, während die Frauen in rundbäuchigen 
Thonkrügen das Wasser vom nahen Teiche, an welchem Büffel lagern, holen und auf dem zwischen einigen 
Ziegelsteinen schwälenden Feuer die kärgliche Mahlzeit bereiten; nicht weit davon, an den Stufen eines 
5) 


kuppelgekrönten Tempels, hockt ein Märchenerzähler, Jung und Alt — Beduinen, über den weissen Burnus 


die langschaftige Flinte gehängt, Derwische in zerrissenen Gewandungen, Eseltreiber, die ihr Grauthier am 


Zaume halten, vermummte Weiber und halbentblösste Kinder — hören in dichtem Kreise ihm zu; jetzt 
aber stiebt die Schaar auseinander, ein Zug von Kameelen kommt angetrottet, auf ihren Rücken sind hin- 
und herschwankende kleine, teppichverhüllte Zelte angebracht, hinter deren vom Winde leichtgelüfteten 
schweren Stoffen dunkle Frauenaugen neugierig hervorschauen, vornehme Damen, aus dem Harem eines 
der Grossen, mögen es sein, denn phantastisch aufgeputzte Reiter auf kostbar aufgezäumten Araber- 
schimmeln begleiten die Cavalcade, die in einem der engen Bazargässchen verschwindet, deren Strassen- 
gewirr von lärmendem Leben und Treiben erfüllt ist: alles, was der Orient nur bietet, wird hier feil- 
geboten und oft schreiend angepriesen — Früchte und Süssigkeiten, Stoffe und Teppiche, Waffen und 
Münzen, Cigaretten und Nargilehs, Blumen und Schmucksachen, und auch die »antika«, »antika«, die Alter- 
thümer, liegen in verdächtiger Menge ausgebreitet. 

Aber geben wir uns nicht kritischen Untersuchungen darob hin, das Pharaonenland ist ja überreich 


von in der Erde ruhenden Schätzen einer uralten Vergangenheit — ernst und schweigsam und doch so 
beredt für den, der die Sprache der steinernen Erinnerungszeichen einer grossen Zeit versteht, ragt dort 
die Cheops-Pyramide empor und nicht weit von ihr erblicken wir die altersgrauen Gemäuer des Horus- 
Tempels mit ihren vielkündenden Bilderinschriften und den beiden Riesengestalten der Könige Horemhebi 
und Ramses II. vor dem Eingange, durch den wir in den säulengetragenen Tempelhof gelangen, der von 
wundervoller Wirkung ist und all unsere Sinne gefangen nimmt. Leicht versinkt man hier in Träumereien 
und wird umsponnen von den halb sagenhaften Gebilden einer Jahrtausende hinter uns liegenden Zeit, als 
auf goldenem Streitwagen König Thutmesu, der Allbezwinger, hier erschien und ihm demüthig die Priester 
nahten, um ihn in das Innere des Heiligthums zu geleiten, woselbst der Herrscher für seine neuen Siege 
dem Gotte sein Dankopfer darbringen wollte. Hier im Vorhofe warten seiner die Edelsten seines gewaltigen 
Reiches in dichtgedrängter Menge, und immer neue noch nahen von aussen, dort, um eine Kopfeslänge 
alle überragend, der Befehlshaber der königlichen Leibwache. Nubier schreiten vor ihm her und bahnen 
ihm den Weg, noch mehr müssen wir zu den Säulenhallen hin weichen und: »Ick bitte Ihnen, schuppsen 
Se doch nich so!« klingt es melodisch im schönsten Spree-Athenisch an unser Ohr. 


Vorbei der Traum, ja, richtig, wir weilen ja nicht im Pharaonenlande selbst, wir sind ja in Berlin! 
& 


43 


Freilich, die Täuschung ist vollkommen — denn was in diesem Kairo in »echter« Nachahmung geleistet 
wurde, grenzt an das Wunderbare. Nicht nur wurden zahllose alte Bestandtheile einzelner Häuser aus 
Aegypten hierhergebracht und beim Aufbau verwendet, sondern es wurde daneben auch Rücksicht ge- 
nommen, den grossen Zeugen der Pharaonenzeit den Stempel der Wahrheit aufzudrücken, und das ist 
derart gelungen, dass kaum eine genaue Untersuchung die Nachbildung ergiebt und dass man immer von 
neuem zweifeln wird, ob nicht über diese Tempelruinen doch schon Jahrtausende hingegangen. 

Dass dieses Unternehmen so glänzend und erfolgreich ausgefallen, verdanken wir wohl in erster 
Linie Herrn Baumeister Wohlgemuth, der einen mehrfachen Aufenthalt in Aegypten benutzte, um dort 
an Ort und Stelle die eingehendsten Studien für die Verwirklichung seines gross-angelegten Planes zu 
machen; später, als sein Vorhaben Leben gewann, wurde er fördersam von Herrn Maler Lehmann und 
Herrn Möller unterstützt, von ersterem als Künstler, von letzterem als Führer der fremdartigen, mehr wie 
fünfhundert Köpfe zählenden Karawanen, die mit ihrer vierfüssigen Begleitung so viel zur Belebung des 
malerischen Hintergrundes beitragen. Auch hier wuchs der Plan mehr und mehr aus sich heraus, immer 
grössere Gestaltung annehmend, und heute bedeckt diese Ausstellung Kairo ein Flächengebiet von fast 
60000 Quadratmetern und übertrifft sowohl darin wie an Schönheit alle ähnlichen Veranstaltungen, die bisher 
nur das Ausland, Paris, London und Chicago, geboten. 

Doch schauen wir uns nun ein wenig um, und zwar nehmen wir am besten unseren Eintritt von 
der Köpenicker Landstrasse, während der zweite Zugang von dem Ausstellungs-Bahnhofe der Stadt- und 


Ringbahn erfolgt. Wir betreten Kairo durch das Siegesthor, dessen reichverzierte beide Rundthürme uns 


schon von fern begrüsst haben; nach rechts hin liegt der altägyptische Theil, während sich nach vorn und 
links die moderne Stadt ausbreitet. Wenden wir uns zunächst Alt-Aegypten zu, wobei wir bemerken, dass 
die hier aufgeführten steinernen Denkmäler nicht nur der näheren Umgebung Kairo’s, sondern ganz Aegypten 
entnommen sind, um ein anschauliches Bild der Hauptmerkmale des einstigen Pharaonenreiches zu geben. 
Und vor einem seiner bedeutendsten und erinnerungsvollsten stehen wir sogleich, vor dem oben schon 
erwähnten Horustempel von Edfu, dessen Bilderschrift von seinen schrägen Pylonen uns von den Thaten 


früherer Könige erzählt, und der ungefähr der Zeit 2000 v. Chr. entstammen wird. Vierundzwanzig 


gewaltige Säulen tragen im Lichthofe die dreitheilige Galerie, deren Wände gleichfalls mit hieroglyphischen 
Inschriften bedeckt sind, welche den späteren Entzifferern wichtigstes Malerial zur Geschichte des Landes 
oten. Das Innere des Tempels enthält mancherlei sehenswerthe Sammlungen, von denen eine Sammlung 


von Waffen und Geräthen aus dem Staatsschatze in Kairo, unter ihnen das an seinem Griff mit zahllosen 


Brillanten besetzte Prunkschwert Mohammed Ali’s, und interessante kunstgewerbliche Arbeiten aus der 


Khedivischen Kunst- und Handwerkerschule besonders fesselnd sind. Eine kleine Ausstellung von Orient- 
gemälden der verschiedensten Künstler und eine Reihe von Antiquitäten schliessen sich an. 

Ein benachbarter zweiter Tempel, in einen Felsen eingebaut, zieht beim Weiterschreiten unsere 
Blicke auf sich. Klein und zierlich nur ist das Portal, aber, wenn wir dasselbe und die beiden Nischen des 
Vorraumes mit den massigen Figuren Königs Sethos I. passirt, überrascht uns eine prächtige Säulenhalle 
und noch überraschender wirkt die hier auf modernste Weise ausgeübte Kunst Gutenberg’s, denn hier wird 
das »Kleine Journal von Kairo« hergestellt, das in hübschem Gewande und origineller Fassung alle Neuig- 
keiten der Welt täglich hier wiedergiebt. An einem von einem Palmenhaine überragten Beduinenlager, 
das durch ein Panorama der Nillandschaft einen originellen Abschluss erhalten, und an altägyptischen Felsen- 
gräbern vorüber, in denen die mumificirten Leichname einstiger Unterthanen irgend eines Ramses oder 
ihrer Thronnachfolger ruhen, erreichen wir die monumentale Cheops-Pyramide, die sich auf einer Grundfläche 
von mehr wie 50 Metern zu einer Höhe von 30 Metern erhebt und in ihrer plastischen Kraft mächtig 
heraustritt vor ihren Nachbarn, den Pyramiden des Chafra und des Menkaura, die uns nur im Bilde begrüssen. 


Ein Aufzug bringt uns auf die Plattform, von der wir einen entzückenden Rundblick auf die Märchenstadt 


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unter uns und die gesammte Ausstellung geniessen; dann wieder im Nu zur Erde hinab und nun noch 
schnell die Königs-Grabkammer im Innern der Pyramide besichtigt, um uns dem modernen Kairo zuzuwenden, 
das ein glänzendes Gegenstück zu dem armseligen Fellachendorfe hier am Fusse des Steinriesen gewährt. 

Hinein also in die Khalifenstadt, die uns mit ihrem bunten Getriebe vom ersten Moment an so 
seltsam und doch so anheimelnd berührt. Man weiss nicht, wohin man zunächst die Augen richten soll, 
an eigenartigen bunten, an verwitterten Gebäuden mit ihren zierlichen Holzvergitterungen der Fenster und 
Erker, mit ihren von Sonnensegeln überspannten flachen Dächern und lufiigen Altanen mit den engen Höfen 
und kleinen Verkaufsgewölben vorbei gelangen wir zu stolzen Moscheeen mit mächtigen Kuppeln und 
schlanken Minarets, zu rauschenden Brunnen mit zartem, an sorgsamste Schnitzarbeit gemahnenden 
steinernen Gittern, zu breiten, von Palmengruppen unterbrochenen Plätzen mit arabischen Cafes und euro- 
päischen Bierstuben, zu Bazaren mit lockenden Waaren aller Art, zu halb verfallenen Palästen und alter- 
thümlichen Thoren, zur einladenden Terrasse vor Shepheard’s elegantem Flötel und endlich zum grossen 
Khedivialplatze, von dessen Tribüne her die sechzig Mann starke Kapelle des Khedive, dessen Colossal-Büste 
auf diesem Platze derjenigen des deutschen Kaisers gegenübersteht, ihre rauschenden Weisen erschallen 
lisst. Und nochmals durchqueren wir nun die Stadt, deren eingehende Schilderung ja später folgt, und 
suchen die riesige Arena auf mit ihren mehreren tausend Personen Platz gewährenden Tribünen, von denen 


aus man eine Fülle packender, abwechslungsreicher, von originellstem Reiz durchwehter Scenen, von der 


»echten braunen und schwarzen Bevölkerung Rairo’s« dargestellt, beobachten kann, deren malerischer Ein- 
druck noch lange in der Erinnerung haftet. »Wer die Stadt Kairo nicht gesehen«, so erzählt Prinzessin 
Scheherasade in einem der Märchen der Tausend und eine Nacht, und wir können das Wort der holden 
morgenländischen Prinzessin ummodeln in: »Wer die Stadt Kairo nicht gesehen hat, hat nur einen Theil 


der Berliner Ausstellung geschen«. 


SEI BERLIN 


Im Zeichen des stolzen Kaiseradlers steht unsere Berliner Ausste lung, die zeigt, was die Millionen- 


stadt auf industriellem und gewerblichem Gebiet während der letzten Jahrzehnte geleistet hat, und wer die weiten 


Ausstellungssäle durchwandert, die uns in vielumfassender Weise vor Augen führen, was Menschenkunst 
und Menschenkraft vollbrachten, was deutscher Fleiss und deutsche That schufen, der wird, wenn er seine 
Schritte zum parkumgebenen Karpfenteiche lenkt und seine Blicke über den See hinschweifen lässt, sie mit 
besonderem Interesse auf den zinnengekrönten Mauern, den schwerfälligen Wachtthürmen, den spitzigen 
Giebelhäusern ruhen lassen, die sich rothleuchtend jenseits der Wasserfläche aufbauen. »Alt-Berlin«, nach 


Karl Hoffacker’s Plänen entstanden, nennt sich dieser separate Theil unserer Ausstellung, der uns ein 


Stück des alten Berlin veranschaulicht, des Berlin vor 250 Jahren, der Residenz von kaum 7000 Ein- 
wohnern, in welcher der Grosse Kurfürst, der damals allerdings noch nicht seinen hoheitsvollen Beinamen 
führte, Haus und Hof hielt. Gab’s denn überhaupt ein altes Berlin? Verwundert und erstaunt wird mancher 
Fremde so fragen, der nur das neue, das moderne Berlin kennen gelernt hat, das so glänzend, so sauber 
ausschaut, als ob es erst im Laufe dieses Jahrhunderts entstanden wäre. 

Ein glücklicher Gedanke war es daher, den Besuchern unserer Ausstellung das frühere, das alte 
Berlin vor Augen zu führen, nicht etwa mittelst Leinwand und Pappe, Oel und Wasserfarben, sondern in 
Ausserst soliden, massiven Bauten, mit Zuhülfenahme alten, durchaus »echten« Materials; denn die Veran- 
stalter dieser Sonderausstellung »Alt-Berlin« schickten ihre Sendapostel in der ganzen Mark umher, die zu 
erwerben trachteten, was an aus frühern Zeiten stammenden Dachziegeln, Schlössern, 'Thüren, eisernen und 
hölzernen Verzierungen u. s. w. zu erhalten war, und auf diese Weise wurde unter der geschickten Ober- 


leitung des Architekten Hoffacker eine Nachbildung der ehemaligen Kurfürstenstadt erzielt, wie sie getreuer 


48 


nicht 


erster Linie auf d 


gedacht werden kann. 


ie geschicht 


liche Treue Bedacht genommen. 


Denn nicht nur malerische Wirkung allein sollte erzielt werden: es wurde in 
o- 


Der Besucher soll ein charakteristisches Bild 


empfangen, wie es in Berlin nach dem Dreissigjährigen Krieg aussah, ehe die Stadt in eine Festung verwandelt 


wurde. Das hat 
erreicht, obgleic 
Lange Brücke (j. 


Trutzige, 


überschreiten und 


ı man wegen Raummangels 


auf mancherlei, 


Kurfürstenbrücke), verzichten musste. 


so auf das Schloss, den 


man denn auch in glücklicher Weise mit hundertundzwanzig verschiedenartigen Bauten 


Dom 


und die 


von Wachthäusern unterbrochene Basteien steigen vor uns empor, wenn wir die Zugbrücke 


nun durch den gewölbten Eingang des wuchtigen Spandauer Thores die Stadt betreten, 


deren niedere Häuschen mit ihren winzigen Kramläden und Handwerksstätten traulich auf uns niederschauen. 


Wir sind in der Spandauer Strasse, von der sich nach rechts und links winkelige Gässchen abzweigen, auch 


sie von rührigem Tagesleben erfüllt; eng und winzig ist alles, Fenster und Thüren der meist nur zum Theil 


massiven, zum andern Theil aus Fachwerk errichteten Häuschen, eng und klein die Stuben, die Höfe, die 


Gärtchen, in denen Rosen und andere Blumen blühen, aber der Schimmer einer genügsamen Behaglichkeit 


liegt über allem ausgebreitet, und wenn man’s nicht von den Chronisten wüsste, man würd’s nic 


dass die Bewohner dieses winzi 


wie ihre Fäuste gehöri 


des neunzehnten Jahrhu 


Und das ist gut so, denn in dem damaligen Berlin des Grossen Kurfürsten wurde 


Samen zur 
und über das Wohl 
nahmen. Das deuten 


„Verein für die Geschic 


rec 
hat die Stadt übrigens 

Das kündet uns 
und 
kleinen Thurm, der oben, un 
aber, von kerniger Säule 
lau 


sprachen, ein strenges 


deutschen Raisers 
der Stadt 


© 
Oo 
gebrauel 


nderts! 


g zu 


adt gelegt, und tüch 
beriethen und sich 
uns schon das /ospztal und 


hte Ber 


ıter Hand vor uns auf, wenn wir das Spandauer Thor durchschreiten. 


ganz bestimmt nicht übrig gehabt. 


auch das Rathhaus am Mark 


Recht. 


‚en Berlin gern zu Krakehlereien aller Art geneigt waren und i 


warm der Armen und Elenden ihrer Bevö 


Viel Geld zu 


erhalb der schieferbekleideten Thurmhaube, mit Holz verschält ist. 


ıt glauben, 


hren Mund, 


hen wussten, gerad’, nun gerad’ so wie ihre Nachkommen am Ende 


bereits der 


ige Männer waren es, die im Rath der Stadt sassen 


kerung an- 


die Aapelle zum heiligen Geist an, in welcher der 


ins“ eine interessante Sammlung Alt-Berliner Gegenstände bietet; sie tauchen 


grossen Bauten 


e, im Ziegelrohbau aufgeführt, ineinandergeschachtelt 


verbaut, schmucklos in seiner nüchternen Aussenansicht, mit seinem in zwei Terrassen aufsteigenden 


Unten 


getragen, schmiegt sich mit seinen Spitzbogen-Wölbungen die uralte Gerichts- 
e an das Heim der Stadtväter an, die erinnerungsvolle Stätte, in der vor allem Volk die Schöffen Recht 


Oft mag der an einem der Eckpfeiler angebrachte „Kaak“, ein höhnisch 


grinsendes Ungethüm, von Neugierigen umstanden worden sein, die den unter diesem „Kaak“ auf schmalem 


Tri 


verspotteten, und oft & 


tbrett Stehenden, d 


an den Pranger kam schon, wer einem Anderen ohne Grund Sch 


reden ausgestossen hat 


Wie eins 


frohgemuthe Künstlerfest vom 9. Mai bildete, das regste Leben 


wandungen mischen sic 
soldaten, Musikanten, d 
allerhand fahrenc 
Doch 


Fanfaren erschal 


sagt. nun 


en, 


Rüstungen gehü 


dessen wildem Stossen 


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,‚ so spielt sich auch heute auf diesem Marktp 


h die Trachten der Bewohner der ehema 


ie alte Weisen erschallen lassen, Bürger 


es Volk, welches gern halsbrecherische Kunststüc 
»Platz! 
Pferde 


auf; ein Zug von Ritter 


Platz!« Bü 


rappeln wird 


tel kommen an und d 


n und Reisig 


gen 


Ite Gestalten tragen, zum Turnier solls gehen, und hinterher drängt lautju 


und Schieben cd 


49 


atze, der auch den Haupt 
von Alt-Berlin ab; in die 
igen Kurfürstenstadt, Land 
und Rathsherren, Mönche 


ke vorführt oder aus den 


naht, prächtig aufgeschirrt sind die Pferde, die sto 


rängen die Menge zurüc 


er zum Pranger verurtheilt worden war und das eiserne Halsband umgelegt trug, 
enug war es auch eine »Sie«, die wegen übler Nachrede diese Strafe erhalten; denn 


echtes nachgesagt oder öffentlich Schimpf- 


rahmen für das 
modernen Ge- 
sknechte, Stadt- 


und Magister, 


Handlinien wahr- 


=) 


schmetternde 


vernehmbar und schwankende Helmbüsche tauchen in der Ferne 


lze, in blitzende 


belnd das Volk, 


ie geschlossen marschirenden Gewerke mit ihren altererbten Ab- 


7 


Ernst Behrens. 


Mitglieder ‚des Geschäftsführenden Ausschusses der @ewerbe-eAusstellung. 


50 


£ BP: 
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\ (Comm.-R. Dr. Kunheim‘ 
Herm. Simon. 
Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses der Gewerbe- Ausstellung. 
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zeichen und ihren fidelnden und blasenden Musikanten nur schwer Stand halten können. Bei Allem 
sind trotz manchen Puffes und ärgerlichen Wortes die Mienen recht vergnügt, denn heute ruht die Arbeit, 
Festtag ist's und freie Nacht, wo nicht zu früher Stunde die Schenken geschlossen werden, und spät wird's 
werden, che man an den Heimweg denkt. Hoffentlich wird’s nicht so schlimm, wie im echten alten Berlin, 
wo, wie es in einer kurfürstlichen Verordnung: heisst, „die Festlichen mit allerhand Musik über die Gassen 
gingen, viel Aefferei und Muthwillen verübeten, der Bürgerschaft und anderen Einwohnern mit Plackereien 
und Abforderung von Geldern zur nicht geringen Beschwer gewesen, nachmals in ihren Herbergen wohl 
acht und mehrere Tage miteinander geschmauset, sich dabei gehadert, geschlagen, und wohl gar ermordet, 
dagegen ihre Arbeit versäumt, gross Aergerniss gegeben, und mit ihrem epikurischen, heidnischen Leben 
und sündlichen Wesen Gottes Zorn nicht wenig gereizt hätten.«e Zum Schmausen und Trinken allerdings 
sind genug Lockungen vorhanden. Unsere Altvordern an der Spree mögen grossen, sehr grossen Durst 
gehabt haben; aber undenkbar ist es, dass er so gewaltig, so tief und grenzenlos ‘war, wie ihn die Besucher 


von Alt-Berlin haben müssen, wenn alle Gastwirthe hier auf ihre Rechnung kommen sollen! 


DEUTSCHE KOLONIAL- AUSSTELLUNG. 


Blickt man über den Wasserspiegel des Karpfenteiches, so sieht man links die Thürme und Häuser 
des alten Berlin aufragen, während rechts einige seltsame Hütten an den Teich herangebaut worden sind, 
aus Birken und Palmblättern hergestellt, an ihren grellbemalten Giebeln mit Hörnern und verbleichten Thier- 
und Menschenschädeln ‚verziert‘‘; vor ihnen, nahe einem scheusslichen Götzenbilde, tummeln sich dunkle, 
halbentblösste Gestalten umher, die jetzt eins der roh gezimmerten, langen, scheinbar sehr schwerfälligen 
Boote besteigen und mit ihm pfeilschnell die Wogen durchschneiden. Landsleute sind’s von uns, diese 
fremdartigen Gesellen mit ihrem dichten, fetteingeriebenen Haar, ihren Tätowirungen an Gesicht und Brust, 


ihrem musculösen Körperbau, Leute aus Neu-Guinea; denn jene seltsamen Ansiedlungen dort bilden einen 


Theil der Deutschen Kolontal-Ausstellung, und ein eigenthümlicher Zufall will es, dass dieselbe in die un- 


mittelbare Nachbarschaft Alt-Berlins gerückt wurde — hatte doch der Grosse Kurfürst bekanntlich schon 
einen nicht unbedeutenden brandenburgischen Kolonialbesitz in Afrika geschaffen. 

Heute allerdings weht dort in unseren Kolonien, wie in denen Neu-Guineas die deutsche Reichs- 
flagge, und uns das gesammte Kolonialgebiet mit seinen Handelsbeziehungen sowohl zum Mutterlande, 
wie mit seinen mannigfachen Erzeugnissen aus dem-Pflanzen- und Thierreich, seinen mineralischen Schätzen, 
seinen Sammlungen zoologischer, ethnographischer und botanischer Art, mit dem Leben der Eingeborenen 
zu vergegenwärtigen, das war der Zweck dieser einen Flächenraum von 60000 qm bedeckenden Aus- 
stellung. Männer, die mit grossem Erfolge bereits in unseren Kolonieen thätig waren, hatten ihre ganze 
Kraft und ihre weitreichenden Verbindungen eingesetzt, um hier etwas des Deutschen Reiches Würdiges zu 
leisten, und das ist ihnen auch vollauf gelungen; unter dem Protectorat des Herzogs Johann Albrecht 
von Mecklenburg-Schwerin, des eifrigen Förderers aller kolonialen Pläne, waren hier zielbewusst Graf 
von Schweinitz, Direktor von Beck und Rechtsanwalt Imberg und neben ihnen als künstlerischer Leiter 
der bekannte, mehrfach in Ostafrika gewesene Maler Hellgrewe thätig, welche durch die Kolonial-Abtheilung 
des Auswärtigen Amtes und die in unseren Kolonieen noch gegenwärtig thätigen Pioniere deutscher Kraft 
und deutschen Könnens, Major von Wissmann voran, warm unterstützt wurden. 


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Eine ganz neue Welt nimmt uns gefangen, wenn wir durch einen phantastisch mit verzerrten Masken 
und Palmwedeln ausgeschmückten, durch Flaggenstangen schon von fern erkennbaren Eingang, der im Stile 
der Bauten der Bewohner Neu-Guinea’s gehalten, die Ausstellung betreten. Wir gelangen zuerst nach Kamerun 
mit einer Buschfactorei rechts, wie sie von Europäern errichtet und bewohnt wird, während links ein Block- 
haus mit einer Versammlungshütte der Eingeborenen steht; seitlich unseres Weges liegen die höchst ein- 
fachen und im Umsehen errichteten Negerhütten, in und vor denen eine Anzahl Kameruner Männer, 
Frauen und Kinder hocken, mit der Anfertigung: von Bastarbeiten und ihren primitiven Gebrauchsgegenständen 


beschäftigt. An dieses Kameruner Dorf schliesst sich eine Ansiedelung von Togo-Negern an, und links am 


Teich folgt die Niederlassung der Eingeborenen von Neu-Guinea. In das Wasser hinausgebaut ist ein 
sogenanntes „Heiliges Haus“ wärend sich in der Nähe eine Baum-Hütte befindet, in der weitästigen Krone 
einer Linde untergebracht und nur mittelst einer Strickleiter zu erreichen; sie wird aufgesucht, wenn von 
feindlichen Stämmen Gefahr droht, und man in dem im nahen grossen, mit Hörnern geschmückten und 
farbig bemalten Versammlungshause beschlossenen Kriege unterlegen ist. Papuas aus Neu-Pommern sind 
hier untergebracht. 

Seitlich rechts von Neu-Guinea erhebt sich eine weisse festungsartige Mauer mit Schiessscharten, die 
rechts und links von hohen, mit Lehm und Steinen beworfenen Pallisadenzäunen flankirt ist, auf deren 


Spitzen Menschenschädel stecken — es ist die äussere Umwallung der bei Tabora gelegenen Festung Quikurru 


des Sultans Sicki die zu den stärksten Plätzen Ost-Afrikas gehörte und 1892 mit Sturm genommen wurde 
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um ein Jahr später, bei einem erneuten Aufstande, nochmals erobert zu werden, das erste Mal unter 
Betheiligung des Grafen von Schweinitz, der hierbei eine ernstliche Verwundung erhielt. Wie geschickt 
diese Negerbefestigungen angelegt sind, und welche Tapferkeit der Stürmenden sie bei einer energischen 
Vertheidigeung erfordern, zeigt uns diese „Boma“. Zunächst umgiebt sie jener 2'/» Meter hohe Pallisaden- 


zaun, es folgen drei Tembenringe, von denen jeder einzelne erst erkämpft werden muss — dann erst hat 


man das Innere erreicht, in welchem das Haus des Häuptlings und der Versammlungsplatz der Neger liegen. 


Hier in diesem Fall schliesst sich noch eine umfangreiche Ansiedlung an, da für diesen Sommer einige 


Dutzend Eingeborener, unter ihnen Suaheli, Wakonde und Massai, ihr Heim hier erhalten haben. Am Tage 


werden diese Leute mit Häuserbauen, Flechtarbeiten, Holzarbeiten u. s. w. beschäftigt, Abends aber vergnügen 
sie sich mit ihren Gesängen, Spielen und Tänzen, und die Männer zeigen ihre Kunst in der Waffenführung. 
Haben wir noch ein Baracken-Lazareth, wie es in den Tropen gebraucht wird, und die Hygiene- 


ärtigen Amtes mit ihren umsichtigen Vorkehrungen besichtigt, und der benachbarten 


Ausstellung. des Ausv 


Ansiedelung der aus Südwest-Afrika gekommenen Herero und Witboileute, deren schwerfällige, zu langen 


Reisen benutzte Ochsenfuhrwerke gleichfalls vorhanden sind, einen Besuch abgestattet, so können wir uns 
der zweiten Abtheilung der Kolonial-Ausstellung zuwenden, die jenseits der Parkallee, nahe dem Gebiete des 
Vergnügungsparkes, liegt. Wir erreichen ihn auf einer in Sansibar-Bauart errichteten Brücke und durch 
einen den Befestigungen von Sansibar nachgebildeten Thurm. Der „Sansibar-Stil‘“, wie man ihn nennen kann, 
kehrt auch in der Mehrzahl der. übrigen Gebäude wieder. 

In der Nachbarschaft der Kolonial-Ausstellung liegt der Vergnügungspark mit zahllosen Volks- 
belustigungen, ihm widmen wir ein anderes Mal unsere Aufmerksamkeit, heute schon im Voraus allen Be- 


suchern der Gewerbe-Ausstellung von Herzen wünschend: 


Piel Vergnügen! 


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Promenade am Neuen ©ee. 


er Gewerbe-Ausstellung 1895. 


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DAS CENTRAL-VERWALTUNGS-GEBÄUDE. 


Das ist jetzt ein Leben und Treiben die Treptower Chaussee entlang, wie es dieselbe, so lange sie 
schon besteht und so viel Trubel sie schon durchgemacht, noch nicht gesehen: von früher Morgenstunde 


an wogen die Menschenmassen dem Ausstellungsgelände, zu welchem Stadtbahn und Dampfer die Besucher 


ia nur aus einer bestimmten Richtung hinbringen, zu, die Wagen der elektrischen und Pferde-Bahn sind 


überfüllt, desgleichen die Omnibusse, schmunzelnd thronen die Droschkenkutscher auf ihren Sitzen, denn 
diese Sommermonate gefallen ihnen schr wegen des angenehmen metallischen Klanges, schmucke Equipagen 
und sonstige Gefährte aller Art jagen dahin, und über sie hinweg ragt die schwankende Mail-Coach, deren 


Diener dem langen Horne schallende, aber deshalb nicht etwa harmonische Töne entlockt. Eine wahre 


Völkerwanderung ist es, die sich von Berlin her Tag für Tag dem Treptower Parke zuwälzt, dem erstrebten 
Tiele stündlich Tausende und Abertausende zuführend, alle Klassen, alle Stände der Bevölkerung vertretend, 
Hoch und Niedrig, Arm und Reich vereinend, denn für Alle ohne Ausnahme ist diese Ausstellung geschaffen, 
und Allen ohne Unterschied gewährt sie Anregung und Belehrung, Unterhaltung und Zerstreuung. 

Wer die Ausstellung nur als Mittel zum Zweck benutzt und zwar zum Zweck möglichst guten Amüse- 
ments, der wird seine Schritte erst in den vorgerückteren Nachmittagsstunden gen Treptow wenden, wenn 
dort an den verschiedensten Stellen lustige Musikweisen erschallen, und die Wege ausserhalb der Aus- 
stellungshallen belebter sind als die Gänge in denselben, wenn die zahllosen Erfrischungsstätten dicht ge- 
füllt sind und die modernen Ganymeds in Fracks und Jaquets, wie die Tyroler Dirndl’'n in ihren münzen- 
klappernden hübschen Trachten kaum all’ den drängenden Anforderungen an Speis’ und Trank gerecht 


werden können. Wer die Ausstellung aber ihrer selbst willen besucht, wer durch sie seine Kenntnisse be- 


reichern und neue Belehrungen aus ihr schöpfen will, der dürfte, wenn es nur irgendwie seine Zeit erlaubt, 
möglichst früh hierher pilgern, um ungestört seine Beobachtungen zu machen und an der Hand der Special- 
kataloge die einzelnen, der Industrie und Technik wie den Wissenschaften gewidmeten Abtheilungen zu 
durchwandern. So früh er aber auch kommt, er wird, je mehr er sich dem Ausstellungsgebiet vom 
Schlesischen Thor her nähert, schon von regem Treiben umgeben sein: in diesen Morgenstunden ver- 
proviantirt sich ja die Ausstellung, es nahen ihr lange Wagenketten mit den hundertfachen, für die Restau- 


rants bestimmten Vorräthen, zueleich finden sich die zahlreichen Angestellten ein, die Behüter der ausge- 


stellten Gegenstände, auch sie in ihrem Acusseren schon die Mannigfaltigkeit des grossen Werkes ver- 


körpernd, dort elegant gekleidete jüngere Herren, die den Ruf ihres Modemagazins oder Juweliergeschäfts 
oder ihres sonstigen „Hauses“, dem sie als „junger Mann“ angehören, schon durch ihre Kleidung und ihr 
ganzes Auftreten zum Ausdruck bringen wollen, und da in ihren blauen Blousen die Werkführer und Arbeiter, 
deren schwielige Hände die Maschinen lenken, die, so sausend sich ihre Räder drehen, und so scheinbar 
vernichtend ihre Kraft ist, doch dem Druck der kräftigen Fäuste gehorchen müssen, und dazwischen hasten 


ferinnen der Stilke’schen Bücher- 


und trippeln zahlreiche Gruppen junger Mädchen einher, meist Verkäu 


stände oder anderer Verkaufs-Anlasen, unter ihnen viele allerliebste Gesichter und adrette Erscheinungen 
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die den Ruf Berlins rechtfertigen, dass es die Stadt der hübschen Mädchen ist. 


Von fern winkt Allen bewillkommnend die farbenfrohe zierliche Front des die Treptower Chaussee 
überspannenden Haupt-Verwaltungsgebäudes entgegen, hier ist die Grenze, deren Ueberschreitung diesen 


Arbeit, jenen Belehrung, anderen wieder Unterhaltung bedeutet, und freundlich und einladend ist dieser 


Willkommen in Gestalt des alterthümlich-luftigen, schon früher kurz beschriebenen Burgthorbaues, in welchem 


die Räume der Verwaltungsbehörden unserer Ausstellung Unterschlupf gefunden haben. Die ernste und 


gewissenhafte Arbeit, welche in diesen Räumen geleistet wird, gelangt absichtlich in dem Bau nicht zum 
Ausdruck, flott und elegant erhebt er sich und schaut gar lustig und zuversichtlich drein, als wollte er den 


missgünstigen Krittlern und üblen Zeichendeutern an der Ausstellung — denn auch an solchen fehlt es 


58 


Central-Verwaltungsgebäude. 


Nach eincr Originalaufnahme dcs Verbandes für Photographie und deren Verviclfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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nicht — sagen: Eure Sorge um den schliesslichen Erfolg des grossen Werkes ist vergeblich, hebt nur eben 


so fest und fröhlich das Haupt in die Höhe, wie ich, ich habe keine Furcht um es endgültige Gelingen! 

Liegt dieses Gebäude auch an der Grenze des Ausstellungsgebietes, so stellt es doch gewissermassen 
das Herz desselben dar, denn von hier aus laufen ja unzählige Fäden nach allen Richtungen hin und erfüllen 
den grossen Organismus mit frischem Leben. Von hier aus werden alle Anordnungen erlassen, welche Tag 
für Tag von neuem nöthig sind, damit das Gangwerk des gewaltigen Unternehmens nicht stockt, hier ist 
der Sitz der Verwaltung, die als oberste Behörde über dem Ganzen thront, hier finden wir die Platzinspektion, 
welche die Aufsicht über das Ausstellungsgebiet hat und der die Beamten unterstellt sind, und das Propa- 
gandabureau, welches noch immer im In- wie Auslande eine eifrige Thätigkeit entfaltet, um der Ausstellung 


neue Besucherschaaren zuzuführen, hier ferner die Architekten und Elektrotechniker, dann die Kassen-Ver- 


waltung und die Geschäftsstelle, die Sitzungs- und Wohnräume für die Mitglieder des Arbeits-Ausschusses 
und die Bureaus für die Korrespondenz. Welchen Umfang die letztere besitzt, geht daraus hervor, dass an 
einzelnen Tagen schon fünfzehn und gar zwanzigtausend Schriftstücke eingelaufen sind, deren Sortirung allein 


viele Stunden erforderte, und diese Riesenzahl der Postsachen lässt einen Schluss auf die Arbeitslast zu, 


welche mit der Ausstellung verknüpft ist und welche pünktlich mit unermüdlichem Fleiss und zielbewusster 


Energie bewältigt werden muss, soll nicht ein verhängnisvoller Stillstand sich einstellen. 
Aber bisher „klappte“ alles vortrefflich, und wir dürfen uns der sicheren Zuversicht hingeben, dass 
dies auch ferner der Fall sein, und die Ausstellung sich, ihren Verwaltern und ganz Berlin Ehre einlegen 


wird bis zur letzten Minute ihres Bestehens, und dass sich bei ihr das: „Ende gut, alles gut!“ erfüllt. 


60 


DIE 


AUSSTEEEUNG BER=ZCHEMIE 


UND 


WISSENSCHAFTLICHEN 
INSTRUMENTE. 


Das Ideal menschlicher Leistung beruht auf der Vereinigung von Kennen und Können zur Erreichung 
desselben Zieles. Nirgends mehr ist der aus solchem Bunde sich ergebende Segen hervorgetreten, wie bei 
der Chemie, deren letztes Ziel eigentlich das Uebertreffen der Natur in der Nutzbarmachung ihrer Güter ist. 

Kaum hundert Jahre zählt die eigentliche Industrie hierbei. In diesem verhältnissmässig kurzen Zeit- 
raume spielte sich eine ungeheure Summe von Fortschritten ab, an deren Anregung und Nutzbarmachung 


Deutschland vielleicht der wesentlichste Antheil zukommt. Innerhalb des Reiches aber hat Berlin einen 


reichbemessenen Antheil. Von den Lehrstühlen seiner Hochschulen, aus den Laboratorien derselben 
gingen die epochemachendsten Entdeckungen aus. 

Wie die Bilder ihrer Patrone eine Kirche, so zieren die Namen ihrer Geistesgrössen verdienterweise 
daher den in seinem Aeusseren bereits geschilderten, vom Architekten G. Grisebach musterhaft erbauten 
Raum, welcher der Ausstellung der Chemie und ihrer wissenschaftlichen Mutter, der Physik, gewidmet wurde. 
Die Photographie beruht in ihrer Anwendung auf beiden Wissenschaften. Auch sie hat daher sachgemäss 


hier ihre Unterkunft gefunden. 


Als ein glücklicher Gedanke muss es bezeichnet werden, in der Ausstellung einen Raum zu 
gewähren, in welchem Vorträge, von bedeutenden Fachleuten gehalten, dem Publikum das Dargebotene 
erläutern. Auch für diesen Hörsaal war der angezeigte Platz im Chemiegebäude. 

Von der deutschen chemischen Industrie beherbergt Berlin nahezu ein Sechstel. In seinen ungefähr 
900 Anlagen dieser Art werden an 14000 Arbeiter beschäftigt. Nur 117 ausstellende Firmen finden sich 
zwar vor, jedoch welcher Unterschied gegenüber der ersten Berliner Gewerbe-Ausstellung, die deren nur 
4 aufwies! 

Hier ist in erster Linie Kunheim & Co. zu nennen. Vor 60 Jahren als Essigfabrik begründet, hat 
dieselbe mit den Anforderungen der Zeit an chemische Produkte stets Schritt gehalten. So fehlt denn auch 
unter den von ihr ausgestellten Rohmaterialien der Monazitsand nicht, der zur Herstellung von Thorium- 
Präparaten für die Gasglühlicht-Industrie in neuester Zeit von Bedeutung geworden. Dr. Schäffer 


61 


beschäftigt sich hauptsächlich mit der Verarbeitung von Gaswasser. Zur Ausstellung gelangt eine die 
Fabrikation darstellende Reihe, ausgehend vom Rohmaterial bis zu dem verflüssigten wasserfreien Ammoniak 
und dem chemisch reinen Salmiak. Von denjenigen Betrieben, die sich der Verflüssigung der Gase als 
Spezialität widmen, sei neben Raoul Pictet & Co., der eine Serie flüssiger Gase in zugeschmolzenen Glasröhren 
zeigt, Dr. T’heodor Elkan erwähnt, in dessen Betrieb besonders reiner verdichteter Sauerstoff hergestellt 


wird. Die Verwendung desselben illustrirt die Firma sehr gut durch Vorführung verschiedener Apparate. 


Mit die bedeu- - DEINEN EEE centnern Theer die 
tendste chemische | | bedeutendste der- 
Fabrik Berlins ist | artige Anlage des 
die Aktien-Ge- | Kontinentes zu 
sellschaft für | ! | sein. Seine Pro- 
Anilin-Fabrika- dukte sind Peche, 


tion, die ausser Lacke, Benzol und 


ihren 132 Ange- seineAbgeleiteten. 
stellten 1300 Ar- Eine Eigen- 
beiter beschäftigt. thümlichkeit Ber- 
Die Produkte der lins auf diesem 
gewerblichen Ge- 


biete ist die Her- 


Theerdestillation 
sind für sie das 
Ausgangsmaterial stellung fertiger 
ihrer : künstlichen pharmazeutischer 
organischen Farb- Präparate, : Hier 
stoffe. Die wich- verdient beson- 
tigsten derselben, dere Erwähnung 
so das neue Mar- die Berliner 
Cansules-Ra- 
brik Joh. Leh- 


mann, die alle 


tinigelb, stellt die 


Firma aus. Die 
vielfache Verwen- 
dung ihrer Farben Sorten Kapseln, 


zeigt sie an sehr elastische und 


gelungenen  ge- harte, sowie mit 


färbten Mustern. Maschinen gc- 
Neben dieser Fa- presste Perlen, 
brikation gelan- medizinische, tech- 


gen photographi- nische und Vete- 


sche Entwickler rinär-Kapseln aus- 
stellt.‘ 
M. Hellwig 


führt, ausser Pillen, 


zur Anschauung. 
Rud. Rütgers 


beansprucht bei 


einer jährlichen Chemie-Gebäude. ., . als seine Spezia- 

Verarbeitung von Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren lität gestrichene 
’ . Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 

400000 Doppel- s Pflaster, ebenso 


ausgerollte, in Massen-und in Blöcken vor. Die Chemische Fabrik auf Aktien (vormals E. Schering) reprä- 
sentirt in hervorragender Weise die Präparate, die vom Apotheker weiter verarbeitet werden. Wie bedeutend 


ihr: Betrieb -und Absatz ist, ergiebt sich am besten aus dem rund ro Millionen Mark jährlich: betragenden 


62 


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Umsatz. Dr. Kade’s Oranienapotheke zeigt zusammengestellte komplete Apotheken für ärztlichen und 
Laiengebrauch. 

Eine weitere Gruppe von Ausstellern umfasst die, deren Betrieb sich mit der Verwerthung der Fette 
befasst. Pflanzliche Fette, und besonders Palmkern-, Kokos- und Leinöl, zeigt G. Zimmermann, thierische 
Fette, in Form von Knochenöl, die Rixdorfer Knochenöl und Fettwaarentabrik. Die Lanolinfabrikation 
repräsentiren Benno Jaffe & Darmstädter Die mineralischen Fette haben ihre beste Vertretung durch 
die Firma Heinrich & Raupert. 

Auf der Verwendung der Fette beruht die Industrie der Seifen und auch der Parfümerien. Hier 


sei zuerst der Firma Treu & Nuglisch, als der ältesten ihrer Branche in Berlin, Erwähnung gethan. Die 


zur Vorführung gelangende Fabrikation nicht nur, sondern auch die dem Publikum durch Auslage von Pro- 


dukten der Fabrik aus den 1830er Jahren gestattete vergleichende Betrachtung erregen besonderes 
Interesse. Wie alle Collectiv-Ausstellungen, so ist auch die der Vereinigung der Berliner Seifen- 
fabrikanten im hohen Grade gelungen. In einem grösseren Pavillon flankiren zwei Pyramiden aus Haus- 
haltungsseifen ein sehr geschmackvolles Arrangement der verschiedensten Toiletteseifen. 

In der Abtheilung der Parfümerien führen L. Leichner die Fabrikation seines weltbekannten Fett- 
puders, und Gustav Lohse die verschiedener seiner berühmten Erzeugnisse vor. 

Auf den Fetten beruht fernerhin die Herstellung von.Kerzen. Die weitaus umfangreichste ihrer 
Art nicht nur in Berlin sondern in Deutschland überhaupt, ist auf diesem Gebiete die Fabrik von A. Motard 
& Co. In einem eigenen Pavillon wird dem Besucher die Giesserei der Stearinkerzen vorgeführt, und die 
Reihe der Roh-, frischen und Nebenprodukte gezeigt. 

Der Gruppe von Firmen, die sich die Herstellung von Farbwaaren, mit Ausnahme der Theerfarben, 
und von Lacken und Leim angelegen sein lassen, wenden wir schliesslich unsere Aufmerksamkeit zu. 

Dr. Max Ascher & Co. ist besonders bekannt seiner Messinglacke für wissenschaftliche Instrumente 
wegen. Aber auch Serika-Lacke, die den mit ihnen versehenen Materialien, Metall, Glas und Horn, einen seiden- 
artigen Glanz verleihen, verdienen unsere Beachtung, wie die Tauchlacke, die besonders den zur Erzielung 
von schönen Wirkungen bei Beleuchtungen benutzten electrischen Glühlampen dienstbar sind. Dr. Graf 
& Co. bedarf seiner Schuppenpanzerfarben wegen ebenso besonderer Erwähnung, wie C.F.Heyde wegen 


seiner Lacke für die Möbel-, Pianoforte- und Goldleisten-Industrie. Carl Krauthammer stellt besonders 


Kopal- und Bernsteinlacke dar. Allgemeineres Interesse werden die von ihm aus Kopalen unserer ost- 
afrikanischen Kolonie hergestellten Lacke und Firnisse erregen. 
Die chemischen und pharmazeutischen Apparate und Geräthschaften führen über zu der 


Ausstellung wissenschaftlicher Instrumente. 


Bei C. Deiters fesseln unsere Aufmerksamkeit besonders drei Apparate verschiedener Grösse und 
Konstruktion zur Bereitung von Mineralwasser mittels flüssiger Kohlensäure, unter den Ausstellungs-Objekten 
von Max Kaehler & Martini die Hofmann’schen Verlesungs-Apparate. E. Mentz vorm. H. Fleischer 
legt in seiner Fabrikation besonderen Werth auf die Herstellung feinerer Waagen. Die ausgestellten be- 
weisen, wie die Firma dauernd bestrebt ist, die Konstruktion zu verbessern. Die Polarisations- und Spek- 
tral-Apparate und Mikroskope von Franz Schmidt & Haensch zeigen, wie erfolgreich Berlin in der Her- 
stellung dieser Artikel mit anderen Plätzen zu konkurriren vermag. In der Ausstellung von Warmbrunn, 
Quilitz & Co. beweist das ausgestellte grosse Becherglas die hoch ausgebildete Technik. Bei den Am- 
broin-Werken, Hermann Gumpel, tritt uns eine Neuheit entgegen. Das Ambroin, das zur Herstellung 
von Akkumulatorenkasten, Isolatoren etc. sich eignet, ist besonders seiner Löth- und Schweissbarkeit wegen 
bemerkenswerth. 

Die Ausstellung wissenschaftlicher Instrumente und Apparate stellt eine Colleetiv- Ausstellung der 
Deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik dar. Dieselbe ist um so bemerkenswerther, als der Auf- 


64 


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Chemie-@ebäude. 


Interieurs 


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Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896, 
65 
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schwung der durch sie repräsentirten Industrieen kaum zwanzig Jahre ‘zurück datirt. Auch hier ist der bei 
der Chemie gerühmte Umstand, das Zusammenwirken von theoretischen und praktischen Kräften, die Grund- 
lage des Erfolges gewesen, der sich in dem Weltrufe der deutschen Mechanik und Optik ausdrückt. 

Unter den Fabrikanten astronomischer Instrumente seien hier. erwähnt. Carl Bamberg, Friedenau 
mit seinem vorzüglichen Passage-Instrument, Ludwig Tesdorpf, Stuttgart; wegen seiner Nivellir-Instrumente 
mit bis: zu 6ofacher Fernrohrvergrösserung. Nicht unerwähnt bleibe hier, dass zur Zeit feinste Libellen für 
astronomische Zwecke nur aus Deutschland bezogen werden können. 

In der Reihe der Fabrikanten geodätischer Präzisions-Instrumente fällt besonders Oscar Günther, 
Braunschweig, auf, dessen Spezialität photogrammetrische Instrumente sind. Die zu Aufnahmen an der 
Jungfraubahn benutzten, führt er in Modellen vor. 

Auch auf dem Gebiete der Herstellung nautischer Instrumente ist es gelungen, die ausserdeutsche Kon- 
kurrenz zu überflügeln. H. Haecke interessirt uns besonders seiner Apparate für das Tiefsee-Schöpfen wegen. 

Das Gebiet der Herstellung von Waagen und Gewichten hat den besonderen Triumph gehabt, bei 
der Einrichtung der internationalen Stelle für Maasse und Gewichte in Bretueil bei Paris herangezogen zu 
werden. Der Normalsatz der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt wird auch dem grösseren 
Publikum von Interesse sein. 


Die in neuerer Zeit hervorgetretenen Bestrebungen, durch Beobachtungen des Wetters dessen vor- 


aussichtlichen Verlauf zu bestimmen, sind wesentlich in ihrem Erfolge gebunden an die Zuverlässigkeit der 
zur Anwendung gelangenden Instrumente. Erfreulich ist auch hier der Umstand, dass die feinsten metro- 
nomischen Instrumente deutschen Werkstätten entstammen. 

Die ganze Industrie jedoch könnte einen so hohen Grad der Entwickelung nicht zeigen, wäre es 
nicht möglich gewesen, Glassorten zu entdecken, die gemäss ihrer Zusammensetzung die Fehlerquellen aus- 
schliessen. Prof. Abbe in Jena verdanken wir alle Fortschritte nach dieser Richtung. Dieselben sind den 
Mikroskopen besonders zum Vortheil gewesen. Die Instrumente von Zeiss in Jena, Seitz in Wetzlar 
rühmen zu wollen, erscheint völlig überflüssig. 

Einen durch Prof. Reuleaux gelegentlich der Ausstellung in Chicago gethanen Ausspruch, dass die 
amerikanischen Präzisions-Werkzeuge für Feinmechanik die unserigen überträfen, widerspricht hier H. Hommel 
in Mainz, mit seiner dahingehenden vollständigen und vorzüglichen Ausstattung. Unter den verschiedenen 
Ausstellern von Polarisations-Apparaten sei C. A. Niendorf erwähnt. Der von ihm vorgeführte Berg- 
krystall ist von ungewöhnlicher Grösse und dementsprechendem Werthe. Hans Heele ist wohl einer 
der besten Mechaniker für Spektroskope. 

Unter den zur Ansicht gelangenden Uhren, deren Abtheilung allerdings nur eine sehr geringe Zahl 
inell 


von Ausstellern zählt, fallen die von Rochlitz, sowie von Gebr. Meister besonders auf. Sehr ori. 


ist die aus Südsee-Gegenständen zusammengestellte dekorative Uhr von Ludwig Kötz. 


In der Ausstellung chirurgischer Apparate und Instrumente leiten aus der speziell den wissenschaft- 
lichen Instrumenten gewidmeten diejenigen Firmen über, die der medizinischen Wissenschaft deren Bedarf 
liefern. In erster Linie sei hier W. A. Hirschmann mit seinen elektro-medizinischen Apparaten erwähnt, 


von denen die Apparate zu photographischen Aufnahmen mit Röntgen’schen Strahlen in der Bergemann’schen 


Klinik Anwendung finden, R. Blänsdorf Nachfolger seiner Instrumente für Galvanokaustik wegen. Obenan 


steht für. chirurgische Instrumente die bekannte Aktiengesellschaft für Feinmechanik vorm. Jetter & Scheerer. 

H. Windler hat in seinem Schrank die Instrumentarien der hervorragendsten Berliner Aerzte vereinigt, 
während H. Hauptner seinen künstlerisch durchgeführten Pavillon mit sämmtlichen in der Thiermedizin und 
Landwirthschaft zur Anwendung kommenden Instrumenten und Apparaten ausgerüstet ‘hat... Der Beschauer 
wird überrascht durch die Reichhaltigkeit des thiermedizinischen Instrumentariums, dessen V ervollkommnung 


ein besonderes Verdienst des Ausstellers ist. Hochinteressant sind auch die im Pavillon im Betrieb befind- 


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lichen elektrischen Thierscheermaschinen. Rudolf Detert legt mehr Werth in seinem Betriebe auf die 


Herstellung orthopädischer Apparate und auf Bandagen. 


Verschiedenen der sonst hier ausstellenden Firmen werden wir im Gebäude für Wohlfahrts-Einrich- 


tungen und Unterricht abermals begegnen. Da ihrer dort Erwähnung gethan werden wird, so be 
wir uns hier damit, auf die an dieser Stelle erfolgende Besprechung hinzuweisen. 


In der zweiten Hälfte des Chemiegebäudes hat die P%otographie Unterkunft erhalten, sie, die dire 


gnugen 


kt oder 


indirekt mit fast allen Gebieten des modernen Lebens zu thun und mit Hülfe der Chemie es zu einer Vervoll- 


kommnung gebracht hat, von der man vor wenigen Jahren noch nichts ahnte, sie, die in stetem Streben nach 


immer höheren Leistungen sich zu einer wahren Kunst emporzuschwingen wusste und von sich sagen da 


rf, dass 


ihr auf dem Erdenrund nur wenig fremd geblieben ist, und die mit Hülfe der Röntgen’schen Strahlen das Wort, 


dass es nichts Unmögliches mehr giebt, bestätigt hat. 76 Aussteller zählt die Gruppe der Photographie, 


welche 


in vier Abtheilungen zerfällt: Portrait-, Landschaft- und Architektur-Photographie, dann wissenschaftliche Photo- 


graphie und Fachliteratur, drittens das photomechanische Druckverfahren mit der Wiedergabe der B 


ilder in 


Photogravure, Lichtdruck, Zinkätzung ete., und schliesslich Apparate, Materialien, Chemikalien u. s. w. 


Unter den Portraitaufnahmen zunächst finden wir ganz ausgezeichnete Leistungen, die altber 


ühmten 


Berliner Firmen rechtfertigen auf diesem Gebiet ihren langjährigen Ruf, so F. Brasch, dessen Spezialität 


neuerdings Aufnahmen in direkter Lebensgrösse bildet und der hierin bisher Unerreichtes geschaffen hat, 


V. Fechner, Albert Grundner, F, Jamrath & Sohn, Otto Lindner, Albert Meyer, Pflaum & Comp, 


Reichard & Lindner, letztere mit einer interessanten Galerie der sämmtlichen regierenden deutschen 


Fürsten 


aus dem Jubeljahre des deutsch-französischen Krieges, und J. C. Schaarwächter mit den neuesten Auf- 


nahmen des Kaisers und dem malerischen Gruppenbilde der gesammten kaiserlichen Familie, sowie eine Fülle 


von Portraits der regierenden Fürsten, der ersten Staatsmänner, der bekanntesten Gelehrten, Schriftsteller, 


Künstler etc. Von fesselndem Reiz sind die Momentaufnahmen von Ottomar Anschütz, der auc 


bekannten Schnellseher und trefflichen Apparate für Photographie und Projektion zur Ausstellung brachte, 


und M. Ziesler, dessen scharfe, stets die interessantesten Scenen vergegenwärtigenden Aufnahmen 
Mehrzahl der bedeutendsten neueren zeitgeschichtlichen Ereignisse veranschaulichen; da Zies 


Genehmigung besitzt, sich bei besonderen Veranlassungen stets in der Nähe des Kaisers befinden zu 


so ist die Sammlung seiner Bilder reich an allerhand Episoden, welche uns den Kaiser auf dem Paradefe 


1 seine 


uns die 
esdie 


dürfen, 


im Manöverterrain, auf der Jagd, der See etc. darstellen. Ein kleiner Theil unserer Aufnahmen rü 


ırt von 


ihm her, während wir die meisten derselben Franz Kullrich verdanken. Welch’ vorzüglicher Architektur- 
1 o- 


und Landschafts-Photograph der Letztere ist, wird der Leser selbst bemerken; er ist ebenfalls Aussteller mit 


künstlerischen Architekturen u. s. w. Weiter ist zu nennen F. Albert Schwartz, Die Bedeutung des 


Kunst- 


verlages von Dr. E. Mertens & Cie. erschen wir aus der umfangreichen Sonder-Ausstellung der Landschafts- 


und Städtebilder, welch’ letztere in photographischem Lichtdruck-Verfahren wiedergegeben sind und sich neben 


ihrer Reichhaltigkeit und prägnanten Aufnahme durch ihren billigen Preis auszeichnen. In den versch 


iedenen 


Arten der Vervielfältigung sehen wir musterhaft Georg Büxenstein & Comp. und Meisenbach, Riffarth 


& Comp, dastehen; ersterer Farbendruck-Verfahren nach dem Vogel’schen Patent erweckt grosses In 


Leresse, 


letztere erfreuen die Besucher u. a, durch ihre herrlichen Heliogravure-Kunstblätter, welche auch den weniger 


bemittelten Klassen einen vornehm-künstlerischen Stubenschmuck ermöglichen. Die neuesten Bereicherungen 


auf dem Gebiete der photographischen Aufnahmsapparate brachten Dr. Adolf Hesekiel & Co. zur Auss 


ellung, 


praktische Moment-Verschlüsse. und andere Utensilien G. Braun, R. Gaedicke, J. F. Schippang & Comp., 


Max Steckelmann, Objektive u. s. w. die bekannten Anstalten von C. P. Goerz und Voigtländer & Sohn. 


Amateur-Photographen hat man von dieser Gruppe ferngehalten, sie werden sich gelegentlic 
im Sommer zu veranstaltenden Sonder-Ausstellung vereinigen und zeigen, wieviel sie von den in Vorstel 


erwähnten Berliner Meistern der Photographie gelernt haben! 


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PAVILLON / “ ‘UND AUSSTELLUNG DER STADT BERLIN. 


Auf einer Berliner Ausstellung musste naturgemäss auch die Stadtgemeinde Berlin hervorragend ver- 
treten sein, und es ist warm anzuerkennen, dass sie ihre Ausstellungsobjekte nicht in die einzelnen Gruppen 
verwies, sondern sie in einem besonderen Gebäude vereinte und se ein wahres Bild ihrer Gesammtleistungen 
auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens gewährt. Der mit einem Kostenaufwand von 
110000 Mark erbaute Pavillon befindet sich unmittelbar links von der Treptower Chaussee, dieser seine 
Hauptfront zukehrend; auf einem Cement-Unterbau erhebt sich in dunkelbraunem Holzfachwerk das Gebäude, 
dessen Mittelbau von stattlicher Kuppel und einem zierlichen Thürmchen gekrönt ist, während die beiden 
Seitenlügel etwas zurücktreten, die den Hau bteingang flankirenden Vorderbauten weisen das Wappen der 
Stadt Berlin mit dem Bären auf, einzelne bunte Fenster, zumal der Nordhalle, zeigen uns die Vereinigung 
von Kunst und Handwerk und die Berolina, welche ihrer stärkeren Schwester Germania die Erzeugnisse 
des Berliner Kunstgewerbes darbringt, dann die Bildnisse von Holbein und Albrecht Dürer u. s. w. 

Durch den Haupteingang betritt man zunächst den Kuppelsaal, der uns die Bestrebungen der 


Berliner Städtischen Verwaltung auf künstlerischem- Gebiet vorführt, zunächst in der markig- schönen 


Figur der auf dem Alexanderplatze aufgestellten Hundrieser'schen Berolina, mehreren von Ns lertel 
stammenden Skizzen zu Wandgemälden im Vestibül des Rathhauses, einem von O. Geyer herrührenden 
Modell zu einer den Ackerbau darstellenden Marmorfigur ebendaselbst, dem Modell des imposanten 
Wassersturzes im Victoria-Park und noch einigen anderen Modellen von Brücken und sonstigen Bauten, auf 
welche die Stadt — vom künstlerischen Standpunkte aus — freilich nicht allzu stolz sein darf, und die 
wiederholentlich herb genug beurtheilt wurden. 

In der linken, nördlichen Seitenhalle sind die Ausstellungen der Handwerker- und Fortbildungsschulen 
untergebracht, aus Modellen, Zeichnungen, Glas- und Wandmalereien u. s. w. bestehend, viele der Ar- 
beiten uns hohe Achtung vor dem Können und Streben ihrer jugendlichen Verfertiger abnöthigend. 
Aber auch die mehr praktischen Leistungen, so diejenigen von den Zöglingen der Fachschulen für Maurer, 


Zimmerer und Steinmetze, für Sattler und Schornsteinfeger, für Barbiere, Friseure, Stel- und Rade- 


macher etc. sind hohen Lobes würdig; nicht minder die zur Ausstattung der Räume gehörenden hübschen 


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Polsterarbeiten aus der Fachschule für Tapezierer und der Sessel und Lehnstühle aus der Fachschule für 
Korbmacher. Diese für einen tüchtigen Nachwuchs unseres Handwerkerstandes sehr wichtigen Fachschulen 
werden ausser durch die Stadt Berlin, welche den wesertlichsten Zuschuss leistet, noch durch den Staat 
und die Innungen unterstützt, ferner durch die Interessenten und Stiftungen. Im Ganzen bestehen 24 der- 
artiger Schulen, von denen einzelne 500 und mehr Schüler — die der Tischler sogar 650 — während 
des Winters zählen, während die beiden Handwerkerschulen im letzten Winter sogar von über 3000 Schülern 
besucht wurden und einen materiellen Zuschuss seitens der Stadt von 1653 000 Mark erforderten. 
Aber was will diese Zahl bedeuten gegen die Riesenziffern, denen wir in der anderen, rechts 


liegenden Halle begegnen, in welcher in einzelnen Kojen, sowie auf den im Mittelschiff dieser Halle er- 


richteten Tischen, sei es in Modellen, in Plänen, in Zeichnungen etc. die hauptsächlichsten städtischen 
Unternehmungen uns veranschaulicht worden sind. Hier finden wir all’ die bedeutsamen gemeinnützigen Werke 


vereinigt, denen Berlin im letzten Vierteljahrhundert sein grosses Ansehen unter den übrigen Weltstädten 


verdankt, Werke, die Millionen und Abermillionen verschlungen haben und noch jährlich verschlingen, die 


dafür aber die deutsche Reichs nauptstadt zu einer gesunden, sauberen, äusserlich wie innnerlich adretten 
machten, die auch den Unbemitteltsten ihrer Kinder Bildung zuführten und für die Armen und Kranken, die 
Tüle und Obdachlosen in umfassendster Weise sorgten! 


Wie trefflich ist beispielsweise das städtische Schulwesen geregelt, das, da der Schulunterricht in 
den Gemeindeschulen bekanntlich gänzlich unentgeltlich ist, jährlich dem Stadtsäckel viele Millionen Mark 
kostet. 1869 zählte man 557 Klassen der Gemeindeschulen in Berlin, heute 3550, deren überwiegendste 
Mehrzahl sich in eigenen Schulgebäuden befindet. Auch der Erziehung und Unterrichtung der blinden und 
aubstummen Kinder wurde grosse Sorgfalt zugewendet, wovon die ausgestellten vielseitigen Arbeiten 


und Unterrichtsmittel zeugen. Nicht geringere Aufmerksamkeit wie die Schulen erforderten, als nach dem 


etzten glorreichen Kriege das ungeahnte Emporblühen Berlins begann, die Krankenhäuser und Irren- 
anstalten, von denen uns die neuesten am Urban in Berlin, in Herzberge bei Lichtenberg und in Wuhl- 
garten bei Biesdorf vorgeführt werden, ebenso die wichtigen Desinfektions- Anstalten, von denen aus die 
Desinfektionen der von ansteckenden Krankheitsfällen betroffenen Wohnungen und Häuser vorgenommen 
werden. Ausgezeichnet geregelt ist die Armen-Verwaltung, zu der auch die Versorgung der Waisen, die 
Erziehung ungerathener Kinder, die Pflege und Unterbringung der Siechen und das Städtische Obdach 
gehören; ‚letzteres kann allein 600 Angehörige von Familien im sogenannten Familien - Obdach und 
2800 Asylisten in den Barackensälen (40 mit je 70 Schlafstätten) unterbringen. Mit der Pflege des Schul- 
wesens geht auch‘ die des Turn- und Badewesens Hand in Hand; in Modellen sehen wir die Turnhalle 
eines städtischen Gymnasiums, eine Flussbadeanstalt, zwei Volksbadeanstalten — deren Errichtung allein 
765000 Mark kostete — und ein Brause-Bad in einer Gemeinde-Doppelschule. 


Sind die vorstehenden städtischen Unternehmungen der Einwohnerschaft selbst gewidmet, so die 
anderen der Stadt als solcher. Hier gewinnen wir einen Einblick in die städtischen Gaswerke (die 1854 
61), Million cbm und 1895 über 107'/, Million cbm Gas abgaben) mit ihren neuesten, jegliche Gefahr 
möglichst ausschliessenden Einrichtungen, in die Park-, Garten- und Friedhofs-Verwaltung, in das Markt- 


hallen-Wesen und zwar besonders in die Central-Markthalle am A exanderplatz, deren Bau die Kleinigkeit 


von 4” Millionen Mark erforderte. Uns mit der städtischen Bau-Verwaltuns hier näher zu beschäftigen, 


würde zu weit führen, auch dürften wir manch’ gerechtes Bedenken dabei nicht unterdrücken; erwähnen 
b} Fo} 21 


wollen wir nur, dass mit Rücksicht auf die Ausbreitung des Stadtbildes und den stetig wachsenden Ver- 
kehr nicht nur eine ganze Reihe neuer Brücken über die Spree und den Landwehr-Kanal errichtet, sondern 
dass auch die Mehrzahl der bisherigen Brücken erneuert oder umgebaut werden musste, Hand in Hand 
ging hiermit die Schaffung grosser Hafenanlagen, dem sehr gesteigerten Wasser-Verkehr Berlins dienend. 


Von hohem Interesse s'nd zwei grosse Modelle, welche uns einen Einblick in das unter'rdische Berlin ge- 


72 


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ktrischen Beleuchtung etc, 


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ogenen Sämereien, Gemüsen und Früchten zusammensetzt, Noch nähere Bekanntschaft mit diesen Felde 


Städtilche Daffermerke Berlin, 


Filter 


ilteranlage und Rieselfeld. 


ıren, die Durchschnitte zweier Strassen darstellend, an denen wir zunächst verschiec enartige Pflasterungen 
kennen lernen, dann die Unterbringung eiserner Kästen zur Sandbestreuung (bei Glatteis, feuchtem Wetter IC), 
Aufnahme der thierischen Abfälle, ferner all’ die zahllosen, den unteren Strassen körper durchziehenden 
ır- und Kabelleitungen der Gas- und Wasserwerke, der Telephon- und Telegra phen-Verwaltung, der 
Die Kanalisation und die Wasserwerke nahe der Stadt zur Versorgung der 
teren mit gesundem Leitungswasser werden uns noch besonders veranschaulicht in Modellen, Zeichnungen 
Plänen; die vielangefeindeten und angezweifelten Rieselfelder lernen wir hier nicht nur im Abbild 


kennen, sondern sehen auch ihre Erzeugnisse in Gestalt eines & 


rossen Aufbaues, der sich aus auf ihnen 


n 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


können wir ausserhalb des Pavillons schliessen; hier befinden sich 


Ma: 


zwei Riesclabtheilungen in verkleinertem 


tabe, deren kräftiges Gemüse den Neid manches Gärtners erwecken dürfte; zur Beruhigung sei mit- 


getheilt, dass das zur Berieselung dienende, aus Berlin kommende Dungwasser gehörig geklärt und von 


Fäkalstoffen ge 


äubert wird. Ferner befindet sich hier im Freien der Theil eines Haupt-Kanalisationsrohres 


mit den Mündungen aus einzelnen Häusern und einem Einsteigeschacht; durch diese auf das festeste gedichteten 


Rohre, die unten eiförmig sind, damit sich nicht kompaktere Stoffe festsetzen können, werden die über- 


flüs 


sorgt wird, zeigt uns ein gleichfalls hier draus 


anlagen, die alle irgendwie schädlichen Stoffe entfernen, und wenn das Wort eines berühmten franzi 


sigen Gewässer, die Abfuhrstoffe etc, aus Berlin fortgeführt. 


Wie Berlin mit gutem Trinkwasser ver- 
o- 


n befindliches Wasserwerk mit den sorgfältigsten Filter- 


ischen 


Technikers Geltung hat, dass jene Stadt die gesündeste und beneidenswertheste sei, welche ein gutes Trink- 


wasser besitzt und sich am schnellsten und unsichtbarsten ihrer Abfallstoffe entledigt, so dürfen wir nach 


dem hier Gesehenen doppelt stolz auf unser Berlin sein! 


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AUSSTEELUNG 


FÜR 


GESUNDEPNSLELFER 
WOHLFAHRTS -EINRICHTUNGEN, 
UNTERRICHT UND ERZIEHUNG. 


Den vorderen Theil dieses durch die Ueberführung über die elektrische Rundbahn in zwei Theile zer- 
fallenden, in nordischem Holzstil ausgeführten Gebäudes nehmen Unterricht und Erziehung ein. 

In richtiger Erkenntniss hat die Leitung der Ausstellung diese jedoch dahin beschränkt, als das 
Gewerbe die für dieselben nothwendigen Hülfsmittel liefert, oder aber die in dem gewerblichen Unterricht 
durch Fach-, Fortbildungs- oder Gewerbe-Schulen erzielten Erfolge vorgestellt werden können. 

Nur nach einer Seite hin ist von diesem Plane abgegangen, in der .der Kindergarten-Erziehung. 
Hier wird in dem Unterrichtsraum und dem ihm angeschlossenen Spielplatz „lebend“ die Benutzung der 
Lehr- und Lernmittel gezeigt. 

Da der Unterricht und die Erziehung im Kindergarten eine öffentliche zu werden beginnen, weichen 


wir von der beliebten Aufstellungsordnung ab und beginnen unsere Besprechung hier, 
In Verbindung mit dem Pestalozzi-Fröbelhaus und den Berliner Vereinen für Fröbel’sche Erziehungs- 
weise hat Hugo Bretsch hier das Lehrmaterial nach Frö bel vollständig zusammengetragen. Arbeiten der 


Lehrerinnen, als Vorlagen dienend, die der Kinder, um zu zeigen, wie weit dieselben ihren Mustern zu 


folgen vermögen, erläutern auch ausserhalb der Beschäftigungs-Stunden schr hübsch die verfolgten 
Bestrebungen. 

Auf der entgegengesetzten Seite der Halle liegen die der Mittel. und Oberstufe der Volksschule 
gewidmeten Räume, 

Die hierin aufgestellten Subsellien von Schuster & Krause entsprechen den an dieselben gestellten 
Anforderungen, die Kinder während des Sitzens im Kreuz zu stützen. Der höhere Unterricht ist nur durch 
Lehrmittel und Bücher vertreten. Naturgemäss beziehen sich die ersteren mehr auf den Unterricht in der 
beschreibenden Naturkunde oder auf die experimentellen Wissenschaften, Physik und Chemie. Die Zinnaca, 
naturhistorisches Institut, rivalisirt auf diesem Gebiete mit R. Brendel, welcher uns auch noch als Ver- 
fertiger der nach Angaben des Kgl. Botanischen Instituts geschaffenen Modelle begegnet. Die Statuetten 
von Rassethieren von Max Landsberg sind ausgezeichnete Leistungen für landwirthschaftliche Lehr- 


anstalten. 


75) 


[MR &C®ch 


Wohlfahrts- und Schul- Ausstellung. 


Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1895, 


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und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
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Wohlfahrts- Ausstellung. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photogra 


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Paula Guenther weist eine sehr sauber ausgeführte, instruktive, anatomisch-physiologische Demon- 


strationstafel auf. Die Krystallmodelle von Mineralien aus Holz und Glas von CE. F. Pech beweisen 
eine Ueberlegenheit ähnlichen Fabrikaten gegenüber. 

Ferdinand Ernecke sowie Hans Helle, dessen wir schon im Chemie-Gebäude gedachten, unterscheiden 
sich vielleicht nach der Richtung hin, dass ersterer Unterrichts-Apparate für weniger mit Geldmitteln aus- 


gestattete Anstalten liefert. Bei Leppin & Masche treten die chemischen Unterrichts-Apparate mehr hervor. 


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Wandelsans, Schul- und Wohlfahrts- und Haupt-Indusfrie-@ebäude. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigung 


ten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


Ernst Schotte & Co. führen die Unterrichtsmittel für Geog 


phie in Tellurien, Planetarien, Globen 
und Karten in ausgesucht schönen Exemplaren vor, während E. Hoernemann eiserne und hölzerne Kasten- 
schoner und -Ständer zeigt. Die Anschauung im Geschichts-Unterricht wird gut vertreten durch Heinr. 
Walger mit seinen Reliefkarten, von denen die von Olympia hervorgehoben werden mag. Turn- und 
Spielgeräthschaften zeigt in bewährter Weise A. Zahn, während uns bei Emil Mirass die Fuss- und 
Schleuderbälle am zweckdienlichsten angefertigt zu sein scheinen. 

Unsere hervorragendsten Verlagsfirmen auf dem Gebiete des Schulbücherwesens, E. S. Mittler & 
Sohn, Nicolai, Wiegandt & Grieben sind selbstredend auf dem Plan erschienen. Aus dem Verlage 
von Wilhelm Gronau seien Ricken’s Lehrbücher der französischen Sprache, bearbeitet nach den neuen 
Lehrplänen, besonders genannt. 

Das akademische Lehrwesen ist seitens der Universitäten nur nach botanischer Seite hin zur Geltung: 
gebracht. Die bei Parey erschienenen Tafeln und die Modelle von Brendel resp. Osterloh werden Fach- 
leute gern in Augenschein nehmen. Die vom Botanischen Museum ausgestellte Sammlung essbarer Pilze 
und ähnlicher schädlicher Art in Modellen ist auch für das weitere Publikum sehr dankenswerth. 


78 


Die am Eingange des Gebäudes veranstaltete Ausstellung der Abtheilung für Schiff- und Schiffsmaschinen- 
bau der Königlichen technischen Hochschule hat sicher einen hohen Lehrwerth. In die Arbeitsmethoden 
der Kgl. geologischen Landesanstalt gewähren deren Kartenwerke Einblick. Der im Modell vorgeführte 
Apparat für Tiefbohrungen ist um so grösserer Beachtung sicher, als es gelungen ist, mit einem derartig 
gebauten bis über 2 km Tiefe niederzugehen. 

Bei dem heute weitverbreiteten photographirenden Publikum verfehlt die historische, vergleichende 
Schaustellung des Photochemischen Laboratoriums der Königlichen technischen Hochschule sicher 
nicht, grossen Anklang zu finden. 

Die hauptsächlich mit dem Namen des Abgeordneten von Schenckendorff verknüpften Bestrebungen 
des Vereines für Knaben-Handarbeit erhalten durch die Arbeiten der fünf in Berlin vorhandenen Schüler- 
werkstätten Ausdruck. Ihr vorzüglicher Ausfall lässt um so mehr die geringe Anzahl der hiesigen Werk- 
stätten bedauern. Sehr zu loben ist die Ausstellung des Lette-Vereins. Möchte seinen Zielen, die 


Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechtes zu fördern, auch hier die erhoffte Anerkennung werden. Bei 
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dem harten Kampfe, den die Stenographischen Vereine in Bezug auf grössere Vollkommenheit ihrer 
respektiven Systeme führen, war es für dieselben geboten, vollzählig auf dem Treptower Kampfplan zu 
erscheinen. Aber auch demjenigen, der in die Feinheiten ihrer Methoden nicht einzudringen vermag, wird 
angenehme Anregung die Vorführung grösserer Schaustücke bieten, wie der Band des Generalstabswerkes über 
den deutsch-französischen Krieg, der in Kurzschrift nur die Oberfläche einer Säule von mässigem Umfang und 
geringer Höhe bedeckt. Ihre Absichten, die Handschrift zu verbessern, führen in gelungener Weise Professor 
Maas und H. Strahlendorff vor. Auch die Zeichenvorlagen von Wilh. Hermes seien hier genannt. 
Der Unterricht in Handwerker-Schulen lässt sich in Berlin, wo aus jedem Handwerk die nöthige 
Zahl von Schülern zur pflegsamen Bildung derartiger Kurse vorhanden, besonders fördern. Die ausgestellten 


Arbeiten sind allein schon Ausdruck des Lobes für Lehrer wie Schüler. Sie sind für letztere um so an- 


erkennenswerthere Leistungen, als sie neben und nach einer gewerblichen Thätigkeit geschaffen wurden. 
Die Victoria-Fortbildungsschule erreicht bei ihren weiblichen Zöglingen ebenso gute Resultate. 

Das Kunstgewerbe, dessen Bestrebungen in Berlin besonders nicht erlahmen dürfen, wird durch die 
Unterrichts-Anstalt des Königlichen Kunstgewerbe-Museums am besten vorgeführt. Das Sitzungs- 
zimmer des Staatsministeriums im neuen Landtagsgebäude, dessen Ausstattung der höchsten Behörde Preussens 
in Würde entspricht, ist ein hoher Ausdruck ihrer Leistungsfähigkeit. Unter den Arbeiten der Königlichen 
Kunstschule machen sich die in der Klasse des Herrn Kruse hergestellten ganz besonders auszeichnend be- 
merkbar. Dass auch die Privatthätigkeit auf diesem Gebiete Hervorragendes leistet, beweisen die von 
Schülerinnen und Schülern Hans Richter’s gefertigten Malereien auf Porzellan, sowie die Holzschnitzereien 
und Lederarbeiten aus dem Atelier von Helene Schindler. 

Der zweite Theil des freundlich wirkenden Gebäudes, jener hinter der Ausstellungsbahn liegende, ist 
den Wohlfahrtseinrichtungen bestimmit, die uns zeigen, was auf staatlichem wie privatem Wege für die in 
den Fabriken und Werkstätten Angestellten sowohl als auch für die Bedrängten, die Armen und Kranken 
gethan wird. Hier auf diesem Gebiete hat der Ausgang unseres Jahrhunderts manch’ grossen Erfols auf- 
zuweisen, und das Zeitalter der Erfindungen darf auch vollauf den Anspruch erheben, dasjenige der 
Humanität, der Sorge für die Schutz- und Hülflosen genannt zu werden. Einen breiten Raum nimmt hier 
das Deutsche Reich ein, ‚welches mit Tabellen, ‚statischen Aufzeichnungen und Drucksachen zeigt, wie sehr 
den leitenden Behörden das Wohl der arbeitenden Klassen sowohl wie aller Stände überhaupt am Herzen 


liegt. Interessant sind die Aufstellungen des Kaiserlichen Gesundheritsamtes, aus denen in der untrüglichen 


Zahlensprache hervorgeht, wie sehr die früher so gefürchteten Seuchen, als Cholera und Pocken, durch die 
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allgemeinen hygienischen Massregeln ihre Schrecken verloren haben, wie nicht minder die Berichte des 


Reichs-Versicherungsamtes, dessen Wandtafeln uns einen klaren Blick über die Entwickelung der Arbeiter- 


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binke Plügelöruppe an der Wandelhalle. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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versicherungs-Gesetzgebung des deutschen Reiches geben; betrug doch 1894 in Deutschland die Zahl der 


durch die Krankenkassen entschädigten Erkrankungsfälle von Arbeitern 2 710000 mit 47!» Millionen 
Krankheitstagen bei 7760000 versicherten Personen, und ferner wurden von den 309468 Unfällen des 
Jahres 1895 nicht weniger wie 75 964 als entschädigungsberechtigt anerkannt. Wieviel Noth und Elend 
wird durch diese vom Staat bestimmten und kontrollirten Entschädigungen jetzt gelindert, während früher 
der in seinem Berufe verletzte und invalide gewordene Arbeiter meist auf die Gnade und Barmherzigkeit 
der Fabrikbesitzer und wohl gar auf milde Unterstützungen Anderer angewiesen war. 

Nicht zuletzt durch diese Entschädigungen veranlasst, welche den einzelnen Betrieben grosse materielle 


Opfer auferlegen, sind im Laufe der letzten Jahre wesentliche Anstrengungen gemacht worden, um 


Unglücksfälle mehr und mehr zu verhüten, und wir schen in dieser Gruppe der Ausstellung eine ganze 
Reihe von Erfindungen verkörpert, welche von höchstem Werth für Leben und Gesundheit der Arbeiter und 
Arbeiterinnen sind. So stellten u. a. R. Bithorn & Co. sehr praktische Balancirleitern ohne Stützen aus, 
A. Goede Schutzvorrichtungen für bestimmte Sägen und Maschinen, Otto Köhsel & Sohn Nachfolg. 
unverbrennbare Bekleidungs- und Gebrauchsgegenstände aus Asbeststoffen, Bernward Leineweber sowie 
Emil Neumann Arbeits-Anzüge zur Verhütung von Unfällen in Maschinenbetrieben, Richard Schwartzkopff 


Dampfkessel-Sicherheitsapparate zur automatischen Meldung von Wassermangel und Drucküberschreitung 


und M. M. Wielandt allerhand Rauchschutzapparate, Feuerschutzanzüge und sonstige Gegenstände zur 
schnellsten Bekämpfung des wohlthätigen und, entfesselt, so unheimlichen Elementes. Hierhin gehört auch 
die Kollektiv- Ausstellung der in Berlin ansässigen Berufsgenossenschaften mit ihren vielen Unfallverhütungs- 
vorrichtungen in den einzelnen Gewerben, die uns in Modellen, Zeichnungen und Schriften vergegenwärtigt 
werden, und die Ausstellung der Berliner Feuerwehr mit Spritzen, Rettungsapparaten etc. sowie dem grossen, 
instruktiven Modell einer städtischen Feuerwache. 

Haben wir in dieser Abtheilung die direkten Vorkehrungen gegen die das Leben bedrohenden Ge- 
fahren kennen. gelernt, so treten uns in einer benachbarten Gruppe die indirekten Massregeln gegen allerhand 
unser Dasein vernichtende Feinde entgegen, und zwar steht hier der Kampf gegen die Bakterien obenan. 
Erprobte bakteriologische Apparate verdanken wir Paul Altmann, F. & M. Lautenschläger, 
Dr. H. Rohrbeck sowie J. Klönne & G. Müller, und sie leiten uns zur Krankenpflege über, die ja 
gleichfalls neuerdings so wesentliche Vervollkommnungen erfahren hat. Nicht nur hinsichtlich der wissen- 
schaftlichen Vorkehrungen, die namentlich bei chirurgischen Unglücksfällen eine schnellere und sichere 
Heilung ermöglichen, sondern auch bei der bequemeren und praktischeren Ausstattung der Krankenstuben, 
sei es in den öffentlichen Heilanstalten oder in Privatwohnungen. Besucht man beispielsweise das links 
ausserhalb des Haupteinganges untergebrachte Zelt mit den vom Geh. Ober-Regierungsrath Professor 
Spinola (dem Leiter der Berliner Charite) und dem Privatdozenten Dr. M. Mendelssohn in vergleichender 
Uebersicht zusammengestellten Geräthschaften für die häusliche Krankenpflege, so darf man mit Recht von 
einem Luxus in der Krankenstube sprechen, aber wie wohlthätig ist dieser Luxus den Leidenden. Aus- 


gezeichnet sind die von den Vereinigten Fabriken zur Anfertigung von Sanitütsgeräthschaften vorm. 


Lipowsky, Fischer, C. Maquet ausgestellten Krankenhaus-Einrichtungen und Möbel zur Privat-Kranken- 
pflege, die Haus- und Reise-Apotheken von Hans Friedlaender und die orthopädischen bezügl. chirurgischen 


Apparate von F.Beely und Max Boettcher jr.; als sehr verwendbar dürfte sich ein (gleichfalls vor dem 


Haupteingang befindlicher) von Dr. D. Hönig ausgestellter Krankentransportwagen in Velocipedform erweisen. 


Reich an praktischen Erfindungen ist ferner die Gruppe für Städtehygiene und Bauwesen; in ihr 
nehmen einen breiten Raum die in zahllosen Städten eingeführten Strassen-Sprengwagen, Kehrmaschinen und 
Abfuhrwagen zur geruchlosen Entleerung von Abortgruben etc. seitens der Firma Carl Beermann ein, wie 
überhaupt die schnelle Beseitigung von Müll und sonstigen Abfallstoffen die Veranlassung zu manch’ prak- 
tischen Erfindungen gegeben hat, so u. a. zu einem zur Verarbeitung. derartiger Stoffe eingerichteten Ofen 


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ungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


Blick vom Kuppelsaal in die faupthalle. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältig 


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des Ree.-Baumeisters Gustav A. F. Müller und zu dem Müllwagen von Hermann Scheller. Neuerungen 
finden wir ferner in der Gruppe für gesundheitsfördernde Ernährung und Bekleidung, zu der auch der 
hübsche Thee-Pavillon von J. L. Rex gehört, und in derjenigen des Dadewesens mit dem Brause-Volksbade 
des Berliner Vereins für Volksbäder und den Bade-Einrichtungen von Conrad & Grübler, M. Grund, 
E. Krafft und E. Schiegnitz; unter ihrer bekannten Schutzmarke »Bade zu Hause« hat die Firma 
Toosdorf & Hochhäusler einen eigenen Pavillon mit grossem Ausstellungssaal und in Betrieb befindlicher 
Tusterbadeanstalt nahe dem Haupteingange vom Ausstellungs-Bahnhofe errichtet. 

Von hoher Wichtigkeit ist schliesslich die Gruppe der Wohlfahrts-Einrichtungen, die uns vor Augen 


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führt, was einzelne Private und Gesellschaften zum Besten ihrer vom Glück wenig begünstigten Mitmenschen 


gethan haben. Wie segensreich ist da in erster Linie der Berliner Asyl-Verein für Obdachlose, der 


seit seinem 25jährigem Bestehen schon Millionen unentgeltliche nächtliche Unterkunft und Erquickung gewährt 


hat, und der uns in Zeichnungen sein im Bau begriffenes neues Männer-Asyl vorführt, das vom Herbst an 


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800 Männern Nacht für Nacht Aufenthalt gewähren wird. Wohlthätig in anderer Weise wirkt der Verein 


für die Berliner Arbeiter-Kolonie, der den Zweck hat, gesunden, arbeitslosen, aber zur Arbeit fähigen 


und willigen Männern in Zeiten der Bedrängniss Arbeit, Verpflegung und Obdach zu gewähren; eine Zahl 
von in der Kolonie gefertigten Gegenständen zeigt uns, was diese vorübergehend Arbeitslosen bei gutem 
Willen und tüchtiger Anleitung zu leisten vermögen. Nach anderen Richtungen hin wirken nicht minder 
erspriesslich der Berliner Verein für häusliche Gesundheitspflege, der sich die Gesundheits- und 
Krankenpflege Unbemittelter zur Aufgabe gestellt hat; der Berliner Verein für Volkserziehung mit 


Arbeiten aus dem Kindergärtnerinnen-Seminar, der Haushaltungsschule und den Handfertigkeitsklassen; und 


der Berliner Verein gegen Verarmung, der nur die wirklich Bedürftigen unterstützt, die so oft hinter 
den Professionsbettlern zurückstehen müssen. Mit Freuden verfolgt man die grossen Erfolge des Comite’s 
für Ferien-Kolonien, die von Jahr zu Jahr mehr erholungsbedürftige Kinder in den Wald, an die See, 
in die Berge schicken können, und des Vereins für Kinder-Heilstätten an den deutschen Secküsten, 
welcher bereits über 430 Betten auf Norderney, Sylt etc. verfügt. Eine willkommene Ergänzung zu den 
Berliner Volksküchen von 1866, die uns in dem Modell einer Volksküche und in täglich wechselnden 
Speisen vorgeführt werden, bilden die Kinder-Volksküchen, deren Vorführung nahe dem Alpen-Panorama 
ein besonderer Platz angewiesen wurde; gleichfalls der Jugend und zwar deren hauswirthschaftlichem Unter- 
richt widmet der Verein für das Wohl der aus der Schule entlassenen Jugend und der Verein 
Kinderhort seine Aufmerksamkeit. Hier erwähnen wir auch des Pavillons mit der Samztätswache der 
Vereinigung der Berliner Sanitätswachen, in welchem bei Unglücksfällen und plötzlichen Erkrankungen 
sofort Hülfe zu finden ist; der Verein hat in Berlin 18 Sanitätswachen ins Leben gerufen, in denen von 
Abends 10 bis Morgens 7 Uhr die erste ärztliche Hülfe geleistet wird. 

Den wohlthätigen Bestrebungen der vorgenannten Vereine, deren Liste wir noch vergrössern könnten, 
eifern einzelne Fabriken und Inhaber bedeutender Firmen nach. In einem grossen Modell wird uns der 


Kindergarten der W. Spindler’schen Fabrik zu Spindlersfeld v 


geführt, in welchem 80 Kinder von 
Arbeitern oder Angestellten der Fabrik während Sommer und Winter Aufnahme und Unterricht in Beschäf- 
tigungen nach dem Fröbel'schen Lehrplan finden. In Wort und Bild erhalten wir sodann einen Einblick in die 
Rudolf Mosse’sche Erziehungsanstalt in Deutsch-Wilmersdorf, und auch die Wohlfahrtseinrichtungen 
der Chemischen Fabrik auf Actien vorm. E. Schering lernen wir genau kennen und schätzen. 
Gerade diese Abtheilung dürfte zu den wichtigsten und interessantesten der Ausstellung gehören; 
schildert uns letztere an vielen Stellen den Luxus und Reichthum Berlins, wohl auch in mancher Hinsicht 
seinen Prunk und Ueberfluss, so werden wir hier vertraut gemacht mit dem wohlthätigen, unterstützungs- 


bereiten Sinn vieler seiner Einwohner, die mit Hingebung und Innigkeit das biblische Wort erfüllen: 


«Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!« 


54 


DAS HAUPT-INDUSTRIE-GEBÄUDE. 


Nachdem die ursprünglich geplante Weltausstellung in den Gedanken der führenden Kreise zunächst 
die Abschwächung zu einer nationalen und dann weiterhin zu einer Ausstellung mehr lokaler Natur er- 
fahren, erschien es von selbst ausgeschlossen, die letzten Ausstellungen von Paris und Chicago architektonisch 
zu übertrumpfen, wie es etwa durch irgend eine Kolossalanlage hätte geschehen können. Das deutsche 
Bauwesen steht in jeder Hinsicht auf der Höhe der Gegenwart, und in technischer Beziehung lag keinerlei 
Schwierigkeit vor, durch eine gemeinsame Schöpfung der Architektur und des Ingenieurfachs irgend ein 
verblüffendes Monstrum in die Welt zu setzen. Man hat glücklicherweise davon abgesehen und ist mehr 
darauf bedacht gewesen, dem landschaftlichen Rahmen der Berliner Ausstellung durch das Industriegebäude ein 
Werk einzufügen, das in seiner ganzen Konception von einfacher Grösse und glücklichstem Charakter ist, und 
das zusammen mit dem Hauptrestaurant und dem vorliegenden See ein ausserordentlich gelungenes Ganzes bildet. 

Der Erbauer des Industriepalastes, der durch hervorragende Begabung weithin bekannte Architekt 
Bruno Schmitz, ist der Schöpfer der grossen Kaiserdenkmäler auf dem Kyffhäuser, an der Porta West- 


falica und auf dem deutschen Eck im Rheine bei Koblenz. Mit derselben Grösse des Gedankens, welchem 


diese herrlichen Werke entsprungen sind, hat er sich der hier gestellten, völlig anders gearteten Aufgabe 
gewidmet und mit sicherem Wurf die schwerfällige Masse langer Fronten bewältigt. Es war keine leichte 
Arbeit für eine Fläche von der Grösse des Gensdarmenmarktes in Berlin ein zusammenhängendes Gebäude 
zu schaffen, das nach Aussen den Charakter einer Ausstellung nicht verläugnen und dabei trotz seiner 
enormen Ausdehnung, seiner vorübergehenden Bestimmung wegen dennoch den Schein einer falschen Monu- 
mentalität vermeiden sollte. 

Die Frage, ob man das Hauptgebäude, mit Rücksicht auf eine direkte architektonische Wirkung, 
nicht besser auf der Treptower Chaussee, also in der Lage des Haupteingangs von Westen her hätte 
errichten sollen, kann hier füglich übergangen werden, weil die jetzige Lösung ganz allgemein befriedigt; 
doch sei nur hervorgehoben, dass das Gebäude an jeder anderen Stelle die Beseitigung einer grossen 


Strecke alter Alleebäume erfordert haben würde, die sich von selber verbieten musste. 


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Ausstellung des Hofmarschall- Amts. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für 


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die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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@Ausstelluns der Kl. Porzellan-Manufactur. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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Die jetzige Anlage an dem Neuen See ist zweifellos eine ebenso originelle, wie schöne Gruppe 
und hat den ungemeinen Vorzug, trotz all des Grossen schon dagewesenen, doch wieder etwas 
Bedeutendes und Schönes geschaffen zu haben. Wer sich auf den kleineren Landes- und Provinzial-Aus 


stellungen des letzten Jahrzehntes an dem sogenannten Ausstellungsstil übersättigt hat, wird sich freuen, hier 


eine höchst eigenartige Schöpfung zu finden, die alles langweilige und schulmässige glücklich vermeidet, 


ohne dabei irgendwie trivial zu werden. 


Der Schöpfung des Hauptgebäudes liegen bestimmte Ideen zu Grunde, die uns den Architekten 


desselben von Neuem als einen sehr geschickten Baumeister und Künstler erkennen lassen. Sollte der 
See die Hauptlinie des Centralparkes markiren, so konnte das grosse Industriegebäude, um nicht allzuweit der 
Stadt entrückt zu sein, nur an der Westseite desselben angelegt werden, auf einem ungleichmässigen Gelände, 
dessen Grundform auf allen Seiten durch den alten Baumbestand eingeengt wurde. Wer einmal um das 
ganze Gebäude herumgeht, wird schen, dass die Seitenhalle anscheinend ganz nach Willkür weiter oder 
weniger weit in den Park hinausreicht, in Wirklichkeit hat man vor jedem einzelnen Baume Halt 


gemacht — daher die unregelmässige Grundform. 


Bei der Architektur ergaben sich ebenfalls Schwierigkeiten, die dadurch glücklich überwunden wurden, 
dass man der grossen Westhalle einen schmucken Arkadengang vorlegte und dass die künstlerische Betonung: 
der ganzen Anlage ihren Schwerpunkt in der Höhenentwickelung des Mittelbaus gefunden. So entstand dies 
merkwürdige Bild, das heute vor uns liegt, wie aus einer fernen Zone von wärmerem Klima hierher ge- 
zaubert. Nun hebt sich in dem Herzen der Gruppe leuchtend die flache Kuppel hervor, in ihrer breiten 
vollen Wirkung gesteigert durch die schlanken kühnansteigenden Thürme, deren dolmenartige strahlende 
Bekrönung etwas Fascinirendes an sich hat. — 


ünden, wo solcherlei 


Unwillkürlich jagt man im Geiste die historischen Stile durch, um zu erg 
Form zu Hause sei! Und schliesslich bringt uns der Flug der Ideen fernhin nach Spanien, wo die letzten 
Epigonen der maurischen Kunst unter dem Einflusse des klassischen Italien derartige Gebilde zu schaffen 


wussten. Toledo, Saragossa, Burgos, Granada — wem drängen sich beim Klange dieser Städte nicht allerlei 


romantische Bilder auf, die wie Marmor leuchtend in der südlichen Gluth der iberischen Insel scharfumrissen 
zum blauen Himmel ansteigen? 

Die Silhouette der Industriehalle ist von berückender Eigenart, die Linien der Kuppel verschwimmen 
in den duftigen Tönen des fernen Horizontes, und nach dem Vordergrunde hin setzt sich die Skala der 
Effekte fort bis zu dem reichvergoldeten Portale. Von der Seite nimmt man den gigantischen Bogen wahr, 
durch den eine Fülle des Lichtes in die stolze Kuppel getragen wird, und vor ihm in milderem Glanze 
hebt sich die Wölbung des Vestibüls, das den Menschenstrom der Wandelha le aufnimmt. Von den blendend 
weissen Flächen der Hauptfront hebt sich gar kräfig das schirmende Dach der Portale ab, deren flache 
Linie mit einem Kranze vergoldeter Genien besetzt ist. Sie athmen Lust und Lebensfreude und führen 
hier den festlichen Reigen auf, der nach des Künstlers Absicht die Frische und die Jugend der Berliner 
Industrie symbolisch zum Ausdruck bringen will. 


Die weitgeöffneten Bogen des Mittelbaus finden ihre Fortsetzung in den luftigen Arkaden der Wandel- 


halle, die den sommerlichen Charakter der Anlage noch erhöht, während sie zugleich dem prächtigen Vor- 


platz mit seinen Kaskaden und Fontainen eine anmuthige Umrahmung gewährt. — 


Die Rundhalle hat aber noch einen besonders bezeichnenden Schmuck erhalten, indem auf der First 


blühende Lorbeerbäume, durch frische Guirlanden mit einander verbunden, eine lebende Hecke bilden. Diese 
Art des Pflanzenschmucks ist ein im Süden beliebtes dekoratives Motiv, das übrigens zur Zeit des ersten 


Königs bei mehreren Schlössern ‚in: der Nähe Berlins zur Anwendung gekommen ist. Die Ballustraden 


der Wandelhalle sind. mit phantastischen Vasen geschmückt, aus Löwenmasken springen erquickende Strahlen, 


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reichbewegte Figuren beleben das von Sonnenschein durchleuchtete Bild — wie ein Paradiesgarten breitet 
sich Alles vor uns aus, wie es nur der Geist eines begnadeten und erfindungsreichen Künstlers gebären kann. 

Zu den Seiten erheben sich als Abschluss der Halle zwei stattliche Pavillons, von denen aus breite 
Freitreppen in den Park hinunterführen. Diese Pavillons setzen die typischen Züge des Kuppelbaues in 
entsprechender Weise fort, indem neben dem flott erfundenen Giebelschmuck zierliche Aufsätze von durch- 
brochener Arbeit eine wirksame Bekrönung abgeben, während oberhalb offene Gallerien von dem schirmenden 
Dache behaglich beschattet werden. Das Ziegeldach legt sich mit seinem warmen, tiefrothen Ton fest um 


die kleine Rotunde, in deren lichtüberfluthete Wölbung ein Kuppelfenster keck hineinschneidet. Auch hier 


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&lusstellun$ der Kgl. Porzellan-Manufactur. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


gipfelt der malerische Aufbau in einer offenen Laterne, deren höchster Punkt wie ein Silberstern hell von 
dem Wolkenhimmel sich abhebt. 

Beschreitet man nun von dem Kaskadenplatz, dessen leuchtende Fontaine an sich eine Sehens- 
würdigkeit bildet, das Vestibül mit dem hübschen Fernblick in die gewölbte Wandelhalle, so treffen wir auf ein 
Kunstwerk von hervorragender Schönheit, den für das romanische Haus an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniss- 
kirche bestimmten, nach dem Entwurfe des Bauraths Schwechten durch Gebrüder Zeidler in Sandstein 
ausgeführten Drunnen, dessen mächtige Schale von vier gewaltigen Löwen getragen wird. Auf der Spitze 
steht als Abschluss der obern Schalen eine Rolandfigur, wie sie den Marktplatz der brandenburgischen 


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Städte im r4. Jahrhundert zierte. Durch die Wucht und Einfachheit dieser Vorhalle, die in der ganzen 


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Auffassung den alten Mameluckengräbern sich naht, tritt man in feierlicher Stimmung durch einen 
mächtigen Triumpfbogen in die stolze Kuppelhalle, von wo aus der Blick über die Prunktreppe hinaus 


eine endlos sich entrollende Perspektive geniesst. Frappirend ist der gewaltige Eindruck, den man beim 


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Die Wandelhalle mit dem böwen-Brunnen. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
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Eintritt in diese Lichtfülle empfängt; das Gewölbe über uns scheint ins Weite hineingerückt, eine Empfin- 
dung, die noch dadurch erhöht wird, dass die Wolken im Scheitel den Blick ins Freie sehr täuschend 
wiedergeben. Die Kuppel selbst ruht auf starken Pfeilern, die als einen schr vornehmen und wirksamen 
Schmuck vier Kolossalfiguren von Aug. Vogel tragen: Ceres, Vulkan, Merkur und Minerva. Zu ihren 
Füssen ruhen allegorische Gestalten, die die Industrie und den Handel, die Kunst und die Wissenschaft 
darstellen in Begleitung anderer charakteristischer Vertreter des Buchdrucks, der Chemie, des Maschinenbaues 
und der Schifffahrt. — Daneben befinden sich am Sockel vier prächtige Köpfe als Sinnbilder der vier 
Elemente: Erde, Wa 

Die Göttergestalten, die von dem Bildhauer im Einzelnen sehr geistvoll und unter leichter Tönung 


;ser, Luft und Feuer mit phantastischen Thierleibern von Drachen und Fischen. 


der Gewandpartien durchgeführt wurden, treten machtvoll in die Erscheinung, mit ihrer packenden 


Das Hauptschiff des Industrie- @ebäudes. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


Kraft das Menschengewimmel zu ihren Füssen hoch überragend. Ueber den reich umrahmten Nischen 
legen sich Eichen- und Lorbeergezweige mit goldenen Blättern über die Flächen der Zwickel, von 
den alten Wappen der Gewerke mit wildgearteten Haltern durchsetzt und überragt bis hinauf zu dem 
offenen Kranze der Wölbung, die von einer goldenen Pergola umrahmt wird. Auf dem Rande liest man 
in mächtigen Lettern die Umschrift: » Arbezt ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis«. Durch das 
freie, offene, glänzend schimmernde Schmuckwerk der Gallerie fällt das Auge auf grandiose Malereien, die 
wiederum eine Verherrlichung der Arbeit in idealer Darstellung uns bieten. 


Dort schildert der Historienmaler Klein-Chevalier wiederum die modernen Arbeitsformen unseres 


industriereichen Zeitalters, wie es sich mit den vier Elementen der Natur abfindet. Braune kraftvolle Ge- 


stalten mühen sich hier mit Spaten und Hacke ab, zu einem Tunnel oder Kanal den Raum der Zrde 


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Geweıbe (Ceres). Handel (Mercur). 
Die EeRöruppen im Kuppelsaal. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896, 


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Haupthalle des Industrie- @ebäudes. 
Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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abzuringen; daneben steht mit realistischer Wahrheit ein breiter Gesell am Ambos, das Zexer mächtig schürend, 
der Fischer müht sich, die reichen Schätze, die das Wasser bietet, in das schwanke Fahrzeug zu ziehen, 


und über Alles breitet sich die azurblaue /zff, aus welcher wiegend ein Adler mit gebreiteten Schwingen 


herabblickt — der Maler, seiner Kraft bewusst, hat Alles gross und sicher angelegt, mit seinen Ideen die 
dämmerige Region der hochragenden Wölbung geistig -tränkend — hier in idealster Konkurrenz mit 


den berauschenden Klängen der prachtvollen Orgel, die vor dem effektvollen Glasgemälde Klein-Chevaliers 


in der Östarkade der Kuppel ihren Platz hat. 

In Verbindung mit dem eigentlichen Kuppelraum sind die anstossenden Theile der grossen West- 
halle zu einer Art von Ehrensaal ausgestaltet, der links zur Aufnahme einer Auswahl der kostbarsten Möbel 
aus dem Besitze des Kaisers, rechts für die Ausstellung hervorragender Arbeiten der Königlichen Porzellan- 
Manufaktur gewählt worden ist. Die im Hintergrund eingebauten Schranken mit ihren feinen Kapitälchen 
und Pilastern sind in reichster Weise architektonisch ausgebildet und werden in den Mittelfeldern von 
reichbewegten, in Weiss und Gold gehaltenen Baldachinen überragt. Sie bekrönen auf der einen Seite das 
lebensgrosse Bild des Kaisers, auf der anderen aber einen werthvollen Gobelinweberei von seltener Schönheit, 
die gleich den vier Gobelins an den beiden nächstliegenden Breitseiten ebenfalls aus dem Besitze des Kaisers 
stammt und von V. Ziesch & Co. ganz vorzüglich renovirt wurden. Die übrigen seitens des Königlichen 
Oberhofmarschall-Amtes unter Leitung des kunstsinnigen und umsichtigen Direktors der Königlichen Kunst- 
sammlungen, Dr. Paul Seidel, ausgestellten Gegenstände sind modernen Ursprungs; sie zeigen deutlich, 
welche hohen, anregenden Aufgaben der preussische Königshof dem deutschen Kunstgewerbe stellt und 
dass das letztere diesen fördersamen Aufgaben in jeder Hinsicht gewachsen ist, zumal wenn es sich um 
die verständnissvolle Berücksichtigung früherer Stilarten handelte. Dies beweisen uns die beiden Prunk- 
sessel ä la Louis XIV., deren auf rothem Sammet ausgeführte Goldstickereien aus der Mitte des 
vergangenen Jahrhunderts stammen, ebenso wie die Seidenstickereien der beiden Ofenschirme, während 
die Umrahmungen, sorgsame Arbeiten der Holzbildhauer, neuesten Ursprungs sind. Gleich vornehm wirken 
ein Theetischchen mit eingelegter Arbeit, ein Blumentischehen mit Emaille-Platte in Limoges-Manier, zwei 
Rococo-Tischehen für Blumenkübel und zwei eigenartige Standuhren, die eine mit reichem Schildpatt Belag 
und schöngravirten Messing-Intarsien, das von Karyatiden getragene Uhrgestell von einem Apollo gekrönt, 


im Genre Ludwigs XIV., die andere, aus gelbem Purpurholz und mit einem wolkenumgebenen Amor auf 


4 


dem Uhrgehäuse, in jenem Ludwig’s XV. gehalten. Die Platte eines im Vordergrunde stehenden grossen 
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aus Nephrit mit den Abzeichen des Schwarzen Adler-Ordens in Bronze, ein stattliches Schreibzeug, schöne 


hreibtisches mit sehr apart in Bronze ausgeführten Ornamenten enthält u. a. ein kunstreiches Tintenfass 


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Lampen mit prächtigen Verzierungen, eine von einem Satyr getragene, silbergefasste Nautilusmuschel (eine 


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getreue Kopie des in Dresden im Grünen Gewölbe befindlichen Originals) etc.; erwähnenswerth sind ferner 


zwei Kommoden im Stile Ludwig’s XIV. mit grünen Marmorplatten, eine Rococo-Stutzuhr mit zarten 


Malereien und ein grosser Ofenschirm, dessen (von Otto Rohloff) kupfergetriebene Platte die auf der 


Fahrt nach Rügen begriffene Flotte des Grossen Kurfürsten darstellt. Von den Firmen, die an der Her- 


stellung der vorgenannten Gegenstände besonders betheiligt waren, nennen wir ausser den schon oben 
Genannten Franz Borchmann, F. H. Preetz, Zwiener, Holzbildhauer Hoffmann und Ad. Oppermann. 
Aus dem Besitz des Kaisers stammt ferner der im rechten Flügel der Halle ausgelegte dunkel- 
blaue, von breiter Kante mit persischem Muster eingefasste Teppich, der in der Teppichfabrik von 
Vobach & Hozak in Neuendorf-Potsdam hergestellt wurde. In demselben Flügel finden wir die herr- 


liche Ausstellung der Berliner Porzellan-Manufaktur, die mit vollem Recht zu den Glanzpunkten unserer 


Ausstellung gezählt wird und die Bewunderung aller Besucher erregt, auch sie ist mit künstlerischem Ver- 


ständniss arrangirt, dass jeder der grösseren Gegenstände zu seinem Rechte gelangt. Die eigentliche Mitte 


bildet das unter einem von gewundenen Säulen getragenen Baldachin befindliche Gemälde des Kaisers in 
13 
97 


Gardes-du-Corps-Uniform, dessen Portrait-Aehnlichkeit jedoch sehr anzweifelbar ist; der Baldachin dagegen, 
seine goldene Kuppel von der Krone überragt und seine Draperien von Amoretten gehalten, ist ein voll- 
endetes Meisterwerk, ebenso der vorn gelegene Springbrunnen in Form einer von Nixen getragenen 
Muschel, oberhalb welcher ein Amor Wasser aus einer zierlichen Muschel bläst; die flotte bildnerische 
Erfindung geht hier mit der Malerei Hand in Hand. Das Gleiche beobachten wir auch an der Mehrzahl 
der theils zur Dekoration, theils zum Gebrauch bestimmten kleineren Gegenstände, die auf den Balustraden 
um den pavillonartigen Baldachin herum Aufstellung gefunden haben und in ihrer hundertfachen Mannig- 
faltigkeit immer wieder die Blicke bewundernd auf sich ziehen; bald in Anlehnung an ältere, namentlich 


französische Muster, bald in freier Erfindung zeigen diese Teller und Vasen, Schüsseln und Platten, Figuren 


Möbel-&Abtheiluns — Yaupt-Industrie-@ebäude. 


h einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und d&en Vervielfältigungsar! 


ten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


und sonstigen Nippessachen, Uhren und Leuchter, Bowlen und Tafelaufsätze etc. unsere Porzellan-Manufaktur 
auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit. Von imposantem Eindruck sind die beiden drei bis vier Meter 
grossen, unten mit Ruhesitzen umgebenen, freistehenden (von Professor Schley modellirten) grossen Vasen, 
um deren Landschaften und Stillleben darstellende Gemälde feingegliederte Amoretten schweben, und zwei 
hohe Standuhren mit bis ins einzelste kunstreichem figürlichen Beiwerk, das auch einen Kamin mit Spiegel- 
aufsatz und einen Consolespiegel auszeichnet. An der rechten und linken Seitenwand sind zwei mächtige 
Fliesengemälde angebracht voll farbenfrohen Inhalts, die wir Meister Kips verdanken, der auf dem einen 


Bilde die Gaben des Wassers, auf dem anderen die der Erde in flotter und anziehender Weise ver- 


körpert; die Höhe der Gemälde beträgt vier, die Länge neun Meter, die grössten Formate, welche bisher 


die Porzellan-Fliesen-Malerei aufzuweisen hatte, und die nach einem neuen Verfahren hergestellt wurden, 


das vielleicht berufen ist, eine neue Epoche in der Verwendung der Porzellan-Fiiesen-Malerei herbeizuführen. 


98 


-Instrumente. 


Musik 


g der DekRorateure. 


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Kollektiv- 


Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfälti 


gsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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Die Landschaftsmalereien von Jäkel und die Plumenstücke von Heinicke und Miethe verdienen nicht 
mindere Anerkennung. Dass die Manufaktur auch dem gewöhnlichen Gebrauchs - Porzellan ihre Auf- 
merksamkeit zuwendet, beweist eine grössere Zahl derartiger Sachen, die zum Theil für industrielle, bau- 
liche und wissenschaftliche Zwecke bestimmt sind. Die Porzellan-Manufaktur, die ihre erste Blüthe Friedrich 
dem Grossen verdankt, der 1762 die bis dahin im Besitze Gotzkowky’s gewesene Porzellanfabrik für eine 
Viertelmillion Thaler erworben, ist seit ihrer vor einer kleinen Reihe von Jahren erfolgten Reorganisation 
jetzt den höchsten Aufgaben gewachsen und ihre Erzeugnisse haben in vieler Beziehung die bisher als 


‚ehenen der französischen Staatsfabrik geschlagen. Mit der Manufaktur, deren Leiter 


mustergültig an; 
Dr. Heinecke ist, dem als Maler Professor Kips und als Modellmeister Bildhauer Schlag: zur Seite stehen, 
ist eine chemisch-technische Versuchsanstalt verbunden, die für unsere gesammte Porzellanfabrikation von 


wesentlichem Werth ist, umsomehr, als die in dieser Anstalt gemachten Entdeckungen und Erfindungen 


nicht als Geheimniss betrach:et, sondern zur allgemeinen Kenntniss gebracht werden. 

In den beiden Hallen ist seitens des Reichsmarine-Amtes eine äusserst interessante Ausstellung ver- 
anstaltet worden, welche uns in zahllosen Modellen znsere junge deutsche Marine vor Augen führt. Alle 
Typen unserer Kriegsfahrzeuge sind hier vereinigt worden und zwar in demselben Grössenverhältniss, 
sodass man eine wahre Vorstellung erhält, wie sich die Schiffe in ihrer Grösse zu einander verhalten. Da 
sehen wir die schweren Eisenkolosse mit ihrer im Ernstfalle verderbenspeienden starken Armirung, die 


leichteren, mehr zum Küstenschutz dienenden Panzerschiffe, die Kreuzer, darunter S. M. Yacht »Hohenzollern«, 


und Panzerkanonenboote, die Avisos und Kreuzerkorvetten, endlich Torpedodivisionsboote und Torpedoboote. 
Die Modelle, denen die nöthigsten Erklärungen beigegeben sind, sind auf das sorgsamste ausgeführt und auf 


getreueste den Originalen nachgebildet; verschiedenen von ihnen sind die Modelle ihrer Maschinen 


das 
beigefügt, die einen Einblick in die sonst schwer zugängliche, geheimnissvolle Triebkraft der Schiffe er- 
möglichen. Ist sie auch noch nicht allzu umfangreich, unsere deutsche Flotte, so flösst sie doch durch ihre 
kraftvollen Einzeltheile Vertrauen auf ihre Hülfe in Gefahr ein, und dass sie von Jahr zu Jahr eine ziel- 
bewusste Vermehrung erfährt, zeigen die Modelle der schon im Bau begriffenen oder erst jüngst in Auftrag 


gegeben neuen Panzerschiffe und Kreuzerkorvetten, die sich durch viele neue, als praktisch bewährte 


Einrichtungen auszeichnen. 

Zu beiden Seiten des Kuppelraumes und seiner Ehrensäle ist die Yols- Industrie, welche Gruppe IV 
ausfüllt, untergebracht worden; sie zählt über zweihundert Aussteller und zerfällt in sieben Untergruppen: 
I. Möbel, Spiegel und Billards, II. Bautischlerei, Leisten, Rahmen ete., III. Bildhauer-Arbeiten und Möbel- 
beschläge, IV. Tapezier-- und Dekorateur - Arbeiten, V. Drechsler - Arbeiten, VI. Korbmacher - Arbeiten, 
VII. Böttcher-Arbeiten. Den breitesten Raum hiervon nimmt die Möbel-Industrie ein, die nächst der Kon- 
fektion und Metall-Industrie zu den grössten Industriezweigen Berlins gehört, giebt sie doch gegenwärtig 
an 40000 Personen Beschäftigung. Die Kunsttischlerei, welche der Möbel-Fabrikation ihren Stempel auf- 
drückt, ist in Berlin alten Ursprungs; in unseren Museen, auch in manchen privaten Sammlungen finden 
wir eine Reihe von Schränken und Truhen, Tischen und Sesseln, welche in der zweiten Hälfte des fünf- 


zehnten Jahrhunderts in Berlin gefertigt wurden und sich durch ihre reiche und zierliche Schnitzarbeit wie 


durch ihre mannigfaltigen, im Stil der deutschen Renaissance gehaltenen Formen auszeichnen. Der dreissigjährige 
Krieg liess, wie so vieles Andere, auch dieses Kunsthandwerk fast völlig untergehen, bis es unter dem 
prunkliebenden König Friedrich I. und dem Einfluss, der sich bald heimisch in Berlin fühlenden Refugies 
einen neuen und erspriesslichen Aufschwung nahm, von dem uns deutlich die preussischen Königsschlösser 


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zählen. Auch unter der Herrschaft Friedrichs des Grossen erhielt es vielfache Anregungen, besonders 


von Frankreich her, in den Stilarten Ludwig’s XIV. und XV. mit theilweise sehr kostbaren Boule-Möbeln, 
daneben auch mit leichtgefügten Rococo-Einfassungen zu bemalten und gestickten Sammet- wie Seiden- 
stoffen. Der Anfaı 


ıg unseres Jahrhunderts brachte diesem Industriezweige eine trostlose Oede und lang- 


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Graphische Künste und Buchsewerbe. Bronzewaaren. 


Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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dauernde Gleichgültigkeit gegen jedes künstlerische Erfassen etwelcher Aufgaben, und als dann die Massen- 
Fabrikation durch Maschinen begann, dauerte die Nüchternheit in der Erfindung und Armuth in der Aus- 
führung an, bis von aussen, durch die Weltausstellungen in London und Paris, gelegentlich derer man die 
eigene Unzulänglichkeit erkannte, der Ansporn zu einer kunst- und zielbewussteren Thätigkeit erfolgte. Der 
Staat unterstützte dies Bestreben durch Gründung kunstgewerblicher Sammlungen und Schulen, und mit 
Eifer und Umsicht wurde in verhältnissmässig kurzer Frist nachgeholt, was viele Jahrzehnte hindurch ver- 
säumt worden war; die guten Folgen zeigten sich bald, nicht nur in der Heimath erwachte in weiteren 
Kreisen die Freude an einer stilvolleren Ausschmückung der eigenen Räume, auch der Export nahm 
erheblich zu, und selbst nach dem Orient gingen Berliner Möbel. Auf der letzten Berliner Ausstellung 
vom Jahre 1878 erschien unsere Möbel-Industrie, die infolge jener erwähnten monotonen Massen-Fabrikation 
auf der Philadelphiaer Weltausstellung eine arge Schlappe erlitten, wohlgerüstet auf dem Plan, und die Zeit 
bis heute hat sie nicht nutzlos verstreichen lassen, sondern, unterstützt von dem zunehmenden Wohlstande, 
sich immer anhaltender ernsten kunstgewerblichen Aufgaben zugewandt. Daneben machte auch die 
Fabrikation billiger Sachen grosse Fortschritte, mit dem erfreulichen Unterschiede gegen früher, dass auch 
hier auf ein möglichst anmuthiges Aeussere und eine Befolgung bestimmter moderner Stilarten gesehen 
wurde. Wieviel der letzteren heute in Mode sind, zeigt uns diese Berliner Ausstellung, von der Gothik 


und der ihr folgenden deutschen Renaissance des auslaufenden Mittelalters an zum französischen Rococo 


der beiden meistgenannten Ludwige, dann zum Empirestil, der sich trotz mancher Versuche bei uns nicht 
dauernd einzubürgern vermochte, und den wenig anmuthigen englischen Vorbildern bis schliesslich zu den 
equemen amerikanischen Möbeln, die rasch Verbreitung gefunden und nun auch in Berlin gefertigt werden. 

Die vollständigen Möbel-Einrichtungen sind in über hundert Kojen untergebracht, die uns eindringlich 
den ernstlichen Fleiss und das unermüdliche Streben unserer grossen Industriellen sowohl, wie auch der 
kleineren Meister veranschaulichen. Wenden wir uns zuerst nach links und zwar nach jenem grösseren 
Raum, in dessen Mitte sich eine hohe Glas-Pyramide mit einem Krystallglas von 7'/, Quadratmeter, dem 
grössten bisher geschliffenen Glas in dieser breiten Fagettenform, der Aachener Glas- und Spiegel- 


lanufaktur erhebt, welche hier die trefflichen Billards von J. Neuhusen, dort die Kanzel nebst Altar 


von H. D. Bünz widerspiegelt. Unsere Blicke werden zunächst durch die umfangreiche Ausstellung von 
J. C. Pfaff gefesselt, der nicht weniger wie sechs Zimmer, jedes verschieden und fast jedes eine andere 
Stlart repräsentirend, hier vereinigt hat; an der Spitze steht der Rococo-Salon mit seinem werthvollen holz- 
geschnitzten Plafond, benachbart liegt ein Herrenzimmer in gothischem Stil, der mit seinen dunklen Farben 


gegen den frohsinnigen, lichten Nebenraum etwas herb absticht; der Entwurf rührt von dem bekannten 


Architekten Walther Schmidt her, die kunstvolle Wanddekoration entstammt der Berliner Gobelin- 
Manufaktur, welche die lange Zeit nicht geübte Gobelin-Weberei zu neuer Blüthe entfacht hat. Einfacher 
gehalten sind ein Wohn- und Schlafzimmer, in freundlichen Tönen ein Salon, in gediegener Kraft ein eichenes 
Speisezimmer mit hohem Buffet und praktischem Kredenztisch. 

Drei Zimmer rühren von C. Pohl her, in dem Damenzimmer, dessen Polstermöbel in grüner Seide 
gehalten sind, wie überhaupt Grün in seinen verschiedenartigsten Nuancirungen uns sehr häufig in den 


Polsterungen etc. begegnet, fallen uns bei den in Korallenholz ausgeführten Empire-Möbeln die schönen 


Intarsien auf, die neuerdings in Berlin mit grossem Verständniss und günstigem Erfolg gepflegt werden. 
Das schen wir an der Ausstellung von J. Groschkus, dessen Salon im Stile Ludwig’s XV. prächtige, zum 
Theil kunstvoll bemalte Stücke mit Intarsien aus Elfenbein, Goldbronze und Schildpatt enthält, ebenso wie 
der sehr aparte Damen-Salon im Barock-Stil und ein in deutscher Renaissance gehaltenes Schlafzimmer mit 
Möbeln aus Eichenholz. Welcher grossen Beachtung sich diese Intarsien-Arbeiten erfreuen, beweisen die 
Spezial-Ausstellungen von E. Nass, aus einer ganzen Kollektion echter Intarsien in Holz, Perlmutter, Elfen- 


bein, Metall, Schildpatt etc. zusammengesetzt, und von Völm & Huth mit reicheingelegten Platten für Möbel 


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und Pianos sowie für ganze Wandtäfelungen. Von Max Lubecius stammen imitirte Holz-Intarsien, von 
Matz & Comp. schöne gepresste und handgeschnitzte Leder, die gleichfalls zu Möbelzwecken gebraucht 
werden, während Emil Grahl ebenfalls hierzu bestimmte gepresste Möbel- und Seidenplüsche und 
Adolf Burchardt Söhne äusserst geschmackvolle Artikel für Innendekoration ausstellten. / 

In der Nähe der Pfaff’schen Zimmer sind noch in verschiedenen Kojen die Zimmer -Einrichtungen 
von Flatow & Priemer, welche Firma sich auch angelegentlich m’t sorgsamer Innen - Architektur und 
completen Dekorationen ganzer Wohnungen beschäftigt, und Friedrich Thierichens, letztere mit Herren- 


und Schlafzimmer, untergebracht. R. Friedrich stellte einen in den Polstermöbeln grün gehaltenen 


Kunst-Öchmiede- Arbeiten. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 18986. 


Salon in Altmahagoni aus und W. Raschky & Comp. einen vornehmen Damen-Salon mit zarten Seiden- 
möbeln, ein allerliebstes Boudoir gleich angeschlossen und nur getrennt von dem Wohnraum durch rothe 
Seidenvorhänge an schmiedeeisernen Verzierungen. Grosse Ehre legt die junge Firma von Julius Zwiener, 


deren wir schon bei der Ausstellung des Ober-Hofmarschall-Amtes gedacht, mit ihren schönen eingelegten 


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Möbeln ein, die freilich nur für die, »welche es haben«, erreichbar sind, während H. Schlesinger mehr 
aufs Praktische geht und mit seinen in Betten zu verwandelnden Möbeln viele Anerkennung findet, eleich 
R. Jaekel, der durch zahlreiche Gegenstände sein Waarenzeichen »Schlafe patent« ausgezeichnet illustrirt 
Nach den Entwürfen des Königlichen Bauraths O. March stellten Krieg & Goerke einen Salon und ein 


Herren-Zimmer aus, und auch »unser Chinese«, Taen Arr-Hee, fehlt nicht, von ihm stammt eine Salon- 


Einrichtung mit sehr gefälligen Bambus- und Rohrmöbeln, sowie einer Fülle origineller chinesischer Nippes- 
sachen. Sehr vornehm wirkt ein pfirsichgrün gehaltenes Boudoir von Ferdinand Voigt mit Gobelins 


und einer eine Ideallandschaft bergenden nischenartigen Vertiefung, äusserst behaglich ein Herrenzimmer 


104 


von Richard Toepke im gothischen Stil, sehr luxuriös ein goldie gehaltenes Schlafzimmer von 
C. F. A. Stiefler & Comp., einfach und ansprechend die von der Societät Berliner Möbeltischler 
herrührenden Speise- und Schlafzimmer. Sehr gediegene holzgeschnitzte Möbel entstammen der Genossen- 
schaft des deutschen Tischler-Innungs-Verbandes, anmuthige Rococo-Möbel der Firma F. Ulbricht, 
auch A. S. Ball huldigen dem französischen Geschmack mit schönbemalten Rococo-Möbeln in einem Schlaf- 


zimmer; die Fabrikate von Th. Fork, Kretzschmar & Comp. zeichnen sich im Einzelnen wie in ganzen 


Zimmer- und Wohnungs-Ausstattungen durch ihre mäss'gen Preise aus, auch die Berliner Möbel-Halle hat 


dies zu ihrem Prineip gemacht, erfreulich den deutschen Geschmack in ihren Gesammt-Einrichtungen pflegend 


Porzellan- und Glaswaaren. — Yraupt-Industrie-@ebäude. 


Nach einer Originalaufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


n Baldachin auf- 


Dem englischen Geschmack huldigt C. Prächtel in einem unter einem luftig 
gebauten Frühstückszimmer, das u. a. auch kostbar eingelegte Mahagoni-Möbel enthält; deutsch dagegen 
und zwar in Danziger Manier ist das Herrenzimmer. Max Schulz & Co. stellten die kräftig empfundenen 
Möbel zu einem Speise- und Wohnzimmer aus, dieselbe Firma giebt eine Probe ihrer kunstvollen Holz- 
schnitzarbeiten mit dem in Buchsbaum geschnitzten »Reichstintenfass«, für das Bundesrathszimmer im Reichs- 
tage bestimmt. Eine ganze Reihe Gemächer stellte Herrmann Gerson aus, sie könnten ein kleines Palais 
füllen und sind denn auch in ihrer aparten und vornehmen Zusammenstellung nur für die »Oberen Zehn- 
‘tausend« bestimmt; auf farbige Wirkung im Kleinen wie Grossen ist überall gesehen und der Geschmack 
ein ganz erlesener. Ein Mahagoni-Schlafzimmer im Empire-Stil brachte Th. Heese, ein sorgfältig ein- 
gerichtetes Schlafzimmer N. Ehrenhaus, ein Speise- und Wohnzimmer mit schr behaglichen Polstermöbeln 
Spinn & Mencke zur Ausstellung. Von jenen Firmen, die nur einzelne Möbel ausstellten, erwähnen wir 


Emil Benedix mit seinen bequemen Lutherstühlen, Jean Büschelberger mit praktischen Spiel- und 


14 


105 


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Mu) Arbeitstischen mit Mechanik, Gebauer & Albrecht mit ihren verschiedenartigen Ausstattungs - Gegen- 
ständen, H. Gesch und Gebr. Funck mit ihren Luxusmöbeln, Boehm & Haroske mit Schreibtischen mit 
versenkbarer Platte, R. Hetzel mit Nussbaum-Buffets und Kredenzen, Carl Krug jr. mit Möbeln für Salons 
und Herrenzimmer, J. Mailaender mit Einrichtungen für Aontors, G. Peters und H. A. Schog mit 
hi Fantasie-Möbeln, Joh. Scheel mit den vielverbreiteten Auszichtischen ohne Einlageplatten, Rob. Schreier 
mit kleineren Gebrauchsmöbeln und Holzwaaren und Ferd. Vogts & Co., welche die Lesehalle im Thurm 
ı u des Hauptrestaurants eingerichtet, mit Bücherschränken, Lesetischen und den praktischen Drehbibliotheken. 
hre Spezialität in Küchen-Einrichtungen bewährten E. Dosda, A. Golz und Carl Lutze; Paul Hyan 
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! N hat sich besonders auf den gesundheitlichen Anforderungen möglichst entsprechende Schulbänke und Theater- 
| 


sitze gelegt und mit seinen Mobilien für Lehranstalten verdiente Anerkennung gefunden. 


Welche Wichtigkeit im industriellen Leben der Hauptstadt die Fabrikation von Leisten und Rahmen 


yesitzt, zeigen die Ausstellungen einzelner grosser Fabriken, so von A. Werkmeister, dessen Gold-, 


| >olitur- und Alhambra-Leisten nach allen Weltgegenden exportirt werden, die kunstfertigen Einrahmungen 


“ll von Gebr. Zickendraht und die geschmackvollen goldenen Dekorations-Artikel von Adolph Königs- 
berger, die gleichfalls vielfach ins Ausland wandern. Aufmerksame Beachtung verdienen die mannig- 


j achsten Ansprüchen gerecht werdenden Drechsler-Arbeiten der Berliner Drechsler-Innung und die 
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Kollektiv-Ausstellung der Aorömacher mit ihren leichten und dabei haltbaren Garten- und Balkon-Möbe 

Kinder- und Puppenwagen wie Körben in reicher Wahl. 

| 3ei unseren Wanderungen durch die rechtsseitig vom Haupteingange gelege Abtheilung: ler 

| jei unseren Wanderungen durch die rechtsseitig vom Haupteingange gelegenen Abtheilungen der 

Holz-Industrie sind nicht nur unsere Augen durch all’ das Schöne und Gediegene, das hier in überreicher 
i Sa 8 5 . 

"ülle aufgebaut ist, gefesselt worden, auch unsere Ohren bekommen zu thun durch die Aufnahme von 


Tönen aller Art, die, bald gedämpft, bald laut, bald einzeln, bald in schwerer Fülle zu uns herüberdringen, 
uns anzeigend, dass wir in unmittelbarer Nähe der die Gruppe XII. bildenden Musik - Instrumente weilten. 


latte man besonderes Glück, so verschwanden plötzlich all’ die mannigfachen und oft so wenig harmonischen 
y il Xlangwirkungen unter den von Künstlerhand hervorgerufenen hoheitsvollen Orgelklängen, der von 
Gebrüder Dinse erbauten grossen Kirchenorgel entstammend, die ihren architektonisch reichgegliederten 
| I Prospect dem Architekten des Hauptpalastes, Bruno Schmitz, verdankt. 

| 125 Aussteller repräsentiren die Berliner Musikinstrumenten-Industrie, die alten Datums ist und schon 


ij im vergangenen Jahrhundert durch ihre sauberen und sorgfältigen Arbeiten die Aufmerksamkeit des Aus- 


| IN] andes erregte. Wurden beispielsweise Blasinstrumente bereits seit langem in hoher Vollendung geliefert, 
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a so liess dafür die Herstellung von Pianos viel zu wünschen übrig und sie wurden meist nach Berlin von 
auswärts, von Dresden und Wien, eingeführt. Auch bis zur Mitte unseres Jahrhunderts behauptete der 


\ Wiener Instrumentenbau seine Oberherrschaft über den Berliner, bis sich fast unversehens ein völliger 


Umschwung vollzog und die Berliner Klaviere sich den Weltmarkt eroberten. Das war in erster Linie 


einem Manne zu verdanken, Carl Bechstein, der mit kleinen Anfängen 1856 seine Firma gegründet, sie 


aber durch eigene Thatkraft und durch kluge Erfindung ausgezeichneter Verbesserungen und geschickte 


Anwendung derselben schnell zu grosser Blüthe brachte und 1862 bereits, wo ihm auf der Londoner In- 
dustrie-Ausstellung der erste Preis zuertheilt wurde und er hierdurch die Augen der gefeiertsten Musiker 


In auf sich lenkte, an 150 Arbeiter beschäftigte, die jährlich 400 Instrumente fertigten, von denen fast die 


Hälfte bereits ins Ausland ging. Seitdem hat sich der Weltruf der Firma stets befestigt, heute gehen 


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| jährlich aus der Fabrik, die über 500 Arbeitern sicheren und reichlichen Unterhalt gewährt, 3000 Instru- 

| mente hervor, die den Ruhm der jetzt 4000 Arbeiter beschäftigenden Berliner Instrumenten-Industrie, der 
a durch viele andere klangvolle Firmen unterstützt wird, über die ganze Welt verbreiten. 


1 Der Firma Bechstein war denn auch naturgemäss in der Musik-Abtheilung der Ehrenplatz ein- 


geräumt worden und zwar in der den hauptsächlichsten Musiksaal abschliessenden Rotunde, wo auf einem 


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graphie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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{ Hüte. Wäsche-Konfektion. — Haupt-Industrie-Gebäude. 


Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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Podium etwa zwanzig verschiedene -Instrumente, welche ein Bild der gesammten Fabrikation der Firma 
geben, die sich auch nach dem Geschmack einzelner ausserdeutscher Länder richtet, Aufstellung fanden. 


Drei davon bilden die Prunk- und Paradestücke, unter ihnen wieder nimmt ein Gold in Weiss gehaltener 


prachtvoller Flügel die erste Stelle ein. er ist nach dem Entwurf Professor Max Koch’s, der auch die 


Malereien übernommen, gearbeitet und von E. Taubert mit meisterhaften Holzschnitzereien, die uns aus 
Wagner's »Rheingold« die von Alberich verfolgten Rheintöchter vorführen, geschmückt worden, reiche 
Bronzeverzierungen verstärken noch mehr den prunkenden Eindruck. Die beiden anderen Flügel sind in 
Nussbaum gefertigt, der eine in Grün und Gold, der andere in Rococo-Formen von Professor Max Koch, 


von dem die Zeichnungen zu ihm herrühren, bemalt. Unter den übrigen Bechstein'schen Instrumenten 


Historische [rachten. Haupt-Industrie-@ebäude. 


Mit Erlaubniss des Herrn Moritz Bacher. 


erregen die für die englischen Kolonien bestimmten specielles Interesse; sie sind aus starkem Holz ge- 
arbeitet, um dem Tropen-Klima stand zu halten, und in allen Theilen verschraubt, um sich nicht bei der 
grossen Feuchtigkeit aufzulösen; selbst an einem japanischen Pianino mangelt es nicht, es ist mit in Elfen- 
bein geschnitzten Chrysantemums geschmückt. 

Nach Bechstein erscheint mit der grössten Zahl von Instrumenten, und zwar acht, J. L. Duysen; 
seine geschmackvoll dekorirte Koje ist sofort durch eine Copie der Ruben’schen Heiligen Cäcilie erkennbar. 
Auch hier fesseln mehrere Instrumente, in Renaissance- und Rococostil, durch ihre schöne Schnitzarbeit (von 
E. Hettwig) die Aufmerksamkeit. Diese Firma exportirt gleichfalls viel nach dem Auslande und ihr Geschäfts- 
umsatz nimmt verdientermaassen von Jahr zu Jahr zu. Grosser Beliebtheit erfreuen sich die Instrumente 


G. Schwechten’s, von denen ein kostbarer Flügel schöne Boule-Einlagen aus Schildpatt mit Goldbronze- 


=) Aus „Ein Jahrhundert der Mode“. 21 Bilder des Trachten-Pavillons der Berliner Gewerbe-Ausstellung. Verlag Moritz Bacher, Berlin. 


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Einrahmungen aufweist. Die Transponirpianinos W. Schönlein’s werden den in den Noten weniger Festen 


sehr willkommen sein, grosse Beachtung findet Dr. R. Eisenmann’s elektrophonisches Klavier, welches 
mehrfach in letzter Zeit öffentlich mit Erfolg vorgeführt wurde, ebenso wie E. H. Heyse’s Pianino mit 
klingendem Pedale, während A. Grand's Pianino mit einem Harmonium vereinigt ist. R. Barthol stellte 
neben einem volltönenden Konzert-Pianino ein in englischem Stil gehaltenes Pianino aus, welches durch 
eine sinnreiche Vorrichtung dem Anfänger ein stummes Ueben ermöglicht, während Menzel & Berndt 


ein Komponisten empfehlenswerthes Piano mit Schreib-Vorrichtung sandten. Auf künstlerische, ausnahms- 


los gefällige Ausstattung ihrer Instrumente sahen Görs & Kallmann, J. Pfaffe, C. Ecke, F. Neumeyer, 


F. Rösener etc. und ihnen schliessen sich die altbekannten Firmen W. Biese, W. Börger & Sohn, 


Historische Trachten. Haupt-Industrie-Gebäude. 


Mit Erlaubniss des Herrn Moritz Bacher.*) 


A. Endres (mit für jedes Pianino passenden elektrischen Apparaten), Conrad Krause, H. Kriebel, 
E. Laemmerhirt, G. M. Moebes & Co., L. Neufeld, C. J. Quandt, E. Westermayer etc. an. 

Zeigen sich uns hier die fertigen Instumente, so weihen uns andere Aussteller in deren Inneres ein, ein- 
zelne Theile desselben zur Schau stellend, wie es auch Bechstein gethan. Hier mögen die Firmen 
H. Buchholtz mit Rlaviaturen, Ad. Lexow, A. Fischer, C. Schwohls & Co., G. Wiesener, C. Leuschner 
und R. Nespeda genannt werden. 

Gross ist die Zahl der Aussteller in der Gruppe der Streich- und Blasinstrumente wie der mecha- 
nischen Musikwerke; letztere haben ja infolge des automatenhaften Betriebes eine grosse Volksthümlichkeit 


erreicht und viele Besitzer öffentlicher Lokale scheinen garnicht mehr ohne ein Orchestrion oder mindestens 


eine Spieluhr auskommen zu können, wennschon ihnen da ihre russischen Kollegen mit den viele tausend 


Aus „Ein Jahrhundert der Mode“. 21 Bilder des Trachten-Pavillons der Berliner Gewerbe-Ausstellung. Verlag Moritz Bacher, Berlin. 


Rubel kostenden, oft elektrisch betriebenen Musikwerken „über“ sind. Frati & Co. und die Berliner 


Musikinstrumenten-Fabrik, vormals Ch. F. Pietschmann & Söhne, haben eine ganze Zahl, 


derartiger mechanischer Musikinstrumente ausgestellt, denen die klangvollsten Namen, wie »Herophon 


‚Manopan“, „Celesta‘“ beigelegt sind und die viel angestaunt werden. Bei den Blasinstrumenten seien die 


Firmen E. Rittershausen (Flöten), F. A. Schmidt jr, (Trompeten), F. W. Moritz (Signal - Instrumente), 


Emil Heise (Okarinaflöten) und C. & P. Hemesaa 


t, bei den Streich - Instrumenten ]J. Hornsteiner, 


E. Kessler, Fr. Günther, CE. Schulze, L. Neuner, Osw. Möckel genannt. Otto Heinrichs 


stellt neue „Schoossviolinen“ aus, die nach Art der Zi 


und Zithern auch Xylophone und Artisten-Instrume 


Ein vielfach verbes 


und Orchestrions von Cocchi, Bacigalupo & Gra 
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Frati & Co. die umherziehenden „lItalianos‘‘ mit Dre 


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sertes Konzert-Harmonium rü 


hern gespielt werden, R. Effner neben Violinen 


ırt von Emil Laemmerhirt her, kleinere Orgeln 


figna, die, irren wir nicht, gleich ihren Landsleuten 


horgeln ausrüsten. Kommen wir zu den Schlag- 


Instrumenten, so verdient die von Heinrich Meissner veranstaltete interessante Gruppe historischer 


Tambours der preussischen Armee vom Grossen Kurfürsten bis zur Jetztzeit besondere Hervorhebung; 


auch K. Heilbrunn Söhne liefern Trommeln, 


Pauken etc. für die Armee. 


Von dem zweiten Musiksaal gelangen wir in einen parallel laufenden Raum, der von der Metall. 


Industrie eingenommen wird; aber erreichen unc 
Mittelgang, wo wir die grossen »Aushängeschilc 
vierhundert Ausstellern in vier Untergruppen zer 


leuchtungs-Gegenstände, IV. Waaren aus verschiec 


Welcher von diesen vier Gruppen wir uns zuerst zuwenden, ist nicht schw 


fällt: 


durchschreiten wir mit wenigen Schritten den breiten 


er« dieser Gruppe, der siebenten, finden, die mit fast 


I. Gold-, Silber-, Juwelier- und Neusilber-Arbeiten, 


II. Waaren aus Eisen und Stahl, Werkzeuge, Haus- und Küchengeräthe, Hand- und Feuerwaffen, II. Be- 


enen Metallen, Galvanoplastik. 


r zu entscheiden — 


wie glänzt und gleisst, blitzt und blinkt, funkelt und schimmert es doch von dort links herüber, wo in 


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schmucken Glasvitrinen die ersten Berliner Juweliere ihre lockenden Schätze ausgestellt haben. Lockend 


fürwahr, von einer fast magnetischen Anziehungskraft, denn dieser Raum hier gehört zu den vielbesuchtesten 


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der ganzen Ausstellung und zu den kritiklos am meisten bewundertsten, denn überall vernimmt man nur 


Ausrufe des Staunens und Entzückens und ach, 


gehrendes Wort! 


so manchen Wunsch, so manche Bitte, so manch’ be- 


Aber es ist auch eine Gruppe, die sich in des Wortes wahrster Bedeutung »sehen lassen kann« 


und die unserer Edelschmiedekunst ein hohes Zeugniss ihres musterhaften Könnens ausstellt. Alt-Berlin 


bereits lieferte in dieser Beziehung vollendete Arbeiten; hochgeschätzt von dem kurfürstlichen Hofe und der 


reichen Bürgerschaft sehen wir einige Meister der edlen Gold- und Silberschmiedekunst ihr Handwerk aus- 


üben, und unter den Schätzen unseres Königshauses, die mehrere Buffets in den Prunkräumen des Berliner 


Schlosses füllen, finden wir einige ihrer künstlerisch durchdachten und vollendet ausgeführten Werke 


aufbewahrt. Der »grosse«, der dreissigjährige Krieg, liess auch hier eine lange, lange Stockung eintreten, 


die bis in unser Jahrhundert hinein währte. In vielen Kreisen schien der Sinn für schönes Tafelgeräth und 


vornehmen Schmuck fast ganz erstorben, wohl hielt man die von den Altvordern ererbten Stücke hoch und 


werth, aber man trachtete sie nicht durch Neuanschaffungen ähn icher Art zu vermehren, auch wurde die 


Kauflust kaum durch die zum Theil recht altmodischen und nach der Schablone gefertigten Arbeiten 


erweckt Erst Friedrich Wilhelm IV. gab Anregungen zu verschiedenen grösseren Arbeiten, die diesem 


Zweig des Kunstgewerbes lohnende Aufgaben stellten, die eigentliche Wiederbe ebung aber fiel in die Zeit 


nach dem deutsch-französischen Kriege, wo plötzlich mit dem zunehmenden Wohlstande und mit dem neu 


erwachten und erstarkten Nationalgefühl auch das Interesse für eine bessere Ausschmückung des Heims und 


für edle Gold- und Silbersachen wuchs und man sich mit frischer Begeisterung den von den grossen deutschen 


Meistern des Mittelalters stammenden Werken zuwandte, die auch dem jungen deutschen Kunstgewerbe als 


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erstrebenswerthe Vorbilder dienten. Fördersam griff der Staat durch die schon erwähnte Gründung kunst 
gewerblicher Sammlungen und Lehrstätten ein, kunstgewerbliche Ausstellungen, namentlich in München, 
regten den Wetteifer an, aus den Kreisen der Bevölkerung kamen Aufträge zu Ehrengaben aller Art, und 
eine wichtige Stärkung der einschlägigen heimischen Industrieen erfuhren letztere durch den vom Reiche 
ausgeüibten Schutzzoll, der ausländische Luxuswaaren, die bei der deutschen Vorliebe für das Fremde noch 
immer starken Absatz gefunden, mit hohem Zoll belegte. 

Unsere Ausstellung zeigt uns, wie ebenbürtig unsere Juweliere, unsere Gold- und Silberschmiede 
ihren Kollegen an der Seine und Themse gegenüberstehen. Durchgehends fast legen die ausgestellten 
Gegenstände von hochentwickeltem Formensinn und von ernster Arbeit Zeugniss ab, in vielfacher, oft 
abwechselnder Verwendung sehen wir den im 16. Jahrhundert uns aus dem Orient zugeführten Brillanten, 
den »ungeselligen Burschen, der keinen anderen neben sich duldet«, wie ihn Professor Luthmer in einem 
Vortrage bezeichnet, ohne den ein reicheres Schmuckstück heute kaum noch zu denken ist. 

Rechts fesseln uns die Schränke von J. H. Werner, dem die Ausführung einer grossen, etwas dem 
Empirestil sich zuneigenden silbernen, hier ausgestellten Bowle, zu welcher der Kaiser die Zeichnung 
geliefert, übertragen wurde. Eine funkelnde Brillant-Corsage zieht die Augen auf sich, daneben in einem 
einfach gehaltenen goldenen Armreif ein viel kostbarerer grosser Brillant und ein aus herrlichen, matt 
glänzenden Perlen gebildetes Halsband im Werthe von 100000 Mark. Interessant ist die durch eine Reihe 


sich aneinander schliessender und stets ergänzender Muster erfolgte Darstellung bestimmter Schmucksachen 


vom ersten Anfange an bis zum vielbegehrten Kunstwerk. Schwere Silbergeräthe finden wir bei D. Voll- 
gold & Sohn, als Hauptstück ein dem lürsten Bismarck gewidmeter Tafelaufsatz in kraftvoll-schönen 
Formen; der hoch im Siegeswagen thronende Genius hält ein Schild mit dem wohlgelungenen Reliefbildniss 
des Fürsten: auf einer hinten am Wagen geschickt angebrachten Cartouche erblicken wir das von einem 
Blitzstrahl durchzuckte Napoleonische N. Hervorragend sind die Vollgold’schen Nachbildungen einzelner 
Stücke des Lüneburger Silberfundes und mehrere Tafelgeräthe nach eigenen an altrömische Formen sich 
anlehnenden Entwürfen. Prächtige goldene und silberne Tafelgeräthe in künstlerisch vornehmster Auffassung 
sowie prunkhafte fürstliche Geschenke stammen von ]J. Godet & Sohn, der seit 1761 in Berlin bestehenden 
Firma, welche ihre grosse Leistungsfähigkeit bei der Herstellung resp. Erneuerung der Reichs-Insignien 
bewiesen; eine Spezialität der Firma bilden Orden und Ehrenzeichen in Originalgrösse und zierlicher Ver- 
kleinerung, in reichster Auswahl hier vertreten. Auf Schmucksachen ebenso eigenartiger wie anziehender 
Art und in fesselndster Auswahl treffen wir bei Hugo Schaper, der bei den Ketten und Spangen, die 
in dem kleinsten Stück die durchgebildetste Arbeit aufweisen, Opal und Email besonders bevorzugt hat; 
mit sichtlicher Liebe sind reich in deutschem und italienischem Renaissance-Stil verschiedene Ehrenpokale 
gearbeitet, unter ihnen ein Hildesheimer »Maigrafenbecher«, der jeden Vergleich mit früheren Meister- 
stücken aushält. 

Spezielle Anziehungskraft übt der Pavillon der Hofjuweliere Gebrüder Friedländer aus, da hier 
die werthvollsten, zum Theil ungefassten Diamanten zur Schau liegen, unter ihnen Steine für 50000, 58 000 
und 100000 Mark, letzterer der 80'/, Karat wiegende Diamant »Ideal« von reinstem Feuer; die Schmuck- 
sachen, wie Kunst- und Gebrauchsgegenstände rechtfertigen den altbewährtem Ruf der Firma. Blendende 
Diamant-Schmucksachen sandten Joh. Wagner & Sohn, unter ihnen einen Brustschmuck in Zweig- und 
Blüthenform von erlesener Schönheit; auch an goldenen Tafelgeräthen und Ehrenpokalen ist kein Mangel, 
ebensowenig bei der Ausstellung von Sy & Wagner, von der hauptsächlich das dem Prinzen Heinrich zu 


seiner Vermählung von der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft gewidmete Tafelgeräth und die silberne 


Statuette Kaiser Wilhelms I. hervorzuheben sind. Paul Telge zeigt seine Kunst ebenso in der Nachahmung 
antiker Schmucksachen, überwiegend mit zarter Filigranarbeit, wie in der Herstellung moderner Schmuck- 


stücke von aparter und gefälliger Erfindung. Ausgezeichnete Schmucksachen, grösstentheils in Verbindung 


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al-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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Ansichten aus der flaupthälle. 
Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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mit Diamanten, sandten Louis Werner, E. Marcus, A. Rlinzing, Janus & Friedrich, F. Schade, 


G. Schoder und C. Siegele. Werthvolle silberne Tafelgeräthe fertigten Behnisch & Comp., Friedrich 
& Rust, Ph. Funck, H. Meyen & Comp., die auch im Auslande ein grosses Absatzgebiet haben, 
C. A. Münchmeyer & Comp., Gebrüder Petersfeldt, R. Weichhardt, Gebrüder Sauerland und 
I. F. Winkelmann. 

Wem das »Nöthige« nicht zur Anschaffung echter Sachen reicht, der findet genügende Auswahl in 
Alfenide- und Neusilberwaaren, die sich überwiegenden “Theils auf Gebrauchsgegenstände beschränken. 
Hier verdienen die Firmen Henniger & Comp., die sich eines grossen Rufes erfreuen, Gebrüder 
Bergas, Julius Guiremand, dieser mit schönen Tafelgeräthen, Carl Krall, S. Weinbaum und Paul 
Winkelsesser namentliche Erwähnung. Alex Schulz stellte blinkende Victoria - Brillanten, die zumal 
Abends täuschend wirken, in echter Fassung aus. 


Von grosser Anziehungskraft ist die Juwelier-Werkstatt der kaiserlichen Hofjuweliere Leonhardt & 


Fiegel, die auch für den japanischen Kaiserhof Kronjuwelen lieferten, man kann hier die Anfertigung der 
zierlichen Schmucksachen auf das getreueste verfolgen, wie die einzelnen Theilchen sorgsam herausgearbeitet 
und nach den Vorlagen zusammengefügt werden. Aber auch an fertigen und zwar meist sehr kostbaren 
Schmucksachen ist kein Mangel, von seltenem Werth sind die zur Verwendung gelangten farbigen Diamanten. 

Dem »Juwelen-Saale«, wie ihn das Publikum kurz getauft hat, benachbart liegt die Abtheilung für 
Waaren aus Bronze- und Zinkguss, sowie für Deleuchtungsgegenstände. Die Berliner Bronze-Industrie erfreut 
sich weitgehender Achtung und wird im In- wie Auslande gleich geschätzt; hervorragende Künstler haben 
sich in den Dienst dieser Industrie gestellt, und klagte man vielfach mit Recht noch vor zwei Jahrzehnten 
über manch’ schwerfälliges und ungraziöses Erzeugniss dieser Industrie, die es mehr auf billige Massen- 
produktion, als auf kunstfertige Leistungen abgesehen, so ist heute die Befriedigung über die in Plastik 
wie Ausführung vollendeten Schöpfungen unserer angesehenen Bronze-Werkstätten eine allgemeine. Wie 


mit welcher sie sich fast über Nacht den 


in sich gekräftigt diese Industrie ist, bewies die Schnelligkei 


neuen Beleuchtungsmethoden anpasste, und ferner die gewissenhafte Herstellung der grossen Kaiser- und 


Fürsten-Denkmäler der letzten Zeit. Lang eingebürgert in Berlin ist die Lampen-Industrie; auch sie ver- 


stand rasch mehrere gründliche Wandlungen durchzumachen und modernen Ansprüchen mit Geschick zu 


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folgen; während Glas- und Porzellan-Lampen viel an Beliebtheit verloren haben, werden jetzt mehr bronzene 
Lampen, sowie solche auf Säulen (aus Metall oder besserem Gestein) bevorzugt, auch hier führte das 
elektrische Licht viele Neuheiten ein. Erneute Beachtung verdankt der kunstgewerblichen Bewegung die 
Galvanoplastik, welche eine getreue, haltbare und das Auge erfreuende, dabei preiswürdige Abformung der 


Originale ermöglicht und sich neuerdings mehr und mehr bei für Wohnräume etc. bestimmten Bildhauer- 


werken eingebürgert hat. 

Jen Höhepunkt unserer Bronze-Industrie und der mit ihr Hand in Hand gehenden Galvanoplastik 
verkörpern die umfangreichen Ausstellungen der Aktiengesellschaft vorm. H. Gladenbeck & Sohn und 
der Aktien-Gesellschaft Schäffer & Walcker; aus den Werkstätten der ersten Firma sind allein über 
vierhundert grössere Denkmäler hervorgegangen, von grösster Kunstfertigkeit sind sodann die kleineren 
Nachbildungen hervorragender Monumente. Beide Firmen leisten Vollendetes im Guss lebensgrosser Büsten 


und in Kopieen antiker wie moderner Kunstwerke, sowie in der Fabrikation zweckmässiger, oft äusserst 


origineller Beleuchtungskörper. Vornehme Bronzen stellten R. Bellair & Co. aus, deren Spezialität Büsten 


und Statuetten patriotischen und militärischen Charakters, gern zu Ehrengeschenken gekauft, bilden; bei 


kunstgewerblichen Bronzen sind ferner Max Behrendt & Co., G. Grohe, dieser mit prächtigen galvano- 


plastischen Sachen, W. OQuehl, Ewald Schultze, J. Weidner und Merk & Glinicke zu nennen. Bronzen 
in allen Stilarten für Möbel und sonstige Wohnungsgegenstände lieferten C. H. Preetz und J. Rosenfeld. 


Weitbekannte Firmen treten uns in der Beleuchtungs-Industrie entgegen; der Wetteifer um die 


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Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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Gunst des Publikums hat da Werke höchster Kunstfertigkeit zu Stande gebracht, welche den Preisrichtern 
hier ihr Amt besonders schwer machen dürften. Voran marschiren J. C. Spinn & Sohn, C. H. Stob- 
wasser & Comp. und Wild & Wessel; bei diesen drei Ausstellungen kommt jeder, auch der selt- 
samste Geschmack, auf seine Rechnung, wie ebenso auf jeden Geldbeutel Rücksicht genommen wurde, 
kollossale Bronzekronen, für die Königlichen Schlösser bestimmt, hängen neben zierlichen Boudoir-Ampeln, 
schwere Wandleuchter neben winzigen Heiligen-Lämpchen von schöner durchbrochener Arbeit, neben 
hübschen Petroleumlampen für ein paar Mark kann man zwei Meter hohe Ständerlampen in japanischem 


Geschmack für tausend und mehr Mark erstehen. Brendel & Loewig’s „Baldurbrenner“ werden schr 


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Ötein-Industrie. Yaupt-Industrie-@ebäude. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


beachtet, ebenso die neuesten Verbesserungen des Continental-Gas-Glühlicht-Gesellschaft » Meteor 
und die mannigfachen Beleuchtungsproben von Gebr. A. & O. Huff; Windleuchter und Windlampen, auch 
für Gasglühlicht, stellte Ludwig F. C. Meyer, sowie Hand-, Taschen-, Sturm-, Segelboot- etc. Lampen 
von praktischer Konstruktion Georg Müller aus, während Louis Runge Gas selbst erzeugende Lampen 
vorführt. Die englischen Balance-Lampen von W. Stiebert, die ein durch Umwerfen u. s. w. herbeigeführtes 


Unglück verhüten, dürften sich bald einbür; 


gern, ebenso die selbstzündenden Petroleumlampen von Emil 
Wenig und die Luftzuglampen von E. Ziehlke. 
Wie das Petroleum- und das Gaslicht sich mit allen Mitteln gegen das elektrische Licht zu wehren 


versucht, so auch die Spiritus- und Petroleum-Kochapparate gegen ihre abtrünnigen, durch Gas genährten 


Kollegen. Sehr zweckmässig sind die Petroleum-Kochapparate von H. Kleinschewsky, der Fabrikation 
äusserlich sehr gefälliger Patent- Kamin-Oefen widmete sich die Eisengiesserei Aktien-Gesellschaft 


vorm. Keyling & Thomas, einen ganzen Pavillon mit Petroleum Lampen wie -Brennern, mit Petroleum- 


Koch- und Heiz-Apparaten denkbar verschiedenster Art stattete die über 400 Arbeiter beschäftigende 
Firma J. Hirschhorn aus. 

Wenden wir uns nun der letzten Unter-Abtheilung der siebenten Gruppe zu, so finden wir die 
hauptsächlichsten Vertreter derselben in dem breiten Mittelgange, und zwar zeigt uns unterhalb der aus 
dem Kuppelraum führenden Treppe die Firma Schulz & Holdefleiss ihre grossartigen Kunstschmiede- 
arbeiten in einem imposanten Aufbau; vor einem von Marmorpfeilern gestützten, den Namen der Firma 
tragenden Bogen steht ein wirkungsvoller Wand-Springbrunnen, dessen Becken Delphine tragen, während 


ein anderer Delphin das Wasser in eine von Blättergerank umsponnene Schale speit. Oberhalb der 


Baumaterialien-@ruppe. — Yaupt-Industrie-@ebäude. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und derın Vervielfäliigungsarten für d’e Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


kupfernen Brunnenwand kniet ein gewappneter Ritter, die Standarte in der mannhaften Rechten, unter der 
die Bismarck’schen Gesichtszüge tragenden Figur schlingt sich des eisernen Ranzlers Wort: »Wir Deutsche 
fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt!« Mehrere mächtige schmiedeeiserne Thore, darunter das im 
Renaissance-Stil ausgeführte und für das neue Heim des Abgeordnetenhauses bestimmte, stammen aus der 
Fabrik von Eduard Puls, die für unsere neuere Schmiedekunst von führender Bedeutung war und noch 
ist. Berlin hat überhaupt auf diesem industriellen Gebiet eine weitgehende Geltung erlangt, indem einzelne 


bedeutende Firmen grosse materielle Opfer nicht scheuten und durch Aufsehen erregende Musterarbeiten 


auch ihre heimischen Konkurrenten zum höchsten Eifer anspornten. Das zeigen u. A. die ausgestellten 
Arbeiten von F. Stahl & Sohn, deren zweiflügeliger, schmiedeeiserner Hausthorweg die cehrendste 
Empfehlung dieser bereits 1835 gegründeten, heute in hoher Blüthe stehenden Firma ist, die sich zur 
pavillonartigen Krönung emporwindenden Blumenornamente sind technisch vollendet durchgeführt. Dasselbe 


ger'schen Schmiedestücken und ÖOrnamenten 


darf von den A. M. Krause’schen und Ferd. Paul Krü 


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behauptet werden, welchen sich an Güte und Reichhaltigkeit die Fabrıkate von Paul Marcus anschliessen, 


unter denen wir auch Leuchter und Laternen, Tische und Kronen finden, während Emil Klemm Hervor- 
ragendes in mit Kupfer montirten schmiedeeisernen Gegenständen, darunter Hänge-, Tisch- und Ständer- 
lampen, Rauch- und Schreibtisch-Garnituren, die unverwüstliche Dauerhaftigkeit mit gefälliger Eleganz ver- 


einen, zeigt, und B. Wiksits sich mit künstlerisch vollendeten Blumenkörben hervorthut. Formvollendete 


schmiedeeiserne Treppengeländer stellten E. Franke, der auch durch einen schönen schmiedeeisernen 


Pavillon vertreten ist, Alb. Gossen und G. Kleinschmidt aus. R. Blume sowie Dregerhoff & Schmidt 


führen uns ihre trefflichen Leistungen in schmiedeeisernen Grabgittern vor. Xaver Kirchhoff sucht mit 
Eriolg seine Spezialität in eisernen Flaggenmasten. 

Das Reich des Stahls verkörpert der grosse Pavillon von J. A. Henckels, dessen Waaren mit 
der bekannten Zwillingsmarke in der ganzen Welt zu finden sind und in ihrer Güte wie Mannigfaltigkeit 
kaum übertroffen werden. Unmittelbar hinter diesem Pavillon ragen die Riesen - Röhren der Deutsch- 
Oesterreichischen Mannesmannröhren-WVerke empor, die, wie die Fertigprodukte zeigen, in den verschieden- 
artigsten Industriezweigen mit Vorliebe verwendet werden. Die Bauklempnerei, der in den letzten Jahren 
durch die grossen Staatsbauten erfreuliche Aufgaben gestellt wurden, die sie zur grossen Befriedigung 
löste, vertreten Fr. Peters mit Thurmspitzen und einem Kapitäl von Kupferblech, Badow & Riese mit 
äusserst gefälligen Ornamenten in Zink und Kupfer, und Heinrich Kunitz. 

Gross ist der Wetteifer unter den Fabrikanten von Geldspinden, die allen Eventualitäten und Ver- 


nichtungs-Versuchen durch Elemente wie durch Menschenhand gewachsen sein sollen. Carl Ade führt uns u. A. 


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einen „eingemauerten‘‘ Geldschrank vor, von S. J. Arnheim stammen neben Panzerschränken noch Tre 


einrichtungen und Stahlkammern, unter letzteren eine mit Zeitschlössern versehene. Mit Eifer und hoffent- 
lich dem verdienten Erfolge betheiligten sich an dem Wettkampfe H. Fahnkow, Andersson & Reck, 
€. Brandes, ]J. Biehl, G. Lindener, A. Loewe, E. Palm und ©. Schleift. 

Zahlreich sind die den verschiedenen Hauswirthschaftszweigen gewidmeten Gegenstände aus Metall, 
die zunächst in den rechts vom Mittelwege liegenden Räumen untergebracht sind. Auch auf diesem Gebiet 
bringt fast jeder Tag eine neue Erfindung, die unseren Hausfrauen, Küchenfeen, Köchen etc. ihre Thätig- 
keit immer bequemer machen soll. Praktische Wring- und Waschmaschinen stellten P. Marzillier 
und Theodor Weigele aus, C. Fiedler und C. E. Nagel Marmoreisschränke, Otto Gerwig 
schmucke kupferne Küchen - Einrichtungen, die das Herz jeder braven Hausfrau höher schlagen 


lassen müssen, Robert Schultze Wärm- und Kühlapparate, Hermann Jordan Reib- und Quetsch-Apparate, 


L. Otto Frank Kaffeebrenner und Waagen, H. Eicke seine vielverbreiteten praktischen Kaffee- unc 


Theemaschinen, Gustav Enderweit und Baer & Stein allerhand Küchengerä he, ]. W. Dehn & Co. 


eiserne Flaschenschränke, und Arlt & Fricke ihre Spiritus-Schnellkocher. Hötels und Restaurants dien 


der schon oben genannte Otto Gerwig mit seinen bis auf's Kleinste bedachten Kücheneinrichtungen, 
Hermann Peter mit seinen Buffets und Bierdruckapparaten und die Quisisana-Gesellschaft mit ihren 
erstaunlich sicher funetionirenden Automaten für Speise und Getränke, ferner Robert Schultze unc 
Emil Wiesert. 

gen vereint ein von OÖ. F. Schaefer Nachf. errichteter Pavillon, ein Pavillon 


aus Eisen mit Wellblechbedachung der Firma Wolf Netter & Jacobi enthält verzinkte, verbleite unc 


Eine Anzahl Blechemballa 


verzinkte Gegenstände aller Art. Von den vielen Badeeinrichtungen heben wir die von Kosch & Teich- 
mann und von den Eisenmöbeln die von Carl Schulz hervor. Schliesslich sei noch rühmend der 
M. Schlesinger’schen Münzprüfer für deutsche und ausländische Gold- und Silbermünzen, die bei den 
deutschen Reichsbehörden eingeführt sind, und der in gothischem Stil prächtig gearbeiteten schmiedeeisernen 
Standuhr von A. Kahlberg gedacht. 


Man sieht, wie reichhaltig diese siebente Gruppe, die an 350 Aussteller umfasst, ist; sie legt der 


124 


&us der Maschinen-Italle. 


Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896, 


125 


deutschen Industrie volle Ehre ein und fügt sich ebenso machtvoll wie erfolggekrönt dem Gesammtbilde der 
Ausstellung ein, zu deren bedeutsamsten und erfreulichsten Theilen sie gehört! 

Der siebenten Gruppe schliesst sich, auch räumlich, die achte: Graphische und dekorative Künste 
und Duchgewerbe, eng an. In erster Linie führt sie uns Berlins Buchhandel und Buchdruckkunst vor, die beide 
gleichfalls im letzten Vierteljahrhundert einen hohen Aufschwung genommen. Hundert Jahre nach Erfindung 
der Buchdruckerkunst war Berlin noch ohne Druckerei; die Gründung der ersten veranlasste 1539 Kur- 
fürst Joachim II.; am Ausgange desselben Jahrhunderts führte der bekannte Leonhard Thurneysser mit 
Umsicht die Drucklegung einer ganzen Anzahl bedeutender Werke aus. Lange Zeit genügte eine Druckerei 
für ganz Berlin, die Mehrzahl der Bücher wurde von auswärts bezogen und nach auswärts wurden 


auch oft Druckaufträge vergeben. Selbst das Zeitalter der Aufklärung brachte nur langsam Wandel; 
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Maschinen-Halle. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


ı800 gab es in Berlin 21 Buchdruckereien mit 123 Gehülfen, und erst von der Mitte unseres Jahrhunderts 
an ging der Aufschwung rascher von statten, dann fast von Jahr zu Jahr zunehmend. Heute zählt man 


etwa 420 Buchdruckereien mit weit über 4200 Gehülfen, und lassen diese Zahlen die entsprechenden 


Leipzigs, der privilegirten Buchdrucker- und Buchhandelstadt, weit hinter sich zurück. 


Bei diesem enormen Emporblühen des Buchdruckerei-Gewerbes spricht erheblich die grosse Zahl 


der in Berlin erscheinenden Tages-, Wochen- und Monatsschriften mit, aber auch der stets wachsende 


geschäftliche Verkehr giebt ihnen reiche Beschäftigung und daneben der Buchverlag selbst, der mit immer 


grösserem Eifer den Wettkampf mit Leipzig aufgenommen hat. An den 23 600 während des letzten Jahres 


in Deutschland neu veröffentlichten wissenschaftlichen und literarischen Werken dürfte Berlin mindestens den 


gleichen Antheil wie Leipzig haben, und dass es kaum ein Gebiet des menschlichen Wissens giebt, welches 


126 


der Berliner Verlag nicht pflegt, zeigt uns deutlich diese Gruppe, in welcher sich unsere ersten Berliner 
Verleger bemüht haben, in engem Rahmen ein Bild ihres Wirkens und Schaffens zu geben. 

Wie in Parade stehen sie da, die langen Bücherreihen, die so viel von deutschem Wissen und 
Können bergen und den Ruhm deutschen Geistes und deutscher Bildung nach den fernsten Erdpunkten 
hin tragen. Nach hundert und mehr Bänden zählt allein die vom Allgemeinen Verein für deutsche Literatur 
(Hermann Paetel) herausgegebene Büchersammlung, welche auf dem Gebiete der Unterhaltung und Be- 
lehrung die besten Autoren vereint; dass grosse Leistungsfähigkeit, verbunden mit Billigkeit, noch immer 
Erfolg hat, beweisen die journalistischen Unternehmungen von Richard Bong, der namentlich den Farben- 
holzschnitt in seiner »Modernen Kunst« mit Umsicht anwendet; Ferd. Dümmler’s Verlag, im ersten Jahr- 


zehnt dieses Jahrhunderts begründet, erscheint mit seinen textlich wie illustrativ gleich trefflichen populär- 


Maschinen-Halle. * 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 


wissenschaftlichen Lieferungswerken, die selbst im Auslande die verdiente Beachtung gefunden; der Unter- 
haltung sind die Verlagsartikel von Rich. Eckstein Nachf. (H. Krüger) und F. Fontane & Co. gewidmet, 
zu ihren Autoren. Vielver- 


letztere Firma zählt die erfolgreichsten Vertreter des »jüngsten Deutschland« 
breitete Unterrichtsbücher, darunter die Ploetz’schen Grammatiken, gab Fr Aug. Herbig’s Verlag heraus, 
periodische von Reichs- und Staatsbehörden veranlasste Publikationen Carl Heymanns Verlag; welch’ 
eine Rolle nicht nur im literarischen Leben, sondern in kultureller Beziehung überhaupt eine Zeitschrift 
spielen kann, beweist uns der Verlag von A. Hofmann & Comp. (Inh. Rudolf Hofmann) mit der statt- 


lichen Reihe von Jahrgängen des »Kladderadatsch«, der von 1848 an mit Witz und Spott die Zeitereignisse 


begleitet, aber auch zu rechter Zeit das ernste, schwerwiegende Wort zu finden wusste. Berliner Reise- 


Literatur verdanken wir Alexius Kiessling, geschichtliche Werke, darunter das neue Buch vom Alten 


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Trowitzsch & Sohn, erlesene 


Saling. 


geographische Werke verd 


Den grössten lanc 


ehenden Haude & Spener’schen Buchhand 


breiteten »Geflügelte Worte« von Büchmann und 


wirthschaftlichen Ve 


anken wir Dietric 


Vahlen, grossangelegte Erscheinungen auf dem Gel 


druckereien verbunden, wie Fe 


Mehrere der ebengenann 


en Verlagsbuchhand 


rd. Dümmler’s Ve 


z, Paul Kittel, Jugendschriften und Geschenk-Literatur Herm. J. Meidinger. Der vornehmen Belletristik, 
Geschichte, Geographie und Literatur widmen sich Gebrüder Paetel, die auch Julius Rodenberg's fesselnde 


gehaltvolle »Deutsche Rundschau« herausgeben. Von den Verlagsproduktionen der bereits seit 1614 


ung, deren Besitzer Dr. jur. Conrad Weidling als 


riftführer der Gruppe VIII sich besondere Verdienste erwarb, erwähnen wir die in vielen Auflagen 


die jedem Kapitalisten unentbehrlichen »Börsenpapiere« 
rlag vertritt Paul Parey, musterhafte kartographische 


h Reimer, eine umfassende Kollektion von Kalendern 


juristische Werke, von unseren gefeiertsten Juristen herausgegeben, Franz 


biet der Architektur, Ernst Wasmuth. 


ungen sind mit renommirten und leistungsfähigen Buch- 


rlag mit der G. Bernstein’schen Buchdruckerei und 


Trowitzsch & Sohn mit seiner auch im Kunstdruck hervorragend tüchtigen Buchdruckerei. Letzteren 


pflegt besonders Otto von Ho 
licher Schönheit sind. 
vollste Anerkennung, auch we 
vielbewunderten Leistungen au 


teressanten 


Georg 


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Büxenstein & Co 


sen der aus ihrer 


Dreifarbendrucke. 


ten, dessen altdeutsche Drucke in getreuer Nachbildun 


g von ausserordent- 


mp. verdienen nicht nur wegen ihrer Druckarbeiten 


photochemigraphischen Kunstanstalt hervorgegangenen 


totypischer Photographie- und Zeichnungs-Vervielfältigungen und ihrer in- 


Verdienten Rufes wegen ihrer Werk- und Accidenzdrucke erfreuen sich 


Ernst Siegfried Mittler & Sohn und Julius Sittenfeld, welch’ letzterer sehr schöne und beachtens- 


werthe Buch- und Kunstdrucke hergestellt hat. 


Der Buchdruckereien von Rudolf Mosse und August 


Scherl gedenken wir noch an anderer Stelle. Mit kartographischen Drucken excelliren das Berliner 


Lithographische Institut (Julius Moser) und das Geographische Institut Jul. Straube; vielseitige 


Materialien für Buchdruckereien rühren von Hans Wunder her. 


Gegen andere Vervielfältigungsarten auf photochemischem Wege hat neuerdings der Holzschnitt 


einige Vernachlässigung erfahren; es dürfte dies wahrscheinlich vorübergehend sein, denn wenn erst der 


jetzt zu bemerkende Heisshunger unseres Publikums nach möglichst vielem Illustrations-Material gestillt ist, 


wird man erneute Beachtung dem sorgfältigen Holzschnitt zuwenden. Liebevoller Pflege erfreut er sich 


seitens G. Heuer & Kirmse, 


die eine Zahl eminent tüchtiger Kunstholzschnitte ausgestellt haben. 


Auch mehrere meisterhafte Photogravuren sind aus ihrem Verlage hervorgegangen, ein kerniger Lenbach'scher 


Bismarckkopf und G. Biermann’s anmuthreiche Königin Luise mit ihrem zweiten Söhnchen, dem Prinzen 


Wilhelm. 


Der auffällige, farbige Plakatdruck, der noch vor Kurzem ganz bei uns darniederlag, wird erst in 


jüngster Zeit mehr gepflegt; 


H. Meysel, Alex Hoenig und Th. Wendisch. 


Zwecke ist Wi 


hervorzuheben. 


der Königl. National-Ga 


ausländischer Meister sind v 
unterstü 


mehr 


und mehr die Schund 


erie ein; diese Farbe 


wir nennen die Firmen R. Barnick, Otto Lutze, dieser mit Metallplakaten, 


Beim Buntdruck für wissenschaftliche archäologische 


h. Greve zu nennen; auch W. Schultz-Engelhard’s buntfarbige Kunstblätter sind rühmend 


Zwei grosse Kojen nimmt die Vereinigung der Kunstfreunde für Amtl. Publikationen 


ndrucke nach Gemälden neuerer erster deutscher wie 


on bewundernswerther Schönheit, sie geben getreu das Original wieder und 
zen bei ihren billigen Preisen wirksamst die Verbreitung guter Kunstwerke, welche gottseidank 


produkte verdrängen, die noch vor Kurzem selbst in besseren Bürgerhäusern 


die Wände verunzierten. Wunderschöne, gleichfalls zum edelsten Zimmerschmuck dienende Heliogravuren 


stellten 


leisenbach, Riffar 


keit auf dem Felde des mod 


nicht al 


Die graphische Grup 


zu umfangreich, zeig 


h & Co. aus, die ferner eine erspriessliche, zur Nachahmung aneifernde Thätig- 
ernen Illustrationsverfahrens, hauptsächlich mittelst Autotypie, entwickeln. 
be, welche die Arbeiten der Ciseleure, Medailleure und Graveure umfasst, ist 


aber dafür ausserordentlich gelungene Leistungen; den besten Beweis liefern 


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Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


&An der Wandelhalle nach Kairo. . N 
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die Ausstellungen von Otto Oertel und L. Ostermann. Schöne gravirte Platten und Muster rühren 
von Oscar Brause und Carl Paal, Münzen und Medaillen von L. Chr. Lauer (in Nürnberg), Silber- 
gravirungen von G. Stawemann her, Waffengravirungen von W. Pfeuffer, schöne getriebene Arbeiten 
von Georg Rasmussen, Cameen-Porträts von Reinhold Tips, Kautschuckstempel etc. von Herm. Weber. 
Mit einer beträchtlichen Kollektion seiner vornehmen Elfenbein-Skulptur-Nachbildungen ist G. Micheli 


würdig vertreten. 


Eine besondere Gruppe, und zwar die XV]., bildet die Paprer-Industrie, mit ihr ist gleichzeitig manch’ 
anderer Industriezweig verbunden, der mit dem Papier und seiner vielseitigen Benutzung in naher Berührung 
steht. Die Herstellung des Papiers in der Mark Brandenburg reicht weit zurück, schon Anfang des 
16. Jahrhunderts sind mehrere Papierfabriken im Betriebe, ‚von denen noch heute die in Pulverkrug bei 
Frankfurt a. ©. liegende besteht. Hat Berlin selbst auch keine grösseren Papierfabriken aufzuweisen, so 
dafür solche zur Fabrikation von Bunt-, Karton- und Glanzpapier und Pappen; erspriesslich entwickelt hat 
sich die Papierwaaren- und Luxuspapier-Industrie, grosse Bestellungen laufen da von auswärts ein und ihre 
gute Erledigung fördert von Jahr zu Jahr die Nachfrage. 


Umfangreich ist die alle Arten Papiere enthaltende Kollektiv-Ausstellung des Deutschen Papier- 


Vereins, der sich um die Hebung der Industrie grosse Verdienste erworben; Glace- und Cartonpapier 


stellte die Berliner Glac&- und Cartonpapier-Fabrik Hess & Zadek aus, schönes Büttenpapier mit 


komplizirten Wasserzeichen, zur Herstellung von Werthpapieren verwendet, Gebr. Ebart, deren Fabrik in 
Spechthausen 1781 von Friedrich dem Grossen gegründet wurde, Papiere zu hundertfachen Zwecken dienend 
Ferd. Flinsch, der für zahllose Zeitschriften und Zeitungen sein sorgsam fabrizirtes Papier liefert; Karton- 
papiere für Photographie stammen von Hochstein & Weinberg und Sachs & Russ. Im Betrieb 
sehen wir die Kartonfabrik von Eduard Jacobsohn, deren Fabrikate ein tempelartiger Aufbau vereint; 
interessant ist es ferner, der unendlich raschen Thätigkeit der Briefumschlagmaschinen von Gebr. Tellschow 
zuzuschauen, während uns Lüderitz & Bauer und A. Zumpe die Herstellung von Contobüchern etc. 


praktisch veranschaulichen. Schwanhäusser vorm. Grossberger & Kurz haben in einem stattlichen 


Aufbau ihre Blei- und Farbstifte zusammengestellt. Von Mey & Edlich rühren grosse Kollektionen prak- 
tischer und dauerhafter Papierwäsche her; die Reichhaltigkeit ihrer Erzeugnisse der Schreibwaaren-Industrie 
mit vielen Neuheiten zeigt F. Soennecken’s Verlag, komplete Bureau-Einrichtungen, gleichfalls mit sehr 
empfehlenswerthen Neuheiten, sehen wir von der bekannten Shannon-Registrator Co., Aug. Zeiss 2 Co, 


ausgestellt. In sehr geschmackvollen, dunkelbraunen Schränken mit hübschen Holzverzierungen sind die 


iches in der gleichen 


Geschäftsbücher von J. C. König & Ebhardt in Hannover untergebracht, ebenso Vorzü 


Branche leistet das Berliner Haus Julius Rosenthal, welches in der Umrahmung eines Musterkomtoirs seine 


Fabrikate zur Geltung kommen lässt. Fesselnde Lehr: und Beschäftigungsmittel aus Papier und Pappe 
stellten Werner & Schumann aus, allerliebste Lampenschirme Hohenstein & Lange, Diaphanie-Fenster- 


bilder Vogler & Kachholz, Christbaum-Dekorationen und allerhand Gesellschafts-Artikel E. Maniac. 


Die Mehrzahl der vorgenannten Firmen hat in den linken Nebensälen ausgestellt, wenden wir uns 
von ihnen dem breiten Mittelgange zu, so stossen wir zunächst auf die Osnabrücker Papierwaaren- 
Fabrik mit einer grossen Auswahl vornehmsten Briefpapiers in eleganten Umhüllungen; viel betrachtet 
werden die für die Kaiserin von Russland, die Königin von Spanien und den Khedive von Aegypten be. 
stimmten Schreib-Kassetten; elegant und chic sind die Menus, Tanz-, Gratulations- etc. Karten derselben 
Firma. Einen hübschen Pavillon füllen die Fabrikate von Heintze & Blanckertz aus, in ihm lernen wir 
auch die Herstellung der Erzeugnisse vom Rohprodukt bis zum fertigen Fabrikat kennen. Die gleichfalls 
hier liegenden beiden Pavillons von Georg Hulbe und F. W. Hoppenworth, ersterer mit den gediegensten 
und das Auge erfreuendsten gepunzten Lederwaaren, letzterer in Gestalt einer mächtigen Kaiserkrone, mit 


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Delephon-Pavillon. Yoeltins. Sarofti. 


Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896, 


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Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. | 1 
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Kotillon- und sonstigen Ballartikeln, gehören bereits zur VI. Gruppe, den Kurz- und Galanterie 
Waaren, die Unterkunft in mehreren rechts vom Mittelgange liegenden Räumen gefunden haben. 

Eine umfangreiche Gruppe fürwahr, viele Industrieen umfassend, die zahllose Tausende fleissiger 
Hände tagaus tagein in Berlin beschäftigen. Die Mannigfaltigkeit dieser Gruppe beweisen schon ihre drei 
Unter-Abtheilungen: I. Waaren aus Elfenbein, Meerschaum, Perlmutter, Bernstein, Schildpatt, Hartgummi, 


Celluloid, Fischbein, Horn, Knochen, Haaren, Borsten, Wurzeln, Fasern, Pflanzen. I. Waaren aus Holz, 


Bronze, Aluminium und anderen Metallen, aus Papier, Pappe, Leder, dann Buchbinderarbeiten, Schaufenster- 


Dekorationen etc. III. Peitschen, Stöcke, Pfeifen, Sonnen- und Regenschirme, Fächer, Spielwaaren und 
Puppen. Auch diese einzelnen, theils dem Luxus, theils dem täglichen Gebrauche dienenden Gegenstände 


in ihren tausenderlei Variationen zeigen uns den Aufschwung der betreffenden Industrieen, der gleichfalls 


erst aus den letzten Jahrzehnten datirt; beschränkte man sich früher häufig auf eine oft sogar recht plumpe 


Nachahmung Pariser Vorbilder, so tritt uns heute meist ein geläuterter Geschmack entgegen, der sich 


allerdings noch vielfach an französische Muster anlehnt, der aber doch auch seine eigenen Wege wandelt 


und uns hierbei durch gefällige Eigenart überrascht. 

Bei der grossen Zahl der Aussteller und ausgestellten Gegenstände können wir leider auch hier nur 
die beachtenswerthesten hervorheben, um durch ihre Erwähnung einen Ueberblick des Geleisteten zu geben. 
In den Elfenbeinschnitzereien — welcher Zweig des Kunstgewerbes zu den ältesten und hochgeachtetsten 
gehört — leistet C. A. Heinr. Schulz Musterhaftes; von imposanter Schönheit sind seine Prunk- und 


Kunstgegenstände, gediegen und anmuthig seine Artikel für Toiletten und Schreibtische. Zierliche, feine 


Figuren in Elfenbein rühren von L. Barillot her, einen prächtigen Pokal mit elfenbeingeschnitzter weiblicher 
Idealfigur und sehr geschickt angebrachten goldenen und silbernen Verzierungen sandte Emil Liesk, 
coquette Genre-Scenen stammen von Sänger & Hahn. An der rechtsseitigen Wand zeigt J. Wahlen 
in Köln in einem effektvollen Arrangement uns Fischbein im Rohzustande; hübsche Sachen und Sächelchen 


aus Perlmutter, namentlich die vielgekauften Souvenir-Artikel, stellten Crosinsky & Eisenack aus, während 


Gebrauchs-Gegenstände, wie Stricknadeln, Löffel, Falzbeine, Federhalter etc., von C. H. Hesse gesandt 


wurden; die Kork-Industrie vertritt erfolgreich Wilh. Zimmermann Nachf., Bürstenwaaren in gefälliger 


Ausführung schickten Reinh. Barth und H. M. Engeler & Sohn, Schwämme in rohem und präparirtem 
Zustande und eine hübsche, einen Schwammfischer darstellende Figur die Schwamm-Import-Gesellschaft 
»Kalymnos«. 

Verlockend ist die Auswahl von Fächern; wirkliche Wundergebilde aus Spitzen, Federn, Elfenbein 
und Schildpatt, häufig mit geschickter Anwendung goldener und silberner Zierrathe und von Meisterhand 
herrührender Malereien sieht man hier in den einzelnen Vitrinen ausgestellt. Eine ganze Sammlung stammt 
von Conrad Sauerwald, der die Herstellung von Fächern in allen Stilarten zu seiner vielgepriesenen 
Spezialität erhoben; auch Ison Marcus und L. Marcus sowie Reichardt & Co. stellten kostbare Fächer 
aus, darunter schönbemalte Stücke, die auch als erlesener Wandschmuck dienen können; Straussfeder-Fächer 
in grosser Wahl sandte J. Gruber. Sind die Fächer wegen ihres meist werthvollen Materials weniger den 
Schwankungen der Mode unterworfen, so desto mehr die Sonnenschirme, die sich in jüngster Zeit den 
Kostümen in Farbe und auch in Form eng anpassen müssen. Die in Berlin umfangreich vertretene Schirm- 
Industrie ist darüber erfreut, sie weiss schnell den Modelaunen gerecht zu werden, wie aus den luftigen 
und farbenfrohen Gebilden hervorgeht, die wir von der Berliner Schirmfabrik Joseph Sachs & Co., der 
Berliner Schirm -Manufaktur Lichtenstein & Co. und von M. Wigdor ausgestellt schen; als sehr ver- 
wendbar erweisen sich die Patent-Taschen-Schirme von Hugo Haegermann. 

Haben bei diesen Dingen unsere grossen Damen reiche Gelegenheit zur Bewunderung, so kommen 
auch unsere kleinen Dämchen zu ihrem Recht, und schon von fern hört man sie jauchzen und frohlocken, 


wenn man sich dem »Puppenheim« von E. W. Matthes nähert, das in reizenden, selbst Erwachsene 


136 


erfreuenden Scenen eine Tanzgesellschaft, ein Kinderzimmer und eine Küche vereint. Auch Emma Bette, 
Bud & Lachmann sowie H. Schubert und Emil Speier stellten allerliebst aus; G. Söhlke Nachfolger 
(Paul Wetzel) bedachte mehr die kleinen Herren der Schöpfung, die sich von seinen Zinnsoldaten, seinen 
militärischen Ausrüstungen für die zukünftigen Krieger, seinen Eisenbahnen und sonstigen Spielsachen nur 
schwer trennen können; anregende Spiele zur Unterhaltung, Beschäftigung und Belehrung stammen von 
Adolf Engel. . 


Wird hiermit die Zeit unserer Kleinen ausgefüllt, so fehlt es in dieser Gruppe nicht an hunderterlei 


&Am neuen Öee. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


Gegenständen, um Erwachsenen, zumal unseren Damen eine zusagende Beschäftigung, sei es blos zur 
Ausfüllung von Mussestunden, oder auch zur Unterstützung im Kampfe ums Dasein, zu gewähren. Da ist 
beispielsweise eine ganze Sammlung von zum Bemalen bestimmter Artikel in Hartstuck, Thon, Fayence und 
Milchglas von B. Fröhlich, und auch das kunstgewerbliche Atelier ©. Eichel’s schickte allerhand emsiger 
Damenhände harrende Wanddekorationen, denen zum Ansporn und zur Nacheiferung bereits ausgeführte 
beigesellt sind. 


Wo soll man aber anfangen und wo enden bei den Galanteriewaaren aus Bronze, aus Leder, 
18 


137 


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Plüsch ete. ete., in deren Bereich wir allmählig gelangt sind, wer kann all’ die zierlichen Gegenstände 
und deren Verfertiger anführen, die hier in erstaunlicher Menge aufgestellt und ausgebreitet vorhanden sind, 
die uns immer wieder in Erstaunen versetzen über ihre Abwechslung und ihre Verwendungsbestimmung, 


bald für den Salon, das Boudoir, die Schreibstube, bald für den Gebrauch auf der Strasse und der Reise, 


für die Toiletten der Damen, für die Kleidung der Herren, unter diesen scheinbar oft nichtigen und 
doch so praktischen Dingen zahllose originelle Neuheiten. Wie gross allein ist die Auswahl bei Eduarc 


Jressler, der gleich reich für den Schreibtisch wie für die Tafel sorgte, dann folgen die Schreibzeuge 


und Rauchservice von Theodor Herb und die Taschenfeuerzeuge, Tabaks- und Cigarettendosen von 


G. Goliasch & Co., die allerliebsten Nippessachen aus Metall von Max Kiessling, die blinkenden unc 


blitzenden Schnallen für Damen-Kostüme von Julius Lennhoff, die schöngeformten Bronze-Photographie- 


rahmen von Paul Lütke, die Vasen, Bronzen, Aufsätze von Theodor Rosenfeld, die Toilette-Artike 


und hauswirthschaftlichen Gegenstände von J. Luckhardt, die vergoldeten Metall-Artikel von Hugo 
Krolik & Wolf, die Luxussachen von Moritz Rosenow, die Bronzen von E. Loewy & Söhne, die 
wirkungsvollen Goldbronzen von Louis Lunitz. 

Der stattliche Leder-Pavillon von Franz Burda mit seinen handgeschnitzten Ofenschirmen und 
Wanddekorationen in Leder bildet für die Abtheilung der Leder-Galanteriewaaren das rühmliche Aushänge- 
schild. Vielumfassende Reise-Necessaires sandte Otto Matern, Portemonnaies in allen nur denkbaren 
Formen Albert Rosenhain, elegante Portefeuilles A. Schwalbe, Cigarrentaschen, Damengürtel etc. 
H. Adam jr., Lederwaaren für Haus und Reise K. G. Dehmel Nachfolger (Delius & Zühlke), Näh-, 
Schmuck- und Handschuhkasten Wilhelm Klaus, Damen- und Couriertaschen Loth & Weinland, Reise- 
Utensilien Otto Lundershausen, Photographie-Albums Frangois Vit€e und A. Dittmar, Bonbonnieren, 
Sachets und Pompadours Wolf & Rosenzweig. 


Eine Abtheilung für sich vereinigt die Buchbinder-Arbeiten; glücklicherweise kommt neben der 
52 
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maschinellen Herstellung die Handarbeit noch immer zur Geltung, das zeigen die vollendeten Bucheinbände 


von W. Collin mit ihren schönen geschnittenen und getriebenen Lederarbeiten, die kunstvollen Einbände und 
Adressen von A. Demuth und C. W. Vogt & Sohn. In Liebhaber-Einbänden leistet Herm. Söchting 
kleine Meisterwerke, die den mit Recht vielgerühmten englischen und französischen Bucheinbänden in keiner 
Weise nachstehen. 

Welch’ eine mannigfache Verwendung die Galanteriewaaren in Metall und Leder finden können, 
beweisen die Ausstellungen von J. F. Schwarzlose Söhne und Gustav Lohse, die ihren Parfums, Seifen 
und sonstigen kosmetischen Fabrikaten die verlockendsten Umhüllungen gegeben haben, die häufig viel 
kostspieliger wie der Inhalt sind; das thut freilich der Güte des letzteren keinen Abbruch. 

Veueren Datums im Berliner industriellen Leben sind die Firmen, welche sich mit der Herstellung 
von Schaufenster-Dekorations-Utensilien beschäftigen. Am zahlreichsten fabrizirt werden Büsten und Gestelle 
ür Modegeschäfte, die meist zur besseren Zurschaustellung ihrer Kostüme etc. sich Wachsköpfe oder auch 


ganzer Wachsfiguren bedienen, die noch mehr Aufmerksamkeit erregen, wenn sie mechanisch bewegt werden. 


)as sieht man schon hier auf der Ausstellung, wo die von Willy Weber herrührende elegante Dame, 
die den Sonnenschirm bewegt und die Lorgnette zu den Augen führt, und die ungemein naturgetreuen Wachs- 


gruppen und Einzelfiguren, unter letzteren eine rauchende Odaliske, der Vereinigten Berliner und Erd- 


mannsdorfer Büsten-Fabriken (Edm. Böhm und A. Th. Haroske) von zahllosen Schaulustigen umlagert 
sind. Viele Neuheiten auf demselben Gebiet enthält der Pavillon mit dekorirten Muster-Schaufenstern von 
Stephan & Co. und die interessante Ausstellung von M Heptner, Schaufenster-Gestelle fertigten Julius 
Handt, Büsten für Konfektion und Kostümschneiderei Carl Schmidt, Dekorations-Gegenstände für jeden 
Bedarf Carl Fürstenheim Nacht. 


Die letzterwähnten Ausstellungsgruppen bildeten bereits den Uebergang zur Bekleidungs-Industrie, 


138 


Th.Zimmermann. 


gr RERLn, 
Leipzigerstr. 50, 


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Weberstube. Spulmaschine. Pavillon Zimmermann. 

Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 

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und dass sie so glänzend ausgefallen sind, lässt einen Rückschluss auf die Bedeutung der letzteren zu, 


die auch in unserer Ausstellung einen Hauptplatz einnimmt und ihre Schätze in dem breiten N ittelgange 


wie in einer ganzen Reihe links von diesem liegender Säle ausbreitet. In engem Zusammenhange mit 


der die Gruppe II bildenden Bekleidungs-Industrie steht Gruppe I, Textl- Industrie, und so ist denn 


zwischen diesen beiden Gruppen keine scharfe Sonderung eingetreten und sind auch räumlich die ver- 


schiedenen Ausstellungsgegenstände durcheinander geschoben worden. 


Weit über 30,000 Arbeiter und Arbeiterinnen sind in Berlin allein durch die Textil-Industrie be- 


schäftigt, trotzdem die maschinellen Kräfte in den überwiegenden Fällen die Handarbeit abgelöst haben; 


ihren grossen Aufschwuı 


an einem Weltplatze v 


ıg verdankt diese Industrie der hohen Blüthe der Berliner Konfektion, beide Industrieen, 


ereint, können sich in wichtiger Weise ergänzen, und vor Allem vermögen unsere 


Textil-Industriellen, namentlich was die Wollen-, Baumwollen- und Seiden-Industrie anbetrifft, schneller wie 


ihre auswärts wohnenden Konkurrenten den Schwankungen der Mode zu folgen und können demnach ihre 


Fabrikate zuerst auf den Weltmarkt bringen. 


Die Berliner Konfektion aber, wie wir die Bekleidungs-Industrie trotz des Fremdwortes kurz nennen 


wollen, verdankt ihr Aufsteigen hauptsächlich der durch die Waffenerfolge neubegründeten Machtstellung 


des deutschen Reiches. 


Paris, das war bis dahin die Losung aller die vornehmere Mode berücksichtigenden 


Kreise gewesen; das wurde nun anders, seitdem Deutschland die Augen der Welt auf sich gezogen und 


sich die Beachtung und E 


3ewunderung derselben erzwungen. Mit Geschick und Eifer wusste die deutsche 


Industrie, die im eigenen Lande durch den wachsenden Wohlstand unterstützt wurde, diese günstige Stimmung 


des Auslandes auszunutz 


en und sich Märkte zu erobern, auf denen bis dahin französische und englische Waaren 


dominirten. Berlin selbst war aus seinem Dornröschen Schlafe erweckt worden, voll ward es seiner frischen 


Kraft bewusst, in immer stärkerer Zahl kamen die Fremden hierher und betrachteten mit Erstaunen den 


mächtigen Aufschwung, 


Bald wurde für 


den die junge Kaiserstadt genommen, die Kunde hiervon überallhin verbreitend. 


den deutschen Handel ein gut Stück des Orients erobert, andere, europäische 


wie überseeische Länder folgten, selbst Frankreich schloss sich nicht aus — wieviele künstliche Blumen, 


wieviele Bänder, Rüsc 


hen, Schmuckfedern und sonstige Putzwaaren, deren Herstellungs - Heimathsort 


Berlin ist, werden in Paris von Deutschen gekauft, die stolz diese »neuesten Pariser Modesachen« in 


ihr Ursprungsland zurückbringen! Zahlen reden ja die deutlichste Sprache, und so wollen wir nur wenige 


Ziffern angeben, um die Bedeutung der Berliner Konfektion in das richtige Licht zu stellen. Nicht 


> 


weniger wie 200,000 männliche und weibliche Personen erhalten in Berlin ihren Erwerb durch die Bekleidungs- 


Industrie — allein die 
gezahlten jährlichen Lo 


Konfektion allein wird 


Mäntel-Konfektion beschäftigt deren 50,000 — und man nimmt den ihnen aus- 


hn auf ıı12 Millionen Mark an. Der jährliche Umsatz der Damen- nnd Kinder- 


auf rund roo Millionen Mark geschätzt, zu ihnen gesellen sich noch die viel 


umfassenderen Ziffern der Verkäufe von Hüten, Mützen, Handschuhen, Kürschnerwaaren, von Schuhen, von 


Artikeln der Herren- und Damenwäsche, von Korsets, Spitzen, künstlichen Blumen (der Anfertigung der 


letzteren widmen sich 


Weisswaaren-Konfektion 


in Berlin allein ca. 7000 Fabrik- und Hausarbeiterinnen), Schmuckfedern und der 


‚ von Waaren- der Gold- und Silber-Manufaktur, von Militär-Effekten, Uniformen, 


Stickereien, Tapisserieen etc. etc. Die Bedeutung einzelner Firmen beleuchtet die Thatsache, dass ein einziges 


grosses Berliner Konfekt 
nach England bezahlt. 


Diese ersten Fir 


ionshaus durchschnittlich jährlich 150,000 Mark Frachtgelder allein für die Sendungen 


men treten uns mit ihren Sonder-Ausstellungen in prächtigem Rahmen gleich beim 


Anfang unserer Wanderung durch die Konfektions-Schätze entgegen. Den Reigen der Pavillons eröffnet, 


Oo 


wenn wir aus der Richtung des Ehrensaales kommen, derjenige W. Spindler’s, der hier neben gefärbten 


und gereinigten Bekleidungs- und Gebrauchsgegenständen, welch meisterhaft ausgeübtes chemisches Verfahren 


ihm zuerst seinen weiten 


Ruf eingetragen, gefärbte und bedruckte Seiden-, Wollen- und Baumwollen-Garne und 


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‚Stoffe ausgestellt hat, die von der sorgsam ausgeübten Technik hohes Zeugniss ablegen. Eine 
Zahl eleganter Damen-Kostüme hat S. Rosenthal vereinigt, dessen umfangreiches Geschäft am Werderschen 
Markt mit seinen glänzenden Schaufenstern auch ausserhalb der Ausstellung einen Magnet für unsere 
Damenwelt bildet. Einen grossen, luftigen, aus grüngefärbtem, goldverziertem Holz errichteten Pavillon, 
den ein schlankes, mehrfach durchbrochenes Thürmchen krönt, erbaute Herrmann Gerson und stellte in 
ihm all’ die mit lauter und stiller Begeisterung seitens der Besucherinnen angestaunten Herrlichkeiten aus, 


welche komplete Damen-Toiletten wie einzelne Stücke derselben umfassen. Der Geschmack ist, trotzdem 


den mannigfachsten, oft sich widersprechenden Ansprüchen Rechnung getragen wurde, stets ein erlesener; 


für die theuersten wie billigsten Toiletten ist gleich umfassend gesorgt und an ansprechenden Neuheiten, 
auf die wir uns nicht einlassen können, da sie häufig gewechselt werden, ist nie Mangel. 

Der nun folgende Trachten-Pavillon von Moritz Bacher verdient und findet besonderes Interesse 
und ist durch seine Originalität zu einem Hauptanziehungspunkt der Ausstellung geworden. In fünfund- 
zwanzig, sehr hübsch gefertigten Gruppen werden uns hier die hervorragenderen Trachten von 1796 bis 
1896 vor Augen geführt; die auf das genaueste den Originalen nachgeahmten Kostüme bis zum letzten 
Jahre hat die Charlottenburger Firma Verch & Flothow gefertigt, diejenigen dieses Jahres entstammen 
den Ateliers Herrmann Gerson'’s, 

Einen sehr anziehenden Pavillon aus gelblichem Holz in englischem Renaissancestil, die Bedachung 
von hoher Kuppel überwölbt, und an den vier Ecken Thürmchen mit von Karyatiden getragenen Atlanten 
zeigend, hat Rudolf Hertzog errichtet; in den einzelnen Schaufenstern liegen die Waaren des Welt- 
hauses ausgebreitet, sie zeigen uns dessen Bedeutung auf den verschiedensten Gebieten der Textil- und 
Bekleidungs-Industrie; ob wir das herrliche Tischzeug der schöngedeckten Tafel bewundern, die Gardinen 


und Vorhänge, die Kleiderstoffe und Leinen- wie Seidenwaaren, ob die fertigen Roben oder einzelnen Theile 


derselben, die Mäntel und Schürzen, Schirme und Decken, — stets ist Gediegenheit mit Geschmack ver- 
bunden. Auch das Innere des Pavillons legt von der Leistungsfähigkeit der Firma Zeugniss ab durch 
einen handgeknüpften, feingemusterten Teppich von sieben Meter Durchmesser und die Bekleidungen 


der Kojen, die stets aus je einem Stück gearbeitet sind und auf seegrünem Seidenuntergrunde die schönsten 


Hand- und Maschinen-Stickereien aufweisen. Unter der mit amerikanischem Goldglas gedeckten Kuppel 


erhebt sich inmitten dichten Gebüsches frischer südlicher Blattpflanzen, aus denen bunte Glühlichtchen sich 
herausranken, die von Rutz modellirte Bronzefigur einer idealen Frauengestalt, die Sonne mit dem Morgen- 


stern verkörpernd. 


Der dem Hertzog’schen sich anschliessende Pavillon von Heinrich Jordan vertritt hier im Mittel- 


gange die Wäsche-Industrie in ihrer ganzen Reichhaltigkeit; blendend weiss leuchten uns die Auslagen 


entgegen mit ihren leinenen Schätzen, die in der Damenwäsche einen besonderen Luxus aufweisen und 
zeigen, dass die Handnäherei neuerdings wieder zu Ehren gekommen ist. Viele der Damenartikel ver- 
schwinden unter einem wahren Gewirr von Spitzen und Seidenbesatz, die seidenen und batistenen Stoffe 
können nicht zart genug sein; prächtig ist die ausgestellte Bett- und Tischwäsche mit buntgestickten Ver- 
zierungen, sehr praktisch sind die seidenen Reisebetten, die nicht schwerer und umfangreicher wie ein 
zusammengeschnürtes Packet sind. 

In dem ersten der links liegenden Säle sind die Teppiche und sonstige Webesachen untergebracht. 
Eine grosse Koje füllen die Teppiche, Decken und Portieren von Benjamin & Co. aus, die in der Nach- 
bildung grosser wie kleiner orientalischer Vorlagen Rühmliches leisten. Gegenüber haben Emil Becker 
& Hoffbauer eine stattliche Sammlung von schöngemusterten Teppichen vereint, auch mehrere ansprechende 
Plüsch-Fauteuils ausgestellt. G. Feibisch zeigt seine Spezialität in Axminster- und Velours-Teppichen, 


F. Paatz neben Teppichen noch Moquette-Möbelstoffe, Portieren und Decken aller Art. Sehr stattliche 


Salonteppiche in verschiedenen Quantitäten sowie gleichfalls Portieren etc. stammen von M. Protzen & Sohn, 


142 


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ischkosthall, 


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Fischerei-Gebäude. Hisch-Kosthalle. 


Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896, 


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schöne und wirksame Gobelin-Kunst-Handwebereien von W. Ziesch & Co. D.: 


Geschmack für gute 


Gobelins zum Schmuck von Zimmern und Sälen ist entschieden im Steigen begriffen und wird in Zukunft 


noch weiteren fleissigen Händen Arbeit gewähren; wie Gutes auf dem Gebiet bereits erreicht wird, zeigt 


ein von D. Fast wiederhergestellter echter Gobelin aus dem 15. Jahrhundert. Eine vielumfassende Teppich- 


Ausstellung verdanken wir den Vereinigten Smyrna-Teppich-Fabriken, in welcher uns auch durch 


zwei schmucke Wendinnen in farbenreicher Tracht die Fabrikation, speziell die nach vorliegendem Muster 


ausgeführte Knüpfarbeit, 


veranschaulicht wird. Man nimmt an, dass jetzt in Deutschland jährlich für 


>o Millionen Mark, von denen der vierte Theil auf Berlin entfällt, Teppiche angefertigt werden, in das 


Ausland gehen etwa für 3 


Millionen Mark. 


Sehr umfangreich ist die Strumpf-Fabrikation in Berlin, sie beschäftigt an 8000 Personen und ihr 


Umsatz wird auf jährlich über 7 Millionen 


Mark angegeben. Brühl & Norden stellten Strümpfe jedes 


Genres, darunter sehr gefällige Neuheiten, aus, speziell seidene Strümpfe von feinstem Gewebe sehen wir 


bei Gebr. Gillet, wollene und seidene Fantasie-Artikel bei Schlottmann & Co. und Robert Kerb, 


Häkelgarne, Trikotagen, Handschuhe bei Felix Lande, gestrickte Westen, deren Fabrikation uns gezeigt 


wird, bei R. Rothe, P 


Einen imposanten Aufbau 


osamentirwaaren für Möbel, Dekoration und Tapisserie bei Franz Ebel Nachfolger. 


seiner Mustersortimente von Garnen für Weberei, Strickerei und Tapisserie 


sowie von Wollen in den verschiedensten 


Stadien der Bearbeitung bis zum fertigen Garn veranstaltete 


A. F. Dinglinger; wie vorzüglich »auf neu« Kleider und Dekorationsstücke gereinigt werden, schen wir 


bei D. Cound&; sehr schön gestickte und gewirkte Vorhänge mit entsprechenden Mustern stellte A. Müller aus. 


In fünf links liegenden Nebensälen sind von über 500 Ausstellern die weiteren Schätze der Be- 


kleidungs-Industrie zur Schau gestellt worden; beim besten Willen ist es nicht möglich, hier alles Gute und 


Treftliche, Schöne und Anmuthige zu nennen, nur einige der hervorragendsten Firmen können wir aus der 


grossen lülle herausgreifen. 


Orgler & Fidelmann erschienen mit vornehmen Kostümen wie mit lufügen 


Blousen auf dem Plan, Flatow & Wachsner mit kleidsamen Sommer-Toiletten, A. Lüders mit entsprechenden 


Seiden-Kostümen, einzelne reich mit Valencienner-Spitzen besetzt, Hugo Schütz & Co. mit eleganten wie 


auch einfacheren Kostümen. 


und Blousen etc. stattete 


Damen-Konfektion J. A. Heese; 
beachtenswerth ist die Kollektiv-Ausstellung des Vereins Berliner Damen-Mode mit einer Fülle reizender 


Damen-Kostüme, die in dem benachbarten Saal ein Gegenstück in der Kollektiv-Ausstellung des Vereins 


Einen ganzen Pavillon mit Kleiderstoffen in Sammet und Seide, mit Wäsche 


Fr. Hahn aus, deseleichen einen Pavillon mit den erlesensten Stücken feiner 


seine Herrschaft in englischen Moden und Stoffen zeigt Ed. Cohn. Sehr 


Deutscher Mode mit Herren-Garderobe und ferner eine Ergänzung durch die Kollektiv-Ausstellung der 


Berliner Wäsche-Fabrikanten erhält. Umfangreich und allen Geschmacksrichtungen entsprechend ist die 
Kollektiv-Ausstellung der Damen-Mäntel-Schneider-Innung, in der wir auch elegante Reitkleider finden, 


wie überhaupt in dieser Abtheilung 


Firma R. M. Maassen m 


zwingerinnen und Reiterinnen. 


Kinder-Ausstattungs-Magazi 


Sehr stattlich ist 


mcehreren kleineren Bären 


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flankirte Pavillon 


dem Sport umfassend Rechnung 
Für unsere Kleinen sorgten in überaus sorgfälti 


ie Berliner Kürschnerei vertreten, das z 


getragen wurde, vornehmlich von der 


ihren hübsch arrangirten Gruppen kecker Velozipedisten, Jägerinnen, Alpen-Be- 


r und reicher Weise die 


ne von Emma Bette, Bud & Lachmann, von Arnold Müller sowie Albert Rahn. 


igt schon der von zwei grossen und 


von Carl Salbach. Grössere Auslagen edlen Pelzwerkes 


veranstalteten C. A. Herpich Söhne, sowie G. S. Herpich; man sicht hier, welchen Einfluss die 


Mode, die in den letzten 


Jahren Pelzwerk sehr bevorzugte, auf einen ganzen Zweig des gewerblichen Lebens 


ausüben kann, speziell beim Betrachten der sogenannten konfektionirten Pelzwaaren, wie sie Witzleben 


& Kracke (F. T. Goetze Nachfolger), dann Arthur Wolf und Adolf Winter ausstellten. _ Von den 


sehr leistungsfähigen Handschuhfabrikanten nennen wir neben der Kollektiv-Ausstellung des Vereins der Glacc- 


handschuh-Fabrikanten und Interessenten noch Fr. H. Theuerkauf und R. Ahlemann. Hier wollen wir 


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zugleich auch der umfassenden Kollektiv-Ausstellung der Perrückenmacher- und Friseur-Innung und ihren 
künstlichen Haararbeiten, Perrücken, Toupets, Haartouren etc. Erwähnung thun. 

Dass auch die Kostüme der Herren der Schöpfung manchen Modeschwankungen unterworfen sind, 
lernen wir hier erst deutlich kennen, besonders was Kravatten, Kragen, Manschetten anbelangt. Wir heben 
auf diesem Gebiet Fraenkel & Roehr, Paul Bock, J. Fontheim, H. Jahnke, Kamper & Weber, so- 
wie Pellens & Loick hervor. 

Den letzten Saal auf dieser linken Seite nimmt die Schuhmacherei für sich in Anspruch; voran stehen 
die beiden grossen Kollektiv-Ausstellungen der Berliner Schuhmacher-Innung und des Vereins Hans Sachs; 
von den hierbei nicht betheiligten Schuhwaaren-Fabrikanten erwähnen wir R. Esser, M. Fürstenheim &Comp., 
Max Hey, Hermann Oetker, F. Schütz Nachfolger (C. Dähntjer) und Gebr. Silberberg & Cie. 
Der Verband deutscher Schuh- und Schäfte- Fabrikanten hat gleichfalls eine Gesammt-Ausstellung veran- 
staltet, von den ihm zugehörigen Meistern hat R. Dorndorf in Poepelwitz bei Breslau eine mechanische 
Schuhwaaren-Fabrikation mittelst der fabelhaft schnell arbeitenden amerikanischen Goodyear’schen Maschinen 
veranschaulicht, die vielen Beifall findet. 

Auch rechts vom breiten Mittelgange sind noch mehrere Nebensäle der Bekleidungs-Industrie ein- 
geräumt worden. Hier finden wir Hüte für Damen (Meinhard Borchardt, Christian Ehlermann, 
A. Dewitz, Engel & Co., Rud. Gutmann, Aug. Münzer) und Herren (C. W. Borchert, Osc. Bluth, 


J. Bambus & Co.) vereint, dann künstliche Blumen (Herm. Kiesel, mit einer grossen und prächtigen 


Auswahl auch schattirter Federn, und Hachenburg & Comp.), Korsetts (Paul Neubeiser, Arnold 


Obersky, G. Neumann, Berliner Korsettfabrik W. & G. Neumann) und Kunststickereien, unter 
letzteren die wundervollen Kirchenornamente von P. Bessert-Nettelbeck. Interessant ist es, den Betrieb 
der von der Berliner Stickmaschinen-Fabrik (Schirmer, Blau & Co.) ausgestellten sechs Stickmaschinen 
zu beobachten; auch G. Stein führt eine praktische Universal-Stickmaschine im Betriebe vor. Einen grossen 
Pavillon nimmt die Ausstellung von Otto Weber’'s Trauer-Magazin, dem grössten und angesehensten 
Berlins, ein; in lebhaftem Gegensatz zu dem tiefen Schwarz stehen die in der Nähe befindlichen glitzernden 
Auslagen unserer Militär-Effekten-Fabrikanten, unter ihnen die bekannten Firmen Joh. Bapt. Dotti, 
C.E. Juncker, A. Klucke & Co., Aug. Schneider und Georg Witte. 

Hier in dieser Abtheilung haben ferner zwei sehr interessante Ausstellungen von Theater-Kostümen, 
Dekorationen etc., durch wirksame Wachsgruppen veranschaulicht, Unterkunft gefunden. Die Charlotten- 
burger Firma Verch & Flothow stellte unter einem alterthümlichen Burgthore Ritter und Edelleute des 
16. und Soldaten verschiedener Waffengattungen des 17. Jahrhunderts aus, deren Kostüme, Waffen etc. von 
geschichtlicher Treue und dekorativer Wirksamkeit sind. Auch die einzelnen Waffen, Rüstungen, Schilde 
etc. sind ganz vorzüglich gearbeitet und können als vornehmer Wandschmuck dienen. Nicht minder fesselnd 
ist die von Hugo Baruch & Co. ausgestellte benachbarte Gruppe mit‘ einem Ritterfräulein und einem 
Landsknecht. 


Auf derselben rechten Seite des Mittelganges finden wir anschliessend an die eben erwähnten Säle 


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die Räume der Gruppe V, Porzellan-, Chamotte- und Glas- Industrie, die nur wenig zahlreich vertreten 
ist, was nicht Wunder nehmen darf, da schon die Millionenstadt mit ihrem Häusermeer der Errichtung der- 


artiger Fabriken, die auf Gegenden mit passenden Erd- und Thon-Arten angewiesen sind, nicht günstig ist. 


Ist diese Gruppe auch nicht umfassend beschickt, so weist sie doch einzelne vortreffliche Spezial-Ausstellungen 
auf, die durch Schönheit und Reichhaltigkeit gleich erfreuen. Von jenen Fabriken, die Gebrauchs- etc. 


Porzellan herstellen, nennen wir L. Wolf Nachf. (Inh. J. & G. Brämer), Gustav Richter, dann mit 


ihren kompl 


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tten Einrichtungen für Laboratorien, Apotheken und sämmtliche Industriezweige die Sanitäts- 
Porzellan-Manufaktur W. Haldenwanger und die Glashüttenwerke von Poncet mit Porzellan 


für technische Zwecke, namentlich für Elektrotechnik, Telegraphie und Telephonie, H. Schomburg & Söhne. 


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Nach einer Originalaufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. ' 
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Sehr vornehme, schön bemalte Wirthschaftsgegenstände kommen von Hans Richter, meisterhafte Glas- 
gravirungen und Porzellanmalereien von P. Raddatz & Comp., ganze Porzellan- und Glas-Ausstattungen, 
nicht nur für die bekannten »jungen Paare«, sondern auch für Hötels, Restaurants, Dampfschiffe etc. von 
G. Hasche. Funkelnde Krystall-Kronen stellten Karl Heckert Nachf., kunstvoll bemalte Porzellane und 
Majolika-Gegenstände Martha Wundahl, schöne Flachglasätzereien in weisser und farbiger Abtönung 
Weinhold & Kranich und dekorative Glasmalereien für Facaden und Innenräume die Deutsche Glas- 
mosaik-Anstalt Wiesmann, Puhl & Wagner aus; Glasjalousien, Reflektoren, Fenster-, Hand- und Toiletten- 
spiegel stammen von A. Novotny, Tafel- und Küchengeschirre in schönen Mustern von F. A. Schumann, 
die neuerdings schr beliebten gläsernen Jardinieren für die Tafel von G. Harsch & Co. 

Dieser Gruppe benachbart liegt Gruppe II, Dau- und Ingenieurwesen, das seit zwei Jahrzehnten einen 
grossen Aufschwung genommen hat und im Begriff steht, Berlin zu einer wichtigen Centrale für alle be- 
deutsameren Zweige der Fachindustrie zu erheben. Nicht zum Mindesten hat die Ausstellung selbst viel 
dazu beigetragen für eine lange Reihe neuer Bauartikel selbständige Werke oder Vertretungen zu schaffen, 
die die Fabrikation und den Vertrieb der Materialien bedeutend erleichtern. 

Die Erkenntniss ihres Werthes und die Nothwendigkeit, eine Auswahl von Ausstellungsgegenständen 
an grösseren Bauten selbst in ihrer praktischen Verwendung vorzuführen, hat diese Gruppe zu der Errichtung 
eines eigenen »/rerhauses« mit einem stattlichen blumengeschmückten Ehrenhof und einem schattigen Arkaden- 


sezeichnet 


gang bestimmt, wofür die Entwürfe in den Hauptzügen durch den Architekten H. A. Krause ge 


wurden. Der Ehrenhof der Baugruppe, der von dem Hauptportal der Ausstellung sehr bequem zu er- 


reichen ist, wird von zwei architektonisch hervorragenden Fronten in mittelalterlichen Formen flankirt, die den 
heimischen Baustil sowohl, wie unsere hochentwickelte Ziegeltechnik vortrefflich zur Geltung bringen. Die 
hochragenden Giebel mit den zierlichen Rosen und der reichen Ornamentik glasirter Ziegel sind ein 
Meisterstück märkischen Backsteinbaus.. Auch das »/rerhaus« mit seinem vornehmen Portal, mit dem 


flotten Aufbau der hohen Halle und dem kühnen Thurme wirkt ausserordentlich malerisch und hat in der 


vornehm eingerichteten Säulenhalle des Erdgeschosses, wie in der von A. Messel entworfenen »Diele« 


des oberen Prunkraums Gelegenheit gegeben, die moderne Glasmalerei, die Mosaiken und den Stuekmarmor 


in glücklicher Weise zur Geltung zu bringen. Die Architektur selbst ist unter dem Einfluss der Aus- 


stellung in Moabit im Ganzen etwas schwach vertreten, indem nur in einer Koje der Eintrittshalle u. A. 


Regierungsbaumeister C. Lange, Max Bell und Solf & Wichards einige Villen und Wohnhäuser Entwürfe 
ausstellen, denen sich die bei der Hauptkuppel aufgestellten Modelle des grossen Krankenhauses zu Britz 


(von Schmieden) und des Kreishauses in der Victoriastrasse (von Schwechten) anfügen. 


Die Hauptstadt des deutschen Reiches ist ebenso wie die nächste Umgebung nicht eben reich an 
eigenen Bodenerzeugnissen, doch hat die Fülle industrieller Anlagen und die leichtere Verfrachtung von 
hier aus dazu geführt, dass nunmehr die Zadrikation bemerkenswerther Artikel und die kunstvolle Bearbeitung 
der Rohstoffe einen ausgedehnten und dankbaren Zweig des Baugewerbes bildet. So ist beispielsweise 


Berlin der Mittelpunkt der kontinentalen schwedischen Granitindustrie 


geworden, für deren "Tüchtigkeit 


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| & Röhl durch ihre wundervollen polirten Säulen und durch prächtige Riesenblöcke von röthlichem 
Granit aus Labrador und Rosenporphyr Zeugniss ablesen. — Nicht minder entwickelt steht die Kunst der 
Steinmetzen da, die aus ihren altbewährten Hütten den Löwenbrunnen in der Wandelhalle von Zeidler, 
die prächtige Domsäule von Schilling, den zierlichen Altarbaldachin von Wimmel & Comp., sowie ähnliche 


Kunstwerke von Metzing und Plöger hergesandt haben. 


Die gesteigerten Ansprüche an eine luxuriösere Ausstattung der Monumentalbauten und der villenartigen 

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Wohnhäuser erforderten eine grössere Auswahl in farbigen Marmorarten, wozu hier Albrechts Muster der 
Marmorpfeiler der Hohenzollerngruft, dann die Saalburger Marmorwerke, der fleischfarbene norwegische 


Marmor von Hankow und M. L. Schleicher mit einer Votivtafel im „Freihaus‘‘ beigetragen haben. 


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— Dass auch der Kunstmarmor ebenbürtig entwickelt ist, beweisen die Arbeiten von Carl Hauer. 
Auf die moderne Zi 


eltechnik, die hauptsächlich in der Ausführung grosser Fronten in Ullersdorfer und 


Siegersdorfer Verblendern zur Geltung kommt, kann hier nicht näher eingegangen werden, da dazu, wie zu 
dem Verständniss der Baumaschinen und Aufzüge und der zahllosen neuen Verbesserungen und Ersatzmittel, 
Il wie Heliolith, Rabitzputz, Ischyrota, Kunstsandstein,- Drahtputz Gipsdielen, und der Stolte’schen, Kleine- 
| schen und Mack’schen Decken erhebliche fachmännische Kenntnisse bei den Lesern erforderlich sein würden. 


1 Bei einem flüchtigen Gang durch die Haupträume der Bauausstellung fallen noch die 


g eschickten 


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| Arrangements der Linoleumfabriken zu Rixdorf und Köpenick auf, von denen die letztere einen geschmack- 


| vollen Pavillon im Maurischen Stil mit Gold und Farbenschmuck sich einrichtete. Auch Quantmeyer & Eicke 


u gaben entsprechende Proben ihres dauerhaften Granitlinoleums und zwar auf dem Podium des Modells einer 


| der Sängerin Lilly Lehmann gehörigen Villa im Grunewald. Das ehrsame Handwerk der Klempner ist mit 


seinen besten Namen vertreten, wie mit Thielemann und Dietrich, deren Treibarbeiten für Kuppelhauben 
| schr gefällig sind; ferner mit Peters, der im Industriegebäude als Neuheit einen Ritter Georg aus Walzblei 
| bringt und mit der prächtigen in Kupfer getriebenen Thurmspitze der neuen Georgskirche des Architekten 

| | Ötzen von Puppel & Schultz. 

I Für Kunstschmiedearbeiten ist Berlin einer der ersten Plätze der Erde und sie gehören 
zweifellos demjenigen Gebiete an, auf welchem demnächst in Paris frischer Lorbeer zu holen ist. Wenn 
also hier nur wenige Werkstätten, wie z. B. Semmler & Bleyberg, P. Marcus, F. P. Krüger, Ed. Puls 
und Langer & Methling mit guten Arbeiten vertreten sind, so muss hier ausdrücklich auf die Gruppe 

il »Metall-Industrie« hingewiesen werden, in welcher unsere Matadore mit wundervollen Arbeiten glänzen. Nicht 
ill minder schön ist das Badezimmer einer vornehmen Dame und dessen farbenreiche elegante Fliesenbekleidung 
Iı der Wände (von N. Rosenfeld & Comp.), welchem in ähnlicher Art und Bedeutung die werthvolle Aus- 
stellung der Ofenhalle sich anschliesst. Dort, sowie für keramische Leistungen, grossartige Küchen- 
einrichtungen und ähnliche Artikel treten Titel, Blumenfeld, C. H. Schmidt, Marcus Adler, E. Cohn 


e & Thomas und Ph. Vender 


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und Jacob Ravene& Söhne in den Vordergrund, neben denen noch Keylin 


I) genannt seien. Als besonderen Schmuck, der das harmonische Zusammengehen der Ausstellungsräume 


begünstigt, erhielten einzelne Hallen Mosaiken von J. Odorico, (neben dem die Dortmunder Mosaiken von 


R. Leistner gut ausstellen); oder Glasmalereien von J. Schmidt und Paul Heinersdorff, Gerharc 
& Comp., denen sich in den übrigen Räumen u. A. J. C. Spinn & Comp., Jaeckel (Spandau) und 
Didden & Busch (Oidtmann) anschliessen. Ihre figuralen Schöpfungen erhielten als Rahmen vielfach schöne 
Wandmalereien von Bodenstein. 


Für die Innenausstellung verdienen die exakten Jalousien von Heinrich Freese und A. Wohlfahrt 


I & Comp. Beachtung, desgleichen die schönen Beschläge von Franz Spengler und die während der 


Fabrikation in anschaulicher Weise vorgeführten Tapeten von Emil Liepmann. 
N Man sieht, dass diese Gruppe, die noch manches andere Schöne bietet, kein abgeschlossenes Bilc 
der Berliner Bauindustrie zu 


geben vermag, weil schr wesentliche Theile, wie die Kunstschmiederei, die Möbel- 


tischlerei und die dekorativen Künste zur Verschönerung der Räume und der Fassaden nur unvollkommen 


des Vorstandes, Regierungsraths R. Platz, mit demjenigen, was ihm zu Gebote stand, mit Hülfe des 


' 
| 
| herangezogen sind oder an andere Gruppen sich angeschlossen haben. Um so grösser ist das Verdiens 
| 
| Architekten Hopp und des Bildhauers v. Uechtritz ein im Ganzen befriedigendes und erfreuliches Bild 
| 
| 


erzielt zu haben. Der Bauhof bildet für sich eine Sehenswürdigkeit und kann sich in seiner künstlerischen 


| Gesammtwirkung mit den meisten Bauten der anderen Gruppen ruhig messen. 


An die Bekleidungs-Industrie schliesst sich im grossen Mittelgange sowie in den rechtsseitigen 
Nebenräumen und einem kleineren Theile der Maschinenhalle die XV. Gruppe, ZLeder- und Kautschuk- 


il Industrie, an, von welcher die erste Untergruppe, Sattlerei-, Riemerei- und Taschen-Arbeiten, am stärksten 


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Gebäude für Gas-Industrie. 


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Sport-ebtheilung. 


Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1895. 


beschickt worden ist, während die beiden anderen Untergruppen, Gummi- und Guttaperchawaaren, sowie 
Treibriemen, nur wenige Aussteller aufweisen. Sehr stattlich nimmt sich ein schön angeschirrter Vierer- 
zug von RK. Steinmetz aus, von Franz Cobau rühren eine vierspännige Train-Bespannung und Aus- 
rüstungs-Gegenstände für Infanterie, Kavallerie und Artillerie her, ein elegant bespanntes vornehmes Fuhr- 
werk stellten F. A. Döhring & Sohn aus, hervorragend schöne Kutschgeschirre Otto Domack, und 
Militär-Ausrüstungsgegenstände A. Wunderlich Nachf., August Loh Söhne und G. Winkelmann & Com p- 
Manch’ sehnsüchtigen Wunsch in jungen Damenherzen mag der prächtige Gala-Brautwagen von Heinr. 
Hülsmann erregen, sehr praktisch eingerichtet sind die F. G. Dittmann’schen Krarken- und Sanitäts- 
wagen, zierlich ist ein Damen-Phaeton von Joh. Obermaier, stattlich ausschiucnd, von sorgsamster Arbeit, 
sind die Wagen und Geschirre von Otto Probst und die Luxuswagen von L. Rühe. Grosse Beac tung: 
schenken seit einiger Zeit unsere Leder - Industriellen der Herstellung praktischer Reise-Utensilien: früher 
war die Parole, man müsste derartige Sachen, um sie gut und dauerhaft zu erhalten, nur in England kaufen, 
man betrachte jetzt hier die Koffer, Taschen-Necessaires etc. von A. Böhme, Einbrodt & Kalb, Heinr. 
Goldmann, Vincenz Lan&za, H. Müller Nachfolg. (C. Juhre), und man wird anderer Ansicht werden, 
Leder für industrielle Zwecke stellten Sorge & Schma, W. Tennert, Franz Pretzel & Comp. und die 


Berliner Maschinen-Treibriemen-Fabrik Adolph Schwarz & Co. aus; ihren grossen Ruf in chirur- 


gischen und technischen Gummiwaaren bewährt die Norddeutsche Gummi- und Guttapercha-Waaren- 
Fabrik vorm. Fonrobert & Reimann. 

Wenige Schritte von diesen Räumen, die wir eben durchwandert, bringen uns in das gewaltige 
Reich der -Maschinen, zur Gruppe XII, Maschinenbau, Schiffsbau, Transportwesen, welche Gruppe mit 
nahe dreihundert Ausstellern eine Bodenfläche von 17000 Quadratmetern bedeckt und uns am eindrucks- 
vollsten das industrielle Berlin vor Augen führt. An diese Gruppe schliesst sich die folgende, die XIV., 
Elektrotechnik, eng an. Berlin als Industriestadt nimmt heute auf dem Kontinent mit den ersten Rang ein, es 
hat in dieser Beziehung, wenn man die jeweilige Einwohnerzahl in Betracht zieht, sogar Paris und London 


überflügelt und dürfte nur noch in Amerika Nebenbuhlerinnen finden. Auch diese gewaltige Umwandlung 


geschah im Zeitraum eines Jahrhunderts. Friedrich dem Grossen ist es in erster Linie zu danken, dass 


Gewerbe und Industrie in Berlin eine sor 


am behütete Heimstätte und wärmste Förderung fanden, aber der 


grosse Umschwung datirt doch erst seit Einführung der Dampfmaschinen. 1788 bereits hatte man den Plan 
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gefasst, in Berlin eine „Feuer-Maschine“ aufzustellen, aber erst 1793 wurde die Idee ausgeführt und trotz der 
Einwendungen der Nachbarn, die von dem unheimlichen Ding allerhand Gefahren vermutheten, die erste 
Dampfmaschine in der Königlichen Porzellan-Manufaktur in der Leipzigerstrasse in Betrieb gesetzt. Und 
heute, hundert Jahre später, sind in Berlin 1630 feststehende Dampfkessel und 1370 Dampfmaschinen mit 
insgesammt 46000 Pferdekräften, sowie 285 bewegliche Dampfkessel und 246 Dampfmaschinen mit 
insgesammt 2230 Pferdekräften aufgestellt, 5200 Fabriken beschäftigten 160000 Personen, während in 
den Diensten der Berliner Industrie gerade die Hälfte der Berliner Einwohnerschaft steht. 


Berlin ist in erster Linie eine Stadt der Arbeit! Wenn sie das nicht wäre, nie und nimmer w; 


en 
die Erfolge der Residenz so grosse, wäre ihr Verschönerungsprozess ein so durchgreifender gewesen, wie 


es der Fall. Weite Ziele wurden der Stadt nach den letzten kriegerischen Erfolgen gesteckt, sie wurden 
erreicht, aber nur durch Arbeit, durch unablässige, unermüdliche Arbeit! Man vergleiche nur die letzte 


Berliner Ausstellung von 1879 und unsere jetzige: die verhältnissmäs 


ig kurze Zeit von siebzehn Jahren 
genügte, um das Berliner industrielle und gewerbliche Arbeitsfeld um wichtige neue Zweige zu vermehren 
respektive einzelne Theile bedeutend zu vertiefen. Gerade die Maschinenfabrikation hat einen erfreulichen 
Aufschwung genommen, der seit langer Zeit daniederliegende Lokomotivbau wird eifrig betrieben, das 
Brauereigewerbe wächst von Jahr zu Jahr und besonders stehen alle mit der Elektrizität in Verbindung 
befindlichen Betriebe in höchster Blüthe. Hier ist dem Altmeister der Elektrizität, Werner Siemens, viel 


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Haupt-Industrie-@ebäude. — Haupteingang. — landunsstreppe am Neuen ©ee. 'W® 
Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. \ | 
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zu danken, der Anfangs der zoer Jahre in Berlin, mit dem Mechaniker Halske eine Telegraphenbau- 
anstalt anlegte, die sich schnell einen Weltruf erwarb, und auch heute noch marschirt die Firma Siemens 
& Halske bei allen grossen, auf Elektrizität basirenden Unternehmungen in erster Linie. Berlin ist all- 
mälig zum Hauptplatz der elektro-technischen Industrie geworden, wo ausser den grossen transatlantischen 
Kabeln so ziemlich alle elektro-technischen Erzeugnisse hergestellt werden, deren Umsatz sich jährlich auf 


viele Millionen beziffert. 


Wie umfassend die Maschinen-Industrie auf unserer Berliner Ausstellung vertreten ist, geht bereits 


aus den beiden oben mitgetheilten Ziffern der Aussteller und des von ihr bedeckten Flächenraums hervor; 
auch hier ist uns nur möglich, das Erwähnenswertheste anzuführen, ein Zuviel dürfte wohl leicht ermüdend 
wirken. Stossen wir vom breiten Mittelgange aus auf die Maschinenhalle, so leuchtet uns in deren vordersten 


Raume das gewaltige Schild A. Borsig’s entgegen, welche altbewährte Maschinenbau-Anstalt hier die 


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grösste Maschine der Ausstellung, eine 4oopferdige Compound-Dampfmaschine mit Kondensation aufgestellt 
hat, daneben kleinere Maschinen, Gasmotoren und zwei Tender - Lokomotiven. Auch in der Kraftstation 


der Halle sind mehrere gewaltige Borsig’sche Compound-Dampfmaschinen im Betriebe, im Kesselhaus der 


Ausstellung vier Wasserrohr-Dampfkessel und drei Mammuth-Pumpen, letztere von enormer Förderkraft. 
Rechts neben Borsig befindet sich in der Mittelhalle die Ausstellung von Ludwig Loewe & Co. mit 
ihren vorzüglichen Werkzeugmaschinen und Werkzeugen, einer interessanten Typensetzmaschine und fertigen 
Waffen wie Waffentheilen. Von grosser Ausdehnung ist die benachbarte Ausstellung von einfachen und 
doppelten Patent-Centrifugalpumpen mit starker Förderkraft und der Patent-Centrifugalgebläse der ange- 
sehenen, leistungsfähigen Firma Brodnitz & Seydel, die auch beim Wasserthurm für die Wasserver- 
sorgung der gesammten Ausstellung die colossale Hochdruck-Centrifugalpumpe aufgestellt hat, sowie die 
Ausstellung der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft mit Gasmotoren, Triebwerk- 
theilen und Aufzugswinden, Erdöl-Motoren, deren Betriebsmittel Petroleum oder Solaröl ist; nur grössere 
Dampf-Motoren stellte die Berliner Motoren-Fabrik aus, Lokomobilen F. Butzke & Co., Wasserhebe- 
werke Carl Eichler (C. H. Hall Nachfolger), Giessereifabrikate die Eisengiesserei-Aktien-Gesell- 
schaft (vormals Keyling & Thomas), Vollgatter, Bandsägen und Bohrmaschinen €. L. P. Fleck 
Söhne, Zähl- und Stempelmaschinen Wilhelm Handke, eine hydraulische Presse für 350000 kg Maximal- 
druck Max Hasse & Co, automatische Waagen und Dezimalbrückenwaagen A. C. Herrmann, Verbund- 
dampf- und Gasdampfmaschinen C. Hoppe, Rauchverzehrungsapparate Kowitzke & Co., Giessmaschinen 
für Buchdruck Küstermann & Co., Compound-Dampfmaschinen und Wasserröhren-Dampfkessel die 
Maschinenfabrik Cyclop (Mehlis & Behrens), Buchdruckmaschinen Paul Schönheimer vorm. 
Hermann Rauschenbach, Revolver-Drehbänke und Fräs- wie Bohrmaschinen Sponholz & Wrede, Paginir- 
und Numerir-Maschinen Heinr. Thiele & Comp., Präzisions-Maschinen mit Dampf und elektrischem 
Betrieb Joh. Friedr. Wallmann & Comp. In einem eigenen Pavillon führen Petzold & Co. Ld. 
eine complete automatische Mühle im Betriebe und eine complete Dampfwasch-Anstalt vor. 

Weit weniger zahlreich ist die Untergruppe des Eisenbahnwesens etc. beschickt. Modelle von 
Geleisen, von Kleinbahnwagen und Lokomotiven sandten Freudenstein & Co., zwei Eisenbahnwagen mit 
automatischer Verkuppelung kommen von Theodor Hille, einen aus Lokomotiven, Personen- und Güter- 
wagen etc. bestehenden Kleinbahnzug schickten Orenstein & Koppel, vielfach bewährten sich die Signal- 
und Weichenstellwerke von Roessemann & Kühnemann und die Signalstellwerke mit elektrischer Ab- 


hängigkeit von Zimmermann & Buchloh. Den Schiffsbau vertreten mit verschiedenen Motorbooten 


L. Frochlich und mit der Maschinen- und Kesselanlage eines torpedo-armirten Dampfbeibootes die Schift- 
und Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft Germania. 


Ueberaus reichhaltig ist die Gruppe der haus- und landwirthschaftlichen Maschinen, und zumal die 


ersteren dürften den Zielpunkt vieler Wünsche unserer Hausfrauen bilden. Da schen wir die bequemen 


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Wäschemangeln, die an jedem Tisch befestigt werden können, und Fruchtsaftpressen von Georg Grauert, 
die Fleisch- und Brotschneidemaschinen von Arnold Scheithauer jr., die fix und sauber arbeitenden 
Wasch- und Wringmaschinen von Carl Plaen, E. Kirner und F. Laurisch, Drehrollen von A. Prasser 
und Otto Stolle, Messerputzmaschinen von C. Siekerka, Patent-Wringmaschinen von Aug. Stimming. 
Heiss ist sodann der Kampf der Nähmaschinen-Fabrikanten; mit einer ganzen Kollektion viele Verbesserungen 
aufweisender Nähmaschinen ist die Aktiengesellschaft, vormals Frister & Rossmann, erschienen, sie 
stellte gleichzeitig auch Schreib- und Werkzeugmaschinen aus. Das verbesserte Singer-System führen 
uns an ihren Nähmaschinen Gebr. Nothmann vor, während Lintz & Eckhardt Kurbelstickmaschinen 
im Betriebe zeigen; Handschuh-Nähmaschinen sandten Necker & Co., Maschinen für Strumpf- und 
Trikotwaaren Bruno Rudolph und Adolf Brennecke, Stickmaschinen Schirmer, Blau & Comp,, 
Nähmaschinen-Hilfsvorrichtungen Weise & Comp. Unter den Fabriken landwirthschaftlicher Maschinen 
nimmt die Aktien-Gesellschaft H. F. Eckert den ersten Rang ein, sie hat mit ihren Fabrikaten, 
darunter ein Pflug-Apparat für elektrischen und motorischen Betrieb, eine eigene Halle gefüllt. Grossen 
Rufes erfreuen sich die landwirthschaftlichen Maschinen von Carl Beermann, von denen ein Theil 
im Freien Unterkunft gefunden; der Stärke-Industrie speziell sind die Maschinen von W. Angele und der 


Cigarren- und Tabak-Fabrikation diejenigen von L. Cohn & Co., Restaurants und Bier- wie Wein- 


kellereien jene von Hermann Delin und Heinrich Gehrke & Comp., dem Brauereigewerbe die 
gewaltigen kupfernen Dampf-Braupfannen von Rob. H. Guiremand und F. W. Pest gewidmet. Maschinen 
für Ziegel-, Torf-, Thonwaaren-Fabrikation stellte C. Schlickeysen, Bäckerei-Maschinen Fr. Schröter, 
complete Miühleneinrichtungen die Maschinenfabrik für Mühlenbau, vormals C. G. W. Kapler, 
gewerbliche Geräthe und Wagen-, Garten- und Feuerspritzen Ad. Lange & Co. aus. 

Auf die Beleuchtungs-Industrie kommen wir noch gelegentlich des Gas-Industrie-Gebäudes zurück, 
hier seien die Dampfheizungen und Dampfkessel der Aktien-Gesellschaft Schäffer & Walcker, 
die Wasch-Toiletten und Gegenstände für Heizungs- wie Entwässerungs-Anlagen von David Grove, die 
Heiz-Apparate von A. Münch, die Kessel, Heizkörper, Dampf- und Wasserbad-Kochapparate von Rietschel 
& Henneberg und die Bade-Einrichtungen von J. C. L. Seelmeyer besonders rühmend hervorgehoben. 

Die Elektrotechnik vertritt auf der Ausstellung neben einer Reihe von Einzelausstellern das Syndicat 


des Verbandes deutsche; 


Ausstellung übertragen wurde. 
die Berliner Maschinenbau-Actien-Gesellschaft vormals L. Schwartzkopff, dann Gebrüder Naglo 
und Siemens & Halske betheiligt. Sehen wir uns unter den Einzelausstellern um, so finden wir hauptsäch- 
lich Beleuchtungs-, Telegraphen- und Fernsprech-Anlagen veranschaulicht; hier erwähnen wir die Firmen: 
Actien-Ge 


:llschaft Mix & Genest, die auch elektrische Läutewerke und sämmtliche Leitungs- und 


Isolirmaterialien ausstellte, die Berliner Spiegelmanufactur von Severen & Schwabe (Beleuchtun: 


gegenstände), Biedermann & Czarnikow (Einrichtungen für Haustelegraphie, Blitzableiter, nächtliche 


Treppenbeleuchtungen), C. Erfurth (Haustelegraphen- und Telephon-Apparate), Groos & Graf (Fern- 


sprechapparate, Messinstrumente, elektromedizinische Apparate), W. Gurlt (neben Telegraphen- und Fern- 
sprechapparaten, Feuermelder und Mess-Instrumente), Keiser & Schmidt (physikalische Apparate), Franz 


Müller & Co. (Läutewerke und Telephone), J. M. Römpler (Treppen- und Zimmerbeleuchtung), Töpffer 


& Schädel (elektr. und pneumat. Telegraphen- und Rohrpost-Einrichtungen). Personal-Kontrol-Uhren stellte 
K. Weinert aus, sämmtliche Apparate für Röntgen-Versuche Bauer & Betz, interessante elektrische Neu- 


heiten und Lehrmittel Friedrich Bussenius, elektrische Gasanzünder Albert Friedländer & Co., Glüh- 


lämpchen für Schmuck P. M. Herre und schliesslich Scheinwerfer F. F. A. Schulze. Sehr interessant sind 


die galvanischen Elemente für Momentbeleuchtung von Bartzsch & Co., einen lorpedo-Signalgeber unserer 
Kriegsmarine führt u. A. Ernst’ Pabst vor. 


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Sets- und Rotations-Maschinen. looRal- Anzeiger. 


I deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und 


1577 


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Zu Ende ist nun unsere Wanderung durch das Hauptgebäude, auf allen Gebieten des menschlichen 
Wissens und Könnens trat uns Neues und Fördersames entgegen und überall erhielten wir den Eindruck 
des rastlosen Voranstrebens und der zielbewussten Anstrengung aller Kräfte. Flüchtige Bilder des 
Geschauten konnten wir hier ja nur entrollen, hundertmal grösser hätte der Raum sein müssen, wenn wir 
alles hätten beschreiben und erwähnen sollen, aber auch so dürften unsere Leser den Eindruck empfangen 
haben, dass Berlin in ernstem, erfolgreichem Vorwärtsmarsche begriffen ist und dass es nicht nur sich, 


sondern unserem ganzen weiten deutschen Vaterlande Ehre einlegt und Freude bereitet! 


Ehe wir das Hauptgebäude am »Gol!denen Buch der Stadt Berlin« vorbei verlassen, unternehmen wir 


noch kurz eine Besichtigung der Wandelhalle, die sich als ungemein praktisch erwiesen hat, nicht nur als der 


CiSarren- Arbeiterinnen. looeser & Wolff. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 


von vielen Besuchern gewählte Treffpunkt, sondern auch weil sie eine Reihe von Räumen enthält, die zur 


Erledigung geschäftlicher Dinge bestimmt sind. So werden schr stark die hier befindlichen Zost- und 


Telegraphen-Burcaus mit den willkommenen Schreibpulten benutzt, wunderhübsch sind die Räume der grossen 
Lesehalle, in welcher eine Unzahl politischer und unterhaltender Journale sowie wichtiger Fachblätter aus- 
liegt und man auch reichliche Gelegenheit zum Erledigen seiner Korrespondenzen findet. Diese Lesehalle 
wurde von dem ihr benachbarten Siangen’schen Verkehrsburcau eingerichtet, welches das offizielle Verkehrs- 
bureau der Ausstellung ist; nicht nur Auskunft über Wohnungen ete. erhält man hier, auch Fahrkarten nach 


allen Plätzen Deutschlands und den grösseren Verkehrsorten Europas und der überseeischen Länder. Ist doch 


dieses Bureau eins mit Carl Stangen’s Reisebureau, das unter der vieljährigen umsichtigen Leitung seines 


Begründers Carl Stangen, dem seine beiden Söhne thatkräftig zur Seite stehen, sich einen Weltruf eroberte und 


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dadurch, dass es zahllose Deutsche in fremde Lande führte, die mit reichen Anregungen heimkehrten und diese 
für ihre Zwecke ausnutzten, auch dem deutschen Handel, Wandel und Geistesleben wesentlichen Nutzen brachte. 
i Aufrichtiger Dank sei an dieser Stelle dem unter der trefflichen Leitung von Max Horwitz 
| stehenden, überaus regen Offiziellen Press-Burcau für die Schaffung der freundlichen Presse-Räume gesagt, 
die den vielgeplagten Ausstellungs-Berichterstattern einen anheimelnden Aufenthalt gewähren. Eines lite- 


rarischen Charakters darf sich auch das in der Wandelhalle liegende Nachrichten-Bureau » Argus« rühmen, 


das mit grosser Sorgfalt bestimmte Nachrichten aus einer Unmenge vielsprachiger Zeitungen sammelt. 


Wer diskrete geschäftliche Auskünfte wünscht, wird sich mit Erfolg an die dem »Argus« benachbarte 


Auskunftei von W. Schimmelpfeng wenden, das Organ erster industrieller, kaufmännischer und gewerb- 


licher Verbände, welches zur Förderung des soliden Kreditverkehrs von grosser Wichtigkeit ist und sich durch 


strenge Reellität sein gutes Renommee erworben hat. Die Wechselstube von Jacquier & Securius wird 
| vielen Fremden willkommen sein, in den Dienst der Ingenieure hat sich das Dureau des Vereins Deutscher 
Ingenicure gestellt, in welchem das einschlägige technische Material zu erhalten ist. Neben den Räum- 
lichkeiten des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältieungsarten für die Gewerbe-Ausstellung 


liegt die Centralstelle der Georg Stilke’schen Buchhandlung, welche das alleinige Recht besitzt, auf 


der Ausstellung neben den offiziellen Katalogen, Postkarten, Andenken etc sonstige literarische Werke zu 
') vertreiben; freundlich und einladend sehen die Stilke’schen Pavillons wie auch die kleineren Verkaufsstellen 
| aus, deren literarische Auslagen mit sichtlichem Geschick und warm anzuerkennender Gewissenhaftigkeit 
zusammengestellt sind. 


" Nun aber haben wir uns auch die Ruhe wohlverdient, wo könnten wir ihrer bes 


ser pflegen als in 


il dem dem Industriegebäude gegenüberliegenden Yaupt-Restaurant, das wir in wenigen Minuten auf einer der 


schlankgebauten, lautlos dahingleitenden venetianischen Gondeln erreichen können. Dasselbe bildet ein 


würdiges Gegenstück zu der Industriehal mit weitaustretenden Bogen bietet es in dem gequaderten 


Unterbau wie auf der architektonisch reizvoll gestalteten Terrasse Tausenden von Labungbescchrenden eine 


N anheimelnde Unterkunft. Zierliche Pavillons, zu denen von unten breite Freitreppen hinaufführen, schliessen 


durch halbrunde Balkons nach dem See hin erweitert ist und 


| die beiden Bogen ab, während die Terras 


in ihrer Mitte die Kaskaden murmelnd und plätschernd aus dem breiten Wasserbecken in den Sce hinab- 


rauschen. Aus ihm wird das flüssige Element in den Thurm, von dessen Plattform man einen herrlichen 
g 


Ueberblick des gesammten Ausstellungs-Terrains und seiner weiteren Umgebungen geniesst, empor- und durch 


die Kaskaden aufs neue hinabbefördert. Das untere Geschoss des Thurmes birgt einen behaglichen Festraum, 


ı der grössere Festsaal, in welchem über tausend Personen bewirthet werden können, hat seinen Haupteingang 
n von der Terrasse aus, er ist gross und luftig gehalten und seine farbige Deckenkonstruktion wirkt schr 


ansprechend; breite Treppen führen von dem Saale, der in weiterem Kranze von kleineren Räumlichkeiten 


umgeben ist, zum Parke hinunter. Zahlreiche grössere Festlichkeiten haben bereits in diesem Saale statt- 


gefunden und werden noch stattfinden, gewiss zur gleichen Befric 


& :dieung der Theilnehmer wie bisher 


Herren Adlon und Dressel um das Wohl ihrer Gäste sich eifi bemüht zei 


gen. 


ZU SPEBRUNG 


FÜR 


FISCHEREI UND SPORT, NAHRUNGS- | 
UND GENUSSMITTEL. | 


Berlin’s Beziehungen zur Fischerei hat der verstorbene Streckfuss schr bedeutsam ausgedrückt, Ei 
indem er seiner fleissigen Geschichte der heutigen Kaiserresidenz an der Spree den Titel gab: Vom 4 
Fischerdorf zur Weltstadt. TLiegt auch jene Zeit, da die Fischer die vornehmste Gilde in der kleinen 
märkischen Landstadt bilden mochten, viele Jahrhunderte zurück, so ist doch heute noch der Berliner dem | 
Leben am Wasser in jeder Hinsicht zugeneigt, und die grossen in glänzender Kette aneinander schliessen- 
den Seen der Havel und ihre Verbindung mit Spree und Oder sind von jeher dem Wassersport günstig | 
gewesen. So hatte es seine volle Berechtigung, der Gewerbeausstellung in Berlin eine besondere Ab- 
theilung für Fischerei einzufügen und dieselbe bei der Wichtigkeit der Versorgung der Hauptstadt mit 
Fischen auch alle anderen Arten der Fischerei zur See wie im Binnenlande im nationalen Sinne zu einem 
Vergleiche heranzuziehen. Demnach entstand eine Gruppe, die für sich allein einen ausserordentlichen Bestand | 


aufwies, was den Architekten bewog, der mächtigen Baugruppe an der Spree, die auch den Sport, die 


Nahrungs- und Genussmittel aufnehmen sollte, den Charakter eines Fischereigebäudes aufzuprägen. So 


wählte man denn für den Charakter der imposanten Anlage, die mit der Spree durch Brücken und Lande- | 
plätze in glücklichste Beziehung gebracht wurde, zwei hohe luftige Hallen in reicher phantastischer Holz- MW 
architektur, von einem kräftigen Unterbau getragen, von grünschimmernden hohen Dächern mit kühnen 
Thürmchen überragt. Die mächtigen Hallen, von denen die der Fischerei von einem flottbewegten Front- 


thurme überragt, die der Genussmittel aber von einem geschickt gegliederten Wasserthurm mit offener 


Gallerie flankirt wird, sind durch schattige Bogenlauben verbunden, die einen idyllischen Binnenhof mit einem 
Bassin für seltene Thiere umschliessen. 1 
Treten wir von Norden her in die im Innern reich dekorirte Ausstellung der Fischerei hinein, so 1 


wird die Aufmerksamkeit sofort auf eine grosse Sehenswürdigkeit gelenkt, auf einen an der Gallerie ange- 


brachten kolossalen Walfischkopf mit vollständigen Barten, neben welchem eine Reihe amerikanischer Wal- | 


2ı m: 
4 


161 | 


fischbüchsen und neuerer Harpunen ausgelegt sind; im Zusammenhang hiermit ist nahe dem Eiı 


‚ang in der 


Eischkosthalle ein recht schmuckes Walfischfahrerboot mit allem Zubehör durch J. Isaac ausgestellt. 


triffi 


Von dem Eingang aus, den die Netzfabrik Itzehoe mit Netzen und Reusen gefällig ausschmückte, 


t man auf zahlreiche Bootsmodelle von Junge (Wewellsfleth), auf die bewährtesten Fischerboote vom 


Frischen Haff, sowie werthvolle statistische Tafeln über die Häringsfischerei auf Rügen. Ungemein anschau- 


lich 
stel 


dem schönen Modell der 


stel 
müı 


fisc 


sind die grossen Pläne der Fischereihäfen von Hela, Geestemünde, Cuxhaven und Altona nebst Dar- 


ungen der Norderneyer Einrichtungen und wichtiger Gegenstände der Nordseeküstenfischerei. Neben 


ganzen Insel Helgoland sieht man prächtig ausgestopfte Möven, für deren Her- 
ung dort hervorragende Kräfte wirken; andere Modelle sind die der Häfen in Swinemünde und Geeste- 


ide, sowie eines neuerbauten Dampfers für die Fischereiaufsicht in Preussen. Von den der Fochsee- 


1erei dienenden Fahrzeugen der Gegenwart sind ein Logger und mehrere Kutter am Spreequai ver- 


ankert dort, wo Pietsch einen Leuchtthurm dritter Ordnung errichtete. 


at! 
Da: 


Besuchen wir die Gallerie, so sehen wir neben dem oben erwähnten Wallfischkopf einen Riesenstör von 


Meter Länge aus dem Naturhistorischen Museum in Hamburg, dann die Nachbildung einer Helgoländer 


Austernbank, die werthvolle Ausstellung des deutschen Seefischereivereins und in dem anstossenden Museum 


die 


des 


schönsten Präparate von Dorschen, Schellfisch, Kabeljau und anderen Speisefischen. Die Ausstellung 
Reichsmarineamtes zeichnet sich durch hervorragend schöne Seekarten und kostbare Instrumente aus. 


In der Nebenhalle sind Gebrauchsgegenstände aller Art für die Fischerei ausgestellt und ihnen die 


Binnenseefischerei, der Wassersport, eine Brutanstalt und Anderes in geschickter Weise angefügt. In grossen 


Kästen sind da die Erzeugnisse der Bremer Tauwerkfabrik, der Kabelfabrik in Landsberg a.d. Warthe; 


an 


den Wänden sind, zum Theil dekorativ, die Reusen und Netze von Franz Klinder (Neubabelsberg) 


und Schröder & Mögelin (Landsberg) ausgebreitet, ebenso in einem besonderen Raume die Angeln, 


Ruthen und Fischereigeräthe von Ziegenspeck. — In den dunkeln Gängen sind mit vortrefflicher und 


belehrender Wirkung die grossen Behälter mit lebenden Fischen angebracht, wobei Micha (der Kr 


)smicha), 


ao 


Lindenberg, Thiedecke, Mahnkopf u. A. gut vertreten sind. Das malerische in das Wasserbecken 


des 


Kreuzgangs ausgebaute Thurmgemach giebt Gelegenheit, die Brutanstalten für Lachse, Aale, Plötzen, 


Forellen und Goldfische von der biologischen Anstalt in Friedrichshagen und der kaiserlichen Brutanstalt 


in Hüningen kennen zu lernen. Micha bringt mehrere Aquarien mit jungen Krebsen aus den Jahren 1892, 


1893, 18094, 1895. 


stro 


ess 


In dem weitläufigen Bogengang ist noch alles Mögliche vorhanden, so ein Aalpass von der Oder- 
ymbauverwaltung, ‘eine Sammlung des Königlich Sächsischen Fischereiregals und die älteren hochinter- 


anten Gegenstände des Märkischen Provinzialmuseums, mit einer 2000 Jahre alten Angel aus Bronze, 


einer Auswahl silberner Ehrenschilder und kunstvoller Humpen der Fischerinnung und einer Reihe von 


Originalen alter Fischerlieder. 


Den Beschluss bildet in der offenen Arkade nach der Spree hin eine Ausstellung von mächtigen 


Seehundsreusen und von Doppelreusen mit zwei Einläufen, dann von Aquarien und Terrarien von Gazzolo; 


neben denen die Zierfische von Paul Matte (Lankwitz) noch zu erwähnen sind. 


Treiben die Fischer das Fahren auf dem Wasser als Gewerbe, so sind doch auch von je gar Viele 


dem Wasserfahren hold gewesen, und der Wassersport mit Rudern und Segeln, der sich seit etwa 


15 
die 


Str 


Jahren mächtig entwickelt hat, ist heute in die höchsten Kreise gedrungen. Hlierher gehören 
Boote der Werften von Engelbrecht in Zeuthen (Tourenboote und Segelyacht), von Wilh. Rettig in 


alau (Tourenboot für lange Reisen), von Winser in Köpenick, .ein Daimlerboot und ein Tourenkanoe 


des Vereins der Tourenruderer. 


Das kündet von dem warmen Interesse der Reichshauptstadt, die heute 33 Rudervereine mit’ 3000 Mit- 


gliedern und 14 Segelvereine mit 8oo Mitgliedern zählt. 


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e und deren Vervielfälti 


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Nordisches Blockhaus der Nutsholzhandlung C. R. Meyer. 


Kaiser Wilhelm, der bei den Grünauer Regatten selbst die Preise zur Vertheilung bringt, hat 
seinen »Meteor« als Tafelaufsatz auf einem Delphin montirt ausgestellt, ferner aber in der Abtheilung für 
Fahrsport ein Dogceart in ganzer Ausrüstung mit Pferd und Groom, sowie sein Leibpferd, einen prächtigen 
Schimmel, der für die Hubertusjagd adjustirt ist und in der Mähne Rosetten und Schleifen in den Schleswig- 
Holsteinschen Farben trägt. Der Prinz von Wales sandte einen beim Segeln gewonnenen Ehrenpreis des 
deutschen Kaisers, Herzog Günther, der Bruder der Kaiserin, überliess dem Komite, an dessen Spitze 
Herzog von Ratibor und Graf Wedel stehen, einen eleganten mit einem Pferde bespannten Schlitten, selbst- 
erbeutete Löwenfelle aus Indien und einen sehr leichten, bequemen Jagdwagen. Ein besonderes Interesse 


in diesem Theile der Haupthalle, die mit Gemälden reich geschmückt ist und an den Wänden die Porträts 


aller Grössen des Rennsports zeigt, bildet ein Viergespann von Schmidt, Langkutt & Comp. mit einem 
Jagdsportwagen ohne Deichsel, mit neuen von dem Kaiser sehr beifällig beurtheilten Vorrichtungen zum 
Bremsen und zum momentanen Entkuppeln der Gestränge vom Kutschsitze aus. Diesem glänzenden The’le 


schliessen sich nun noch die zahlreichen Ehrenpreise für jede Art von Sport an, welche die Theilnahme des 


Kaisers von Russland, des Königs von Sachsen und anderer Fürsten für den Rennsport dokumentiren. 
Den Beschluss der Gruppe bilden in vorzüglicher Auswahl Gewehre, Revolver, Jagdgeräthe, Sportkleider, 
Fahrräder nach allen möglichen Systemen, Fahrradlaternen, Luftsättel und ähnliche Dinge für Liebhaber. 

Den nördlichen Flügel des Fischereigebäudes, das im Innern ebenfalls in charakteristischer Art mit 
farbigem Holzwerk und humorvoll verzierten Balkenköpfen ausgestattet ist nimmt die Gruppe der Nahrungs- 


und Genussmittel ein. Was darunter zu verstehen sei, sagt der alte Spruch »Nutrimentum spiritus«, den 


Friedrich der Grosse auf die Kgl. Bibliothek in grossen Lettern setzen liess. »Der Spiritus ist ein Nahrungs- 
mittel«, so übersetzt der richtige Berliner, und fast sollte man meinen, dass er nicht im Unrecht ist, denn 
das Zentrum der ganzen Halle wird von dem prächtigen »Tempel des Gilka« mit Carmeliter, Kräuterbitter 
und ähnlichen Götzen eingenommen. Um ihn herum haben sich mit geschmackvollen Pavillons der Liqueur- 
Mampe, Mortensen mit Konserven, Daubitz mit dem bekannten Bittern, Gebr. Wolffgang mit Spiri- 
tuosen und Fruchtsäften und der »Fürstenbrunn« gelagert, welch’ vielgerühmtes Tafelwasser in einer 
Jlastischen Gruppe dem Landesfürsten von einem Pagen überreicht wird. Carl Kühne hat seine prämirten 
Essi 


egt aus Liqueur-, Punsch- und Branntweinflaschen eine himmelstürmende Rundpyramide zusammen, Sandmann 


ge und Champignons kühn aufgebaut, Merker bringt seine Spezialitäten für Dampfbetrieb, Manegolc 


schenkt im Vergnügungspark den hier vorgeführten Schaumwein, Sökeland & Söhne erfreut uns mit stärkendem 


bona panicula oder Pumpernickel. Die Nordwand der Nahrungshalle wird in einem vortrefflichen Arrangemen 
um ein Standbild des alten Fritz von der Brauerei Habel, Friedrichshain, Berliner, Patzenhofer 


und Kronenbräu eingenommen, an der gegenüberliegenden Front prangt Andre Mauxion mit seiner 


zum Ausspiel bestimmten Kaisersäule. Eine Reihe von grossen Cigarrenfirmen wie Martienzen unc 
Ermeler, auch hervorragende Wurstfabriken wie Hefter und Kurth stellen in Verbindung mit Lejeune 
aus, während Eisermann einen bronzenen Atlas einen Globus mit dem Erzeugniss seiner spirituösen 


Industrie balaneiren lässt. Ein rechter Ueberblick über die Leistungen. auf diesem Gebiete ist aber beim 


besten Willen hier noch nicht zu gewinnen, da ein sehr grosser Theil der Aussteller dieser Gruppe im 
Parke draussen mit grossen Kosten eigene Pavillons errichtete. Dazu gehören: Loeser & Wolff, Pache’s 
Conditorei, Martienzen, Hefter, Tacke’s Bäckerei, Breslauer, A. Zuntz sel. Wwe., Hölting (mit 
chinesischem Thee), Hildebrandt & Sohn, Sarotti und Oswald Berliner. Da es nicht möglich ist, 
Alle zu nennen, und ebensowenig, alles Dargebotene zu kosten, so begnügen wir uns mit der tröstenden 


Wahrnehmung, dass Alles hier einen gediegenen soliden Anstrich hat, und dass nach einer zuverlä: 


igen 
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Statistik der Konsum der feineren Liqueure ebenso wie der des Bieres unter eifriger Mitwirkung der Damen 


in steter Zunahme begriffen ist. 


Hat man in dem Hauptpalaste und in den anderen bemerkenswerthen, grossen Ausstellungsgebäuden 
die Schätze der Industrie und des Gewerbes betrachtet, so übt, wenn man die geschlossenen Hallen und 
Säle verlässt, der Treptower Park doch immer wieder seinen Zauber aus. Wie gern schlendert man auf 
seinen breiten Wegen und schmalen Pfaden im Schatten der dichtkronigen Bäume dahin, hier und dort 


Rast machend, sei es, um mit frohem Geniessen all’ des Schönen um uns herum die Blicke über die blumen- 


geschmückten Beete, die schimmernden Wasserflächen, die weiten Rasenflächen schweifen zu lassen, sei es, 
um uns in einer der vielen wirthlichen Stätten ein Plätzchen zu leiblicher Stärkung auszusuchen oder noch 
diesem und jenem der vielen, über den Park verstreuten einzelnen Pavillons und kleineren Ausstellungs- 


gebäude einen kurzen Besuch abzustatten. Denn überall lugen aus dem dichten Grün zierlich geformte 


Giebel und Dächer, schlanke Thürmchen, säulengetragene schmucke Hallen hervor, zum überwiegenden 
Theil von Einzelausstellern errichtet, die ihre Ausstellungsgegenstände in einem gefälligen Rahmen zur Schau 
gebracht haben. 


Einer Korporativ-Ausstellung dient das 
GAS-INDUSTRIE-GEBÄUDE, 


auf festem Unterbau sich erhebend und in halber Höhe das Licht in Fülle durch mächtige Glasfenster in 


das Innere Authen lassend. Der Fingang wird von zwei soliden Pfeilern flankirt, die von altarartigen eisernen 


Etaeeren mit frischen Gewinden gekrönt sind, schwere Gaskandelaber erheben sich an den Eckrisaliten 


des Vorbaues auf-hohen Postamenten, bekränzte Urnen auf den die Glastheile unterbrechenden Pfeilern. 


Sehr schmucklos ist auch das Innere gehalten, hier sollte nichts die Wirkung des Flammen-Elementes stören. 


dem dieser Raum gewidmet ist. Sehr interessant und lehrreich ist die hier uns seitens des Deutschen 


Vereins von Gas- und Wasserfachmännern vorgeführte Entwicklung der Flammenbeleuchtung, von den 


Kienspahnhaltern und einfach geformten zinnernen Oellämpchen beginnend, bis zu den neuesten Gasglühlicht 


systemen, die sich scharf des vordringenden elektrischen Lichtes erwehren; die Gegenstände haben in einem 


Nischenaufbau, der in seiner Mitte eine hoheitsvolle weibliche Figur, die Göttin des Lichtes darstellend, zeigt, 
Unterkunft gefunden. Von den hervorragenden Firmen mögen die Actien-Gesellschaft Schäffer &Walcker 
mit ihren Gas-, Koch-, Heiz-Apparaten, F. Butzke & Co. mit ihren Armaturen und Ausrüstungsgegenständen 
für Wasser-, Gas-, Dampfleitungen, ‚Richard Goehde mit den sein Schlagwort: »Koche mit Gas« um- 
fassend veranschaulichenden Gaskoch-, Brat- etc. Apparaten, die Deutsche Gasglühlicht-Actiengesell- 


schaft mit ihren Auer-Brennern, deren Leuchtkraft uns in zwei Wohnräumen gezeigt wird, neben der Her- 


165 


Gebr. Siemens & Co. mit Intensiv-Gasbeleuchtung, 


Pavillon Siemens & Halske, 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungs- 


arten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


166 


stellung der Glühkörper, Horwitz & Saalfeld mit praktischen Gasglühlicht-Apparaten und transportablen 
Lampen, Julius Pintsch mit Apparaten zur Regulirung, Prüfun 


&, Messung und Kompression von Gas, 
mit Gas-Heizöfen ete., Schulz & Sackur mit häufig 
y erprobten Gaskoch- und Heizapparaten für Küchen- und gewerbliche Zwecke, S. Elster mit Gasapparaten, 
Schäffer & Oehlmann mit Regulatoren u. s. w. In der Nähe und vis & vis dem Haupteingang befindet sich der 


PAVILLON VON SIEMENS & HALSKE, 


| der in gefälligem ländlichen Stil erbaut ist, vorn mit erkerartigem Ausbau, zu dessen beiden Seiten unten 


drei kleine, von hölzernen Säulen ge- 
tragene Altane aufweisende Eingänge in. 
das Innere führen, das, gleich dem Aus- 
bau, einen reichen Schmuck von frischen 
Blattpflanzen erhalten hat. An der Vorder- 
wie Rückseite ragen spitze Dachthürm- 
chen empor, die, wie das ganze Häuschen 
mit seiner weiss-roth-braunen Färbung, 


sich hübsch in die lauschig-grüne Um- 


gebung fügen. Anmuthig wie das 


Aeussere ist auch das Innere des Pa- 
villons, der, ausser durch die Eingänge, 


g 
sein Licht von obenher durch mattgetönte 
Glasfenster erhält und mit seiner dunkel- 
braunen hölzernen Wandbekleidung einen 
behaglichen Eindruck erzielt. 

Hier sowohl wie auch im Freien 
auf einem sich unmittelbar an das Ge- 
bäude anschliessenden Terrain hat die 


Weltfirma einzelne ihrer neuesten Er- 


zeugnisse auf elektro-technischem Gebiete 
ausgestellt; ein grosser Prozentsatz der 
Besucher wird theilnahmslos an diesen 


scheinbar so einfach konstruirten Eisen- 


gestellen und kleineren wie grösseren 
Geräthschaften, - zu.-deren Verständniss 
eine eingehendere Erklärung gehört, vor- 
übergehen, ohne sich zu vergegenwär- 
tigen, dass viele dieser Apparate zur 
grösseren Sicherung unseres Lebens bei- 
tragen, und dass andere rechtzeitig schon 
manchen Unfall verhütet haben. Jener 
Block-Apparat für elektrische Weichen- 
stellung ermöglicht die unbedingt zuver- 


lässige Ein- und Ausfahrt von Eisenbahn- 


zügen aus den Stationen, der l’euermelder dort ruft auf einen flüchtigen Druck hin die Wehr herbei, und 


der elektrische Minen-Anzünder da gestattet das Anzünden der Mine im Bergwerks-Betriebe auf hunderte von 


Metern her und verhütet eine zu frühzeitige Explosion, durch welche bisher so häufig Menschenleben zu 
Grunde gerichtet wurden. Ein sehr sinnreicher neuer Klappenschrank centralisirt noch mehr wie bisher den 
Stadt- und Fernbetrieb auf den Telephon-Aemtern, und sonstige Telegraphen- und Telephon-Apparate weisen 
wesentliche praktische Verbesserungen auf, desgleichen die Wassermesser, elektrischen Mess-Instrumente und 
Maschinen-Signal-Apparate. 

Dicht hinter diesem Pavillon treffen wir auf den Ausstellungs-Komplex der Feldbahnfabrik von 
Arthur Koppel, welche Firma sich um die technische Entwicklung dieser Bahnen und deren Vertrieb nach 
dem gesammten Auslande grosse Verdienste erworben hat. Auf dem Erdboden ausgebreitet sehen wir die 
in der deutschen Landwirthschaft üblichen leichten und verlegbaren Geleise; wir finden die festeren Anlagen 
für Kleinbahnen, wie sie in neuerer Zeit in Deutschland grosses Interesse erregen, und ferner komplizirte 
Geleisekreuzungen, an denen zu erkennen ist, wie sich die Feldbahnindustrie die Erfahrungen der Normal- 


bahnen zu Nutze macht und für ihre Zwecke verarbeitet. Auch aus den ausgestellten Wagen ist 


die  Vielsei- 


{ der 
Firma und 
ihrer Erzeug- 
nisse zu er- 
kennen. Ne- 
ben mehreren 
Ziegel- und 
Kippwagen 

unserer hei- 


mischen Bau- 


Industrie se- 
hen wir den 
Langholzwa- 
gen, wie er 
bei den gros- 
sen Auslorst- 
ungen in Un- 
garn und in 
Russland ver- 


wendet wird, 


den Wagen 5 ee z i E . Arthur Koppel. 


für Zucker- 


Ausstellung Arthur Koppel. 
Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten 


port, Wag- für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


rohr - Trans- 


gons für Gü- 
er-Transporte in den Tropen u s. w. In einem eleganten Pavillon befindet sich neben der Spezial-Ausstellung 
von Schiffsschrauben und Maschinentheilen aus Stahlformguss, welche das Gussstahlwerk der Firma in 


Wolgast i. P., ausstellt (das einzige auf der Ausstellung vertretene Werk dieser Branche), eine reich- 


haltise Kollektion von Modellen, Zeichnungen und Photographieen ausgeführter Bahnanlagen aus fast 


allen Welttheilen, besonders aus WestIndien, Afrika, Südamerika, den deutschen Kolonieen etc., die den 


Quf kennzeichnen, welchen die Firma nicht nur in der Heimath, sondern auch jenseits des Welt- 


meeres geniesst. 


DER PAVILLON DES LOKAL-ANZEIGERS. 


Ein schmuckes Ausstellungs-Heim hat sich der »Berliner Lokal-Anzeigere geschaffen, unweit des 


Haupteinganges erhebt sich sein vom Baumeister E. Schmidt in Charlottenburg entworfener Pavillon in 


vornehm wirkendem Renaissance-Stil, die offene vordere Säulenhalle von stattlicher Kuppel überragt, die 
Seitenflügel etwas zurückstehend und durch weite fensterartige Oeffinungen das Licht voll in das Innere 
fallen lassend, der ganze Bau höchst gediegen in Sandstein ausgeführt und an der Hauptfront wie an den 
Ecken seiner Bedachung mit auf die Presse, den Handel und Verkehr Bezug habenden allegorischen Figuren 


geschmückt. Treten wir ein, so stossen wir zunächst auf den nach dem Muster der grossen Pariser Zeitungen 


eingerichteten Depeschensaal, der ausser den neuesten Telegrammen aktuelle Photographien und Bilder 


sonstiger interessanter Zeitereignisse etc. enthält. Ein breiter Wandelgang führt von diesem Saal aus um 


die Arbeitsräume herum, und kann von ihm aus das Publikum die völlige Herstellung einer Zeitung, wenn 


hier auch nur in kleinerem Maasstab, beobachten. Besondere Aufmerksamkeit erwecken in dem Setzersaal 
vier Linotype-Setzmaschinen, die sich in England und Amerika schon vielfach in Gebrauch befinden, und 
an denen die Setzer wie an einer Schreibmaschine arbeiten. Durch jeden Druck auf eine Taste löst sich 


eine der aus Messing hergestellten Schriftzeichen-Matrizen aus und vereinigt sich mit den vorangegangenen 


und nachfolgenden zu einer Zeile, deren Ende durch ein Glockenzeichen angekündigt wird. Ein leichter 
Druck auf einen Hebel bewirkt das Ausschliessen der Zeile und deren Beförderung vor den Giessapparat. 
Hier dringt flüssiges Blei in die Matrizen ein und es entsteht die in Blei gegossene zusammenhängende Satz- 
zeile. Die Matrizen werden durch einen Transporthebel in die Höhe gehoben und wandern von selbst 
wieder in ihre Magazine zurück, während die Maschine die gegossene Satzzeile fix und fertig in ein offenes 
Behältniss auslegt. Gehen wir weiter, so können wir beobachten, wie die gesetzten Flächen stereotypirt, 
und von diesen Stereotypplatten mittelst zweier, durch Elektrieität getriebener Augsburger Zwillings-Rotations- 
Maschinen die fertigen Zeitungen hergestellt werden, und zwar vermag jede dieser Maschinen in einer Stunde 
96000 gefalzte Bogen zu liefern. Wie ein im Pavillon befindliches Plakat anzeigt, wird die Gesammtauflage des 
»Berliner Lokal-Anzeiger« von ca 186000 Exemplaren auf fünfzehn solcher Rotationsdruckmaschinen hergestellt. 
Das Erdgeschoss des Pavillons birgt das Papierlager, die Buchbinderei und die elektrischen Maschinen, das 


obere Stockwerk die Räume für die Redaktion der täglich erscheinenden »Officiellen Ausstellungs-Nachrichten«. 


Imposant wirkt ferner das vom Architekten Hermann A. Krause nach den Angaben des Kommerzien- 


raths Bernhard Loeser erbaute 


TABAK-MUSEUM VON LOESER & WOLFF, 


das in der Länge 40 Meter misst und eine Grundfläche von 800 Quadratmetern bedeckt. Im Stil und in 
der Ornamentik des Gebäudes wurde eine möglichst weitgehende Anpassung an den Zweck desselben 
und Uebereinstimmung mit den Innenräumen angestrebt. Die Eingänge zu der Ausstellungshalle liegen in 
dem Unterbau der vier Thürme, von denen die beiden nach dem Neuen See zu gelegenen als weithin 
sichtbare Merkzeichen emporragen, geschmückt mit den Wappen der für die Firma bedeutungsvollen Städte 
Berlin, Elbing, Braunsberg und Bremen sowie den Emblemen der Firma. Zwischen den Eingängen sind die 
beiden Verkaufshallen angebracht, das Längsschiff ist mit zwei Laternen als Dachreiter verschen, die Aussen- 
giebel der Seitenschiffe sind durch Skulpturen bekrönt, die auf den Tabakhandel und die Cigarrenfabri- 
kation hindeuten. Ueber den vier Eingängen befinden sich in reicher architektonischer Umrahmung allegorische 
Darstellungen der tabakbauenden Welttheile; auch das Innere ist künstlerisch vortrefflich ausgestaltet. 

Den Hauptraum beansprucht die grosse Tabak-Ausstellungshalle mit den zur Aufnahme der Roh- 
tabake aus aller Herren Ländern dienenden Glasschränken und dem Kiosk für die eigentliche Ausstellung 


im engeren Sinne, die Cigarrenfabrikate der Firma Loeser & Wolff, die nördlichen, dem See zugewandten 


168 


Mn u ne BD z nen 


EEE ni ee ein Tue" 


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Weinhäusl. Pavillon des Vereins für Weuerbestattung. 


Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 
22 


Seitenschiffe dienen der Vorführung der Fabrikation, die südlichen dem wissenschaftlichen Theil der Aus- 


stellung. Letztere umfasst elf Gruppen, neben einer Sammlung von Tabaksamen auch eine solche von 


lebenden Tabakspfianzen, ein Herbarium, die Entwicklung des Tabaks vom Samen bis zur Cigarre, eine 


historische Sammlung von Cigarren seit 1840 und eine Sammlung von Tabakspfeifen, schliesslich Proben von 


200 verschiedenen Cigarrensorten, die in den Fabriken von Loeser & Wolff hergestellt wurden etc. 


Die Fabrikation führen uns zehn bildsaubere Arbeiterinnen aus der Elbinger Hauptfabrik vor und zwar lernen 


wir hier den ganzen Werdegang der Cigarre vom Rohtabak 


in Kisten kennen. Man darf behaupten, dass noch nirgends 


an bis zur Verpackung des fertigen Produkts 


eine auch nur annähernd ebenso vollständige 


Tabakfachausstellung zusammengebracht worden ist, wie hier seitens der Firma Loeser & Wolff, die, im 


Jahre 1865 in Berlin begründet, sich durch ihre strenge Reellität ihren grossen Ruf in wohlverdienter 


Weise erworben hat und für deren Bedeutung am besten die Thatsache spricht, dass sie jährlich $o 


Millionen Cigarren, von den billigsten Sorten bis zu den allerfeinsten nach Havanner Art, fabrizirt, die 


nach allen Theilen der Welt abgesetzt werden. 


Ist das Loeser & Wolff’sche Tabak-Museum mehr etwas für das »stärkere« Geschlecht, so kommt 


Von einem reizvollen, aus Eisen 


aber auch das »schwächere« nahe dem Museum sehr auf seine Rechnung. 


und Glas erbauten Pavillon, dessen Portale durch kunstvolle Sc 


ımiedearbeiten ausgezeichnet sind, leuchtet 


weithin die Firma Theodor Hildebrandt & Sohn, allen Süssmäu 


chen, grossen wie kleinen, alten wie jungen, 


gleich wohlbekannt. An Ort und Stelle wird die Fabrikation von Chokolade, entöltem Cacao und Cakes 


gezeigt, und die reichen Verkaufsauslagen werden trotz der vielen Lücken, welche stündlich in sie gerissen 


werden, stets auf's neue ergänzt. Auch der unmittelbar am Kar 
’ fe} 


pfenteiche gelegene Pavillon von Hoffmann 


& Tiede, den Inhabern der Sarotti'schen Firma, übt mit seinen Süssigkeiten und Leckereien eine grosse 


Anziehungskraft aus; es sitzt sich hübsch unter der luftigen 
o- f>} 


treflich munden Chocolade und Cacao der berühmten Sarotti's 


Kleeblatts« bildet Desca Reichel, dessen Gewürzkuchen ja 
Jugend zu stürmischen Freudenbezeugungen hinreissenden Pu 
orientalischen Geschmack errichtete die Kaffeebrennerci von 
Labetrunk ausschänkt und zu bestimmten Nachmittagsstunden 


dürften Vielen die Cakes des Thiele’schen und die schmackha 


Halle mit dem Blick auf Alt-Berlin, und vor- 


ıen Marke. Das dritte Glied des 
weitbekannt sind, mit seinem niedlichen, die 
ppenhäuschen. Einen prächtigen Pavillon im 
A. Zuntz sel. Wwe., die hier den braunen 


auch verschenkt. Nicht minder willkummen 


fren Thees des Hoelting’schen Pavillons sein. 


Wer herzhaftere Flüssigkeit begehrt, findet sie ganz echt in der von Robert Baitz und Fritz 


Jahn ausgeübten »ehrengerechtsamen Wirthschaft« des Münchener Bürgerbräu's, welch’ letztere Brauerei 


ein malerisches bayerisches Gebirgshaus, dessen Dach mit 


beschwert und dessen 


Gallerie vor dem holzverkleideten Giebel zum Trocknen von Betten und Kleidungsstücken benutzt wird 


errichtet hat. Wer keine Meinung für einen Krug schäumenden Münchners hat, sondern nach dem Reben- 


blut begehrt, der lenke seine Schritte nach der benachbarten Wernlaube, nach Hoffacker’s Entwurf sehr 


pittoresk für die vereinigten Weinhändler ausgeführt; es weilt sich behaglich hier auf dem stimmungsvollen 


Erker oder im Freien vor der Thurmhalle, und die Tropfen die man bekommt, sind gut, sehr gut. 


Unweit der Weinlaube finden wir den Pavillon des Kaiserlichen 


Fernsprechamtes, ein lang- 


gestreckter, ganz in Holz durchgeführter, schmucker Bau mit einem sorgsam durchgebildeten, thurmartigen 


Aufsatz, die Hauptfront zeigt vor dem mit dem Reichsadler gezierten Portal eine von einer durchbrochenen 


Brüstung umrahmte Vorhalle, deren reichgegliederter Giebel von der Weltkugel gekrönt wird; auch das 


Innere ist höchst gefällig ausgestattet und zeigt humorvolle allegorische Da 


stellungen des Postwesens in 


allen Welttheilen. Vielen Tausenden von Besuchern wird hier zum ersten Mal das Geheimniss des Fern- 


sprech-Betriebes und namentlich die »Verbindung« der Sprechenden miteinander aufgehen, einige sehr nied- 


benachbarten Zdison-Pavrllon wird das 


liche Telephonistinnen üben gewandt den Betrieb aus. In dem 


Kinematoskop vorgeführt und ein Phonograph in Verbindung mit einer Schreibmaschine gezeigt. 


Marine-Öchauspiele, 


Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 


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1 
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wir schliesslich noch dem Weberhause von Th. Zimmermann einen Besuch ab, welches in Gestalt 
eines stattlichen Blockhauses etwas abseits vom Hauptverkehr liegt, aber durch seine charakteristische 
Ausschmückung sogleich die Aufmerksamkeit erregt. Zumal das Innere bietet vielseitige und anmuthige 
Eindrücke dar; zunächst zeigen uns im vorderen Mittelbau ein mechanischer Webstuhl und eine 
Spulmaschine die »moderne Weberei« und zwar die“ Herstellung einer Spezialität der Firma, genannt 
Woll- und Seiden-Tmitation, baumwollene, waschechte Gewebe, welche als Ersatz für wollene und seidene 


Stoffe getragen werden können. Nicht minder fesselt uns, der Gegensatz zur modernen Weberei, eine 


im Hinterraume des Hauses eingerichtete Original-Weberstube aus dem Eulengebirge, in welcher ein 
Weber an dem Handwebstuhl bunte, baumwollene Tischdecken arbeitet. Th. Zimmermann beschäftigt 
noch eine grosse Anzahl Handweber; die sämmt ichen Leinen, wie die Haus- und Küchen-Wäsche, welche 
die Firma hervorbringt, sind Handgewebe aus dem Eulengebirge. Die trefflichen Fabrikate lernen wir aus 


vielen Proben kennen, die seitens der Besucher und noch mehr Besucherinnen grosse Beachtung finden. 


Gern werden auch zum Zwecke der Labung die prächtigen, von uns schon Seite 36 hervorge- 
hobenen Restaurationsräume der »Hohenzollern« aufgesucht, welch’ letztere doppelte Verwendung bei den 
MARINE-SCHAUSPIELEN 
findet, die sich schnell grosse Beliebtheit und damit starken Besuch erworben haben. Die Vorführungen 
bieten aber auch eine spannende und lehrreiche Unterhaltung; die Schiffehen sind auf das getreueste den 
mächtigen Originalen nachgeahmt und tummeln sich auf der grossen Wasserfläche wie von Geisterhand 
geführt umher. Sämmtliche Schiffsklassen unserer Marine sind unter den Fahrzeugen vertreten, die Parade, 
mit welcher die Vorstellungen eröffnet werden, geht ebenso glatt vor sich wie das Manöver; von lebhaftem 
Effekt und aufregender Steigerung sind die Darstellungen der Vertheidigung der a durch unter- 
sceeische Minen und der Angriff von Torpedobooten auf Panzerschiffe, von denen eins in die Luft ge- 


sprengt wird. 
Die Marine auf der Ausstellung vertritt ferner das von uns gleichfalls bereits erwähnte 


KAISERSCHIFF »BREMENg, 
welches eine starke Anziehungskraft ausübt. Es ist eine genaue Nachbildung des dem Norddeutschen 
Lloyd in Bremen gehörenden und z. Z. noch im Bau begriffenen Doppelschrauben-Passagierdampfers 
»Bremen«, dessen eine Hälfte es uns in einer Länge von 88 Metern verkörpert. Man betritt das Schiff 
durch ein Schleusenthor, innerhalb dessen Taucher-Vorführungen stattfinden, und gelangt zunächst in den 
Marinesaal mit sehr anschaulichen Modellen verschiedenartigster Schiffe des »Norddeutschen Lloyd« und 
graphischen Darstellungen aus dem Betriebe des letzteren, aus denen hervorgeht, dass der »Norddeutsche 
Lloyd« den ersten Rang in der Handelsmarine der ganzen Welt einnimmt. Besichtigen wir die so kühn in 
die Spree hineinragende »Bremen« des Näheren, so wundern wir uns nicht, dass nicht nur bei uns, sondern 
auch im Auslande der »Norddeutsche Lloyd« das höchste Ansehen geniesst, und Franzosen wie Engländer 
mit besonderer Vorliebe seine Dampfer zu überseeischen Fahrten benutzen. Alle zur Aufnahme der 
Passagiere dienenden Räume sind lufiig und sauber, die Ausstattung ist gediegen und behaglich, von 
vornehmem Geschmack zeugen die Speise- und Lesesäle, einladend sind die Badezimmer, grossartig wirkt 
die Dampfküche mit ihrer für 2000 Personen ausreichenden Ausstattung. Auf dem vorderen Hauptdeck 
liegen die Gemächer des Kaisers und der Kaiserin; im Salon des Kaisers bestehen die Wände aus roth 
gebeiztem Neu-Guineaholz, die gelbseidenen Gardinen passen gut zu den dunkelblauen Ledermöbeln und 
dem hellen Smyrnateppich; mit grünem Stoff überspannt sind die Wände im Salon der Kaiserin, auch die 
seidenen Gardinen weisen die gleiche Farbe auf, und ferner ein Theil der Stoffmöbel, während andere mit 
elfenbeinfarbig gestreifter Seide bezogen sind. Das Arbeitszimmer des Kaisers ist in hellem Eichenholz 


ausgeführt, die Wände sind mit röthlichem Stoff bezogen, eine kunstvolle Holzschnitzerei, Kaiser Wilhelm I. 


und seine Helden 
vor Paris darstel- 
lend, ziert die Fül- 
lung des Schreib- 
tisches. Die sämmt- 
lichen Räume sind 
von der Berliner 
Birnen |. (C IPitanat 
ausgestattet wor- 
den, an der eigent- 
ichen Herstellung 
des Schiffes sind 
der Stettiner »Vul- 
kan« und die Fir- 
men F. Schichau 
in Elbing, sowie 
3jlohm & Voss 


in Hamburg be- 


theiligt. Man muss 


dem »Norddeut- 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für 


Pavillon Pürstenbrunn. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Phot ıphie und deren Vervielfältigungs- 


arten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung. 1896 


FERN 
en 


Pavillon J. C. Schmidt. 


schen Lloyd« leb- 
haften Dank wissen, 
dass er durch dieses 
Schiff unsere Aus- 
stellung um eine 
ihrer interessantes- 
ten Sehenswürdig- 
keiten bereichert 
hat. 

Gedenken wir 
der über die Aus- 
stellung verstreut 
liegenden  Pavil- 
lons, so finden wir 
unweit des Kaiser- 
schiffes »Bremen« 
eine nach den 
Plänen des Archi- 
tekten Bruhn auf- 


geführte reizende 


Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


Villa der Nutzholzhandlung und Fabrik für Holzbearbeitung €. R. Meyer, welche sämmtliche von dieser 
renommirten Firma bevorzugten Arbeiten vereint. Das Erdgeschoss ist wie ein Blockhaus behandelt, der seitliche 
Erker wird in geschicktester Art aus unbehauenen Stämmchen gebildet und die oberen Theile zeigen eine 
glückliche Verbindung farbigen Holzwerks mit maassvoll dekorirten Wandflächen. Dahinter befinden sich 
zersägte Riesenstämme. 

In der Nähe liegen der einfacher gehaltene Pavillon des Vereins Berliner Milchpächter und 
der zierliche, im Barockstil gehaltene, sehr freundlich mit Blumen geschmückte Pavillon der Quellverwaltung 
»Fürstenbrunn«. Nahe der Alpenwiese finden wir noch den vom Baumeister Wohlgemuth erbauten 
Pavillon der Fleischwaarenfabrik von A. Breslauer, dessen innere Wandflächen von gepressten und 
glasirten Fliesen mit einem breiten Kinderfriese darüber in englischer Manier bekleidet sind, und gegenüber 
dem Haupteingang der Fischerei-Ausstellung das 400 Quadratmeter bedeckende Fabrikations-Gebäude der 
oft mit höchsten Preisen ausgezeichneten Wurstfabrik von A. Hefter, mit einer Imbiss-Halle verbunden; der 
Pavillon ist im Nürnberger Stil gehalten und einer der hübschesten der Ausstellung. Aeusserst stattlich 
schaut ein Eisenpavillon mit reicher Verglasung aus, den das Eisenwerk Neusalz a. d. Oder errichtete, 
um gleichzeitig in ihm seine bekannten Oefen und Küchen-Einrichtungen, sowie die besten Erzeugnisse seiner 
Emaillirwerke vorzuführen. 

Jenen zahllosen Besuchern, die sich für Sport interessiren, dürfte der 
MIUSITIEIRSITANEIT, 
den wir in der Nachbarschaft der Marine-Schauspiele finden, von Wichtigkeit sein. Im Auftrage einer Ver- 


einigung von Ausstellern führten ihn die Architekten Blumberg und Schreiber inmitten eines hübschen 


Gartens im Schweizer Villenstil auf; der Mittelgiebel ist durch einen reicheren Ausbau hervorgehoben, der 


mit einer offenen Gallerie vortritt und zu einer geschmackvollen Ausbildung der ganzen Portalanlage führte. 
Im Mittelraum befindet sich der auf das praktischste eingerichtete Stall, dessen Wände aus hellen Mauer- 
It g » 


einen bestehen, während der Boden mit gelblichen Kacheln bedeckt ist. Mehrere stolze Reit- und schöne 


2) 


Wagenpferde, aus dem Besitze von G. Woltmann & Co., den Hoflieferanten des Kaisers, herrührend, sind 
in den geräumigen Ständen untergebracht. In dem rechten Seitenflügel finden wir mannigfache Gefährte 


der Ed. Kühlstein’schen Wagenfabrik in musterhafter Ausführung. Die Geschirr- und Sattelkammer 


versahen Heydweiller & Co. auf das reichste mit ihren trefflichen Fabrikaten. Sehr ansprechend ist 


das Empfangszimmer, wohnlich das holzgetäfelte Speisezimmer für die Stallbediensteten, deren Wohnräume nebst 


der Küche und den Vorrathskammern im ersten Stockwerk liegen; ein kleiner Reitplatz ist im rückwärtigen 


Garten angelegt worden. 


GARTENBAU. 

Der Gartenbau spielt auf der Berliner Gewerbeausstellung insofern eine Hauptrolle, als der Platz 
der Ausstellung selbst, der Treptower Park, eine bedeutende Leistung moderner Landschaftsgärtnerei dar- 
stellt. Dazu kommt, was die Gartenkunst in Benutzung des Bestandes dieses Parks und in Anlehnung 
daran geschaffen hat und was von einzelnen angesehenen Gärtnerfirmen im Besondern ausgestellt ist. 

Den Berliner Gärtnern, die an der Ausstellung sich betheiligten, fiel eine überaus schwierige Auf- 
gabe zu. Gartenbauausstellungen pflegen sonst in Rücksicht darauf, dass sie nur lebendiges und zum Theil 
sehr hinfälliges Material enthalten, nur wenige Tage zu dauern; diese sollte den ganzen Sommer hindurch 
frisch und schmuck bleiben. Die Wenigsten denken wohl daran, wie viel Mühe und Sorge, wie viel 
Arbeitskraft, wie viel Aufwand an immer neuem Material das kostet. Mit rühmlicher Opferfreudigkeit 
haben unsere Gärtner sich der ihnen gestellten schweren Aufgabe unterzogen. Sie waren die ersten auf 


dem Platze. Lange bevor Maurer und Zimmerleute erschienen, hatten sie schon ihre Bäumchen und 


Sträucher gepflanzt, damit alles sich in Ruhe bewurzeln und nach Eröffnung der Ausstellung zu voller 


Blüthe gelangen möge. Und das ist ihnen wohl gelungen. 


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Dem Gartenbau war in der Hauptsache ein grosses Stück Land in der Mitte des Ausstellungs- 


geländes zwischen der Treptower Chaussee und dem Neuen See zugewiesen. Dort haben Max Buntzel- 
Niederschönweide und Karl Görms-Potsdam ihre Rosengärten oder Rosenschulen, wie der hübsche Aus- 
druck lautet, zur Schau gestellt, die um die Rosenblüthezeit — ach, zu schnell geht sie vorüber! — einen 
entzückenden Anblick gewährten und köstliche Düfte hauchten. Nachtigallen aber, wie sie zu Rosen ge- 
hören, wohnten von früher her im Treptower Park und schlugen drauf los — wenn man von Nachtigallen 
so sagen darf —, unbekümmert um die Tausende von Menschen und die vielfältige andere Musik. 

Zwischen den beiden Rosengärten befinden sich die Anlagen des Oekonomieraths Späth, dessen 
bei Rixdorf belegene Baumschulen mit einem Umfange von 176 Hektaren die grössten sein mögen, die 
es überhaupt giebt. Dem entsprechend hat er auch auf der Ausstellung das grösste Stück Boden in An- 
en a — — spruch genommen und es sehr schön 
bestellt. Mit vielem Geschmack sind 
die auf weiten Rasengrund gepflanzten 
Gruppen von prächtigen Nadelhölzern, 
die mit Rosen umsäumt sind, zusammen- 
gestellt. Die Hauptsehenswürdigkeit aber 
in seinen Anlagen ist der grosse Spalier- 
und Formobstgarten, dessen reich mit 
Früchten besetzte Bäumchen noch bis 
spät in den Herbst hinein reizend an- 
zusehen sein werden. 

Hübsche kleinere Leistungen auf 
dem Gebiet der Landschaftsgärtnerei 
sind der Muster-Villengarten von Koch 
und Rohlfs Gross-Lichterfelde, der hol- 
ländische Garten mit seinem bunten Durch- 


einander anmuthiger Sommerblumen von 


Kohlmannslehner und Schwenke- 


Schöneberg und der Lawntennisplatz von 
Eingang zur ellpenwiese. 


grünem Rasen, umgeben von dekorativen 
Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für 


hie und deren Vervielfältigungs- 


arten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. Pflanzengruppen, denF. Körner-Steglitz 


ausgestellthat. Proben ihrer Baumschulen- 
:ben in hübscher Anordnung H. Lorberg-Berlin und A. Hranitzky-Marienfelde. Aufmerksam 
gemacht sei auch darauf, in wie geschmackvoller Weise der Platz vor dem Hauptgebäude um die Wasser- 
künste herum von A. Clotowski, Fr. Maecker und Th. Jawer 


anderen schönen Gewächsen geschmückt ist. 


erzeugnisse { 


mit Blumenbeeten, Lorbeerbäumen und 


Geschnittene Blumen und Bindereien sind in der grossen Halle, die hinter dem Görm’schen Rosen- 


garten steht, zu finden. Natürlich fehlt hier nicht Chr. Drescher, dessen »Spezialität« der kunstvolle 


Kranz ist, noch auch H. Studier mit seinen Nelken, F. Prüfer mit seinen Georginen. Auch die Garten- 


bauschule und viele andere haben hier ausgestellt. J. C. Schmidt (Inhaber Kuntze) aber, d 


auf das prachtvollste dekorirtes Schaufenster Unter den Linden so viele zum Stil 


essen immer 
Istehen bewegt, hat einen 
eigenen Pavillon oder Tempel der Flora, wo alles, was reizend heisst, beisammen ist: Rosen, Lilien, die 


wunderbarsten Orchideen, und Arrangements, wie nur die kühnste Phantasie sie erfinden kann, Leiern, 


Spiegel und Schwäne, alles von Blumen. 


An Bedarfsartikeln der Gärtner, von ganzen Gewächshäusern bis zu Spaten und Harke ist alles 


176 


Mögliche zu finden, ebenso an Gegenständen zur Ausschmückung der Gärten, wozu für Liebhaber bekannt- 
lich auch Gnomen, Rehe, Möpse und Teckel, Störche und Frösche aus Thon gehören. 

Auch eine wissenschaftliche Abtheilung ist vorhanden, die in einer besonderen Halle untergebracht 
ist. Sie enthält allerhand Interessantes, wozu besonders die grosse Droguensammlung von Brückner, 
Lampe & Co. zu rechnen ist. 

Zu den Ausstellern der Gruppe XXII, die den Gartenbau umfasst, gehört einer, der an besonderer 
Stelle zu suchen ist, der Berliner Magistrat, der bekanntlich auch Gartenwirthschaft treibt. Im Pavillon 


der Stadt Berlin sind von ihm die Produkte der städtischen Rieselgüter ausgestellt. Mancherlei Bemerkens- 


werthes hat dort schon ausgelegen und manches Wunderbare dürfte im Laufe‘ des Herbstes noch dazu 


Aus dem ellpen-Panorama. — Zell am Ziller. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 


kommen: der Riesenrieselkohlkopf, der Kürbis, in dessen Innern eine kleine Familie Platz hätte, und die 
Schlangengurke ohne Ende. 

Dass die Berliner Gärtnerei auf einer hohen Stufe steht, dafür liefert die Ausstellung in Treptow 
wohl einen Beweis. Das aber, was hier gegeben wird, ist doch nur eine Probe von dem, was das neue 
Berlin auf diesem Gebiete überhaupt leisten kann. In grösserem Maassstabe wird das die grosse Garten- 
bau-Ausstellung darthun, die im nächsten Jahr auch auf dem Gelände des Treptower Parks, von dem die 


Stadt einen Theil zu diesem Zweck hergiebt, veranstaltet werden wird. 


ALPEN-PANORAMA. 


Schon von fern wird man auf die Grossartigkeit der Gebirgsnatur durch den sehr geschickten 


koulissenartigen Hintergrund des Schlösschens hingewiesen, das mit seinen grünen Triften und glänzenden 


3 


Schneefeldern sowie den eisgepanzerten Bergspitzen gar verwundert auf den märkischen Sand hier am Ufer 
der Spree herniederschaut. Nun aber hinein in die Gebirgswelt, in deren Felsstollen wir mittelst der 
schmalen Wagen der elektrischen Bergbahn eindringen, langsam geht es in der Dunkelheit vorwärts 


plötzlich wird es lichter und mit seiner idyllischen Umgebung liegt Jenbach vor uns im Schutze der stolzen 


Ausläufer des Karwendelgebirges; weiter geht's, bis wir bald Zillerthal erreichen mit den hellen Gewässern 
' des Inn und den kühnen Felszacken des Sonnenwendjochs, die aber schnell verschwunden sind, denn die Fahrt 
wird nicht unterbrochen und führt uns nach Strass und Fügen und Zell, bis wir hinter Mairhofen halten 
und mit einem elektrischen Aufzug zur Aussichtswarte am Ochsner gelangen, wo sich in ihrer ganzen 
bewegenden Grossartigkeit die Alpenwelt vor uns ausdehnt, so eng mit dem realistischen Vordergrund 


| &Aus dem &Alpen-Panorama. — Mairhofen. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


| vereint, dass man daran zweifeln möchte, ob all’ dies Schöne und Bewegende wirklich durch Menschen- 
hand entstanden. Der Schöpfer, Maler Rummelspacher, durch manch’ wirksames Landschaftsbild weit be- 
| kannt, hat hier ein Meisterwerk geschaffen. 

Kommen. wir von der Gletscherwelt des Schwarzensteingrundes zurück, so schallt uns fröhliches 
| Gejodel oder auch kernige Militärmusik entgegen, denn hier auf der Alpen-Wiese oder dem » Nassen Viereck«, 
wie ‚man sie. oft "bezeichnet, geht's meist lustig zu. Flott und fröhlich wird da pokulirt, an Gelegenheiten 
dazu fehlt’s wahrlich nicht, helles und dunkles Bier in jeder Qualität und Nationalität ist ja zu haben, 
Berliner, Pilsener und Münchener; hier haben Habel und Siechen ihre luftigen Restaurations-Pavillons 


errichtet, das Bürgerliche Brauhaus in Pilsen hat sich ein reizendes alterthümliches Heim, die Ueberreste 


des Burgbesitzes der edlen Herren »von Kneiphausen«, deren Geschlecht in Deutschland und zumal in Berlin 


so fröhlich weiterblüht, ausgesucht, dann giebt’s noch Radeberger und Cwlmbacher Biere zu trinken, der 


178 


DEUTSCHE KOLONIAL-AUSST 


Die Kolonialausstellung steht nur in losem Zusammenhang mit 


getrennten Gebieten, deren Verbindung eine Brücke herstellt. Es 
Anlass dazu gegeben, zwei in ihrer ganzen Art verschiedene Abtheil 


anstossende, am Karpfenteich g 


Dörfer von Eingeborenen der verschiedenen Kolonien, welche durch 


aufzubauen. Der zweite g 


gnügungspark. lier sind nach Entwürfen ortskundiger Künstler 


gegenstände beherbergen. 
Interessante Völkerstämme aller Erdtheile sind ja schon oft 


worden. Die Anwesenheit einer Reihe afrikanischer Eingeborener 


Zugmittel darstellen. Was aber den in der Kolonialausstellung vorge 


yerufsmässig zu Schaustellungen hergeben. Da sind zunächst acht 
ersten Male in grösserer Zahl in Deutschland die Togo- und Kan 
weniger als 26 Männer und Frauen unter Führung zweier von der \ 
and gewesener Leute angekommen. Es befinden sich unter ihnen 
macher, ein Goldschmied, Bootsleute und Arbeiter. 


Ostafrika hat einen überhaupt noch niemals in Europa echt gese 


scktdurstigen Seelen nimmt sich die altbewährte Firma Kloss & Förster an, die eine mit offener Säulen- 


\BSJEIEIUNNIG 


der Berliner Gewerbeausstelluns 


halle versehene allerliebste Kapelle, auch innen reizvoll ausgeschmückt, errichtet hat; die Continental- 
Bodega, durch Rathjens & Wolff vertreten, hat sich hier niedergelassen, dann ist noch das Cafe 


\Watzek mit seinem hübschen Bau und Aschinger mit seinen verschiedentlichen Bierquellen zu erwähnen. 


Bei 


ihr war der Grundsatz: nur Erzeugnisse von in Berlin ansässigen Firmen auszustellen, nicht durchführbar; 
andererseits wollte man aber die Gelegenheit, der Welt die Eigenart und die Erzeugnisse des jungen 
überseeischen Deutschland in umfassender Weise vorzuführen, nicht vorübergehen lassen und die Ausstellung 


nicht eines besonderen Magneten berauben. Die Kolonialausstellung befindet sich auf zwei durch eine Strasse 


hat diese Besonderheit des Geländes 


ungen zu schaffen. Der an Alt-Berlin 


relegene ziemlich schmale Parkstreifen ist dazu verwendet worden, 


Vermittlung der Deutschen Reg 


oO 


nach Berlin geschafft worden sind, in einer möglichst den wirklichen Verhältnissen entsprechenden 


ssere Theil des zur Verfügung stehenden Gebietes liegt neben den 


eine Anzahl ostafrikanischer 


nachgeahmt worden, welche die wissenschaftlichen und belehrenden Zwecken dienenden Ausstec 


einige 
ierung‘ 
Weise 
1 Ver- 
Bauten 


]lungs- 


in Berlin wie anderweitig vorgeführt 


würde also an sich kein besonderes 


ührten »Wilden« ein höheres In 


Schutzgebiete besonders ausgesucht und durchweg aus Vertretern von Stämmen bestehen, die sic 


NerFUNNEeger. Von ersteren sinc 


ission erzogener und schon in D 


Schuhmacher, Weber, Hut- unc 


henen Stamm, die wilden, berüc 


is, und eine Anzahl arabisirter, in lange weisse Gewänder gehüll 


ihnen sind auch einige Kondeleute aus dem Nyassagebiete vorhander 


deutsch sprechen, aber noch nie Deutschland gesehen haben. 
Der zweite, grössere Theil der Kolonialausstellung ist nur de 


treten ‚besonders die Kolonialhalle, das wissenschaftliche Geb 


180 


Hereros und Hottentotten, welche den Unterricht der Barmener Mission 


Dampferlinien und Missionen. Aeusserlich stellt sie sich als das Haus eines 


er, würdiger Suahelis gesandt. 


1. Ihnen allen dient als Wohnu 


genossen haben, zum Th 


m ersteren Zwecke gewidmet. 


benesse 


verleiht, ist die Thatsache, dass sie von den Kolonialverwaltungen der verschiedenen deutschen überseeischen 


ı nicht 


’apuas aus Neu-Pommern, dann zum 


nicht 
eutsch- 


Netz- 


htigten 
Ausser 


ng die 


getreue Nachbildung einer ostafrikanischen Festung, das von uns schon geschilderte Quikuru des einst 


mächtigen Häuptlings Sikka. Die zivilisirtesten Bewohner hat Südwestafrika nach Berlin entsandt Es sind 


eil gut 


In ihr 


äude und das Tropenhaus hervor. 


Die Kolonialhalle umfasst die Vorführungen vieler in den Schutzgebieten thätigen Gesellschaften, Geschäfte, 
reichen Inders aus Sansibar 
dar. Das Innere ist derartig mit Ausstellungsgegenständen überfüllt, dass Tage dazu gehören, um Alles 
auch nur flüchtig zu betrachten. Besonders ins Auge fallen die reichen Darbietungen der Neu-Guinea- 


Kompagnie, welche ihre Plantagen, Gebäude und sonstigen Anlagen in schönen Modellen vorführt, die ethno- 


Sektpavillon Kloss 3 Poerster — Habels Restaurant. 


Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


arbeiten des Welthauses H. A. Meyer in Hambur 


graphischen Sammlungen verschiedener Afrikareisender und die grossartigen Elephantenzähne und Elfenbein- 


© 
g. 


Die wissenschaftliche Halle ist ebenfalls in ostafrikanischem Baustil mit Verwendung von Motiven 


aus einer alten Moschee Kilwas errichtet. 


Sie bietet im Innern die reichsten Materialien für die Geschichte, 


Entwicklung und Natur aller deutschen Kolonieen, wobei freilich manches wiederholt wird, was schon in 


der Kolonialhalle sich findet. 


Art ein 
ineiner Ausstellung: 
Den 


oberflächlichen Be: 


möglich ist. 


sucher ist es eher 
geeignet zu ver- 
wirren als zu be- 


lehren. 


Den Glanzpunkt 


dieses Theils der 
Ausstellung bildet 
jedenfalls das von 
Schmidt (Altona) 
gebaute elegante 


hölzerne 


Tropen- 


haus. Es ist der 


Typus, der 


von 


Seiten des Reichs 


für die Beamten in 
den Kolonieen er- 
richteten Bauten, 
in allen Theilen ein- 
fach, praktisch und 
dabei elegant. Um 
das Ungeziefer fern 
zu halten, steht 


der ganze leicht 
zerlegbare Bau auf 
eisernen Pfeilern 


mit Wasserschalen, 


NUN 


‘8 


Pavillon &. Hefter. 


Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren 


Vervielfä 


tigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


Nur leider erfordert dieses Gebäude mit seinen grossen Sammlungen aller 


ängeres und eingehenderes Studium vom Beschauer, der seinen Inhalt ganz würdigen will, als es 


und breite Veran- 


denumgebenbeide 


Stockwerke, alle 
Möbel sind so 
gearbeitet, dass 


sie ohne Gefahr 
dem Tropenklima 
ausgesetzt werden 
können. Im Innern 
dann wird dem Be- 
schauer nicht allein 
ein Bild der Woh- 
nung und Häuslich- 
keit unserer Kolo- 
nialbeamten gebo- 
ten, sondern es 


sind hier auch 
Sammlungen aller 
deutschenKolonial- 
produkte und der 
daraus zu fertigen- 
denWaaren, afrika- 
nischer Faktorei- 
betrieb, ein Tro- 
penlazareth, reiche 
Sammlungen von 
Photographieen aus 
den Kolonieen u. 


del. durch die Kolo- 


nialabtheilung des Auswärtigen Amts zur Vorführung gebracht. Eine interessante Ergänzung dazu liefert das 


Afrikahaus von Tippelskirch & Comp., welcher Firma der Ruhm gebührt, Tropenausrüstuncen in Deutsch- 
P-s 5 ’ F 5 


land angeregt zu haben; sie hat die Ausrüstung aller Afrikareisenden und Expec 


unc 


lazarethe und Vorführungen des Frauenvereins für Krankenpflege in den 
neuesten Erfahrungen auf diesem Gebiete zur Anschauung gebracht werden, be 


Durchmusterung. Die deutsche Kolonialpolitik zeigt sich in dieser Ausstellung von der 


die Leistungen der bekanntesten englischen Firmen an Güte erreicht; auch < 


itionen seit Jahren besorgt 
ie verschiedenen Baracken- 
Kolonieen, in denen die 
ohnen reichlich eine nähere 


besten Seite. Wenn derselbe 


Eifer und Fleiss, der hier entfaltet worden ist, auf die wirthschaftliche Erschliessung der Schutzgebiete fort- 


dauernd verwendet wird, braucht den Deutschen um die Zukunft dieser ihrer Besitzungen nicht bange zu sein. 


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KAIRE 


Bei der Pariser Weltausstellung von 1889 bildete die schmale rue du Caire mit ihren vergitterten 


Fenstern, Kaffees und engen Läden das Entzücken aller Besucher. Aber die Sache hatte mehrere Mängel. 
Die Strasse war erstens zu kurz, ganz unvermittelt stand dies Stückchen Orient in der modernen Aus- 


Dazu gab sie gar keinen wahren Begriff von kairenser Strassen. Auch im Berliner Kairo ist 


allerdings nicht ein bestimmter Fleck der Khedivenstadt wiedergegeben. Es sind vielmehr räumlich weit 
Baulichkeiten und Anlagen hier zusammengerückt. Aber jede einzelne davon ist ganz genau, ja 


täuschend, nachgebildet und der Charakter des Ganzen entspricht durchaus der Wirklichkeit. Personen, 


welche Egypten genau kennen, finden den Hauptreiz dieser Veranstaltung darin, dass sie auf Schritt 


Tritt den ihnen wohl vertrauten Menschen und Dingen Kairos begegnen Es fehlt so gut wie 


davon. 


Abgesehen von den hervorragendsten Gebäuden Kairos, denen sich die kleine Nach- 


bildung einer Pyramide, ein Tempel des mittleren Nilthals und dergl. angliedern, findet der Egypten- 
reisende hier die Hauptfirmen des Bazars, den weltberühmten Schöpfer der besten orientalischen Möbel, 
Parvis, das schönste Gold- und Emaillewaarengeschäft, und endlich die Lieblingskneipstätte der Deutschen 
am Nil, Gorff’s Bierstube, wieder. Unter den Fellachen, den Eseljungen, Schuhputzern begegnet jeder 
Reisende gleichfalls Bekannten. 


Die häufige Berührung mit den witzigen, gutherzigen, geweckten Eingebornen gehört zu den Reizen 


auch ernst bleiben, wenn er, von vorübergehenden Fellachen plötzlich angebettelt wird, wenn sie, zu faul 


des Winteraufenthalts in Egypten. Selbst die naive Zudringlichkeit der Strassenhändler und die ewige 


Bettelei erregen bei dem Touristen am Nil meist keine böse Laune, sondern nur Heiterkeit. Wer kann 


aul, 


| auch nur das Wort Bakschisch auszusprechen, nur ganz mechanisch: Schisch, Schisch rufen! Im Berliner 


Kairo kann man dieselben Beobachtungen machen. 


Die schönen Erzeugnisse der orientalischen Weber, Sticker, Schmiede, Tischler, Teppichwirker etc. 


bekannt. 


alterlic 


die prä 


le, we 


Woh 


ren Mustern orientalischer Kunst herstellt und an der Spitze dieser kairenser Industrie steht 


phan 


wird 


Die Ausstellung bietet Gelegenheit, eine Anzahl dieser Handwerker bei der Arbeit zu sehen. 


Die Tischler sind Angestellte des erwähnten Parvis, welcher seine Möbel und Geräthe nach den prächtigen 


enthält eine Anzahl seiner hervorragenden allerdings nicht billigen Arbeiten. Ebenso schenswerth 
chtigen Nachbildungen der neuerdings aufgefundenen altegyptischen Schmuckstücke in Gold und 
che ein kairenser Juwelier ausgestellt hat. 

I das Originellste ist aber die bis aufs kleinste getreue Nachbildung der erwähnten Gorffschen 
ube aus Kairo, Herr Gorff ist persönlich mit seinem schwarzen Leibkellner nach Berlin gekommen 
nat nicht allein seine Sammlung von Alterthümern, sondernauch getreue Kopieen der amüsanten Wand- 
Ide, die sein Kairenser Lokal schmücken, mitgebracht. Diese Bilder, welche der Laune fideler deutscher 


Entstehung verdanken, stellen Gorff bald als Memnonssäule, bald als Odaliske oder in sonstiger 


astischer Umgebung vor. 


Eine grosse Arena giebt den verschiedenen Eingeborenen Gelegenheit, allabendlich ihre Künste als 


Rosselenker, Schützen und sonstwie zu zeigen. Das hier sich bietende Bild ihres Lebens und Treibens 


nur ein wenig durch Schiessen beeinträchtigt, und viele Beschauer ziehen daher die feierlichen Um- 


ge der Leute zu Ross, Kameel und Esel durch das sanze Ausstellungsterrain vor, wo nur die ein- 


oO 


heimischen Musikinstrumente die Ohrennerven in Mitleidenschaft ziehen. 


Tropenhaus — &raberstadt — Colonial- Ausstellung. 
Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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EI BERFIN. 


Mit seinen zierlichen Giebeln und Thürmchen ruht Alt-Berlin im Schutz fester Mauern zwischen 
duftenden Bäumen so idyllisch, als sollte es, wie damals so auch heute und für ewig eine Stätte 
bürgerlichen Friedens sein. Damals aber — so um 1650 — sass ein markiger Herr auf dem Throne, 
dessen energisches Auftreten nach den Wirren des langjährigen Krieges überall Vertrauen zu seiner 
Regierung erweckte und Ruhe wieder und Ordnung ins Land brachte. uf langgestreckter Brücke von 
Spandau her nahend, bewundern wir die vor uns ausgebreitete Silhouette und überschreiten den wasser- 
reichen Stadtgraben, der am Rand martialisch mit Thürmen und Bastionen bewehrt ist; über die eigentliche 
Festungsbrücke gehts durch das gastlich bekränzte Giebelthor, zu dessen Seiten ein mächtiger Rundthurm 
als Hüter dieses wichtigen Zugangs bis zu beträchtlicher Höhe emporragt. 

An dem Thore beginnt die Spandauerstrasse mit dem uralten Hospital zum Heiligen Geist, dessen Friedhof 


einen prächtigen Schmuck von Lindenbäumen trägt; nach Osten hin zieht sich der Kohlmarkt bis zur 


Georgenstrasse, deren Fortsetzung zur Langen Brücke beim Schlosse führt. In der Mitte etwa dieses 


Strassenzuges erhebt sich das Berliner Rathhaus, vor sich eine Reihe stattlicher Giebelhäuser, die von 


vornehmen Bürgern hier gerade errichtet worden sind in der bevorzugten Lage gegenüber dem Rathhause. 
Aber auch die kleinen Gassen und Gässchen sind hier zu ihrem Rechte gekommen. Der Heiligen Geistkirche 
gegenüber liegt die Heidereutergasse, das alte Domizil des Büttels, und zur Rechten geht die Heilige 
Geiststrasse direkt bis zum Wasser. Der Platz hier ist durch die Heilige Geiststrasse mit dem Rathhause 
und durch die Bolingsgasse hier mit dem Kohlmarkt verbunden. 


Haben wir uns im Schatten des Thurmes, den sie den »Juliusthurm« heissen, mit einem Trunk 


goldigen Pilseners gestärkt, so treten wir durch das Portal zum »Rlosterstübl«, in welchem einst fromme 
Männer mit vielem Fleiss einen gottgefälligen Stoff gebraut haben, hinaus auf den Zwinger am Stadtgraben, 
der auf dem bedeckten Wehrgang einen trefflichen Ausguck bietet. Ein Pförtchen geht von da hinein zu 


der altersgrauen Heiliggeistkirche, deren Inneres eine Fülle seltener geschichtlicher Schätze birgt. 
Die Wohnhäuser, die den Kohlmarkt auf beiden Seiten begrenzen, sind in den reizvollsten Motiven 
des Fachwerks ausgeführt und bieten durch die geschickte Gruppirung der Erker und Giebel, durch offene 


Sitze und schattige Hallen unter den weitvortretenden Geschossen anmuthige Bilder. Hier hat sich die geheime 


Kunst der Bauleute, in specie eines ehrsamen Architekten Hoffacker mit Namen, geoffenbaret; in Putz oder 
3ackstein mit Altanen und Freitreppen versehen, so reihet sich Haus an Haus, sicher geborgen unter dem 
röthlichen Ziegeldach. Der Reichthum der Formen ist nicht gross, aber immer ein anderes Bild ist der Phantasie 


des Architekten entsprungen, der mit sorgsamer Hand Stein auf Stein zu thürmen hatte. In der ganzen 


jreite des Kohlmarktes dehnt sich das Berliner Rathhaus aus, in dessen Kellereien heute wie in alter Zeit 
reffliche Weine dem Zecher geboten werden. Wie ein Markstein der Stadtgeschichte und als der kraftvolle 
Ausdruck eines wahren grossen Gemeinwesens steigt muthig der Thurm mit der holländischen Haube empor. 


An den Thurm lehnt sich die reichbewegte Gerichtslaube, unter deren Gewölbe bei einem schönen Rauhen- 


haler sich gut über die hochnothpeinlichen Gerichte nachdenken lässt, die hier offen vor allem Volke gehegt 
wurden. Ueber der offenen historischen Laube mit der alterthümlichen Säule war die Stube des Rathes und 


in dem simpeln Holzbau dahinter befand sich der grosse Saal für alle gemeinsamen Berathungen. 


Obwohl das Rathhaus nicht allzu stolz in die Welt schaut, bildet es doch den Kern und das Herz 
dieser originellen Stadt, alle Adern des Lebens vereinend und die umliegenden Wohnsitze der Handels- 


herren und der wenigen Patrizier überragend. Nach einem kurzen Blick in die malerische Bolingsgasse 


mit dem /rrgarten und die Heiliggeiststrasse, an deren Abschluss hinter dem Wursthof nahe dem Wirths- 


haus zur Linde die romantische Rembrandt-Mühle sich aufbaut, bewundern wir das überraschende Panorama 


des Schlosses und des alten Domes an der Langen Brücke, um dann die Georgenstrasse herunterzuschlendern, 


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Wissmann-&Ausstelluns — Kaffeeplantage — Colonial- Ausstellung. 


Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. 


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Ouk en-Nabhäsin — Parade-der Beduinen vor dem Kaiser — Aus Kairo. 


Nach Original-Aufnahmen. Mit Genehmigung der Berliner Kunstdruck- und Verlagsanstalt vorm. A. & C. Kaufmann. 


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in welcher zwischen Buden und Scharren von beiden Seiten her kunstvolle Schilde aus den Auslagen der 
Händler und Gewerke, wie aus den sangerfüllten Hallen der Wirthshäuser sich weithin sichtbar vorstrecken. Da 
ist Meister Hulbe mit seinem schönen Lederschnitt, dann der »Roland«, die amüsante Bauernschänke, der Maler- 
laden von Keltz & Meiners, die es mit den Wirthen am Marktplatz, dem » Grossen Kurfürsten«, Clausing, dem 
» Landsknecht«, dem »Flacker« und der benachbarten holländischen Tappery, den Erven Lucas Bols u. s. w. wohl 


aufnehmen. Ist dies Bild an sich schon schön, so giebt noch das stattliche Georgenthor den effektvollen Ab- 


ar 


II 


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&Am G@eorsenthor — ellt-Berlin 


Nach einer Original- Aufnahme von Ottomar Anschütz 


schluss, zumal auch hier die Landsknechte in getreuen Kostümen der Zeit, ebenso wie alle die Fischer und Magier, 
Musiker und Verkäufer, die Gaukler und Wächter und alle Dämchen in den Schänken ihren Posten versehen. Am 
Tage fluthet dazwischen Alles hin und her, als ob das alte Berlin schon eine Art von Weltstadt gewesen wäre, 
und am Abend kommt bei dem spärlichen Schein der Oellampen so manches Barett und so manches Köpfchen 
und Füsschen in altem Stil noch mehr zur Geltung, als der Erfinder von »Alt-Berlin« das gedacht hat. 


Hinter Alt-Berlin dehnt sich auf einem Flächenraum von 70 000 Quadratmetern der 


VERGNÜGUNGSPARK 


aus, den wir auch mittelst der zum ersten Mal in Berlin gezeigten Stzufendahn, welch’ neues Beförderungs- 
system die beiden Bauräthe Th. und H. Rettig erfunden haben, erreichen können; bei der Bahn kommt 


ein bekanntes mechanisches Gesetz zur praktischen Anwendung: die Fortbewegung eines Gegenstandes auf 


190 


der Peripherie einer Walze oder eines Rades geschieht mit der doppelten Geschwindigkeit, mit welcher 
sich die Axe oder das Centrum eines Rades bewegt. Nach diesem Grundsatze ist eine sich langsam 
bewegende Plattform, auf die man zunächst tritt, an die Axe des Rades befestigt und bewegt sich mit der 
Geschwindigkeit der letzteren; die benachbarte, etwas höhere Plattform mit den Sitzbänken liegt auf dem 


Rade und hat demnach die doppelte Geschwindigkeit der ersten Plattform, d. h. in der Sekunde drei Meter. 


Diese schnellere Plattform wird auf zwei endlosen beweglichen Schienen vorwärtsbewegt, das Rad der 


Spandauer Strasse — eAlt-Berlin. 


Nach einer Original-Aufnahme von Ottomar Anschütz. 


ersten Plattform auf einer festen Schiene. Man hofft, dass diese durch Elektrizität betriebene Bahn, die 
uns hier in einer Länge von 500 Metern vorgeführt wird, das Beförderungsmittel der Zukunft sein wird, 
da sie, ohne anzuhalten, ein bequemes Auf und Absteigen ermöglicht und deshalb zur schnellen und sicheren 
Beförderung sehr geeignet ist. Der Anlage, die ein sehr interessanter Bestandtheil der Ausstellung: ist, 
wird ein allgemeines, grosses Interesse entgegengebracht. 

Im Vergnügungspark selbst treffen wir noch auf eine elektrische Thurmbahn in einem aus Eisen- 
fachwerk erbauten, 70 Meter hohen Aussichtsthurm, in welchem zur Beförderung nach der Kuppel ein 
ringförmiger Fahrkorb angebracht ist, auf welchem sich mittelst elektrischer Kraft die Rundbahn bewegt; 
die Aussicht von der Thurmkuppel, in der sich, wie auf der Plattform des Thurmes, ein Restaurant be- 
findet, ist überaus lohnend. Scherzhaft ist die Wasserbahn, die nach Art einer Rutschbahn die Fahr- 


lustigen in Kähnen von einer hohen Plattform mit sausender Geschwindigkeit auf den Wasserspiegel eines 


191 


Teiches befördert. Grosser Beachtung erfreut sich die Zwölf-Aposteluhr, die bereits auf der Chicagoer 
Ausstellung Aufsehen erregte. Viel Zuspruch hat die Hagenbeck’sche Menagerie und das von demselben 
Unternehmer sehr geschickt inscenirte Eismeer-Panorama mit lebenden Eisbären, Walrossen etc. An anderer 
Unterhaltung fehlt es ferner nicht; da ist en American-Theater, ein Arabisches Labyrinth, dann das 
ausgedehnte Musik-Etablissement von Emil Schippanowsky in einem palastartigen Gebäude, und auch aus 


den vielen Restaurants singt und klingt es uns entgegen in allen Instrumenten und Musikweisen. Hoch 


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Windmühle und fischerhäuschen — Alt-Berlin. 


Nach einer Original-Aufnahme von Ottomar Anschütz. 


und lustig geht's hier zumal Abends zu, und lange, lange währt es, bis die letzten Gäste die Schritte 
heimwärts lenken und das weite Gelände von nächtlicher Ruhe umfangen wird, bis die ersten Sonnenstrahlen 


die Ausstellung zu neuem und arbeitreichem Leben erwecken! 


Gedruckt bei Julius Sittenfeld in Berlin W. 


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GETTY RESEARCH INSTITUTE 


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